Demenz: Ein differenzierter Blick auf neurologische und psychische Aspekte

Die Demenz, abgeleitet vom lateinischen „demens“ (ohne Geist), beschreibt einen krankheitsbedingten, erworbenen Verlust von Leistungen der höheren Gehirnfunktionen. Dieser Verlust betrifft kognitive Fähigkeiten und kann zu Persönlichkeitsveränderungen sowie plötzlichen Gemütsschwankungen führen. Die Symptome variieren je nach Art der Demenzerkrankung und ihrer Ursache.

Formen der Demenz: Ein Überblick

Man unterscheidet verschiedene Formen der Demenz, von denen einige der häufigsten im Folgenden aufgeführt werden:

  • Alzheimer-Krankheit: Mit etwa 60 % ist sie die häufigste Ursache aller Demenzen. Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer lagern sich schädliche Proteine wie Amyloid-beta ab.

  • Vaskuläre Demenz: Sie macht etwa 10-15 % aller Demenzen aus. Hauptursache ist eine Schädigung der Gefäße durch Arteriosklerose, die zu langfristigen Durchblutungsstörungen im Gehirn führt. Menschen mit Diabetes mellitus oder Bluthochdruck haben ein besonders hohes Risiko für Veränderungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn.

  • Mischformen: In etwa 20 % der Fälle treten Mischformen der vaskulären und der Alzheimer-Demenz auf.

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  • Demenz mit Lewy-Körperchen: Sie ist für etwa 10-15 % aller Demenzen verantwortlich. Neben Alzheimer-Plaques und Neurofibrillen finden sich hier zusätzliche Eiweißablagerungen, sogenannte Lewy-Körperchen, in den Nervenzellen der Großhirnrinde. Das Erscheinungsbild unterscheidet sich erheblich von der Alzheimer-Krankheit. Eine fortschreitende Demenz mit Gedächtnisstörungen besteht wie bei der Alzheimer-Krankheit. Doch neigen die Patienten neben detailreichen optischen Wahrnehmungsstörungen ("Besucher"), schwankenden Beeinträchtigungen der geistigen Fähigkeiten und der Wachheit im Tagesverlauf sowie spontanen motorischen Parkinson-Symptomen zu Stürzen, Ohnmacht und plötzlichem Bewusstseinsverlust, Wahn sowie Halluzinationen anderer Sinnesgebiete. Häufig sind die optisch-räumlichen Störungen ausgeprägter als bei Alzheimer-Patienten. Es sind wie bei der Parkinson-Krankheit mehr Männer als Frauen betroffen. Neuroleptika (antipsychotische Medikamente) werden schlecht vertragen. Dagegen sprechen die Patienten besonders gut auf die Behandlung mit (Acetyl)Cholinesterasehemmern an. Wegen der Gefahren, die den Patienten durch die Einnahme von Neuroleptika drohen, und dem besonders guten Ansprechen auf (Acetyl)Cholinesterasehemmer ist es wichtig, die Demenz mit Lewy-Körperchen von der Alzheimer- und dem Parkinson-Syndrom diagnostisch abzugrenzen.

  • Fronto-temporale Demenz: Diese Form ist seltener als die Alzheimer-Demenz (5 %) und betrifft eher jüngere Patienten (um das 50. Lebensjahr). Sie wird durch eine Schrumpfung des Stirnlappens bzw. der Schläfenlappen verursacht. Typisch ist vor allem eine Wesensänderung und eine Störung der Verarbeitung von Emotionen. In speziellen Fällen kann es zu einem isolierten, langsam voranschreitenden Verlust der Sprache kommen (Aphasie).

  • Kognitive Störung bei Depression: Bei bestimmten Depressionen (im höheren Lebensalter) kann es zu ungewöhnlich stark ausgeprägten Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Konzentrationsleistung und der Denkabläufe kommen. Manchmal wirkt das hierbei entstehende Störungsbild wie eine Demenz. Werden diese Beeinträchtigungen bei den depressiv Kranken zutreffend erkannt und mit antidepressiv wirkenden Medikamenten behandelt, so können sie sich vollständig zurückbilden.

  • Andere Ursachen: Chronischer Alkoholismus (Korsakow-Syndrom), Schädel-Hirn-Verletzungen, Hirntumore, Schilddrüsenunterfunktion, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose oder AIDS) können ebenfalls zu Demenz führen.

