Capsaicin-Salbe bei Polyneuropathie: Anwendung, Wirkung und Wirksamkeit

Capsaicin, ein natürlich vorkommender Stoff, der in Paprika und insbesondere in Chili vorkommt, wird in der Medizin häufig als Schmerzmittel eingesetzt. Das Frankfurter Lumedis Team verfügt über jahrelange Erfahrung in der Therapie chronischer Schmerzen und bietet individuelle Beratung in der Praxis. Dr. Bela Braag, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Spezialist für komplexe orthopädische Erkrankungen bei Lumedis, hat diesen Artikel aktualisiert.

Was ist Capsaicin?

Capsaicin ist ein aus der Natur stammender Stoff, der beim Menschen und anderen Säugetieren ein Gefühl von Schärfe und Hitze hervorruft. Es findet sowohl in der Gastronomie als auch in der Medizin Verwendung und gehört zu den bekanntesten und schärfsten Stoffen weltweit. Als Therapeutikum wird es meist zur Bekämpfung von Symptomen, nicht aber der Ursache eingesetzt, weshalb es oft in Kombination mit anderen Maßnahmen empfohlen wird. Chemisch gesehen ist Capsaicin ein Alkaloid, genauer gesagt ein Fettsäureamid, das zur Vanilloid-Klasse gehört. Die chemische Struktur wurde 1919 aufgeklärt. Capsaicin ist relativ temperaturstabil und löst sich in Ethanol und Fetten, jedoch nicht in Wasser. Gewonnen wird der Scharfstoff vor allem aus Chili und Cayennepfeffer.

Anwendungsgebiete von Capsaicin

Capsaicin wird viel in der Orthopädie angewendet, da es sich günstig auf Erkrankungen des Bewegungsapparates auswirkt. Es wird als pharmazeutischer Wirkstoff in Form von Pflastern oder Salben gegen verschiedene Schmerzformen und Durchblutungsstörungen eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete sind:

  • Schmerzen durch Verspannungen
  • Sportverletzungen
  • Nervenschmerzen (Neuropathien)
  • Periphere rheumatische Schmerzen
  • Gelenkschmerzen (z.B. bei Arthrose)
  • Muskelverspannungen (Myopathien)

Bei rheumatischen Erkrankungen berichten Betroffene von einer Verbesserung der Beschwerden durch die Anwendung von Capsaicin in Salbenform auf den Gelenken. Auch bei anderen Gelenkschmerzen, z. B. bei Arthrose, ist Wärme von außen hilfreich und kann durch Capsaicin zugeführt werden. Hier eignet sich ebenfalls die Darreichungsform als Salbe oder, je nach Gelenk, als klebendes Pflaster. Letztere Anwendung ist besonders bei Gelenkproblemen des Rückens, der Wirbelsäule und des Nackens hilfreich.

Neuropathische Schmerzen sind Nervenschmerzen, die auf dem Boden einer anderen Grunderkrankung auftreten. Häufigste Ursache ist der Diabetes ("Zuckerkrankheit"), gefolgt von Nervenschmerzen nach Unfällen, Verletzungen oder Operationen. Capsaicin führt hier meist zu einer anfangs verschlechterten Schmerzsituation, z. B. in der Form, dass zu Beginn der Anwendung ein schmerzendes Kribbeln auftreten kann, wirkt aber bei längerer Anwendung wie betäubend. Eine weitere Ursache für Neuropathien kann eine HIV-Infektion sein. Nach Schlaganfällen kann es auch im Rahmen der Rehabilitation angewendet werden, um gelähmte Extremitäten (Arme und Beine) wieder zu stimulieren, unabhängig davon, ob Nervenschmerzen vorliegen oder nicht. Nach Operationen gilt es zu bedenken, dass sowohl Salbe als auch Pflaster nur auf intakter Haut angewendet werden dürfen, also nach einigem zeitlichen Abstand zur Operation.

Lesen Sie auch: Gehirn und Capsaicin: Eine Analyse

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eins der wenigen Krankheitsbilder der Hautheilkunde (Dermatologie), das mit Capsaicin behandelt werden kann. Wichtig ist es zu beachten, dass eine Salbe mit einer sehr geringen Konzentration an Capsaicin verwendet werden sollte. Diese soll dreimal täglich dünn auf die Haut, die Schuppenflechte zeigt, aufgetragen werden. Am Anfang der Behandlung berichten Patienten über ein Brennen, Stechen und Jucken der Haut. Außerdem rötet sich die Haut.

