Charité Mitte Neurologie: Informationen zum Bettenhochhaus und Leistungsspektrum

Die Charité - Universitätsmedizin Berlin ist eine der größten Universitätskliniken Europas. Am Campus Charité Mitte (CCM) befindet sich eine bedeutende Klinik für Neurologie, die ein breites Spektrum an stationären und ambulanten Behandlungen neurologischer Erkrankungen anbietet. Dieser Artikel bietet detaillierte Informationen über die neurologische Versorgung am CCM, insbesondere im Bettenhochhaus.

Die Neurologische Klinik am Campus Charité Mitte

Der Campus Mitte der Charité blickt auf eine lange Tradition zurück. Vor 300 Jahren wurde die Charité als Pesthaus gegründet und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Hospiz, Armenkrankenhaus und schließlich zu einer renommierten Lehranstalt. Im Jahr 1927 wurde sie endgültig zum Universitätsklinikum. Heute zeichnet sich der Campus Mitte durch seine exzellente Kompetenz in den Neurowissenschaften, der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie der Immunologie und der Infektionskrankheiten aus.

Stationäre Versorgung im Bettenhochhaus

Die neurologischen Stationen und die Stroke Unit befinden sich seit Februar 2017 im 16. Stock des Bettenhochhauses. Am Campus Charité Mitte stehen rund 60 neurologische Betten zur Verfügung, davon 10 Betten auf der neurologischen Intensivstation und 6 Betten auf der Stroke Unit. Die stationäre Behandlung umfasst das gesamte Spektrum neurologischer Erkrankungen.

Patientenmanagement und Aufnahme

Die Terminvergabe und stationäre Aufnahme werden über das Patientenmanagement und die Aufnahmesprechstunde organisiert. Das Patientenmanagement dient der Optimierung und Koordination aller zur Patientenversorgung notwendigen Prozesse. Ziel ist es, den Krankenhausaufenthalt klinisch und organisatorisch hochwertig und effektiv zu gestalten.

Bei elektiven Aufnahmen wird versucht, auf Grundlage der Fragestellung und prästationären Evaluation (Aufnahmesprechstunde) bereits im Vorfeld einen Teil der Untersuchungen anzumelden, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden. Das Patientenmanagement evaluiert gemeinsam mit den behandelnden Ärzten und Pflegepersonal täglich den Gesundheitszustand und die diagnostischen Fortschritte, um die Grundlage für einen angemessen kurzen Krankenhausaufenthalt zu schaffen.

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Für die Qualität der Arbeit der Klinik ist die bisherige Krankengeschichte von entscheidender Bedeutung. Patienten werden gebeten, alle Informationen über den bisherigen Krankheitsverlauf (Vorbefunde, Arztbriefe, MRT- und CT-Bilddaten) mitzubringen. Notfallmäßige Einweisungen oder Behandlungsindikationen werden über die Notaufnahmen der Neurologie an den jeweiligen Standorten sichergestellt.

Die stationäre und ambulante Aufnahme erfolgt zunächst im "Check-In" des Eingangsbereiches im Erdgeschoss des Charité Bettenhauses.

Schwerpunkte der Neurologischen Klinik

Das Team der Neurologie bietet die komplette Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des peripheren und zentralen Nervensystems an. Zu den neurologischen Schwerpunkten gehören:

  • Schlaganfall und neurovaskuläre Erkrankungen
  • Neuroimmunologie und Multiple Sklerose
  • Bewegungsstörungen und Parkinson
  • Neuropathien und Muskelerkrankungen
  • Epilepsie und Anfallserkrankungen
  • Kopfschmerzen und Gesichtsschmerzen

Die Berliner Klinik für Neurologie ist auch auf die Behandlung von seltenen neurologischen Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose, Myasthenia gravis und Enzephalitis spezialisiert.

Intensivmedizinische Versorgung

Einen besonderen Bereich der Klinik für Neurologie stellt die intensivmedizinische Station dar, die in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie und der Klinik für Anästhesiologie mit dem Schwerpunkt in operativer Intensivmedizin betrieben wird. Auf insgesamt 21 Betten werden Patient:innen umfassend operativ sowie konservativ neuro-intensivmedizinisch betreut. Die Station legt Wert auf Innovation und pflegt das Konzept der Interprofessionellen Führung. Regelmäßig werden stationsinterne Fortbildungen zu aktuellen Themen der allgemeinen Intensivmedizin und speziellen Neuro-Intensivmedizin für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt.