Eine andere Unterteilungsform spricht von primärer und sekundärer Demenz. Letztere ist eine Folge einer anderen organischen Störung (z.B. Schlaganfall), also eine sekundäre Erscheinung, wohingegen bei primärer Demenz entweder keine Ursache bekannt ist bzw. der demente Abbauprozess selbst die Wurzel der Erkrankung darstellt.

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Neurologische Erkrankungen im Kontext der Demenz

Neurologische Erkrankungen spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung verschiedener Demenzformen. Die Hauptursache der vaskulären Demenz ist eine Schädigung der Gefäße durch Arteriosklerose. Dadurch kommt es zu langfristigen Durchblutungsstörungen im Gehirn. Menschen mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder mit Bluthochdruck (Hypertonie) haben ein besonders großes Risiko für Veränderungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn, weswegen diese Erkrankungen unbedingt konsequent behandelt werden müssen. Die Alzheimer-Demenz ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen des Gehirns zerstört werden. Bei der Lewy-Körper-Demenz bilden sich aus bislang unbekannter Ursache sogenannte Lewy-Körperchen, die hauptsächlich aus dem Eiweiß alpha-Synuclein bestehen. Die zuerst bei der Parkinson-Krankheit entdeckten Proteinaggregate lagern sich im neuronalen Zytoplasma (speziell in Cortex und Hirnstamm) an. Die interneuronale Signalweitergabe wird gestört, Nervenzellverbindungen gehen verloren - mit dem Ergebnis zerebraler Ausfallerscheinungen. Gleichzeitig besteht ein Dopamindefizit, weshalb die Demenz auch zu den atypischen Parkinson-Syndromen gezählt wird. Bei der Frontotemporalen Demenz dominiert eine präsenil beginnende neuronale Dysfunktion und der Verlust von neuronalen Verbindungen im Frontal- und Temporalbereich.

Psychische Aspekte und Pseudodemenz

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede kognitive Beeinträchtigung auf eine Demenz zurückzuführen ist. Eine sogenannte Pseudodemenz kann ähnliche Symptome verursachen, wird jedoch durch andere organische oder psychische Störungen ausgelöst. Beispielsweise können Erkrankungen wie Depressionen, Delir (Verwirrtheitszustand), artifizielle Störung (Verhaltensstörungen) oder das Ganser-Syndrom (seltenes psychiatrisches Störungsbild, gekennzeichnet durch unstimmige/falsche Antworten auf einfache Fragen oder unpassende Handlungsabläufe) die für eine Demenz typischen Symptome verursachen. Daher wird eine Pseudodemenz häufig fehldiagnostiziert.

Im Verlauf der Erkrankung verlieren Betroffene ihre kognitiven Fähigkeiten, und auch die emotionalen und sozialen Fähigkeiten lassen langsam nach. Typische Anzeichen einer Demenz-Erkrankung können sein: Gedächtnislücken, Probleme mit gewohnten Tätigkeiten, räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme, Schwierigkeiten beim Planen, Verlegen von Gegenständen, Sprach- und Schreibschwäche, Wahrnehmungsstörungen, eingeschränktes Urteilsvermögen, Verlust von Eigeninitiative und sozialer Rückzug sowie Persönlichkeitsveränderungen. Eine Pseudodemenz kann aber auch aufkommen, wenn die Betroffenen zu wenig angeregt oder gefordert werden - wie dies häufig nach einer Pensionierung der Fall ist. Ebenso können schwere Konflikte Demenz-ähnliche Blockaden hervorrufen.

Während bei einer Pseudodemenz das Gehirn also übergangsweise blockiert wird, wird es bei einer Demenz-Erkrankung irreversibel geschädigt. So kommt es bei der häufigsten Form der Demenz - der Alzheimer-Erkrankung - durch Eiweißablagerungen (sogenannte Amyloid-Plaques) zu einem Abbau an Nervenzellen im Gehirn. Hingegen werden bei einer vaskulären Demenz die Nervenzellen durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn geschädigt.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass eine Pseudodemenz plötzlich und vorübergehend auftritt, während eine Demenz-Erkrankung meist langsam, über mehrere Jahre hinweg, fortschreitet.

