Cortison, insbesondere Dexamethason, spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung von Hirntumoren. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und potenziellen Nebenwirkungen von Cortison bei Hirntumoren.
Einführung
Bei der Behandlung von Hirntumoren, insbesondere in Kombination mit Chemotherapie oder Bestrahlung, kann es zu einer vermehrten Wassereinlagerung im Gehirn (Hirnödem) kommen. Cortison, insbesondere Dexamethason, wird häufig eingesetzt, um diese Ödeme zu reduzieren und Entzündungen zu hemmen.
Wirkungsweise von Dexamethason
Dexamethason ist ein synthetisches Glukokortikoid, das eine starke entzündungshemmende und immunsuppressive Wirkung hat. Es wirkt auf verschiedenen Ebenen:
- Hemmung der Phospholipase A2: Dexamethason hemmt die Freisetzung von Arachidonsäure, einem Vorläufer von Entzündungsmediatoren wie Prostaglandinen und Leukotrienen. Diese Eicosanoide spielen eine wichtige Rolle bei Entzündungen, Schmerzen und Fieber.
- Interaktion mit dem Glukokortikoid-Rezeptor (GR): Dexamethason bindet an den GR im Zytoplasma der Zelle. Der Dexamethason-GR-Komplex transloziert in den Zellkern und wirkt dort als Transkriptionsfaktor. Dies führt zur Aktivierung antiinflammatorischer Gene und zur Unterdrückung entzündungsfördernder Zytokine und Chemokine.
Pharmakokinetik von Dexamethason
Nach oraler Einnahme wird Dexamethason schnell und nahezu vollständig im Magen und Dünndarm resorbiert. Die Bioverfügbarkeit beträgt 80-90%. Dexamethason wird dosisabhängig an Plasma-Albumine gebunden und hat eine lange biologische Halbwertszeit von über 36 Stunden. Die Elimination erfolgt hauptsächlich renal in Form des freien Dexamethason-Alkohols und als Glucuronate bzw. Sulfate.
Anwendungsgebiete von Dexamethason bei Hirntumoren
Dexamethason wird bei Hirntumoren hauptsächlich zur Behandlung von Hirnödemen eingesetzt, die durch den Tumor selbst, Operationen, Bestrahlungen oder Entzündungen verursacht werden können. Es kann auch zur Behandlung von Hirnschwellungen, ausgelöst durch Schädel-Hirn-Verletzungen, neurochirurgische Eingriffe, Eiteransammlungen im Gehirn oder bakterielle Hirnhautentzündungen, verwendet werden. Darüber hinaus findet es Anwendung in der Palliativbehandlung von Krebspatienten und zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen im Rahmen der Zytostatika-Therapie oder nach Operationen.
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Dosierung von Dexamethason
Die Dosierung von Dexamethason variiert je nach Erkrankung, individuellem Ansprechen und Behandlungsform.
Beispiele:
- Erwachsene:
- Akutes Hirnödem: Initial 4 bis 16 Milligramm pro Tag.
- Hirnabszess: Vier- bis sechsmal täglich 4 bis 8 Milligramm.
- Palliativbehandlung von Krebserkrankungen: Anfangs 8 bis 16 Milligramm pro Tag, reduzierbar auf 4 bis 12 Milligramm.
- Kinder: Die Dosis wird in der Regel nach Körpergewicht berechnet.
Nebenwirkungen von Dexamethason
Die Gefahr von Nebenwirkungen ist bei einer kurzfristigen Therapie mit Dexamethason gering. Bei einer längerfristigen Therapie können jedoch verschiedene Nebenwirkungen auftreten:
Häufige Nebenwirkungen:
- Elektrolytverschiebungen
- Ödembildung
- Blutdrucksteigerung
- Herzversagen
- Herzrhythmusstörungen
- Krämpfe
- Störungen des Zuckerhaushaltes
- Herabsetzung des Infektionswiderstands
- Magengeschwüre, Darmgeschwüre
Nebenwirkungen bei Langzeitbehandlung:
- Nebennierenrindenunterfunktion
- Vollmond-Gesicht
- Stammfettsucht
- Wachstumsverzögerung bei Kindern
- Erektionsstörungen (Impotenz)
- Männlicher Behaarungstyp bei der Frau (Hirsutismus)
- Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe)
- Hautveränderungen
- Hautdehnungsstreifen
- Verzögerung der Wundheilung
- Knochenschwund (Osteoporose)
- Muskelschwund
- Depressionen, Gereiztheit, Euphorie
- Appetitsteigerung
- Antriebssteigerung
- Magenblutung, Darmblutung
- Bauchspeicheldrüsenentzündung
- Hirndrucksteigerung (Pseudotumor cerebri)
- Epilepsie
- Erhöhtes Risiko für Gefäßverschluss, Gefäßentzündungen
- Zunahme der weißen Blutkörperchen, Verminderung der Lymphzellen
- Schwächung der Immunabwehr, Infektionen
- Grauer Star, Grüner Star
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Dexamethason kann die Wirkung verschiedener Medikamente beeinflussen:
- Verstärkung der Wirkung: Herzglykoside
- Erhöhung der kaliumausscheidenden Wirkung: Entwässernde Mittel, Abführmittel
- Verminderung der Wirkung: Antidiabetika, Blutverdünnende Mittel
- Abschwächung der Wirkung von Dexamethason: Rifampicin, Phenytoin, Primidon, Barbiturate
- Verstärkung der Wirkung von Dexamethason: Östrogen-Gestagen-Kombinationen (Pille)
- Erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Blutungen: Nichtsteroidale Antirheumatika, Antiphlogistika, Salicylsäure
- Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Blutbildveränderungen: ACE-Hemmer
- Erhöhtes Risiko für Muskel- und Herzmuskelerkrankungen: Antimalariamittel (Hydroxychloroquin, Mefloquin, Chloroquin)
- Abschwächung der Wirkung: Somatropin
- Senkung des Gehalts im Blut: Praziquantel
- Verfälschte Ergebnisse von Schilddrüsen- und Hirnanhangdrüsenuntersuchungen: Protirelin
- Verminderte Hautreaktionen: Allergietests
- Unterstützung der Augeninnendruck-steigernden Wirkung: Atropin, Anticholinergika
- Erhöhtes Risiko für Krampfanfälle: Ciclosporin
Gegenanzeigen
Bei Überempfindlichkeit gegen Dexamethason oder andere Glukokortikoide ist die Anwendung kontraindiziert.
