Das Glioblastom ist die häufigste und aggressivste Form von Hirntumoren bei Erwachsenen. Es entsteht aus Gliazellen, den Stützzellen des Gehirns, und zeichnet sich durch schnelles Wachstum und Infiltration des umliegenden Gewebes aus. Obwohl die Ursachen weitgehend unbekannt sind, gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die darauf abzielen, das Tumorwachstum zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Was ist ein Glioblastom?
Ein Glioblastom, auch Astrozytom Grad IV oder Glioblastoma multiforme genannt, ist ein bösartiger Tumor des Hirngewebes. Es handelt sich um den häufigsten aggressiven primären Hirntumor bei Erwachsenen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 55 und 65 Jahren, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Das Glioblastom gehört zur Gruppe der Gliome und entsteht aus Astrozyten, einer Art von Gliazellen. Diese Tumoren wachsen schnell, bilden eigene Blutgefäße und infiltrieren das umliegende Hirngewebe, was zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Gehirnfunktion führen kann.
Formen des Glioblastoms
Es werden hauptsächlich zwei Formen des Glioblastoms unterschieden:
- Primäres Glioblastom (IDH-Wildtyp): Diese Form tritt bei etwa 90 % der Patienten auf, entwickelt sich ohne Vorläufer und wächst sehr aggressiv.
- Sekundäres Glioblastom: Diese Form wird heute als Astrozytom, IDH-mutiert, WHO-Grad 4 bezeichnet. Es entsteht meist aus einem niedriggradigen Astrozytom, betrifft eher jüngere Menschen und hat eine etwas günstigere Prognose.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige bekannte Risikofaktoren, die das Risiko erhöhen können:
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 56 Jahren.
- Strahlenexposition: Menschen, die ionisierender Strahlung ausgesetzt waren, z. B. durch Röntgen oder Strahlentherapie, haben ein erhöhtes Risiko für einen Hirntumor. Eine frühere Bestrahlung des Kopfes ist ein gesicherter Risikofaktor.
- Genetische Faktoren: In seltenen Fällen können Genmutationen im Zusammenhang mit Glioblastomen identifiziert werden. Einige seltene Erbkrankheiten wie das Li-Fraumeni-Syndrom oder das Turcot-Syndrom können ebenfalls das Risiko erhöhen. Allerdings spielt familiäre Vererbung als Glioblastom-Ursache nach Ansicht der Fachleute praktisch keine Rolle.
- Radiofrequenzstrahlung: Ein möglicher Einfluss von Radiofrequenzstrahlung durch mobile Telefone und Mobilfunknetze wird immer wieder einmal diskutiert, bislang gibt es dafür aber keine eindeutigen Belege.
Es ist wichtig zu betonen, dass die meisten Glioblastome spontan und ohne erkennbare Auslöser auftreten. Betroffene trifft keine Schuld, und es gibt derzeit keine sicheren Möglichkeiten, der Entstehung eines Glioblastoms vorzubeugen.
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Symptome
Die Symptome eines Glioblastoms können vielfältig sein und hängen von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Oft wächst ein Glioblastom über lange Zeit unbemerkt, bis es plötzlich Symptome verursacht, die sich innerhalb kurzer Zeit verschlimmern. Da diese Hirntumoren schnell wachsen, verursacht der Druck auf das Gehirn meist die ersten Symptome. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Kopfschmerzen: Häufige und starke Kopfschmerzen, die vor allem nachts und morgens auftreten und sich im Laufe des Tages bessern können.
- Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere morgendliche Übelkeit und Erbrechen können auf einen erhöhten Hirndruck hindeuten.
- Neurologische Ausfälle: Je nach betroffener Hirnregion können Lähmungen, Empfindungsstörungen, Seh- oder Sprachstörungen auftreten.
- Epileptische Anfälle: Neu auftretende epileptische Anfälle können ein erstes Anzeichen für einen Hirntumor sein.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, mangelnde Aufmerksamkeit und Denkstörungen können auftreten.
- Persönlichkeitsveränderungen: Reizbarkeit, Teilnahmslosigkeit, Depressionen, Aggressivität, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit oder Desorientierung können Anzeichen für ein Glioblastom sein.
- Allgemeine Symptome: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindelgefühle, Gleichgewichtsstörungen, Benommenheit und Ohnmacht können ebenfalls auftreten.
Es ist wichtig, diese Symptome ernst zu nehmen und schnellstmöglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Ursache abzuklären.
Diagnose
Die Diagnose eines Glioblastoms erfordert eine umfassende neurologische Untersuchung und den Einsatz bildgebender Verfahren. Zu den wichtigsten diagnostischen Schritten gehören:
- Anamnese und neurologische Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und führt eine gründliche neurologische Untersuchung durch, um neurologische Ausfälle festzustellen. Dabei werden Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe überprüft. Auch neuropsychologische Tests können durchgeführt werden, um kognitive Fähigkeiten zu beurteilen.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das Standardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Sie ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Tumors, seiner Lage und Ausdehnung.
- Computertomographie (CT): Die CT kann als Alternative zur MRT eingesetzt werden, insbesondere in Notfallsituationen oder wenn eine MRT nicht möglich ist.
- Magnetresonanzspektroskopie (MRS): Die MRS dient dazu, den Stoffwechsel im erkrankten Hirngewebe zu untersuchen und Glioblastome von anderen Tumorarten zu unterscheiden.
- Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Das PET-Verfahren macht Bereiche des Gehirns mit einer erhöhten Stoffwechselrate sichtbar, was bei der Therapieplanung und Identifizierung geeigneter Biopsie-Orte hilfreich sein kann.