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Risikofaktoren und Prävention

Epidemiologische Studien haben etliche Faktoren ermittelt, die das Risiko einer Demenzerkrankung erhöhen. Wichtigster Risikofaktor ist ein hohes Lebensalter. Da Frauen statistisch älter werden als Männer, sind sie auch häufiger von Demenz betroffen. Alle Demenzformen gehen mit einem Verlust bzw. Abbau von Nervenzellen und neuronalen Verbindungen einher und sind mit einem Untergang von Hirngewebe assoziiert. Den unterschiedlichen Demenzformen liegen unterschiedliche pathogenetische Prozesse zugrunde.

Neben dem Alter gibt es weitere beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Schwerhörigkeit: Wenn Senioren immer schlechter hören, leidet ihr Sozialleben. Und auch das Gehirn trägt Spuren davon: Bei den Betroffenen verringern sich die geistigen Fähigkeiten wesentlich schneller als bei gut hörenden Altersgenossen - und zwar um bis zu 24 Prozent. Der Rat der US-amerikanischen Forscher, die den Zusammenhang entdeckt haben: Schwerhörigkeit nicht auf die leichte Schulter nehmen und lieber früh auf ein Hörgerät setzen.

  • Medikamente: Medikamente gegen Inkontinenz, Schlafstörungen oder Depressionen scheinen in höherer Dosis oder bei länger Anwendung das Risiko für Demenz zu erhöhen - und zwar auch, nachdem sie abgesetzt wurden. Forscher raten, anticholinerge Medikamente in der niedrigst möglichen Dosis zu verschreiben, den Therapieerfolg regelmäßig zu prüfen und die Behandlung zu beenden, falls die Medikamente nicht die gewünschte Wirkung zeigen.

  • Säureblocker: Vielfach im Einsatz gegen Sodbrennen sind Säureblocker. Senioren, die im Rahmen einer Studie Säureblocker wie Omeprazol und Pantoprazol über längere Zeit einnahmen, erkrankten mit einer um 44 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit an Demenz als Probanden, die keine Protonenpumpenhemmer bekommen hatten. Ob tatsächlich die Medikamente oder ein unbekannter gemeinsamer Faktor die Demenzgefahr erhöhten, ist allerdings noch ungeklärt. So oder so sollten die Hemmer nur genommen werden, wenn unbedingt nötig.

  • Vitamin-D-Mangel: Sonnenbaden schützt möglicherweise vor Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen. Der Grund dafür: Im Sonnenlicht bildet der Körper Vitamin D. Einer Studie zufolge hatten Menschen mit Vitamin-D-Mangel ein um 53 Prozent erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Bei starkem Mangel stieg die Wahrscheinlichkeit sogar um 125 Prozent. Vitamin D steckt zwar auch in einigen Nahrungsmitteln, wie zum Beispiel Fisch, aber fast 90 Prozent des Bedarfs produziert man selbst.

  • Stress: Scheidung, Tod des Partners, psychisch kranke Angehörige - große seelische Belastungen treiben das Demenzrisiko in die Höhe. Das gilt zumindest für Frauen, zeigt eine Langzeitstudie der Universität Göteborg. Allein das Risiko für Alzheimer stieg dabei pro Stressor um 15 Prozent. Eine mögliche Erklärung ist, dass Stress zu hormonellen Veränderungen führt, die sich negativ auf das zentrale Nervensystem auswirken.

  • Unstabile Persönlichkeit: Wer emotional weniger stabil ist, also beispielsweise besonders nervös, ängstlich, launisch, unsicher und stressempfindlich, trägt offenbar ein erheblich höheres Risiko für Alzheimer als emotional gefestigte Menschen. Psychologen bezeichnen einen solchen Wesenszug als Neurotizismus. Besonders häufig traf die Demenz Frauen, die schnell gestresst und gleichzeitig besonders verschlossen gegenüber anderen Menschen waren.

  • Einsamkeit: Alleine sein und sich einsam fühlen, sind zwei Paar Schuhe. Wer einsam ist, leidet darunter, dass er alleine ist. Genau dieses Gefühl ist offenbar auch ein Risikofaktor für eine Demenz. Wer in einer Studie mit 2.000 Teilnehmern von diesem seelischen Befinden berichtete, hatte eine 2,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit, später an Demenz zu erkranken. Hier hilft rechtzeitiges Gegensteuern, zum Beispiel, indem man versucht, sein soziales Netz zu festigen und auszubauen.

