Demenz-Test beim Neurologen: Ein umfassender Überblick

Die Diagnose von Demenz ist ein komplexer Prozess, der in der Regel mehrere Schritte umfasst und idealerweise von einem Spezialisten wie einem Neurologen oder Gerontopsychiater durchgeführt wird. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über den Ablauf eines Demenz-Tests beim Neurologen, von den ersten Anzeichen bis hin zu den verschiedenen Diagnoseverfahren.

Erste Anzeichen und der Weg zum Arzt

Viele Demenzerkrankungen beginnen schleichend und bleiben oft lange unbemerkt. Wenn sich das Gedächtnis oder andere kognitive Fähigkeiten dauerhaft und auffällig verschlechtern, ist der Hausarzt meist die erste Anlaufstelle. Dieser sollte sensibilisiert sein und erste Untersuchungen durchführen. Wenn die Symptome leicht sind und im Alltag kaum auffallen, sind ausführlichere Untersuchungen erforderlich. Bei anhaltenden Gedächtnis- oder Wortfindungsstörungen sowie auffallenden Verhaltensstörungen im Alter sollte unbedingt eine Abklärung der Ursache beim Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder Neurologie erfolgen. Für den Facharzt sind dabei Kompetenzen im Bereich der Alterskrankheiten seines Faches (Gerontopsychiatrie, Geriatrie = Altersheilkunde) von Vorteil.

Das Erstgespräch beim Hausarzt

Zunächst findet ein Anamnese-Gespräch statt. Der Arzt fragt nach aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren. Im Anschluss an das Gespräch folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung.

Kognitive Tests beim Hausarzt

Einfachere Untersuchungen beim Hausarzt können Kurztests sein. Dabei werden beispielsweise drei Wörter vorgegeben ("Auto, Blume, Kerze"), gefolgt von einer kleinen Rechenaufgabe (z. B. von 100 sieben abziehen bis 65). Dies dient zur Prüfung der Aufmerksamkeit und Konzentration. Anschließend wird nach den zuvor genannten Wörtern gefragt. Patienten mit deutlicherer Ausprägung können sich diese drei Wörter oft nicht merken.

Überweisung zum Neurologen/Psychiater

Erhärtet sich der Verdacht auf Demenz, erfolgt eine Überweisung zu einem Facharzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie oder Geriatrie.

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Ablauf des Demenz-Tests beim Neurologen

Um einen reibungslosen Ablauf mit möglichst geringen Wartezeiten zu gewährleisten, sind die Untersuchungen oft auf mehrere Termine verteilt.

1. Termin: Anamnese, körperliche Untersuchung und neuropsychologische Testung

Der erste Termin findet in der Gedächtnissprechstunde der Klinik und Poliklinik für Neurologie statt. Ein Arzt erhebt die Anamnese, prüft bereits veranlasste Untersuchungen und legt fest, welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind. Dieses Gespräch dauert etwa 30-45 Minuten. Informationen von Angehörigen sind sehr wichtig, daher sollten diese wenn möglich teilnehmen.

Im Anschluss findet eine ausführliche neuropsychologische Testung durch Neuropsychologen statt, die je nach Fragestellung etwa 0,5-2 Stunden dauert. Dabei werden verschiedene Verfahren angewendet, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit und weitere kognitive Bereiche überprüfen.

Es ist hilfreich, wenn der Patient Vorbefunde, bereits durchgeführte Aufnahmen vom Kopf (CT, MRT) und ggf. Brille und Hörgerät mitbringt. Am Ende dieses Termins wird festgelegt, welche weiteren Schritte folgen.

2. Termin: Liquorpunktion und/oder Bildgebung

Der zweite Termin hängt von den Ergebnissen des ersten Termins ab.

