Die Cervicobrachialgie, auch bekannt als Schulter-Arm-Syndrom oder Hals-Arm-Schmerz, ist ein weit verbreitetes und oft quälendes Beschwerdebild, das viele Patienten in die orthopädische Praxis führt. Es handelt sich dabei um Schmerzen, die von der Halswirbelsäule (HWS) ausgehen und in den Arm ausstrahlen. Da die Ursachen vielfältig sind und eine Chronifizierung der Schmerzen vermieden werden sollte, ist die Behandlung durch einen erfahrenen Orthopäden entscheidend.
Was ist eine Cervicobrachialgie?
Als Cervicobrachialgie bezeichnen Experten ein vielschichtiges Beschwerdebild, das im Rahmen von verschiedenen Einzelerkrankungen auftreten kann und zu Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Armbereich führt. Die Bezeichnung HWS-Syndrom umfasst die unterschiedlichsten Beschwerden im Bereich des oberen Wirbelsäulenabschnittes und des Nackens.
Ursachen
Aufgrund der Komplexität einer Cervicobrachialgie sind die möglichen Ursachen für eine Erkrankung der Halswirbelsäule vielfältig. Die Zervikobrachialgie entsteht durch Druck auf die Nervenwurzel (zervikales Wurzelkompressionssyndrom) z.B. durch einen Bandscheibenvorfall oder durch Knochensporne (Spondylophyten).
Mögliche Ursachen sind:
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (z.B. Arthrose, Spondylose, Spinalstenose)
- Fehlhaltungen oder Überlastung
- Engpasssyndrome (z.B. Karpaltunnelsyndrom)
- Nervenirritation oder -kompression durch Weichteilveränderungen
- Entzündliche Prozesse (z.B. rheumatische Erkrankungen)
- Kompression des Plexus brachialis
- Bandscheibenvorfälle oder -vorwölbungen infrage. Hier führt die altersbedingte Degeneration dazu, dass der äußere Faserring der Bandscheibe rissig wird. Unter Belastung kann es nun dazu kommen, dass der Gallertkern aus der Bandscheibe austritt, auf die Spinalnerven drückt und so die markanten Beschwerden verursacht.
- Wirbelblockade: Bei jüngeren Menschen ist die häufigste Ursache eine Wirbelblockade, die zu einem HWS-Syndrom führt. Durch Muskelverspannungen, Muskelverkürzungen, Fehlhaltung oder Fehlbelastungen, teilweise auch akut durch Unfälle oder schnelle, ungewollte Bewegungen, kommt es zu einem „verhaken“ oder „verklemmen“ zweier Wirbel miteinander.
- Auch Stress und die damit verbundene Anspannung der Muskulatur und veränderte Haltung des Kopfes können Auslöser einer Zervikobrachialgie sein. Wir sprechen dann von funktionellen Verspannungen im Bereich der Nackenmuskulatur. Muskelverspannungen können allerdings sowohl die Ursache als auch die Folge eines Halswirbelsäulensyndroms sein.
- Dauer- und Fehlbelastungen der Halswirbelsäule stellen eine weitere Gefahrenquelle dar. Auch Sportler oder bestimmte Berufsgruppen mit einer starken Belastung im Bereich der Halswirbelsäule können vorzeitige Abnutzungserscheinungen aufweisen. Diese entstehen durch starke Druck-, Zug- und Scherkräfte auf die Wirbelsäule, wie sie oft bei einseitiger Belastung und mangelndem Ausgleich vorkommen.
- Einseitige Belastungen der Wirbelsäule vermeiden. Im Alltag betrifft das beispielsweise das einseitige Tragen von schweren Hand- und Einkaufstaschen.
- Auch eine kräftige Rücken- und Nackenmuskulatur beugt dem Schulter-Arm-Syndrom vor. Krafttraining mit Stabilisierungsübungen reduziert das Risiko deutlich. Auch regelmäßiges Schwimmen ist eine effektive Vorsorgemaßnahme. Da auch Stress ein Auslöser für Muskelverspannungen, und damit auch ein Mitauslöser für die Cervicobrachialigie sein kann, sollte auch die Stressreduktion ganz oben auf Deiner Agenda stehen.
