Multiple Sklerose (MS) stellt Betroffene im Berufsleben vor besondere Herausforderungen. Einschränkungen wie eingeschränkte Mobilität, ständige Erschöpfung (Fatigue) oder Schlafstörungen können den Arbeitsalltag erschweren. Doch ein erfülltes Berufsleben ist auch mit MS möglich. Dieser Artikel gibt Ihnen Informationen und Tipps zu verschiedenen Aspekten, die Ihnen helfen können, Ihren Bürojob mit MS erfolgreich zu meistern und Ihre Lebensqualität zu steigern. Dabei werden Themen wie Stressbewältigung, Fatigue-Management, Sport, kognitives Training, Blasenstörungen, Ernährung und die Offenlegung der Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber behandelt.
Stressbewältigung im Büroalltag
Stress ist ein häufiger Begleiter von Menschen mit MS. Der unvorhersehbare Verlauf der Erkrankung kann Unsicherheit und Ängste auslösen, während Symptome wie Schmerzen oder Gehstörungen die Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigen können. Es ist wichtig zu verstehen, dass Stress zwar nicht die Ursache von MS ist, aber den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen kann.
Tipps zur Stressbewältigung
Um Stress vorzubeugen und den Verlauf Ihrer MS positiv zu beeinflussen, können Sie folgende Tipps in Ihren Alltag integrieren:
- Umfassende Information: Eignen Sie sich umfassendes Wissen über MS an. Betroffene, die gut informiert sind, haben tendenziell weniger Schübe. Das Gefühl, einen persönlichen Handlungsspielraum zu haben, kann einen "Anti-Stress-Effekt" haben.
- Tages- und Wochenplan erstellen: Planen Sie Ihre Termine und Aufgaben detailliert und realistisch. Rechnen Sie Puffer und Pausen mit ein.
- Austausch mit anderen Betroffenen: Tauschen Sie sich mit anderen MS-Erkrankten in Foren oder Selbsthilfegruppen aus, um von deren Erfahrungen zu profitieren und sich gegenseitig zu unterstützen.
- Stressmanagement-Techniken: Erlernen Sie Stressmanagement-Techniken wie Zeitmanagement, Prioritätensetzung, Delegation von Aufgaben und das "Nein"-Sagen.
- Hilfe annehmen: Scheuen Sie sich nicht, Ihren Partner, Ihre Familie und Freunde um Unterstützung zu bitten. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann Ihnen helfen, belastende Denk- und Verhaltensmuster aufzudecken und persönliche Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
- Informationsflut stoppen: Gönnen Sie sich Auszeiten von Telefon, Radio, Fernsehen und Internet.
- Zeit für schöne Dinge nehmen: Planen Sie regelmäßig Zeit für Erholung und Aktivitäten ein, die Ihnen Freude bereiten.
- Tagebuch führen: Schreiben Sie Ihre Gedanken und Gefühle regelmäßig auf, um Ängste und belastende Erlebnisse zu bewältigen.
- Stressanzeichen beachten: Achten Sie auf Ihr Wohlbefinden und steuern Sie bei den ersten Anzeichen von Stress aktiv dagegen.
Fatigue-Management: Umgang mit Erschöpfung
Viele MS-Betroffene leiden unter dem Fatigue-Syndrom, einer bleiernen Müdigkeit und Erschöpfung schon nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung. Da es gegen Fatigue kein wirksames Medikament gibt, ist es wichtig, den Umgang mit der Erschöpfung zu erlernen und den Tagesablauf den persönlichen Bedürfnissen anzupassen.
Tipps zum Fatigue-Management
- Professionellen Rat einholen: Lassen Sie sich von Ihrem Arzt, Physiotherapeuten und MS-Fachberater beraten.
- Tagesablauf planen: Koordinieren Sie Ihre Aufgaben und beginnen Sie mit der schwersten oder unangenehmsten Aufgabe. Legen Sie regelmäßig Pausen ein.
- Regelmäßig bewegen: Sport und Bewegung verbessern Ihr Wohlbefinden, Ihre Stimmung und Leistungsfähigkeit.
- Hitze vermeiden: Hitze kann Fatigue verstärken. Halten Sie sich bei hohen Temperaturen in kühlen Räumen auf und vermeiden Sie Hochleistungssport.
- Ruhepausen einplanen: Integrieren Sie gezielt Pausen in den Alltag, um sich zu erholen und zu entspannen.
- Soziales Umfeld einweihen: Sprechen Sie offen über Ihre Erschöpfbarkeit, um Missverständnissen vorzubeugen.
- Wohn- und Arbeitsumfeld anpassen: Richten Sie Ihre Wohnung und Ihren Arbeitsplatz nach Ihren Bedürfnissen ein, um unnötige Anstrengungen zu vermeiden.
- Ausgewogen ernähren: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und verzichten Sie möglichst auf Alkohol und schwere Mahlzeiten.