Capsaicin bei diabetischer Polyneuropathie

Capsagamma® Dolor Creme lindert leichte Fuß-/Unterschenkelschmerzen infolge einer schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie. Ergänzt die Behandlung der Neuropathie. Capsagamma Dolor Creme bessert nicht die Nervenschädigung selbst und ersetzt nicht die Diabetesbehandlung.

Wie wirkt Capsaicin?

Capsaicin entfaltet seine schmerzhemmende und durchblutungsfördernde Wirkung, indem es Hitze- und Schmerzrezeptoren der Haut aktiviert. Kälte oder Wärme werden über TRP-Ionenkanäle wahrgenommen. Topisch appliziertes Capsaicin führt zunächst zu einer lokalen Reizung, die sich in einer Rötung und einer brennenden, manchmal juckenden Empfindung äußert. Diese kann auf einen Angriff an peripheren sensorischen C-Fasern der Nerven zurückgeführt werden und ist teilweise durch die Freisetzung des Neurotransmitters Substanz P bedingt. Danach folgt eine längere refraktäre Phase. In dieser ist das Neuron nicht nur gegen eine erneute Capsaicinstimulation unempfindlich, sondern auch gegen andere schmerzauslösende Faktoren. Die durchblutungsfördernde Wärme trägt dazu bei, Verspannungen und Entzündungen als Ursache von peripheren Schmerzen zu lindern. Es wird erwartet, dass Wahrnehmungen von nicht-TRPV1-exprimierenden Hautnerven unverändert bleiben, einschließlich der Fähigkeit, mechanische Reize und Vibrationsreize wahrzunehmen. Die durch Capsaicin induzierten Veränderungen in den kutanen Nozizeptoren sind reversibel.

Capsaicin wirkt im Körper über die Hitze- und Schmerzrezeptoren. Rezeptoren muss man sich wie winzige Schlüssellöcher vorstellen, in die nur ein bestimmter Schlüssel passt (hier das Capsaicin). Hier angedockt kann es seine schmerzlindernde und durchblutungsfördernde Wirkung entfalten. Über die Haut aufgetragen wirkt es zum Beispiel so, dass es die Schmerzrezeptoren blockiert, die dann für andere äußere Schmerzreize oder körpereigenen Botenstoffen, die Schmerzsignale weitertragen, nicht mehr empfänglich sind. Sie sind sozusagen durch das Capsaicin „blockiert“ und schicken dem Gehirn nur Informationen über das Hitzegefühl anstatt das des ursprünglichen Schmerzes. Bei einer längeren Anwendung werden die „Schmerzbotenstoffe“, die normalerweise Entzündungs- und Schmerzsignale weitervermitteln, immer weniger vom Körper gebildet. Andere Eigenschaften der Haut, wie die Fähigkeit Vibrationen, Druck oder Berührung zu empfinden, sind ausgenommen von der Capsaicinwirkung. Dies kann man also auch unter Capsaicintherapie stetig weiter empfinden.

Innerlich angewendet führt Capsaicin ebenfalls über das Schlüssel-Schloss-Prinzip zur vermehrten Bildung von Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schleim und Magensaftbildung. Es dockt an den für die Bewegungen des Magen-Darm-Trakts zuständigen Rezeptoren an und kurbelt so die Aktivität an (Motilität). Hierdurch kommt es einerseits zu einer schnelleren, aktiveren Verdauung, andererseits aber auch öfter mal zu Durchfällen.

Lesen Sie auch: Wirksamkeit von Capsaicin-Salbe

Die Rolle von TRPV1-Rezeptoren

Capsaicin wirkt als hochselektiver Agonist an TRPV1-Rezeptoren (transient receptor potential vanilloid 1), die eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Schmerzsignalen spielen. Bei neuropathischen Schmerzen sind sensorische Nervenfasern mit diesen Rezeptoren oft hyperaktiv. Die topische Anwendung von hochdosiertem Capsaicin führt durch Überstimulation zu einer längerfristigen, reversiblen Deaktivierung dieser Schmerzrezeptoren und sorgt damit für eine effektive Linderung der Schmerzen.

