Die Charité - Universitätsmedizin Berlin ist ein bedeutendes Zentrum für Forschung und Krankenversorgung in den Bereichen Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie. Am CharitéCentrum 15 für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie ergänzen sich diese Disziplinen auf einzigartige Weise und ermöglichen so eine umfassende Behandlung von Patientinnen und Patienten. Die Klinik für Neurologie, die Klinik für Neurochirurgie und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie arbeiten eng zusammen, um innovative Therapien zu entwickeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Klinik für Neurologie
Die Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie ist an den Standorten Berlin-Mitte, Berlin-Steglitz und Berlin-Wedding vertreten. Jährlich werden hier auf insgesamt 170 Betten über 8.000 neurologische Fälle stationär behandelt. In der Klinik werden unter anderem Schlaganfälle, entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Bewegungsstörungen, degenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Demenzen sowie Epilepsie diagnostiziert und behandelt.
Forschungsschwerpunkte der Neurologie
Die Klinik für Neurologie ist sehr aktiv auf dem Gebiet der Erforschung des Nervensystems. Die Arbeitsgruppen der Klinik forschen unter anderem in den Bereichen Kognition, Motorik, Schlaganfall und Neuroimmunologie. Die Forscherinnen und Forscher der Neurologie untersuchen neurologische Erkrankungen auch in Verbundprojekten.
Die Experimentelle Neurologie ist eine eigene Abteilung für krankheitsbezogene Grundlagenforschung innerhalb der Klinik für Neurologie, geleitet von Prof. Dr. med..
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf Bewegungsstörungen und Neuromodulation. Die Sektion unter der Leitung von Prof. Dr. med. erforscht die Zusammenhänge pathophysiologischer Veränderungen und klinischer Symptome bei Bewegungsstörungen.
Lesen Sie auch: Spezialisten der Neurochirurgie an der Charité
Die Sektion Gehirnsimulation unter der Leitung von Prof. Dr. med. Petra Ritter widmet sich der personalisierten Gehirnsimulation.
Zentrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB)
Das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) wird seit 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum gefördert.
Studienzentrum für Bewegungsstörungen
Die Klinik für Neurologie ist als Charité-Studienzentrum an einer Reihe von Therapiestudien bei Bewegungsstörungen beteiligt.
Tiefe Hirnstimulation (THS) bei Bewegungsstörungen
Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten sind die neurophysiologischen Grundlagen von Bewegungsstörungen und insbesondere der Wirkmechanismus der tiefen Hirnstimulation bislang nicht gut verstanden. Seit 2020 ist der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte transregionale Sonderforschungsbereich TRR 295 ReTune unter Leitung von Frau Prof. Andrea Kühn an der Klinik für Neurologie der Charité etabliert.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Kühn beschäftigt sich mit der Bedeutung oszillatorischer Basalganglienaktivität, welche intra- und perioperativ über die THS-Elektroden bei Patienten mit Bewegungsstörungen aufgezeichnet werden kann. Ziel der Arbeit ist die Therapieoptimierung der Tiefen Hirnstimulation, z.B. durch adaptive closed-loop Stimulation. Hierfür werden krankheitsspezifische Aktivitätsmuster erforscht und die Modulation dieser Aktivität durch die Therapie untersucht.
Lesen Sie auch: Charité Virchow Neurologie: Ein Überblick
Durch motorische und kognitive Experimente wird die differentielle Verknüpfung der Basalganglien in motorischen und nicht-motorischen Schleifen erarbeitet. Durch die parallele Aufzeichnung von 125 Kanal Magnetoenzephalographie oder 64 Kanal Elektroenzephalographie bietet sich die einzigartige Möglichkeit, kortiko-subkortikale Konnektivität in der Kortex-Basalganglienschleife zu charakterisieren.
Bei nicht-invasiven Stimulationstechniken wie der Transkraniellen Magnetstimulation (TMS) oder der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) wird die kortikale Aktivität durch Magnetpulse oder elektrische Felder moduliert, wodurch spezifische Funktionen wie Plastizität und Inhibition untersucht werden können. Hierdurch sollen einerseits krankheitsspezifische Veränderungen dieser Funktionen bei verschiedenen Bewegungsstörungen charakterisiert werden und ein besseres Verständnis der Pathophysiologie ermöglichen. Ebenso können die Auswirkungen der Tiefen Hirnstimulation auf diese Funktionen untersucht werden.