Sport und Bewegung bei MS
Sport und Bewegung sind für Menschen mit MS von großem Nutzen. Sie können die Muskelkraft verbessern, das Gleichgewicht fördern und MS-Symptome wie Fatigue und Spastik lindern. Durch die Steigerung der Fitness können Betroffene ihre Mobilität und ihren Alltag besser bewältigen.
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Tipps für das Training
- Individuelles Trainingsprogramm: Arbeiten Sie mit einem Trainer oder Physiotherapeuten zusammen, der sich mit Sport bei MS auskennt, um ein individuelles Trainingsprogramm zu entwickeln.
- Schub beachten: Verzichten Sie während eines Schubes weitgehend auf körperliche Aktivitäten.
- Überanstrengung vermeiden: Beginnen Sie mit kleinen Trainingseinheiten und steigern Sie langsam Ihr Pensum. Bauen Sie Pausen ein.
- Wohlbefinden beachten: Achten Sie darauf, dass Sie sich während des Trainings wohlfühlen, und nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Symptome.
- Hitze vermeiden: Verzichten Sie bei Hitze auf Sport oder trainieren Sie in einem kühlen Raum.
- Kühle Dusche: Duschen Sie nach dem Training eher mit kühlem Wasser.
- Geeignete Sportarten: Moderate Ausdauertrainingsarten wie Nordic Walking, Radfahren und Schwimmen sind ideal für MS-Erkrankte. Meiden Sie Sportarten, die Sie nicht spontan abbrechen können.
- Sport-Tagebuch: Führen Sie ein Sport-Tagebuch, um die Ursache für tägliche Schwankungen bei der körperlichen Leistungsfähigkeit herauszufinden.
- Entspannung: Entspannen Sie sich nach dem Training.
Kognitives Training zur Verbesserung der Gedächtnisleistung
Kognitive Einschränkungen treten bei MS häufig auf. Kognitives Training kann Ihnen helfen, Ihre Konzentration zu steigern und Ihr Gedächtnis zu verbessern.
Tipps für das kognitive Training
- Regelmäßige Übungen: Integrieren Sie regelmäßige Übungen in Ihren Alltag, um Ihre grauen Zellen auf Trab zu bringen.
- Alltagsaktivitäten nutzen: Nutzen Sie Ihre Tätigkeiten im Alltag, um eigene Übungen zu entwickeln.
- Kurze Trainingseinheiten: Achten Sie auf kurze und regelmäßige Trainingseinheiten, um die Gedächtnisleistung besonders effektiv zu verbessern.
- Routinen: Schaffen Sie Routinen im Alltag.
- Ausreichend Schlaf: Schlafen Sie ausreichend, da Schlaf für die Bildung eines Langzeitgedächtnisses wichtig ist.
- Bewegung: Bewegen Sie sich ausreichend, da sich sportliche Aktivität positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt.
Umgang mit Blasenstörungen
Viele MS-Betroffene sind im Laufe ihres Lebens von Blasenstörungen betroffen. Dagegen können Sie etwas unternehmen.
Tipps bei Blasenstörungen
- Beckenbodentraining: Trainieren Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur, um die Funktion der Blase zu unterstützen.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich.
- Harntee vermeiden: Verzichten Sie auf Kaffee, schwarzen Tee oder Cola, da diese Getränke harntreibend sind.
- Flüssigkeitsmenge planen: Stellen Sie Ihre Tagesmenge an Flüssigkeit am besten schon morgens gut sichtbar bereit.
- Toilette vor Verlassen des Hauses: Gehen Sie noch einmal auf die Toilette, bevor Sie das Haus verlassen.
- Druck vermeiden: Vermeiden Sie einen verstärkten Druck bei der Entleerung des Darms.
- Hygienemaßnahmen: Achten Sie auf entsprechende Hygienemaßnahmen und Körperpflege.
- Neurologen ansprechen: Zögern Sie nicht, Ihren Neurologen auf mögliche Therapien anzusprechen.
Ernährung bei MS
Es gibt bei MS keine spezielle Diät, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Ernährung über die Darmflora den Krankheitsverlauf der MS beeinflussen kann.
Tipps für eine ausgewogene Ernährung
- Ballaststoffreiche Ernährung: Essen Sie ballaststoffreich, um die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren zu fördern.
- Omega-3-Fettsäuren: Nehmen Sie Omega-3-Fettsäuren zu sich, die in fettreichen Fischen, Lein- oder Rapsöl, Avocados, Walnüssen, Mandeln oder Chia-Samen enthalten sind.
- Tierische Fette reduzieren: Reduzieren Sie tierische Fette, da sie Entzündungen fördern können.
- Antioxidantien: Nehmen Sie ausreichend Antioxidantien zu sich, die in Obst und Gemüse vorkommen.
- Vitamin D: Achten Sie auf eine ausreichende Vitamin D-Versorgung.