- Ereignisse wie Autounfälle, Stürze oder Verletzungen beim Sport können ebenfalls direkte Auswirkungen auf die Nervenwurzeln haben.
Risikofaktoren
Neben dem Bandscheibenvorfall gelten auch häufige Fehlbelastungen der Wirbelsäule als Risikofaktor für das Cervicobrachialsyndrom. Typisch ist beispielsweise das einseitige Tragen von Lasten. Hinzu kommen als mögliche Auslöser entzündliche Erkrankungen wie Rheuma, Tumore, Osteoporose, Wirbelblockaden, ruckartige Bewegungen der HWS oder Unfälle.
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Häufig kommt es durch muskuläre Atrophien oder Verkürzungen zu einem Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Muskelpartien im Bereich des Schulter-Nackenbereichs. Dieses Ungleichgewicht stellt einen entscheidenden Risikofaktor für die Schädigung der Spinalnerven aus dem Rückenmark dar.
HWS-Syndrom
Als eines der häufigsten Krankheitsbilder ist das HWS-Syndrom (auch Zervikobrachialgie genannt) ein Sammelbecken für Erkrankungen in der Hals-, Schulter- und Nackenregion.
- Zum einen lässt sich das Syndrom in die drei Abschnitte der Halswirbelsäule einteilen. Wir sprechen dann von einem oberen HWS-Syndrom, auch Zervikocephalgie genannt, bei dem die Beschwerden in der Kopfregion entstehen, von einem mittleren sowie einem unteren HWS-Syndrom.
- Eine weitere Einteilung richtet sich nach dem Verlauf der Beschwerden. So kann ein akuter von einem chronischen Verlauf unterschieden werden. Bei akutem HWS-Syndrom entstehen die Beschwerden plötzlich, beispielsweise durch eine “falsche” Bewegung.
- Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbelkörpern, die zwischen dem Kopf und der Brustwirbelsäule liegen. Um dies zu ermöglichen, haben sie eine andere Form als die restlichen Halswirbel. Dieses Gelenk ist hauptsächlich für die Drehung des Kopfes zuständig. Der Atlas hat wiederum zwei wie Schalen geformte Gelenkflächen auf seiner Oberseite, in denen der Kopf liegt. Dieses Gelenk macht die Nickbewegungen des Kopfes. Der Kopf bildet mit dem Gehirn und den Sinnesorganen Ohren, Nase und Augen unsere Hauptzentrale für die Orientierung und Wahrnehmung im Raum. Ab dem dritten Halswirbel sind alle Wirbel ähnlich aufgebaut, sie haben einen zylinderförmigen Wirbelkörper mit einem knöchernen Bogen, in dem das Rückenmark gelagert ist. Außer zwischen Atlas und Axis befinden sich zwischen allen Wirbeln Bandscheiben. Sie sind wichtige Stoßdämpfer und ermöglichen der Wirbelsäule Beweglichkeit und Belastbarkeit.
Symptome einer Cervicobrachialgie
Das wichtigste und zentrale Symptom einer Cervicobrachialgie ist der Schmerz. Das Hauptsymptom ist der Schmerz, der sich im oberen Halswirbelsäulenabschnitt zeigt und entlang des/der Arme(s) ausstrahlt. Die Zervikobrachialgie ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch Nackenschmerzen und Schmerzen in einem oder beiden oberen Gliedmaßen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen gehen vom Nacken aus und strahlen in den Arm aus.
Die typischen Beschwerden des Schulter-Arm-Syndroms werden sehr häufig durch einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) verursacht.
Diese befinden sich typischerweise im Bereich der Halswirbelsäule und entlang eines Arms (rechts oder links, selten in beide Arme). Je nach der Höhe der Schädigung innerhalb der HWS können die Schmerzen auch an bestimmten Bereichen der Halswirbelsäule oder des Arms stärker ausgeprägt sein. Zu den typischen Situationen, in denen die Schmerzen auftreten, gehört das morgendliche Aufstehen oder eine lange Autofahrt. Durch die dabei typische Kopfhaltung werden die Nerven häufig vermehrt gereizt und produzieren dadurch vermehrt Schmerzen.