Capsaicin und Substanz P

Der Wirkstoff Capsaicin aus spezifischen Paprika-Arten einschließlich Chili induziert unter Bindung an den TRP-Kanal TRPV1 eine Freisetzung von Neuropeptiden, wie v. a. der Substanz P aus Nozizeptoren (sensorische C-Fasern). Diese Freisetzung führt zu einer Depletion von Substanz P und einer anhaltenden Desensibilisierung. Wendet man Capsaicin auf der Haut an, wird an dieser Stelle ein schmerzvermittelnder Botenstoff (Substanz P) aus Speicherbläschen ausgeschüttet. Dadurch treten zunächst brennende Schmerzen und Wärmegefühle ein. Da aber praktisch die gesamte verfügbare Menge an Substanz P auf einen Schlag verbraucht wird und der Körper einige Zeit braucht, um Nachschub zu bilden, ist man an der behandelten Stelle für diese Zeit unempfindlicher gegen Schmerzen. Außerdem regt Capsaicin durch Erweiterung kleinster Blutgefäße in der Haut die Durchblutung an.

Wie wird Capsaicin angewendet?

Capsaicin kann sowohl äußerlich (topisch) als auch innerlich angewendet werden.

Äußerliche Anwendung

Capsaicin kann extern (äußerlich) und topisch (örtlich begrenzt) angewendet werden. Die Darreichungsform ist in Form von fetthaltigen Salben oder Pflastern, die ebenfalls fettig beschichtet sind (lipophil). Dies dient dazu, die natürliche Schutzbarriere der Haut zu überwinden, damit der Wirkstoff möglichst tief ins Gewebe eindringen kann. Die Salben liegen in unterschiedlichen Konzentrierungen vor. Je nach Stärke der Beschwerden können höhere oder niedrigere Dosierungen notwendig sein, hierzu berät am besten der Arzt oder Apotheker. Capsaicin Pflaster enthalten als Wirkstoff meist nur Capsaicin, die Salben sind häufig Kombinationspräparate, die auch noch andere pflanzliche Stoffe enthalten.

  • Capsaicin-Salben: Capsaicin Salben sollen dreimal am Tag dünn aufgetragen werden, solange bis die Schmerzen abnehmen, dies dauert manchmal auch drei Wochen. Capsaicin-Creme wird in der Regel dreimal täglich auf den schmerzenden Bereich sparsam aufgetragen (1-2 g Creme pro Anwendung; 1 g entspricht einem Strang von ca. 4,2 cm) und gut eingerieben.
  • Capsaicin-Pflaster: Die Pflaster sollten 30 (zum Beispiel bei HIV Nervenschmerzen) oder 60 Minuten lang (zum Beispiel nach Gürtelrose) appliziert werden. Manchmal ist die erste Empfindung auf der Haut durch die Pflaster extrem schmerzhaft. Bei der Anwendung von Pflastern sollte achtprozentiges Capsaicin verwendet werden. Eine langfristige Schmerzlinderung stellt sich meist nach zwei Wochen ein. Capsaicin-Pflaster müssen von einem Arzt oder unter der Aufsicht eines Arztes angewendet werden. Schmerzhafte Hautreale sollten von einem Arzt ermittelt und auf der Haut markiert werden. Es soll an den Füßen (z. B. bei HIV-assoziierter Neuropathie oder schmerzhafter diabetischer Neuropathie) 30 Minuten und an anderen Stellen (z. B. bei postherpetischer Neuralgie) 60 Minuten appliziert bleiben. Das Behandlungsareal kann vor der Applikation mit einem topischen Anästhetikum behandelt oder dem Patienten kann ein orales Analgetikum verabreicht werden, um eventuelle applikationsbedingte Beschwerden zu reduzieren. Das topische Anästhetikum sollte auf das gesamte zu behandelnde Areal und die umgebenden 1 bis 2 cm aufgetragen und gemäß der Produktinformation des jeweiligen Arzneimittels angewendet werden. In klinischen Studien wurden die Patienten mit topischem Lidocain (4%), Lidocain (2,5%)/Prilocain (2,5%) oder mit 50 mg Tramadol vorbehandelt. Zwischen den einzelnen Anwendungen müssen mindestens 90 Tage liegen.

