Bandscheibenvorfall: Taubheit, Kribbeln und Muskelschmerzen – Symptome und Behandlung

Ein Bandscheibenvorfall kann vielfältige Symptome verursachen, darunter Taubheit, Kribbeln und Muskelschmerzen. Diese Beschwerden entstehen, wenn der Gallertkern der Bandscheibe austritt und auf Nervenwurzeln oder das Rückenmark drückt. Die Symptome variieren je nach betroffenem Bereich der Wirbelsäule und dem Ausmaß der Nervenkompression.

Die Ursachen für Taubheit können vielfältig sein, aber auch ein Bandscheibenvorfall kann eine Rolle spielen. Daher ist es wichtig, dieses Symptom frühzeitig von einem erfahrenen Orthopäden abklären zu lassen. Bei Lumedis in Frankfurt stehen Ihnen konservative Wirbelsäulenspezialisten wie Dr. Bela Braag und Dr. Goncalves zur Verfügung.

Ursachen und Entstehung eines Bandscheibenvorfalls

Unsere Bandscheiben dienen als Puffer zwischen den einzelnen Wirbeln, damit diese nicht direkt aufeinander reiben. Sie bestehen aus einem weichen Gallertkern und einem festen Faserring. Bei einem Bandscheibenvorfall ist der Faserring der Bandscheibe rissig, wodurch der Gallertkern in Richtung Wirbelkanal austreten kann. Dieser Druck kann Schmerzen verursachen, die bis in die Arme und Beine ausstrahlen. Bei stärkerer Ausprägung kommen weitere Symptome wie Kribbeln, Taubheit und Lähmungen hinzu.

Die häufigste Ursache für einen Bandscheibenvorfall ist Verschleiß. Mit der Zeit sinkt der Wassergehalt im Körper und somit die Elastizität der Bandscheibe. Der äußere Faserring, der ihre Position fixiert, bekommt kleine Risse und der Kern kann austreten. Fehlstellungen und Überlastung können ebenfalls eine Rolle spielen.

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls variieren je nach Lage und Schweregrad. Häufig treten Rückenschmerzen auf, die bis in Arme oder Beine ausstrahlen können. Die Patienten klagen über einen plötzlich einschießenden Schmerz im unteren Rücken, der bis ins Bein ausstrahlen kann. Die Beschwerden sind zum Teil unerträglich und können durch Husten oder Niesen noch verstärkt werden. Oftmals haben die Betroffenen ein kribbeliges oder taubes Empfinden in den Extremitäten. Auch können einzelne Muskeln geschwächt oder gar gelähmt werden.

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  • Taubheit: Ein Gefühl der Taubheit im Bein ist ein typischer Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule. Je nach Lokalisationshöhe können auch hier an unterschiedlichen Stellen im Bein Taubheitsgefühle entstehen.

  • Kribbeln: Viele Betroffene haben ein kribbeliges (so genanntes Ameisenlaufen) Empfinden in den Extremitäten.

  • Muskelschwäche: Bei Druck der Bandscheibe gegen das Rückenmark (Vorfall im Bereich der HWS) kann es zu Schmerzen in den Armen und Muskelschwäche in Armen und Beinen gleichzeitig kommen.

  • Schmerzen: Wenn die Bandscheibe aus dem Faserring herausgepresst wird und auf eine Nervenwurzel drückt, klagen die Patienten häufig über starke Schmerzen, die bis in die Arme (Vorfall im Bereich der Halswirbelsäule) und/oder Beine (Vorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule) ausstrahlen können.

Es ist auch möglich, einen Bandscheibenvorfall ohne Schmerzen, aber mit Taubheit zu haben. Dies kann vorkommen, wenn im Vorfeld bereits Schmerzen bestanden oder wenn ein Nerv direkt vor Ort geschädigt wurde.