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Durch die starken und belastenden Schmerzen kommt es häufig zu muskulären Verspannungen und Beschwerden, da die Muskeln versuchen, den Schmerz zu kompensieren. Dies geht häufig mit einer Schonhaltung des Halses, in der eine schmerzarme Position entsteht, einher.
Bei ausgeprägten oder fortgeschrittenen Formen der Cervicobrachialgie können entlang des Nervenverlaufs auch Taubheitsgefühle oder andere Missempfindungen auftreten. Zusätzlich zu den Schmerzen kann der Patient mit Zervikobrachialgie weitere Symptome aufgrund der Kompression der Nervenstrukturen aufweisen.
Der Name setzt sich aus den beiden Begriffen „Cervicalgie“ (Schmerz in der Halswirbelsäule) und „Brachialgie“ (Armschmerz) zusammen. Die Ursachen für die Beschwerden sind vielfältig und reichen von entzündlichen Erkrankungen bis hin zum Bandscheibenvorfall.
- Das schmerzhafte Gefühl, das die Zervikobrachialgie charakterisiert, kann ein pochender oder ein brennender Schmerz sein und kann sich durch Husten oder Niesen verstärken.
- In manchen Fällen treten auch starke Kopfschmerzen im Hinterkopf auf, die bis in den Bereich der Halswirbel ausstrahlen.
- Sehr charakteristisch für die Cervicobrachialigie ist ein stechender Schmerz bei dem Versuch, den Geldbeutel aus der Gesäßtasche zu ziehen.
- Die meisten Patientinnen und Patienten verspüren zuerst ein Spannungsgefühl oder Schmerzen im Nacken. Je nach Intensität der Beschwerden und der Ursache berichten die Patienten über Schmerzen in der Schulter, die auch in den Arm ausstrahlen können. Manchmal beschreiben die Betroffenene ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Arm, teils mit einem Schwächegefühl im Arm.
- Ein wesentlicher Hinweis für die Ursachen bei Schulterschmerzen ist, ob sich die Beschwerden im vorderen Bereich befinden, oder ob sich die Beschwerden eher im hinteren Anteils der Schulter bemerkbar machen. Grundsätzlich ist bei Schmerzen im hinteren Teil der Schulter eher von einer Störung des Schultergürtels uns der Wirbelsäule auszugehen.
Viel häufiger jedoch leiden Betroffene durch die Verspannungen unter Kopfschmerzen, Bewegungseinschränkungen des Kopfes, Schwindel bis hin zu Sehstörungen und Ohrengeräuschen. Auch Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Händen und Fingern können auftreten.In schweren Fällen kann es sogar zu Lähmungen (Paresen) in Arm, Hand und Fingern kommen. Ist der obere Bereich der Halswirbelsäule betroffen, so spricht man von einem oberen Halswirbelsäulensyndrom. Symptomatisch dafür können ausstrahlende Schmerzen vom Nacken über den Hinterkopf bis in die Stirn oder sogar zu den Augen sein. Möglich sind dabei sowohl Schmerzen in den Armen als auch Taubheitsgefühle oder sogar Lähmungserscheinungen. Beschwerden in den Armen oder in den Händen zeigen sich, wenn die untere Halswirbelsäule betroffen ist, denn aus diesem Bereich treten die Nervenbahnen aus, die die Muskulatur der Arme und Hände versorgen.
Diagnose
Die Diagnose einer Cervicobrachialgie erfolgt in mehreren Schritten. Für die Diagnostik der Zervikobrachialgie (Schulter-Arm-Syndrom) ist eine ausführliche Anamnese und die genaue körperliche Untersuchung die Basis für das weitere diagnostische Vorgehen.
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Zunächst werden die Beschwerden durch das Arzt-Patienten-Gespräch analysiert. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der durch etwaige Missempfindungen oder genaue Schmerzlokalisationen auf die Höhe der Nervenschädigung im Rückenmark geschlossen werden kann.