Unterschiede zwischen Capsaicin- und Wärmepflastern

In der Apotheke sind auch Wärmepflaster mit Capsaicin erhältlich. Diese weisen einen deutlich niedrigeren Wirkstoffgehalt als Qutenza® auf und sind deshalb in der Selbstmedikation ohne Rezept erhältlich.

Lesen Sie auch: Wirksamkeit von Capsaicin bei Nervenschmerzen

PräparatGehalt an Capsaicin insgesamtCapsaicin pro cm2 PflasterHinweise zur Anwendung
Qutenza®179 mg640 µgApplikationszeit: zwischen 30 und 60 Minuten, Wartezeit bis zur erneuten Anwendung: 90 Tage
Hansaplast ABC® Wärmepflaster11 mg36 µgApplikationszeit: zwischen 4 und 12 Stunden, Wartezeit bis zur erneuten Anwendung: 12 Stunden

Pflaster mit niedrig dosiertem Capsaicin werden zur Linderung von Muskelschmerzen angewendet. Dabei regt das Capsaicin die Durchblutung an und sorgt damit für eine Entspannung der Muskulatur. Solche Wärmepflaster können bis zu zwölf Stunden auf der Haut verbleiben. Eine erneute Anwendung ist bereits nach einer Wartezeit von zwölf Stunden möglich. Durch eine hochdosierte dermale Anwendung von Capsaicin - wie in Qutenza® - werden dagegen die Schmerzrezeptoren gezielt überstimuliert und sollen damit über einen längeren Zeitraum desensibilisiert werden. Das Pflaster darf nur für einen kurzen Zeitraum auf der Haut verweilen - bei einer Behandlung am Fuß 30 Minuten und an anderen Hautstellen 60 Minuten.

Innerliche Anwendung

Capsaicin ist ein natürlicher Stoff, der aus einem Lebensmittel, nämlich einer bestimmten Paprikasorte, entstammt und kann daher auch wie ein Lebensmittel verzehrt werden. Es kann als Gewürz, als Paste, in einer Brühe oder Suppe oder über kleine Schoten zu sich genommen werden. Vor dem Beginn einer inneren Anwendung sollten die Kontraindikationen geprüft werden, also ob man triftige Gründe hat, Capsaicin nicht einzunehmen. Hierzu zählen zum Beispiel Speiseröhren- und Magenschleimhautentzündungen, sowie Sodbrennen, Aufstoßen und Magenkrämpfe. Diese Beschwerden würden durch Capsaicin nur noch verschlimmert werden. Auch offene Stellen in der Mundschleimhaut, nach einer Zahn-OP, Aphten oder Pilzinfektionen des Mundes (Soor), sollten keinem Capsaicin ausgesetzt werden.

Wann sollte Capsaicin nicht angewendet werden?

Capsaicin ist ein geeignetes Mittel bei Muskel- und Gelenkschmerzen, wenn seine schmerzstillende und durchblutungsfördernde Wirkung gewünscht ist. Liegt den Muskel- oder Gelenkschmerzen eine akute Entzündung zugrunde, sollte es nicht angewandt werden, da hier die Durchblutung bereits erhöht ist und vielmehr kühlende Maßnahmen ergriffen werden sollten. Auch sollte es nicht angewendet werden, wenn Gelenke und Muskeln zum Beispiel nach einem Sturz schmerzen und die Haut nicht mehr intakt ist (also auf Schürfwunden, offenen Hautstellen etc.). Bei Muskelschmerzen, die auf Verspannungen zurückgehen, ist Capsaicin besonders geeignet, weil der Muskel durch das andauernde Zusammenziehen (Kontraktion) meist minderdurchblutet und dadurch die Durchblutung wieder hergestellt werden kann. Muskelschmerzen aufgrund von Überlastung, also Muskelkater, sprechen unterschiedlich auf Wärme an. Leichter Muskelkater scheint von Capsaicin zu profitieren, hingegen starker Muskelkater, der mit Muskelschwellungen einhergeht, eher nicht. Bei Gelenkschmerzen gilt es zunächst, die Ursache für die Schmerzen einzugrenzen. Nach einem frischen Trauma sollte eher gekühlt werden, auch bei Entzündungen.