- Biopsie: Die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) ist erforderlich, um die Diagnose eines Glioblastoms endgültig zu sichern. Die Gewebeprobe wird im Labor mikroskopisch und molekularpathologisch untersucht, um die Art der Zellen, den WHO-Grad sowie wichtige genetische Marker (z. B. IDH-Status, MGMT-Promotor-Methylierung) zu bestimmen.
Behandlung
Die Behandlung eines Glioblastoms ist komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Ziel der Behandlung ist es, das Tumorwachstum zu verlangsamen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Da Glioblastome in der Regel nicht heilbar sind, konzentriert sich die Behandlung auf die Verlängerung der Überlebenszeit und die Erhaltung einer möglichst hohen Lebensqualität. Die Standardtherapie umfasst:
- Operation: Die operative Entfernung des Tumors (Resektion) ist, sofern möglich, der erste Schritt der Behandlung. Ziel ist es, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne das umliegende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Da Glioblastome jedoch diffus in das Hirngewebe einwachsen, ist eine vollständige Entfernung in der Regel nicht möglich.
- Strahlentherapie: Nach der Operation folgt in der Regel eine Strahlentherapie, um verbliebene Tumorzellen abzutöten. Dabei wird das Gewebe im Umfeld des entnommenen Tumors millimetergenau mit hochenergetischer Röntgenstrahlung bestrahlt. Moderne Strahlentherapie zielt darauf ab, krankes Gewebe zu zerstören und gesundes Gewebe zu schonen.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie wird in der Regel in Kombination mit der Strahlentherapie eingesetzt. Dabei werden Wirkstoffe (Zytostatika) eingesetzt, die das Wachstum der Krebszellen hemmen. Temozolomid ist das Standard-Therapeutikum in der Glioblastom-Chemotherapie. Die Chemotherapie kann auch nach dem Stupp-Schema erfolgen, bei dem Strahlentherapie und Chemotherapie gleichzeitig begonnen werden.
- Tumor Treating Fields (TTF): TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. Über Klebepads auf der Kopfhaut wird ein elektrisches Feld erzeugt. TTF werden meist mit Chemotherapie kombiniert und können nach der Strahlentherapie angewendet werden.
- Weitere Therapieansätze: In bestimmten Fällen können weitere Therapieansätze wie Immuntherapien oder gezielte Therapien infrage kommen, insbesondere im Rahmen von klinischen Studien.
Zusätzlich zur spezifischen Tumortherapie ist eine supportive Therapie wichtig, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise Medikamente gegen Übelkeit, Schmerzen oder epileptische Anfälle, sowie physiotherapeutische, ergotherapeutische und psychoonkologische Unterstützung.
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Behandlung des Rezidivs
Trotz erfolgreicher Erstbehandlung kommt es in den meisten Fällen zu einem erneuten Auftreten des Tumors (Rezidiv). Die Behandlung des Rezidivs hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Lage und Größe des Tumors, dem Allgemeinzustand des Patienten und den bisherigen Therapien. Mögliche Behandlungsoptionen sind eine erneute Operation, eine Strahlentherapie, eine Chemotherapie mit anderen Wirkstoffen oder die Teilnahme an klinischen Studien. Auch eine rein palliative Versorgung mit optimaler Symptomkontrolle kann in bestimmten Fällen eine sinnvolle Option sein.
Prognose und Lebenserwartung
Die Prognose bei einem Glioblastom ist trotz aller Fortschritte in der Behandlung nach wie vor schlecht. Da der Tumor in der Regel nicht vollständig entfernt werden kann und eine hohe Neigung zum Rezidiv hat, ist eine Heilung derzeit nicht möglich. Ohne Therapie beträgt die mittlere Lebenserwartung etwa drei Monate. Mit bestmöglicher Therapie lässt sich diese Spanne auf bis zu zwei Jahre ausdehnen. Nur etwa 10 Prozent der Menschen mit Glioblastom überleben fünf Jahre und länger.
Verschiedene Faktoren können die Prognose beeinflussen:
- Alter: Jüngere Patienten haben in der Regel eine bessere Prognose als ältere.
- Allgemeinzustand: Ein guter Allgemeinzustand wirkt sich positiv auf die Lebenserwartung aus.
- Ausmaß der Resektion: Je vollständiger der Tumor entfernt werden kann, desto besser sind die Aussichten.
- MGMT-Promotor-Methylierung: Das Vorliegen einer MGMT-Promotor-Methylierung kann die Wirksamkeit der Chemotherapie verbessern.
- Neurologische Ausfälle: Das Fehlen von neurologischen Ausfällen nach der Operation wirkt sich positiv aus.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Prognose individuell sehr unterschiedlich sein kann und von vielen Faktoren abhängt.
Leben mit einem Glioblastom
Die Diagnose eines Glioblastoms stellt für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Herausforderung dar. Neben der medizinischen Behandlung ist eine umfassende Unterstützung und Begleitung wichtig, um die Lebensqualität zu erhalten und mit den Belastungen der Erkrankung umzugehen. Dazu gehören:
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- Psychoonkologische Betreuung: Eine psychoonkologische Beratung kann helfen, Ängste, Depressionen und andere psychische Belastungen zu bewältigen.
- Physio- und Ergotherapie: Diese Therapien können helfen, körperliche Funktionen zu erhalten oder wiederherzustellen.
- Palliativmedizin: Die Palliativmedizin konzentriert sich auf die Linderung von Symptomen und die Verbesserung der Lebensqualität von Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann eine wertvolle Unterstützung bieten.
- Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV): Für Menschen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen und begrenzter Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen, bieten die gesetzlichen Krankenkassen eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung an.
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