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Bandscheibenvorfall in verschiedenen Bereichen der Wirbelsäule

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls sind oft unspezifisch und verlaufen meist schleichend. Je nach betroffenem Bereich der Wirbelsäule können unterschiedliche Symptome auftreten:

Halswirbelsäule (HWS)

Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS) kann Nacken- und Rückenschmerzen verursachen, die in die Arme oder Schultern ausstrahlen. Hinweise auf einen Bandscheibenvorfall wären hier beispielsweise das Auftreten der Taubheit in bestimmten Hautarealen, wie an der Innenseite des Unterarms, sowie begleitende Schmerzen. Je nach Lokalisation des Bandscheibenvorfalls können entsprechend verschiedene Nerven geschädigt werden, die für die Versorgung unterschiedlicher Bereiche im Arm verantwortlich sind. Im Bereich der Schulter bilden die aus dem Rückenmark ziehenden Spinalnerven ein Nervengeflecht, den sogenannten Plexus brachialis. Hieraus gehen verschiedene Nerven hervor, die mit einem Taubheitsgefühl in entsprechend typischen Bereichen am Arm oder der Hand einhergehen. So führt beispielsweise eine Schädigung der HWS-Segmente, aus denen der Medianuanerv hervorgeht, zu einer Taubheit, die vorwiegend am Unterarm und an Teilbereichen der Finger auftritt. Eine Schädigung der entsprechenden Segmente für den Radialisnerv führen wiederum zum Auftreten von Taubheit an der Speiche und dem Daumen. Bei einem Bandscheibenvorfall der HWS kommt es häufig auch zu Schmerzen im Bereich des Nackens.

Es ist wichtig zu beachten, dass eine Taubheit an der Lippe nicht durch einen Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS) verursacht wird. Ein Bandscheibenvorfall in der HWS betrifft in der Regel Nervenwurzeln, die für die Innervation der Arme, Schultern und oberen Brustregion zuständig sind.

Lendenwirbelsäule (LWS)

Die lumbale Diskushernie tritt mit 90 % am häufigsten auf. Grund ist die starke Belastung der unteren Wirbel, welche das gesamte Gewicht der Wirbelsäule tragen.

Bei einem Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule (LWS) treten typischerweise stechende Schmerzen auf, die auf den Rücken begrenzt sein können oder bis in die Beine und Füße ausstrahlen. Ein Taubheitsgefühl am Schienbein kann auf einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) hindeuten. Das Taubheitsgefühl am Schienbein könnte beispielsweise durch eine Kompression der L4- oder L5-Nervenwurzel (Bandscheibenvorfall L4/5 oder L5/S1) verursacht werden.

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Brustwirbelsäule (BWS)

Ein Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule ist im Vergleich zur Hals- oder Lendenwirbelsäule eher selten und geht häufig mit einer Blockade der kleinen Wirbelgelenke einher. Die Schmerzen sind lokal auf die Brustwirbelsäule beschränkt oder strahlen im Rippenverlauf gürtelförmig aus.

Diagnose eines Bandscheibenvorfalls

Die Diagnose besteht in der Regel aus drei Teilen: dem Vorgespräch, der sogenannten Anamnese, einer körperlichen Untersuchung sowie zuletzt einem bildgebenden Verfahren.

Im Rahmen des Vorgesprächs nimmt der Facharzt eine ausführliche Anamnese vor, indem der Patient seine Beschwerden bestmöglich schildert. Im Anschluss folgt die eigentliche Untersuchung durch den Arzt. Hierzu dienen bestimmte Sensibilitäts- und Motoriktests, welche die Nervenfunktion prüfen und Auffälligkeiten sichtbar machen. Für eine Befundung zieht der Arzt Schnittbildverfahren mittels Computertomografie (CT) hinzu.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Therapien und Behandlungsmöglichkeiten bei einem Bandscheibenvorfall mit Rückenschmerzen oder anderen Beschwerden. In etwa 85 bis 90 % der Fälle ist der Körper in der Lage, den Diskusprolaps selbstständig zurückzubilden.

Konservative Behandlung

"Ausgangspunkt in einer Vielzahl der Fälle ist die konservative Behandlung. Zielsetzung dieser Therapieform ist es, den körpereigenen Abheilungsprozess möglichst schmerzfrei zu gestalten. Dies gelingt zum Beispiel über eine um Schmerzmittel ergänzte Bettruhe mit einer Stufenlagerung der Beine."