Weitere Gegenanzeigen sind:

  • Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
  • Offene Verletzungen, Entzündungen der Haut und Ekzeme
  • Schwangere und Stillende

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Die Nebenwirkungen von Capsaicin sind Reizung, Rötung und Blasenbildung der Haut. Hier gilt es auch ein Auge für Quaddeln zu haben, da diese ein Zeichen für allergische Reaktion sein kann. Begleitende Reaktionen bei einer starken allergischen Reaktion wären weiterhin Luftnot, Schwindel, Schwellungen im Gesichts- und Atembereich sowie Bewusstlosigkeit und Kollabieren (Zusammenklappen). Auch kommt es beim erstmaligen Anwenden häufig zu einem Jucken und Brennen der Haut, dies sind jedoch eigentlich gewünschte Effekte, weil es bedeutet, dass die Schmerzrezeptoren besetzt werden. Nach Abziehen eines Hitzepflasters kann es zu einer ein bis zwei Tage anhaltenden Rötung des Hautuntergrundes kommen, ohne dass dieser Krankheitswert hat oder besorgniserregend ist. Im Magen-Darm-Trakt kann es zu Unruhe kommen, das heißt die Verdauung wird angekurbelt und es kann auch zu Durchfall kommen. Erbrechen ist eine eher seltene Nebenwirkung, dies würde eher auf dem Boden einer zusätzlich vorliegenden Magenschleimhautentzündung auftreten. Eine weitere, meist erwünschte Nebenwirkung von Capsaicin ist, dass es blutdrucksenkend wirkt, wenn es eingenommen wird.

Während der Anwendung von Qutenza® gelangen rund 1 % des enthaltenen Wirkstoffs in die Epidermis (äußerste Hautschicht; Oberhaut) und Dermis (Lederhaut; liegt unterhalb der Epidermis), eine relevante systemische Resorption nach dermaler Anwendung ist allerdings nicht zu erwarten. Bei der Anwendung kommt es jedoch häufig zu lokalen Nebenwirkungen wie Schmerzen und Brennen an der Applikationsstelle. Auch können Rötungen an der betroffenen Hautstelle verbunden mit Juckreiz auftreten. Diese Schmerzen können kurzfristig so ausgeprägt sein, dass während und kurz nach der Behandlung häufig ein Anstieg des Blutdrucks um durchschnittlich < 8,0 mmHg beobachtet werden kann. Daher sollte während der Behandlung der Blutdruck überwacht werden.

Was ist bei der Anwendung zu beachten?

  • Capsaicin-Cremes dürfen nur äußerlich angewendet werden. Nach jeder Anwendung sollten die Hände gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.
  • Die Creme darf nicht in der Nähe der Augen oder auf Schleimhäute aufgebracht werden. Es wird empfohlen, sich nicht im Anwendungsbereich zu kratzen, um Hautverletzungen zu vermeiden.
  • Zusätzliche Wärmezufuhr (z.B. durch Sonnen-/Infrarot-Bestrahlung oder Heizkissen oder warmes Wasser) während der Behandlung sollte vermieden werden. Die Wärmewirkung kann durch körperliche Aktivität (Schwitzen) verstärkt werden. Die Anwendung ist abzubrechen falls die Wärmewirkung als zu stark empfunden wird. In diesem Fall können überschüssige Cremereste mit kaltem Wasser oder einer Hautcreme entfernt werden. Eine großflächige Anwendung ist zu vermeiden. Es sollte beachtet werden, dass die Wärmewirkung erst einige Zeit nach Auftragen der Creme auftreten kann.
  • Bei Patienten mit einer schmerzhaften diabetischen Neuropathie sollte vor jeder Applikation und bei den folgenden Arztbesuchen eine sorgfältige Untersuchung der Füße vorgenommen werden, um Hautläsionen in Zusammenhang mit der zugrundeliegenden Neuropathie oder vaskulären Insuffizienz zu diagnostizieren.
  • Für einen Einzelfall einer dauerhaften Hypoästhesie in einer klinischen Studie bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie konnte ein Zusammenhang mit Capsaicin-Pflastern nicht ausgeschlossen werden. Daher ist bei Patienten mit beeinträchtigter Wahrnehmung in den Füßen und Patienten mit erhöhtem Risiko für derartige Einschränkungen der sensorischen Funktion Vorsicht geboten. Alle Patienten mit vorher bestehender Beeinträchtigung der sensorischen Funktion sollten vor jeder Applikation auf Anzeichen eines Verlustes der sensorischen Wahrnehmung hin klinisch untersucht werden.
  • Infolge einer behandlungsbedingten Zunahme der Schmerzen kann es während und kurz nach der Behandlung mit Capsaicin-Pflastern zu einem vorübergehenden Blutdruckanstieg (um durchschnittlich < 8,0 mmHg) kommen. Der Blutdruck sollte während der Behandlung überwacht werden. Bei Patienten mit instabiler oder schlecht eingestellter Hypertonie oder mit einer Vorgeschichte einer kardiovaskulären Erkrankung sollte das Risiko unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse durch den potenziellen Stress des Behandlungsverfahrens bedacht werden, bevor die Behandlung eingeleitet wird.
  • Patienten, die hohe Dosen von Opioiden anwenden, sprechen unter Umständen auf orale Opioidanalgetika, die zur akuten Schmerzlinderung während und nach der Behandlung eingesetzt werden (können), nicht an.
  • Bei der Abgabe von Qutenza® sind die Patienten darüber zu informieren, dass das Pflaster zu Hause liegend gelagert werden sollte. Wenn das Capsaicin-Pflaster auf eine behaarte Hautstelle appliziert werden soll, so ist Rasieren bis 48 Stunden vor der Behandlung erlaubt. Um die Haut nicht zu verletzen, sollten die Haare jedoch besser vorsichtig abgeschnitten werden. Am Tag der Behandlung darf die Hautstelle nicht mehr eingecremt werden. Nach der Anwendung sollte die Applikationsstelle für einige Zeit möglichst nicht berührt werden, da noch enthaltenes Capsaicin austreten kann.