  • Diabetes und Bluthochdruck: Diabetes und Bluthochdruck sind schlecht für die Gefäße. Deshalb haben Diabetiker ein höheres Risiko für Demenz. Und sie erkranken im Durchschnitt mehr als zwei Jahre früher an einer Altersdemenz als Nicht-Diabetiker. Bluthochdruck wiederrum erhöht die Gefahr der sogenannten vaskulären Demenz, laut einer Studie des George Institute for Global Health sogar um bis zu 62 Prozent, wenn der Bluthochdruck im Alter von 30 bis 50 Jahren auftritt. Tritt er dagegen erstmals mit 80 bis 90 Jahren auf, schützt das sogar.

  • Rauchen: Wer regelmäßig Zigaretten raucht, schadet nicht nur seiner Lunge und erhöht sein Krebsrisiko. Auch das Gehirn leidet, weil durch Nikotin und Co. die Gefäße verengt werden. Das erschwert unter anderem die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen - und zwar auch im Denkorgan. Dies wiederrum kann zu kognitiven Einbußen und schlussendlich auch zu Demenz führen. Übrigens sterben viele Raucher, bevor sie überhaupt Demenz entwickeln können.

  • Luftverschmutzung: Auch dreckige Luft steht im Verdacht das Demenzrisiko zu erhöhen. Eine Studie mit älteren Frauen zeigte, dass jene, die in Stadtvierteln mit extrem hoher Luftverschmutzung wohnen, ein um 92 Prozent höheres Risiko haben, an Demenz zu erkranken als jene, die in ländlichen Gegenden mit geringer Feinstaubbelastung leben. Wie genau die mikroskopisch kleinen Partikel ins Hirn gelangen, ist allerdings noch unklar, so die Studienautoren.

  • Gewicht: Zu fettleibig oder zu mager - beides ist nicht gut, wenn es um das Risiko für Demenz geht. Uneinig sind sich die Forscher allerdings, wenn es um leichtes Übergewicht in der Lebensmitte geht. Während die einen auch in diesem Fall die Wahrscheinlichkeit erhöht sehen, berichten andere Studien sogar von einer schützenden Wirkung. Die Antwort - und eine entsprechende Empfehlung - stehen hier noch aus.

  • Depression: Depressionen und Demenz gehen oft Hand in Hand. Darum wusste man lange nicht, ob die Depressionen nur Vorbote einer Demenz sind, oder ein Risikofaktor. Diese Frage klärte 2014 eine amerikanische Studie: Zuerst kommt das seelische Tief, dann der geistige Verfall. Dabei gilt auch: Je stärker die Symptome der Depression, desto höher das anschließende Risiko für die Demenz. Wer depressiv ist, sollte auch deswegen auf jeden Fall behandelt werden, so die Experten

Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken. Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken.

Diagnose und Behandlung

Bei ersten Anzeichen von gesteigerter Vergesslichkeit oder dem Eindruck, dass sich die persönliche Denkleistung gravierend verändert, sollten Betroffene einen Facharzt für Neurologie bzw. einen Nervenarzt aufzusuchen. Die korrekte Diagnose der Symptome ist wichtig, um andere Ursachen (z.B. Depressionen, organische Erkrankungen etc.) auszuschließen und mit einer passenden Therapie zu beginnen. Bei Verdacht auf eine dementielle Erkrankung folgt die Überweisung in eine neurologische Facharzt-Praxis oder in eine Gedächtnisambulanz.

Mithilfe von kognitiven und neurologischen Tests können Ärzte die Ursache für die Symptome herausfinden. Wurde eine Demenz-Erkrankung diagnostisch ausgeschlossen, erfolgt eine Therapie entsprechend der zugrundeliegenden Krankheit, z. B. bei einer Depression mit Antidepressiva. In den meisten Fällen lassen die Beschwerden einer Pseudodemenz nach erfolgreicher Behandlung der Primärerkrankung nach.

Die primären Demenzen sind aus der Sicht des heutigen medizinischen Standards nicht heilbar. Derzeit gibt es noch keine Heilung für die primäre Demenz. Das Ziel der Behandlung ist die Verbesserung der Lebensqualität und die Verzögerung der Symptomfortschreitung. Ein Medikament, das den Abbau des Botenstoff Acetylcholin hemmt, kann die Merkfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit verbessern. Bei Depression, Unruhe und Orientierungslosigkeit können ebenfalls Medikamente helfen. Zusätzlich sind Psychotherapie, Krankengymnastik und Beschäftigungstherapie sinnvoll. Diese Therapieformen können entweder ambulant stattfinden oder in einem Reha-Zentrum.

