Einleitung:Die Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, ist eine durch Bakterien des Stammes Borrelia verursachte Infektionskrankheit, die durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen wird. Ein frühes und oft deutliches Anzeichen für eine solche Infektion ist das Erythema migrans, auch bekannt als Wanderröte. Obwohl diese Rötung typischerweise mit Zeckenstichen in Verbindung gebracht wird, kann sie in seltenen Fällen auch nach Stichen anderer blutsaugender Insekten wie Bremsen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Erythema migrans und der Borreliose, insbesondere im Kontext von Insektenstichen.
Was ist Erythema migrans?
Das Erythema migrans ist eine ringförmige Hautrötung, die sich um die Einstichstelle eines Insekts bildet und ausbreitet. Sie ist ein frühes Symptom der Borreliose und tritt typischerweise drei bis 30 Tage nach dem Stich auf. Die Rötung ist mindestens fünf Zentimeter groß und kann sich über mehrere Tage oder Wochen vergrößern. Oftmals ist die Mitte der Rötung blasser, was ihr ein zielscheibenartiges Aussehen verleiht.
Unterscheidung von anderen Hautreaktionen
Es ist wichtig, das Erythema migrans von anderen Hautreaktionen zu unterscheiden, die nach Insektenstichen auftreten können. Eine normale Entzündungsreaktion auf einen Stich äußert sich meist durch eine kleinere, juckende Rötung, die innerhalb weniger Tage abklingt. Im Gegensatz dazu tritt die Wanderröte erst einige Tage bis Wochen nach dem Stich auf und breitet sich langsam aus.
Ursachen des Erythema migrans
Die Hauptursache für das Erythema migrans ist die Infektion mit Borrelia-Bakterien, die durch Zeckenstiche übertragen werden. In seltenen Fällen können auch andere blutsaugende Insekten wie Bremsen Borrelien übertragen. Die Bakterien gelangen durch den Stich in die Haut und breiten sich von dort aus.
Borreliose durch Zeckenstiche
Zecken infizieren sich, indem sie Blut von infizierten Tieren saugen. Die Bakterien vermehren sich im Darm der Zecke und können bei einem Stich auf den Menschen übertragen werden. Da die Übertragung der Borrelien in der Regel erst nach etwa 12 Stunden beginnt, ist das schnelle Entfernen der Zecke ein wirksamer Schutz vor einer Infektion.
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Borreliose durch Bremsenstiche
Obwohl seltener, können auch Bremsen Borrelien übertragen. Die Wanderröte kann auch einige Wochen nach einem Bremsenstich auftreten. Bremsenstiche sind oft schmerzhaft und verursachen juckende Quaddeln, während die Wanderröte in der Regel nicht juckt oder schmerzt.
Symptome der Borreliose
Die Borreliose kann in verschiedenen Stadien verlaufen, wobei jedes Stadium unterschiedliche Symptome aufweist.
Frühes Stadium: Lokale Hautinfektion
Das Erythema migrans ist das häufigste Symptom im frühen Stadium der Borreliose. Es tritt bei etwa 80 bis 90 Prozent der Infizierten auf. In seltenen Fällen kann sich auch ein sogenanntes Borrelien-Lymphozytom bilden, ein rot-bläuliches Knötchen am Ohrläppchen, an der Brustwarze oder im Genitalbereich.
Frühes Stadium: Ausbreitung im Körper
Wird die Borreliose nicht behandelt, können sich die Bakterien über die Blutbahn im Körper ausbreiten und verschiedene Organe befallen. Dies kann zu Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und Müdigkeit führen. In einigen Fällen kann es auch zu einer Hirnhautentzündung, Gesichtslähmung oder Herzproblemen kommen.
Spätphase
Wird die Borreliose nicht oder nicht richtig behandelt, können langfristige Symptome auftreten. Dazu gehören Hautveränderungen (Acrodermatitis chronica atrophicans), chronische Gelenkentzündungen (Lyme-Arthritis) und neurologische Probleme.
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Diagnose der Borreliose
Die Diagnose der Borreliose basiert in erster Linie auf den klinischen Symptomen, insbesondere dem Erythema migrans. Eine Blutuntersuchung kann helfen, die Diagnose zu bestätigen, ist aber nicht immer notwendig.