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Ambulante Spezialsprechstunden

An den drei Standorten CCM, CVK und CBF gibt es neurologische Hochschulambulanzen mit Spezialsprechstunden zu neurologischen Erkrankungen. Im Folgenden werden einige dieser Spezialsprechstunden näher beleuchtet:

Aufnahmesprechstunde

In der Aufnahmesprechstunde werden Patientinnen und Patienten mit allen neurologischen Krankheitsbildern vor und nach ihrem stationären Aufenthalt in der Klinik betreut. Bei der ambulanten Vorstellung vor dem stationären Aufenthalt wird die Patientin / der Patient genau untersucht und die Notwendigkeit des stationären Aufenthaltes festgelegt. Es werden mit der Patientin / dem Patienten die geplanten Untersuchungen oder Behandlungen besprochen. Anschließend wird von der Patientenkoordinatorin mit der Patientin / dem Patienten ein Aufnahmetermin vereinbart.

Wenn nach einem stationären Aufenthalt in der Klinik noch eine weitere Betreuung notwendig ist oder noch eine vollständige Auswertung der durchgeführten Diagnostik erfolgen soll, kommt die Patientin / der Patient nach dem stationären Aufenthalt erneut in die Sprechstunde. Ärztliche Kolleginnen und Kollegen, die eine Patientin / einen Patienten elektiv einweisen möchten, werden gebeten, sich direkt an eine der ärztlichen Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter der Aufnahmesprechstunde zu wenden. Dieses Vorgehen gilt nicht für Patientinnen und Patienten, die sich als Notfall akut in der Klinik vorstellen müssen. Diese wenden sich bitte - gegebenenfalls nach vorheriger telefonischer Anmeldung - direkt an die Rettungsstelle. Außerdem gibt es telefonische Sprechzeiten.

Bewegungsstörungen

Die Sprechstunde für Bewegungsstörungen bietet ein umfassendes diagnostisches und therapeutisches Spektrum für Patientinnen und Patienten mit:

  • Idiopathischem Parkinson-Syndrom (M. Parkinson)
  • Dystonien (z.B. zervikale Dystonie, Schreibkrampf, generalisierte Dystonie)
  • Tremor-Erkrankungen (z. B. Essentieller Tremor, Parkinson-Tremor)
  • Seltenen Bewegungsstörungen

Ausgedehnte Erfahrung besteht insbesondere in der Indikationsstellung und Anwendung folgender therapeutischer Maßnahmen:

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  • Medikamentöse Behandlung von M. Parkinson in allen Stadien der Erkrankung inklusive Apomorphin-und Duodopa-Pumpen-Behandlung.
  • Botulinumtoxin-Therapie
  • Tiefe Hirnstimulation (THS, DBS, "Hirnschrittmacher")

Die Klinik ist als Charité-Studienzentrum aktiv und führt eine Reihe von Therapie-Studien bei Bewegungsstörungen durch.

Chorea-Sprechstunde

Die Chorea (griechisch für “Tanz“) ist eine Bewegungsstörung, die sich bei den Betroffenen mit schnellen, unwillkürlichen und irregulären Bewegungen zeigt. Die Ursachen der Chorea sind vielfältig (immunologisch, infektiös, Medikamenten-induziert und neurogenetisch). Die korrekte Zuordnung der ursächlichen Störung ist die wichtigste Voraussetzung für eine adäquate Therapie. Im Speziellen werden Patienten mit familiären neurodegenerativen choreatischen Erkrankungen, wie der Chorea-Huntington, behandelt. Patienten mit dieser Bewegungsstörung haben häufig mehrere motorische Schwierigkeiten, insbesondere bei der Koordination und Umsetzung von Bewegungsabläufen. Das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum steht hier zur Verfügung.