  • Schmerzmittel: Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente sowie Muskel-Relaxanzien sollen die Schmerzen lindern und die Muskeln entspannen.

  • Physiotherapie: Eine Kräftigung der Muskulatur kann in vielen Fällen helfen, allerdings sind für ein ausgewogenes Training auch gezielte Dehnübungen notwendig. Regelmäßige Bewegung und gezielte Übungen wie die Liebscher & Bracht Übungen können dabei helfen, die Mobilität zu fördern und das Wohlbefinden zu steigern.

  • Weitere Maßnahmen: Thermotherapie kann eine sinnvolle Ergänzung zur konservativen Behandlung von Bandscheibenbeschwerden sein. Dabei ist es ratsam, sich vor der Behandlung ärztlich beraten zu lassen und die individuellen Voraussetzungen zu berücksichtigen.

Operative Behandlung

Bleiben die Schmerzen trotz der konservativen Behandlung bestehen oder verschlimmern sich sogar, ist ein operativer Eingriff sinnvoll. Unvermeidbar ist eine Operation dann, wenn es durch den Bandscheibenvorfall zu Problemen des Genitalbereichs oder Stuhlgangs, Lähmungen, Potenzverlust oder hochgradigen Einschränkungen der Gehfähigkeit kommt.

"Bei der mikroneurochirurgischen Operation wird unter Vollnarkose das Bandscheibengewebe entfernt, das auf das Rückenmark bzw. die Nervenstränge drückt. Dafür ist ein kleiner Schnitt von zwei bis maximal vier Zentimetern Länge notwendig. Im Bereich der Lendenwirbelsäule führen wir den Eingriff in den meisten Fällen von hinten, im Bereich der Halswirbelsäule von vorn durch."

Dauer der Taubheit nach einem Bandscheibenvorfall

Über die Dauer der Taubheit bei einem Bandscheibenvorfall kann nur schwer eine allgemeine Aussage getroffen werden. Die Dauer der Taubheit nach einem Bandscheibenvorfall kann stark variieren und hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Schwere des Vorfalls, der betroffenen Nervenwurzel und der Behandlung, die der Patient erhält.

Bei einem leichten Bandscheibenvorfall, der nur eine geringe Kompression der Nervenwurzel verursacht, kann die Taubheit nach einigen Tagen bis Wochen nachlassen. In schwereren Fällen, bei denen die Nervenwurzel stärker komprimiert wird, kann die Taubheit über Monate anhalten, vor allem aber kommt es auf die Ausprägung der Schädigung des oder der Spinalnerven aus dem Rückenmark an.

Eine frühzeitige und adäquate Behandlung kann den Heilungsprozess beschleunigen. Nerven haben eine begrenzte Fähigkeit zur Regeneration, und je nach Dauer und Ausmaß der Kompression kann es unterschiedlich lange dauern, bis die Funktion vollständig wiederhergestellt ist.

Vorbeugung eines Bandscheibenvorfalls

Einem Bandscheibenvorfall können Sie mit verschiedenen Maßnahmen effektiv vorbeugen:

  • Übergewicht abbauen: Übergewicht ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor, wenn es um das Vorbeugen eines Diskusprolaps geht. Das überschüssige Gewicht strapaziert Rücken und Wirbelkörper zusätzlich.

  • Aktivitätslevel erhöhen: Ein aktiver Lebensstil ist für gesunde Bandscheiben essenziell. Durch das aktive Stimulieren der Rückenmuskulatur wird die Wirbelsäule besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt.

  • Muskulatur aufbauen: Eine gut ausgebaute Rückenmuskulatur ist erwiesenermaßen eine der besten Maßnahmen, um einer Diskushernie vorzubeugen.

  • Körperhaltung verbessern: Achten Sie auf Ihre Körperhaltung und stellen Sie, wenn nötig, den Sitz im Vergleich zum Lenker oder Lenkrad etwas niedriger ein.

  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes.

  • Gesunder Schlaf: Häufig unterschätzt ist ebenfalls eine gute Matratze.

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