Auch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit kann zur Bestätigung einer Nervenschädigung und der Analyse des Ausmaß helfen. Insbesondere bei Kraftverlust und/oder Gefühlsstörungen werden mittels Kernspintomografie (MRT) die Nerven und Bandscheiben dargestellt, um eine Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotusio) oder einen Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps, Discusprolaps) diagnostizieren zu können oder knöcherne Strukturen, die auf den Nerven drücken, zu erkennen.
Da Schmerzen im Schulterbereich so unterschiedlich Ursachen haben können, ist die gründliche Untersuchung durch einen Spezialisten für Funktionsdiagnostik wichtig. Dr. Bunk unterscheidet genau zwischen Störungen in der Funktionskette, strukturellen Veränderungen mit Einfluss auf die Schmerzen und normalen altersbedingten strukturellen Veränderungen am Bewegungssystem.
Die richtige Diagnose bei Nacken- Schulterschmerzen samt Unterscheidung zwischen relevanten und nicht relaventen Strukturveränderungen ist wesentlich für die Auswahl der geeigneten Therapieformen und den Erfolg der Maßnahmen. Eine präzise Diagnose ist der erste Schritt zur Schmerzlinderung.
Weitere Diagnosemöglichkeiten
- Röntgenaufnahme: Die Durchführung einer Röntgenaufnahme bei einer Cervicobrachialgie ist sinnvoll, wenn zum einen mögliche schwerwiegende Ursachen ausgeschlossen wurden und zum anderen der Verdacht auf einen knöchernen Auslöser vorliegt. Dabei handelt es sich um degenerative Veränderungen der knöchernen Strukturen der Wirbelsäule.
- MRT der Halswirbelsäule:
- Muskuläre Dysbalancen-Check: Um einer Cervicobrachialgie vorzubeugen oder diese frühzeitig und vor dem Einsetzen starker Schmerzen zu erkennen, eignet sich der sogenannte muskuläre Dysbalancen-Check. Dieser ist vor allem sinnvoll, wenn die Ursache der Cervicobrachialgie muskulären Ursprungs ist.
- EMG (Elektromyographie): Das EMG, also die Elektromyographie, ist ein weiteres mögliches Verfahren zur Rehabilitation und Prävention einer Cervicobrachialgie. Dabei werden die Aktivitätsströme der verschiedenen Muskeln im Bereich von Schulter und Nacken gemessen, sowohl im Ruhezustand, als auch unter Anspannung. So können mögliche unterentwickelte, verkürzte und verletzte Muskeln erkannt werden. Diese muskulären Schwächen führen häufig zu starken Beschwerden und Schmerzen, die in einer Cervicobrachialgie enden können oder eine strukturelle Veränderung der Halswirbelsäule zur Folge haben können.
- Wirbelsäulenvermessung: Auch eine Wirbelsäulenvermessung kann bei einer Cervicobrachialgie sinnvoll sein, wenn eine strukturelle Ursache der Wirbelsäule oder eine Fehlhaltung als mögliche Ursache vermutet wird. Bei der Wirbelsäulenvermessung werden durch spezielle Messverfahren verschiedene Maße der Wirbelsäule dokumentiert, um so Rückschlüsse auf die Haltung und mögliche Fehlstellungen zu bekommen. Diese wiederum können strukturelle Veränderungen der Wirbelkörper begünstigen und dadurch zu einer Cervicobrachialgie führen.
- Ultraschall und MRT: Weithin bekannte ergänzende Diagnosemöglichkeiten sind Ultraschall und MRT. Erweiterte Maßnahmen sind die Stand- und Ganganalyse sowie zusätzlich bei chroischen Beschwerden noch die Messung des vegetativen Nervensystems.
Behandlung der Cervicobrachialgie
Die Behandlung einer Cervicobrachialgie umfasst verschiedene Möglichkeiten und richtet sich vor allem nach den Beschwerden und der zugrundeliegenden Ursache. Das zervikale Wurzelkompressionssyndrom (Zervikobrachialgie) kann operativ oder konservativ (nicht-operativ) behandelt werden.