Die Diagnose der Alzheimer-Demenz kann bisher nur durch das Ausschlussverfahren diagnostiziert werden. Durch eine Blutuntersuchung, den Einsatz von bildgebenden Verfahren wie dem CT und MRT sowie einer Nervenwasseruntersuchung können andere Erkrankungen ausgeschlossen und Hinweise auf eine Demenz gefunden werden. Alzheimer-Demenz kann derzeit noch nicht geheilt, aber behandelt werden. Mit Medikamenten wird der Abbau des „Botenstoffs“ Acetylcholin gehemmt und damit das Gedächtnis länger erhalten. Andere eingesetzte Medikamente können Symptome wie Angst, Unruhe oder Schlafstörungen lindern. Auch nicht-medikamentöse Therapien spielen eine wichtige Rolle. Besonders im Anfangsstadium kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein, in der Betroffene und Angehörige lernen, mit der Diagnose umzugehen. Durch den Einsatz von kognitivem Training, Ergotherapie und Musiktherapie können außerdem Fähigkeiten trainiert werden, die durch die Erkrankung langsam verloren gehen. Auch die Angehörigen müssen den richtigen Umgang mit dem Erkrankten lernen.

Umgang mit der Diagnose und Unterstützung

Für die meisten Menschen ist die Nachricht, an einer Demenz erkrankt zu sein, ein großer Schock, der Ängste und Verunsicherung zufolge hat und viele Fragen aufwirft. Auch Selbsthilfeorganisationen können in dieser Situation sehr hilfreich sein. Nach der Diagnose ist es ebenfalls wichtig, rechtliche, gesundheitliche und finanzielle Angelegenheiten zu regeln, solange man dazu noch selbst in der Lage ist. Demenzkranke sind in der Regel im Frühstadium noch voll geschäftsfähig und können selbst in ihrem Sinn vorsorgen. über gesetzliche Leistungen, Rechte, Hilfsangebote vor Ort aber auch ehrenamtliche Angebote für Demenzkranke und Angehörige.

Eine Demenz allgemein verändert den Menschen mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Dies mitzuerleben kann neben dem Betroffenen auch für die Angehörigen und das weitere Umfeld sehr belastend sein. Um das Miteinander möglichst harmonisch zu gestalten und, um Missverständnisse zu begrenzen, ist eine umfangreiche Aufklärung in dieser Situation sehr hilfreich. Wichtig ist, dass das Umfeld lernt zu verstehen, was in dementen Menschen vorgeht, was sie brauchen und wie sie reagieren. Angehörige sollten lernen, die Erkrankung zu akzeptieren und mit ihr umzugehen. Wichtig ist zudem, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, wenn man sie braucht. Insbesondere pflegende Angehörige sollten sich ausführlich über Hilfsangebote beraten lassen.

Stadieneinteilung der Demenz

Die Demenz kann in drei Stadien eingeteilt werden. Bei der leichten Demenz sind Betroffene im Alltag zwar leicht beeinträchtigt, aber sie können ein weitgehend selbstständiges und unabhängiges Leben führen. Manchmal fällt es ihm schwer, einem Gespräch zu folgen und auch Wortfindungsstörungen und Wiederholungen kommen vor. Bei komplexen Handlungen kommt es zu ersten Fehlhandlungen. Bei der mittleren Demenz ist der Betroffene auf Hilfe und Aufsicht angewiesen, da unter anderem die Körperpflege vernachlässigt wird und Einkaufen schwerfällt. Betroffene leiden unter Angst, Ratlosigkeit und Orientierungslosigkeit. Häufig kommt es zu aggressiven und gereizten Verhalten. Beim dritten Stadium, der schweren Demenz, ist eine eigenständige Lebensführung nicht mehr möglich. Patienten sind bettlägerig, können nicht selbstständig essen und sind inkontinent. Eine Kommunikation wird immer schwieriger.

Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer Erkankung. Diese kann in 7 Stufen eingeteilt werden:

  • Stufe 1: Keine Beeinträchtigung
  • Stufe 2: Sehr leicht gemindertes Wahrnehmungsvermögen
  • Stufe 3: Leicht gemindertes Wahrnehmungsvermögen
  • Stufe 4: Mäßig gemindertes Wahrnehmungsvermögen
  • Stufe 5: Mittelschwer gemindertes Wahrnehmungsvermögen
  • Stufe 6: Schwerwiegend gemindertes Wahrnehmungsvermögen

ICD-10 und ICD-11: Klassifikation der Demenz

Bei Demenzerkrankungen findet aktuell ein konzeptueller Wandel statt. Bis vor Kurzem wurden sie in Bezug auf die Ätiologie syndromal diagnostiziert. Klinische Kriteriensätze wurden für alle häufigen Demenzformen (z. B. Lewy-Körper-Demenz, frontotemporale Demenzen) formuliert. In den letzten Jahren sind aber, insbesondere bei der Alzheimer-Krankheit, Biomarker für die Pathologie (Amyloid, Tau-Aggregation) hinzugekommen, wodurch eine gesicherte ätiologische Diagnose möglich ist. Bei anderen Demenzformen sind ebenfalls Biomarker in Entwicklung. Durch die Möglichkeit der biomarkerbasierten Erkennung der Alzheimer-Krankheit bereits im Stadium der leichten kognitiven Störung („mild cognitive impairment“, MCI) kann nach aktuellen diagnostischen Kriterien, die auch in die S3-Leitlinie Demenzen aufgenommen wurden, die Alzheimer-Krankheit bereits bei milden Symptomen, die noch nicht die Kriterien einer Demenz, aber eines MCI erfüllen, diagnostiziert werden.

Der syndromalen Einteilung folgend werden im Kapitel F0 der ICD-10 verschiedene Demenzformen genannt (Tab. 1). Die Demenz bei Alzheimer-Krankheit (F00.*) wird unterteilt in die mit frühem Beginn unter 65 Jahre (F00.0) und die mit spätem Beginn ab 65. Jahre (F00.1). Unter F02 werden Demenzen bei anderorts klassifizierten Erkrankungen gelistet. Hierzu gehören die Pick-Krankheit (F02.0), die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (F02.1), die Chorea Huntington (F02.2), das primäre Parkinson-Syndrom (F02.3), die HIV(„human immunodeficiency virus“)-Krankheit (F02.4) sowie weitere andernorts klassifizierte Erkrankungen (F02.8), z. B. Unter F03 werden nicht näher bezeichnete Demenzen und unter F04 das nichtalkoholisch und nicht durch andere psychotrope Substanzen ausgelöste organisch-amnestische Syndrom codiert.

In ICD-11 werden aktuelle diagnostische Klassifikationen neurodegenerativer Demenzerkrankungen aufgriffen. In Kapitel 6 (Psychische Störungen, Verhaltensstörungen, neuromentale Entwicklungsstörungen) werden in dem Unterkapitel Neurokognitive Störungen die Demenzen aufgeführt. Aufgelistet werden hier die Demenz durch Alzheimer-Krankheit (6D80), eingeteilt in die mit frühem Beginn vor dem 65. Lebensjahr (6D80.0) und die mit spätem Beginn ab dem 65. Lebensjahr (6D80.1). Ferner werden Mischformen mit vaskulärer Pathologie (6D80.2) und mit anderen neurodegenerativen Pathologien (6D80.3) unterschieden. Einen eigenen Code hat die Demenz durch primär zerebrovaskuläre Krankheit (6D81). Hier können durch Postkoordination verschiedene Formen zerebrovaskulärer Erkrankungen mit jeweils eigenen Codes zugeordnet werden. Im Weiteren können Demenz durch Lewy-Körper-Krankheit (6D82), frontotemporale Demenz (6D83), Demenz durch psychoaktive Substanzen (6D84), inklusive Alkohol (6D84.0), Demenz durch Sedativa, Hypnotika oder Anxiolytika (6D84.1), durch flüchtige Inhalantien (6D84.2) und durch sonstige, nicht näher bezeichnete psychoaktive Substanzen (6D84.3) sowie Demenzen durch andernorts klassifizierte Krankheiten (6D85) codiert werden. Zu dem letzten Code sind neun Krankheiten gelistet, die jeweils über Postkoordination verknüpft werden können. Alle Demenzen können über Postkoordination in leicht, mittelgradig und schwer eingestuft werden. Neu ist die leichte neurokognitive Störung (6D71), die dem Konzept des MCI als frühe symptomatische Ausprägung einer neurodegenerativen Erkrankung vor dem Vollbild der Demenz entspricht. Über Postkoordination kann die leichte neurokognitive Störung mit spezifischen Krankheiten, z. B. der Alzheimer-Krankheit, verbunden werden.

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