Körperliche Untersuchung
Bei einer typischen Wanderröte ist oft keine weitere Untersuchung erforderlich. Der Arzt wird die Hautveränderung beurteilen und nach weiteren Symptomen fragen. Es ist wichtig, den Arzt über einen vorangegangenen Insektenstich zu informieren, auch wenn dieser schon länger zurückliegt.
Blutuntersuchung
Wenn der Verdacht auf Borreliose besteht, aber keine typische Wanderröte vorhanden ist, kann eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Borrelien durchgeführt werden. Es ist wichtig zu beachten, dass Antikörper erst einige Wochen nach der Infektion nachweisbar sind. Daher kann ein negatives Ergebnis in der Frühphase der Infektion falsch negativ sein.
Weitere Untersuchungen
In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um die Diagnose zu bestätigen oder andere Erkrankungen auszuschließen. Dazu gehören beispielsweise eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) bei Verdacht auf eine Neuroborreliose oder eine Biopsie der Haut bei Verdacht auf Acrodermatitis chronica atrophicans.
Behandlung der Borreliose
Die Borreliose wird in allen Stadien mit Antibiotika behandelt. Die Wahl des Antibiotikums und die Dauer der Behandlung hängen vom Stadium der Erkrankung und den individuellen Umständen des Patienten ab.
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Antibiotika-Therapie
Die am häufigsten verwendeten Antibiotika zur Behandlung der Borreliose sind Doxycyclin und Amoxicillin. Doxycyclin ist in der Regel die erste Wahl für Erwachsene und Kinder über neun Jahren, während Amoxicillin häufig bei Kindern und Schwangeren eingesetzt wird. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen.
Behandlung bei Spätfolgen
Auch bei Spätfolgen der Borreliose, wie der Lyme-Arthritis oder der Neuroborreliose, werden Antibiotika eingesetzt. In einigen Fällen kann eine längere Behandlungsdauer erforderlich sein.
Vorbeugung von Borreliose
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko einer Borreliose zu verringern.
Schutz vor Insektenstichen
Der beste Schutz vor Borreliose ist die Vermeidung von Insektenstichen. Dazu gehören folgende Maßnahmen:
- Tragen von langer Kleidung und geschlossenen Schuhen bei Aufenthalten im Freien
- Verwendung von Insektenabwehrmitteln (Repellentien)
- Absuchen des Körpers nach Zecken nach Aufenthalten im Freien
- Entfernung von Zecken so schnell wie möglich
Richtige Entfernung von Zecken
Zecken sollten so schnell wie möglich entfernt werden, um das Risiko einer Borreliose-Übertragung zu verringern. Dazu eignet sich am besten eine Pinzette oder eine Zeckenkarte. Die Zecke sollte möglichst nah an der Haut gefasst und langsam und gerade herausgezogen werden. Es ist wichtig, die Zecke nicht zu quetschen oder mit Öl oder Klebstoff zu behandeln, da dies das Risiko einer Erregerübertragung erhöhen kann.
Keine Impfung gegen Borreliose
Im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gibt es keine Impfung gegen Borreliose. Daher ist ein aufmerksamer Schutz vor Insektenstichen besonders wichtig.
Bremsenstich und Wanderröte
Obwohl die Wanderröte typischerweise nach einem Zeckenstich auftritt, kann sie in seltenen Fällen auch nach einem Bremsenstich auftreten. Es ist wichtig, die Einstichstelle einige Wochen zu beobachten und bei Auftreten einer Wanderröte einen Arzt aufzusuchen.
Symptome nach Bremsenstich
Ein Bremsenstich verursacht in der Regel starken Juckreiz, rote Quaddeln und Schmerzen. Die Wanderröte hingegen juckt und schmerzt in der Regel nicht. Wenn nach einem Bremsenstich eine Wanderröte auftritt, sollte dies als Warnsignal für eine mögliche Borreliose-Infektion gewertet werden.
Verhalten bei Wanderröte nach Bremsenstich
Wenn nach einem Bremsenstich eine Wanderröte auftritt, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Der Arzt kann die Diagnose stellen und eine geeignete Behandlung einleiten. In der Regel wird eine mehrwöchige Therapie mit einem Antibiotikum verschrieben.
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