In der Regel kann die Cervicobrachialgie konservativ erfolgreich behandelt werden. Die Behandlung der Zervikobrachialgie umfasst in der überwiegenden Mehrheit der Fälle eine konservative Therapie (keine chirurgischen Eingriffe). Akute, signifikante oder progrediente (fortschreitende) Lähmungen stellen eine dringliche Operationsindikation dar. In den meisten Fällen kann zunächst mit einer konservativen Therapie begonnen werden. Eine rasch fortschreitende Lähmung aufgrund eines akuten Bandscheibenvorfalls ist eher selten.
Die Schmerztherapie eignet sich optimal um den Kreislauf der chronischen Schmerzen der Cervicobrachialgie zu durchbrechen. Die Therapie beginnt mit einer ausführlichen problemorientierten Anamnese gefolgt von einer körperlichen Untersuchung. Die hier erhoben Befunde werden anschließend diskutiert und es wird ein individuell auf Sie zugeschnittesnes Therpiekonzept erstellt. Unsere Spezliatisten streben stets nach einer medikamenten-freien Behandlung.
Bei Patienten mit einer akuten Cervicobrachialgie kommen zur Behandlung der Symptome meist Schmerzmittel und andere konservative Behandlungsmethoden zum Einsatz. Um chronisch Erkrankte von Ihren Beschwerden zu befreien, muss neben der Symptomlinderung eine aktive Behebung der Schmerzursache erfolgen. Dazu spielt besonders Bewegung, beispielsweise im Rahmen von gezielter Physiotherapie, eine wichtige Rolle. Fehlhaltungen lassen sich häufig beheben und die Schulter- und Nackenmuskulatur kann aktiv gestärkt werden, sodass sie die Wirbelsäule wirksam stützt und Verschleißerscheinungen verhindert. Auch Wärmeanwendungen oder Massagen können die Beschwerden einer Cervicobrachialgie lindern und zugrunde liegende Muskelverspannungen lösen.
Die Behandlung der Schmerzen erfolgt mit Hilfe der Physiotherapie: in der Anfangsphase wird versucht, die Schmerzen zu lindern und später ist es wichtig, die Beweglichkeit sowohl durch manuelle Therapietechniken als auch durch aktive Übungen wiederherzustellen. Eine Operation wird nur in den schwersten Fällen empfohlen und besteht aus einer nervösen Dekompression, d.h.
Glücklicherweise können die meisten Erkrankungen, die mit Schulterschmerzen und Armschmerzen einhergehen, erfolgreich ohne Operation behandelt werden. Das Ausmaß der altersbedingten degenerativen Veränderungen an den Strukturen der Schulter und Halswirbelsäule steht nicht zwangsläufig in direktem Zusammenhang mit den Beschwerden und Schmerzen.
Konservative Therapie
In der konservativen Therapie erfolgt zuerst eine Schmerzlinderung, im Anschluss wird die Funktion der Nacken-Schultermuskulatur mit physiotherapeutischen Behandlungsmethoden normalisiert.
- Schmerzlinderung: Unabhängig von der letztlichen Ursache steht in der Akut-Phase die Schmerzbekämpfung im Vordergrund. Zum Einsatz kommen hier sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika mit Wirkstoffen wie Ibuprofen und Diclofenac, die sowohl schmerz- als auch entzündungshemmend wirken. Bei exzessiven Schmerzen kann vorübergehend Bettruhe (Entlastung der HWS von dem Gewicht des Kopfes) erforderlich sein. Schmerzmittel mit zusätzlich antientzündlicher Wirkung Muskelentspannende Medikamente Röntgen- oder CT-gesteuerte Infiltrationen der zervikalen Gelenkfacetten und/oder Nervenwurzelblockade (periradikuläre Therapie, PRT).