Strahlentherapie bei Hirntumoren
Die Strahlentherapie ist eine wichtige Behandlungsmaßnahme bei Hirntumoren, oft nach einer Operation. Sie zielt darauf ab, Tumorzellen zu zerstören und normales Gewebe zu schonen. Moderne Bestrahlungstechniken ermöglichen eine präzise Anpassung der Therapiefelder an den Tumor, wodurch Nebenwirkungen reduziert werden können.
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Zielvolumina und Therapietechnik
Die Auswahl der Therapiefelder orientiert sich an den biologischen Eigenschaften des Tumors. Einige Tumoren wachsen lokal infiltrativ, während andere über die Hirnwasserwege metastasieren. Entsprechend werden die Zielvolumina und die Therapietechnik angepasst.
Bestrahlungstechniken
- Strahlenbehandlung der erweiterten Tumorregion: Hierbei wird das Tumorbett einschließlich eines Sicherheitssaums bestrahlt.
- Strahlentherapie des gesamten Liquorraumes: Diese Technik wird bei Tumoren angewendet, die über die Hirnwasserwege streuen.
- Stereotaktische Konformationsbestrahlung: Eine tumorkonforme Bestrahlung, die eine individuelle Anpassung an irregulär geformte Tumoren ermöglicht.
- Stereotaktische Einzeitbestrahlung: Hierbei wird eine hohe Dosis in einer einzigen Sitzung appliziert.
- Ganzhirnbestrahlung: Die Bestrahlung erfolgt über zwei seitliche Felder, die das gesamte Gehirn erfassen.
- Strahlenbehandlung der Neuroachse: Das Gehirn und der Spinalkanal werden bei Tumoren mit spinaler Aussaat bestrahlt.
Dosierung bei der Strahlentherapie
Die für eine Tumorvernichtung notwendige Dosis richtet sich nach der Strahlenempfindlichkeit des Tumors. Hochmaligne Gliome benötigen eine höhere Dosis als niedrig maligne Gliome. Bei Hirnmetastasen wird üblicherweise das gesamte Gehirn bis zu einer bestimmten Dosis bestrahlt.
Fraktionierung
Die Bestrahlung wird in der Regel auf mehrere geringe Einzeldosen aufgeteilt, um die Verträglichkeit zu verbessern und die Erholungsfähigkeit von normalem Gewebe zu fördern.
Hirnmetastasen
Hirnmetastasen sind Absiedlungen von Tumoren, die außerhalb des Gehirns entstanden sind. Sie können verschiedene Symptome verursachen, wie Kopfschmerzen, Lähmungen, Sprachstörungen oder Persönlichkeitsveränderungen.
Diagnose von Hirnmetastasen
Zur Diagnose von Hirnmetastasen werden bildgebende Verfahren wie MRT, CT und PET eingesetzt. Eine Biopsie kann erforderlich sein, um die Art der Metastase zu bestimmen.
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Behandlung von Hirnmetastasen
Die Behandlung von Hirnmetastasen hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Ursprungstumor, dem Krankheitsstadium und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Mögliche Behandlungen sind:
- Kortikosteroide: Zur Reduktion von Hirnödemen und zur Linderung von Symptomen.
- Antiepileptika: Zur Behandlung von Krampfanfällen.
- Medikamente: Chemotherapie, Antihormontherapie, zielgerichtete Medikamente, Immuntherapie.
- Operation: Zur Entfernung von Metastasen.
- Bestrahlung: Ganzhirnbestrahlung, stereotaktische Radiochirurgie.
Umgang mit Nebenwirkungen und Spätfolgen
Die Behandlung von Hirntumoren kann mit verschiedenen Nebenwirkungen und Spätfolgen verbunden sein. Es ist wichtig, diese frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Patienten und Angehörigen ist dabei entscheidend.