Mentale Gesundheit und Resilienz im Berufsleben
Mentale Gesundheit und Resilienz sind für MS-Betroffene im Berufsleben besonders wichtig. Die Balance zwischen beruflichen Anforderungen und der eigenen Gesundheit ist entscheidend für langfristigen Erfolg und Zufriedenheit.
Tipps zur Pflege der mentalen Gesundheit
- Zeitmanagement: Setzen Sie auf Struktur und klare Arbeitsabläufe, um den Überblick zu behalten. Planen Sie Puffer für Pausen und unvorhergesehene Erschöpfungsphasen ein.
- Anpassungsfähigkeit: Entwickeln Sie Backup-Pläne für kritische Aufgaben, um flexibel auf unerwartete Herausforderungen reagieren zu können.
- Pausen einhalten: Nehmen Sie sich bewusst Pausen, auch wenn das Arbeitspensum hoch ist.
- Achtsamkeitsübungen: Praktizieren Sie Achtsamkeitsübungen, um den Kopf freizubekommen.
- Sport und Bewegung: Integrieren Sie regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag.
- Rückzugsorte schaffen: Schaffen Sie sich Rückzugsorte im Büro oder nutzen Sie kurze Spaziergänge in der Mittagspause.
Offenlegung der MS-Diagnose am Arbeitsplatz
Die Entscheidung, ob Sie Ihrem Arbeitgeber von Ihrer MS-Diagnose erzählen, ist eine persönliche Entscheidung mit Vor- und Nachteilen.
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Vorteile der Offenlegung
- Schaffung einer Umgebung, in der auf Ihre Bedürfnisse und Einschränkungen Rücksicht genommen werden kann.
- Möglichkeit, gemeinsam mit dem Arbeitgeber Lösungen zu finden, um Aufgaben und Arbeitsumfeld an die MS anzupassen.
Nachteile der Offenlegung
- Mögliche Vorurteile oder Bedenken seitens der Kolleg*innen oder Vorgesetzten.
Tipps für ein Gespräch mit dem Arbeitgeber
- Ziele definieren: Überlegen Sie sich vorab, welche beruflichen Anpassungen langfristig hilfreich wären.
- Gesprächsrahmen festlegen: Wählen Sie den passenden Zeitpunkt und Rahmen für ein offenes und ungestörtes Gespräch.
- Langfristige Planung: Befassen Sie sich langfristig mit der Möglichkeit, dass Arbeitsweisen oder Arbeitsmodelle geändert werden müssen.
Rechte und Unterstützung für MS-Betroffene im Berufsleben
MS-Betroffene haben im Berufsleben bestimmte Rechte und Anspruch auf Unterstützung.
Schwerbehindertenausweis
Ein Schwerbehindertenausweis wird ausgestellt, wenn der Grad der Behinderung mindestens 50 beträgt. Dieser Ausweis ist Voraussetzung, um behinderungsbedingte Nachteilsausgleiche zu bekommen, wie z.B. zusätzlichen Urlaub oder Steuervergünstigungen. Schwerbehinderte genießen einen besonderen Kündigungsschutz.
Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen
Wenn gesundheitliche Faktoren die Berufsausübung erschweren, können Sie bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen stellen.
Maßnahmen der beruflichen Teilhabe
Erschweren gesundheitliche Faktoren die Berufsausübung, können Maßnahmen der beruflichen Teilhabe in Anspruch genommen werden, um die Probleme zu beseitigen oder zu verbessern.
Mitteilungspflicht gegenüber dem Arbeitgeber
Von sich aus müssen Sie weder eine chronische Krankheit noch eine festgestellte Schwerbehinderung mitteilen. Fragt der Arbeitgeber gezielt danach, sind Sie verpflichtet, Ihre Erkrankung oder Behinderung zu erwähnen, jedoch nur sofern diese sich negativ auf das konkrete Arbeitsverhältnis auswirkt.
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Schwerbehindertenvertretung
Die Schwerbehindertenvertretung ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung im Betrieb.
Arbeiten im Homeoffice mit MS
Das Arbeiten im Homeoffice kann für MS-Betroffene viele Vorteile bieten, da es den Arbeitsalltag flexibler gestaltet und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann.
Vorteile des Homeoffice
- Flexiblere Arbeitszeiten
- Weniger Belastung durch den Arbeitsweg
- Bessere Integration von Ruhepausen und physiotherapeutischen Terminen
- Infektionsschutz
Herausforderungen im Homeoffice
- Schwierigkeiten, Arbeit und Privatleben zu trennen
- Soziale Isolation
- Ablenkungen im häuslichen Umfeld
Tipps für ein erfolgreiches Homeoffice
- Schaffen Sie einen festen Arbeitsplatz
- Setzen Sie klare Arbeitszeiten und Routinen
- Nehmen Sie regelmäßig Pausen
- Sorgen Sie für eine ausgewogene Ernährung
- Integrieren Sie Bewegung in Ihren Alltag
- Pflegen Sie den Kontakt zu Ihren Kollegen