- Physiotherapie: Bei einem chronischen oder unspezifischen Halswirbelsäulensyndrom ist Physiotherapie die Therapie der Wahl. Denn wie schon erwähnt, sind die Ursachen fast immer im Bereich der Mangelbewegung und Fehlhaltung zu suchen. In den meisten Fällen kann zunächst mit einer konservativen Therapie begonnen werden. Im Rückenzentrum am Michel kommt im Akutstadium eine gezielte Physiotherapie als manuelle Therapie, die sogenannte Nervenmobilisation nach Butler, zur mechanischen Entlastung des irritierten Nerven sowie die Triggerpunktbehandlung zur Entspannung der Muskulatur zum Einsatz. Nach erfolgreicher konservativer oder operativer Therapie ist meistens eine Kräftigung der Schulter-Nacken-Muskulatur indiziert. Die Techniken in der Physiotherapie, die sich z.B.
- Osteopathie: Die Behandlung durch Osteopathie eignet sich vor allem bei chronischen Schmerzen durch Bandscheibenvorfälle, Muskelverhärtungen, Fehlstellungen oder Verkrampfungen. In der Behandlung durch unsere ärztlichen Osteopathen wird die meist unwissende Ursache durch eine ausführliche Anamnese bestimmt und somit eine speziell auf den Patienten abgestimme Therapie entwickelt. Durch die ganzheitliche Methode, die Osteopathen verfolgen, sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers durch Lösung der Verspannungen und Blockaden unterstützt werden. Im Zentrum steht hierbei die körperliche und seelische Verfassung des Patienten.
- Akupunktur: Die Akupunktur von Triggerpunkten ist eine bei vielen Betroffenen wirksame Methode zur Linderung der Schmerzen bei einer Cervicobrachialgie. Dabei werden die Triggerpunkte entlang der Halswirbelsäule mit Nadeln versehen und letztendlich zur Entspannung gebracht.
- Wärmeanwendung: Die Anwendung von Wärme bei einer Cervicobrachialgie wird vor allem bei chronischen, also längerfristig bestehenden, Schmerzen empfohlen. Hierbei sollte immer auf eine angemessene und nicht zu hohe Temperatur geachtet werden. Durch die Wärme wird die Durchblutung der Nacken- und Schultermuskulatur gefördert, was wiederum mögliche Muskelverspannungen und Verhärtungen lösen kann.
- Kinesiotaping: Für den Bereich der Schultern und des Nackens gibt es zahlreiche verschiedene Arten des Kinesiotapings. Welche dabei am geeignetsten ist, hängt von der Lokalisation und Art der Schmerzen ab. Eine beliebte Art des Taping beinhaltet zwei kurze und zwei lange Bänder. Die langen Bänder werden rechts und links vom Außenrand der Schulter bis hoch zum Nacken angebracht. Dabei kann unterstützend der Kopf zur jeweils anderen Seite geneigt werden. Die kurzen Bänder werden vom selben Punkt des Nackens aus parallel zur Halswirbelsäule nach unten angebracht.
- Chirotherapie: Sehr häufig finden sich beim Armschmerzen Funktionsstörungen wie z.B. Blockierungen im Schultergürtelbereich. Die zielgerichtete Chirotherapie kann in diesen Fällen eine schnelle Linderung der Beschwerden schaffen.
- Injektionen: Häufig kann eine Injektion mit entzündungshemmender Medikamente in das Schultergelenk, Schultereckgelenk oder an andere Strukturen des Schultergelenks schnell helfen. Eine gezielte und präzise Technik, teils unter Ultraschallkontrolle durchgeführt, für eine schnelle Schmerzlinderung insbesondere bei entzündlich veränderten Strukturen, wie z.B.
Operative Therapie
Eine Operation wird nur in den schwersten Fällen empfohlen und besteht aus einer nervösen Dekompression, d.h. Sofern eine Operation erwogen werden kann, erhalten Sie eine umfassende Beratung zu den möglichen Verfahren. Die meisten Schulterschmerzen und Armschmerzen sind ohne Operation zu behandeln.