Um Therapieeffekte unabhängig vom Untersucher und in höchstmöglicher Auflösung darzustellen, werden verschiedene Sensorsysteme zur quantitativen Erfassung der Motorik bei Bewegungsstörungen genutzt. Damit gelingt es subtile, aber für den Patienten relevante Effekte sowie unerwünschte Nebenwirkungen der Tiefen Hirnstimulation abzubilden, zu quantifizieren und die Therapie entsprechend zu optimieren.
In der Arbeitsgruppe von Prof. Kühn wird seit 2008 ein Verfahren zur präzisen Elektrodenlokalisation nach THS Operation entwickelt. Aus diesem Forschungszweig ist eine frei verfügbare Forschungs-Software entstanden, die weltweit eingesetzt wird und eine realistische Darstellung der THS-Elektroden im Gehirn von Patienten erlaubt, welche z.B. an Bewegungsstörungen leiden (www.lead-dbs.org). Darauf aufbauend konnten in zahlreichen Studien gezeigt werden, welche Effekte eine Stimulation räumlich begrenzter anatomischer Strukturen auf die klinischen Symptome oder abgeleiteten lokalen Feldpotentiale haben kann.
In translational ausgerichteten tierexperimentellen Studien wird komplementär zu den Untersuchungen am Menschen die Pathophysiologie des idiopathischen Parkinsonsyndroms besser zu verstehen und den Wirkmechanismus der Tiefen Hirnstimulation zu erforschen. In den Experimenten wird in vivo-Elektrophysiologie mit Tiefer Hirnstimulation, Verhaltensuntersuchungen und Histologie kombiniert, um maladaptive Netzwerkmechanismen der Kortex-Basalganglienschleife zu erforschen. Über eine zusätzliche pharmakologische Manipulation mit klinisch etablierten und präklinischen experimentellen Wirkstoffen können pathophysiologische Zusammenhänge studiert und so Rückschlüsse auf die komplexe Krankheitszusammenhänge bei Patienten gezogen werden.
Lesen Sie auch: Charité Neurochirurgie: So holen Sie eine Zweitmeinung ein
Klinik für Neurochirurgie
In die Klinik für Neurochirurgie mit Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie kommen Patienten mit Erkrankungen der Hirngefäße und Hirntumoren, akuten Schädel-Hirn-Verletzungen und Erkrankungen der Wirbelsäule. Epilepsiechirurgische Eingriffe werden hier durchgeführt, ebenso wie Operationstechniken der funktionellen Neurochirurgie (z.B. der „Hirnschrittmacher“ bei Bewegungsstörungen). Neurochirurgische Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen übernimmt der selbständige Arbeitsbereich pädiatrische Neurochirurgie.
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Campus Mitte und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Campus Benjamin Franklin nehmen Patientinnen und Patienten mit Krankheitsbildern wie Schizophrenie, Depression, bipolaren Erkrankungen oder Angst- und Zwangsstörungen auf. Auch psychotherapeutische Krisenintervention erfolgt hier.
Forschungsschwerpunkte der Psychiatrie
Die Arbeitsgruppen an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (CCM) inklusive des Standortes Charité des St. Hedwig-Krankenhauses sind in Forschungsbereiche gegliedert. Diese Organisation dient der raschen Orientierung und Schwerpunktdarstellung. Zwischen den Forschungsbereichen gibt es inhaltliche Überschneidungen, personelle Querbezüge und auch Forschung zu weiteren Themen und Erkrankungen in den Arbeitsgruppen.
Institut für Neuropathologie
Für die Diagnostik unerlässlich ist das Institut für Neuropathologie. Hier werden beispielsweise Proben des zentralen Nervensystems, Liquorproben und neuromuskuläre Biopsate untersucht.
Forschungspartnerschaften und Förderung
Forschung wird häufig in Verbundprojekten und Netzwerken durchgeführt. Die Charité bietet Stipendien für Nachwuchswissenschaftler an.
tags: #charite #neurologie #neurochirurgie #und #psychiatrie