Epilepsie-Ambulanz

Die Charité-Epilepsieambulanzen bieten eine zeitnahe, umfassende diagnostische Abklärung von ersten epileptischen Anfällen, Differentialdiagnostik zur Unterscheidung epileptischer Anfälle und nicht-epileptischer Ereignisse sowie Optimierung der antiepileptischen Medikation im Fall von unerwünschten Nebenwirkungen oder fehlender Anfallsfreiheit. Es erfolgt Beratung zu Epilepsiechirurgie, Fahreignung, Empfängnisverhütung, Schwangerschaft und Stillzeit, sportlichen Aktivitäten, Reisen und Impfungen, Gebrauch von Genussmitteln und sonstigen Lebensbereichen. Es wird auch Beratung und Behandlung von dissoziativen Anfällen angeboten (Spezialsprechstunde).

Gedächtnisambulanz

Die Diagnostik und Versorgung von Patienten mit Demenz und kognitiven Störungen stellt als Gedächtnissprechstunde einen Schwerpunkt der Praxis dar. Hierfür stehen alle Untersuchungen der Neurologie zur Verfügung, um eine ambulante Abklärung einer Gedächtnisstörung (leichtes oder mildes kognitives Defizit) oder einer Demenz (z.B. Alzheimer-Demenz, Lewy-Body-Demenz, Frontotemporale Demenz (FTD)) zu ermöglichen. Dazu gehören neben einer medizinisch-neurologischen Abklärung eine ausführliche neuropsychologische Demenz Diagnostik sowie eine Lumbalpunktion zur Bestimmung von Demenzbiomarkern und weiteren Parametern im Liquor. Alle diese Leistungen können ambulant zeitnah durchgeführt werden. Für erblich bedingte Alzheimer- oder FTD-Demenzerkrankungen wird eine spezielle genetische Beratung wie auch eine molekulargenetische Abklärung angeboten. In der FTD- und Alzheimer-Forschung arbeitet die Klinik mit mehreren nationalen (z. B. dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen) wie auch internationalen Partnern zusammen. Es gibt auch eigene klinische Forschungsprojekte, die sich um eine bessere Versorgung, Therapie und Charakterisierung von Demenz-Patienten drehen.

Kopfschmerzzentrum

Das Kopfschmerzzentrum der Klinik für Neurologie am Campus Mitte behandelt und betreut Patient:innen mit Kopf- und Gesichtsschmerzen.

Neuroimmunologische Sprechstunde

In dieser Sprechstunde werden Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose und anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (z. B. Neuromyelitis optica Spektrum Erkrankungen (NMOSD), MOG-IgG assoziierte Erkrankungen (MOGAD)) beraten, behandelt und betreut. In den letzten Jahren wurde eine immer differenziertere Behandlung dieser "neuroimmunologischen" Erkrankungen möglich. Um diesem Standard gerecht zu werden, stehen alle relevanten Untersuchungstechniken zur Verfügung (Liquor- und allgemeine Labordiagnostik, elektrophysiologische Verfahren etc.). Die Durchführung eingeleiteter Behandlungsmaßnahmen, wie z.B. Hochdosis-Kortisontherapien, Tysabri- und Mitoxantron-Infusionen, kann innerhalb der Ambulanz oder stationär erfolgen. Dies bezieht sich auch auf die Behandlung komplexer Probleme im Krankheitsverlauf, z.B. durch spasmolytische Injektionen von Botulinumtoxin (AG Bewegungsstörungen).

Spezialambulanz für Muskelerkrankungen

In der Spezialambulanz für Muskelerkrankungen werden schwerpunktmäßig Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Erkrankungen der Muskulatur (Myositis) betreut. Es handelt sich dabei um eine vielfältige Gruppe autoimmun-entzündlicher Erkrankungen der Muskulatur. Im Rahmen einer Myositis kann es zu Beschwerden in verschiedensten Organsystemen (u. a. Muskeln, Gelenke, Haut) kommen. Myositiden zeichnen sich dadurch aus, dass die Erkrankungen selten vorkommen und dass sie in der Regel eine interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung erfordern. Die Betreuung der Patientinnen und Patienten erfolgt deshalb in interdisziplinärer Zusammenarbeit, u. a. mit der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie. Die typischen Beschwerden der Patientinnen und Patienten mit Myositis sind Muskelschwäche, Muskelschwund oder Muskelschmerzen. Im Labor fällt oft eine Erhöhung der muskelspezifischen Kreatinkinase auf. Häufig lassen sich auch Antikörper gegen Muskelstrukturen nachweisen.