Dauer und Arbeitsunfähigkeit
Die Dauer einer Cervicobrachialgie variiert sehr stark und ist vor allem von der zugrundeliegenden Ursache, sowie der Konsequenz der Durchführung der Behandlung abhängig. Bei muskulären Verspannungen kann die Dauer durch eine entsprechende muskelentspannende Behandlung nur einige Tage bis Wochen dauern. Bei strukturellen Ursachen, wie degenerativen Veränderungen der Wirbelkörper oder einem Bandscheibenvorfall, hingegen beträgt die Dauer häufig mehrere Wochen bis Monate. Hinzu kommt die Komplexität einer Nervenreizung, die sich über einen langen Zeitraum ziehen kann. Daher ist eine konsequente Durchführung der Behandlung sehr wichtig, um die Dauer so gering, wie nur möglich, zu halten.
Wie lange eine Arbeitsunfähigkeit bei einer Cervicobrachialgie besteht, kann stark variieren und ist von der Ursache abhängig. Generell ist das Vorliegen einer Cervicobrachialgie in den meisten Fällen ein ausreichender Grund für eine vorübergehende Krankschreibung bzw. Arbeitsunfähigkeit. Der behandelnde Orthopäde und der Physiotherapeut versuchen die betroffene Person möglichst zeitnah wieder in einen arbeitsfähigen Zustand zu bekommen.
- Büroarbeit: der im Büro arbeiten für 7 Tagen krank geschrieben wird. Allerdings sind hier viele Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Hierunter sind der Weg zur Arbeit, welche Tätigkeiten im Büro ausgeführt werden müssen etc. zu verstehen.
- Körperlich schwer arbeitende Menschen: körperlich schwer arbeitende Menschen 28 Tagen krank geschrieben werden.
Vorbeugung
Um einer Cervicobrachialgie vorzubeugen oder diese frühzeitig und vor dem Einsetzen starker Schmerzen zu erkennen, eignet sich der sogenannte muskuläre Dysbalancen-Check. Dieser ist vor allem sinnvoll, wenn die Ursache der Cervicobrachialgie muskulären Ursprungs ist.
Für einen gesunden Rücken und insbesondere eine gesunde Halswirbelsäule ist vor allem viel Bewegung und eine ausgewogene Lebensweise wichtig. Sport und Bewegung wirken sich sehr positiv auf die Gesunderhaltung der Halswirbelsäule aus. Auch sollte darauf geachtet werden, den Rücken im Alltag möglichst oft zu entlasten. Deshalb sind autogenes Training oder Yoga sehr gut geeignet, um Stress und Anspannung vorzubeugen und die innere Ruhe wieder herzustellen.
- Um das Risiko für die Cervicobrachialigie zu senken, solltest Du vor allem einseitige Belastungen der Wirbelsäule vermeiden. Im Alltag betrifft das beispielsweise das einseitige Tragen von schweren Hand- und Einkaufstaschen.
- Auch eine kräftige Rücken- und Nackenmuskulatur beugt dem Schulter-Arm-Syndrom vor. Krafttraining mit Stabilisierungsübungen reduziert das Risiko deutlich. Auch regelmäßiges Schwimmen ist eine effektive Vorsorgemaßnahme. Da auch Stress ein Auslöser für Muskelverspannungen, und damit auch ein Mitauslöser für die Cervicobrachialigie sein kann, sollte auch die Stressreduktion ganz oben auf Deiner Agenda stehen.
Übungen für zu Hause
Zur Vorbeugung von Nacken- und Schulterschmerzen können Sie regelmäßig Dehnübungen der Schultern und des Nackens durchzuführen. Bei einer einfachen Übung kann im bequemen Sitzen der Kopf zu einer Schulter geneigt und dann mit der Hand vorsichtig etwas weiter in diese Richtung gezogen werden. Die Position kann für 20-30 Sekunden gehalten werden. Danach wird die Übung zur anderen Seite hin wiederholt. Zusätzlich ist die Beweglichkeit des Nackens sehr wichtig. Dafür sollte regelmäßig mit Vorsicht der Kopf von rechts nach links über die Beugung nach vorne rotiert werden.