Wie schnell wirkt Capsaicin?

Je nach Krankheitsbild und Beschwerden tritt die Wirkung von Capsaicin unterschiedlich ein. Bei Muskelverspannungen dauert es meist zehn bis zwanzig Minuten, bis zum Beispiel ein Pflaster seine volle Wirkung entfaltet hat und der Schmerz der Muskeln nachlässt. Dies ist eine vergleichsweise schnelle Wirkung. Bei Nervenschmerzen dauert es häufig ein bis drei Wochen, auch je nach Ursache unterschiedlich.

Was tun, wenn Capsaicin nicht wirkt?

Wie bei jeder Substanz kann auch bei Capsaicin irgendwann eine gewisse Gewöhnung entstehen. Es kann einerseits versucht werden, die Dosis im Rahmen der medizinischen Möglichkeiten zu steigern oder auf andere Behandlungsmethoden umzusteigen. Manche Menschen bevorzugen ohne eher kühlende als erhitzende Präparate und man kann Mentholsalbenverbände (zum Beispiel in „Tigerbalsam“ enthalten) ausprobieren. Herkömmliche Salben, wie Diclofenac („Voltaren“), sind Alternativen zu Capsaicin. Es gibt auch Wärmepflaster, die ohne Capsaicin wirken, sondern die eigene Körperwärme spiegeln und verstärken. Zusätzlich können auch verschreibungspflichtige Schmerztherapeutika helfen. Bei neuropathischen Schmerzen kann die Substanz Gabapentin oder Pregebalin (obwohl Letzteres ein hohes Suchtrisiko hat) eingesetzt werden.

Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Wie bei den meisten Substanzen gibt es auch bezüglich Capsaicin wenig beziehungsweise keine Studien, die die Ungefährlichkeit feststellen und deshalb für Schwangere bedenkenlos empfohlen werden können. Dies liegt nicht daran, dass es tatsächlich gefährlich für die Schwangere oder das ungeborene Kind ist, sondern viel mehr daran, dass aus Sorge vor Schäden erst gar keine Studien durchgeführt werden. So lautet die aktuelle Empfehlung, dass es nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden könnte. Teilweise wird eine Einnahme ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) als unproblematisch betrachtet. Bei starkem Unwohlsein oder Blutdruckabfall sollte die Salbe oder das Pflaster aber umgehend entfernt und ein Arzt zurate gezogen werden. Außerdem neigen Schwangere öfter zu Übelkeit und Sodbrennen. Capsaicin kann dies verstärken, wenn es über die Nahrung eingenommen wird. Das Stillen sollte während der Pflaster-Behandlung unterbrochen werden, da ein Aufnahme-Risiko von Capsaicin besteht.

tags: #capsaicin #salbe #polyneuropathie #durch #op