Neuroonkologische Sprechstunde

In enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Neurochirurgie, Radioonkologie, Neuropathologie, pädiatrischen Neuroonkologie, Hämatologie/Onkologie sowie Charité Comprehensive Cancer Center werden Patientinnen und Patienten mit Tumorerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks sowie Tumoren des peripheren Nervensystems und erblichen Tumorprädispositionssyndromen behandelt und begleitet.

Schlafmedizinische Sprechstunde

In der schlafmedizinischen Sprechstunde werden Patienten aller Altersstufen ab dem 12. Lebensjahr behandelt. Im Besonderen ist die Klinik auf folgende Fragestellungen spezialisiert:

  • Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf wie z. B. Schlafwandeln und/oder sonstige Bewegungen im Schlaf
  • Abgrenzung von Parasomnien, schlafbezogenen epileptischen Anfällen und sonstigen Bewegungsstörungen im Schlaf
  • Narkolepsie mit und ohne Kataplexie und sonstige Störungen, die mit einer erhöhten Tagesmüdigkeit und/oder oder Einschlafattacken einhergehen
  • Syndrom der unruhigen Beine (Restless legs-Syndrom)
  • Störungen in der Abfolge des Schlaf-Wach-Rhythmus (Phasenverschiebungen des Schlaf-Wach-Rhythmus)
  • Abgrenzung zwischen primären Schlafstörungen von primär psychiatrischen Erkrankungen, die mit einer Schlafstörung einhergehen
  • Schlafstörungen des Jugendalters
  • alle sonstigen ungewöhnlichen Schlafstörungen

Ferner können sich Patienten vorstellen, bei denen im Zusammenhang mit einer bereits diagnostizierten Erkrankung des Nervensystems (z…

Funktionelle Bewegungsstörungen

Funktionelle Bewegungsstörungen sind häufige Erkrankungen an der Schnittstelle von Neurologie und Psychosomatik. Neben der diagnostischen Klärung bei Verdacht auf funktionelle Bewegungsstörungen erfolgt eine integrierte neuro-psychosomatische Beurteilung sowie eine individuelle Therapieplanung und gegebenenfalls Verlaufsbeurteilung. Zudem steht die Klinik zur Beratung des Behandler:innen-Netzwerks zur Verfügung.

Post-COVID-19 Sprechstunde

Auch nach anderen viralen Infektionserkrankungen, wie Influenza oder Ebstein-Barr-Virus (EBV) können residuelle Beschwerden auftreten. Vor allem neurologische Beschwerden sind häufig und gehen besonders mit einer Einschränkung der Lebensqualität einher.

Schlaganfall-Sprechstunde

Die Schwerpunkte der Sprechstunde sind:

  • Schlaganfall (Infarkte und Blutungen im Gehirn)
  • Erkrankungen der Halsschlagadern (Verengungen der hirnversorgenden Arterien z.B.

Parkinson-Sprechstunde

Die Schwerpunkte der Sprechstunde die Verbesserung der Behandlung von Parkinson-Patienten mit abwechselnd gehemmter und überschießender Beweglichkeit (sogenanntes On-Off-Phänomen). In diesem Rahmen lassen die Betroffenen ihren Zustand an 30 aufeinanderfolgenden Tagen im häuslichen Umfeld mit standardisierten Videoaufnahmen dokumentieren. Dieses Bildmaterial wird dann von Spezialisten der neurologischen Klinik zusammen mit dem zuweisenden Neurologen ausgewertet, um die Probleme des Patienten in seinem Alltag zu erfassen und mit gezielten Behandlungsschritten Abhilfe zu schaffen.

Forschung

Die Klinik für Neurologie ist sehr aktiv auf dem Feld der Erforschung des Nervensystems. Die Forscherinnen und Forscher der Neurologie untersuchen neurologische Erkrankungen auch in Verbundprojekten. Zusammen mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) errichtete die Charité im Jahr 2005 das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB). Das CSB arbeitet an Diagnose- und Behandlungskonzepten, die Komplikationen vorbeugen sollen. Ziel: die Mortalität und Morbidität bei Schlaganfall verringern. Dabei stehen insbesondere neue Therapien zum Schutz des Hirns im Fokus.

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