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  • Liquorpunktion: Sollte eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquorpunktion) zur Klärung der Fragestellung nötig sein, kommt es zu einem ambulanten Aufenthalt in der Neurologie. Zunächst erfolgt eine erneute ärztliche Untersuchung, dann wird Blut für eine ausführliche Blutuntersuchung entnommen, um sicher zu stellen, dass eine Liquorpunktion ohne erhöhtes Blutungsrisiko durchgeführt werden kann. Sind die Ergebnisse der Blutuntersuchung normwertig, erfolgt im Anschluss die Liquorpunktion zur Analyse von speziellen Demenzmarkern. Nach einer kurzen Abschlussuntersuchung erfolgt die Entlassung.
  • Bildgebung: Eine MRT (Magnetresonanztomographie) bzw. eine CT (Computertomographie), falls eine MRT aus unterschiedlichen Gründen (z. B. Herzschrittmacher) nicht möglich sein sollte, ist ambulant in einer radiologischen Praxis oder Klinik durchzuführen. Die Bilder sollten auf CD mit zu den Terminen mitgebracht werden (der Befund ist nicht ausreichend).

3. Termin: Besprechung der Ergebnisse und Therapieplanung

Der dritte Termin findet ambulant erneut im Rahmen der Gedächtnissprechstunde statt. Ein Arzt bespricht mit dem Patienten und seinen Angehörigen die Ergebnisse der Untersuchungen.

Sollten die bisherigen Untersuchungen eine klare Ursache der Beschwerden erbracht haben, werden mögliche Behandlungsansätze besprochen. Neben einer medikamentösen Therapie bietet sich von Fall zu Fall die Möglichkeit zur Teilnahme an Interventionsstudien, in denen z. B. mittels Gedächtnistrainings, körperlicher Aktivität und/ oder Transkranieller Magnetstimulation positive Effekte auf die Gedächtnisleistung zu erzielen sind.

Sollte die Ursache weiterhin unklar verblieben sein, wird geprüft ob weitere diagnostische Schritte wie z. B. eine PET (Positronenemissionstomographie) durchgeführt werden sollte.

Diagnoseverfahren im Detail

1. Anamnese und körperliche Untersuchung

Die Anamnese ist ein ausführliches Gespräch, in dem der Arzt Informationen über die Krankengeschichte des Patienten, seine aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente und mögliche Risikofaktoren sammelt. Die körperliche Untersuchung dient dazu, andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

2. Kognitive Tests

Kognitive oder auch neuropsychologische Tests können wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Demenzerkrankung geben. Es gibt verschiedene Tests, die unterschiedliche Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit erfassen.

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Mini-Mental-Status-Test (MMST)

Der MMST ist ein einfacher und schnell durchzuführender Test, der häufig als erster Orientierungstest eingesetzt wird. Er erfasst Bereiche wie:

  • Orientierung: Fragen zur aktuellen Zeit und zum Raum, in dem man sich befindet.
  • Merkfähigkeit: Nachsprechen und späteres Wiederholen von drei Wörtern.
  • Aufmerksamkeit und Rechnen: Rückwärts zählen in Siebener-Schritten von 100.
  • Erinnerungsfähigkeit: Wiederholung der drei Wörter aus dem Merkfähigkeitstest.
  • Sprache und Schreiben: Benennen von Gegenständen, Wiederholen von Sätzen, Schreiben eines Satzes und Abzeichnen von Figuren.

Der MMST dauert etwa zehn Minuten. Am Schluss rechnet der Untersucher alle Punkte zusammen, die der Patient bei den verschiedenen Aufgaben erzielt hat (Maximum: 30 Punkte).

DemTect

DemTect ist ein Spezialtest zur Früherkennung, der dem MMST überlegen sein soll. Er dauert ebenfalls etwa 10 Minuten und besteht aus fünf Aufgaben:

  • Wortliste wiederholen: Prüfung des Kurzzeitgedächtnisses. Diese Liste wird am Testende noch einmal abgefragt, um das Langzeitgedächtnis zu beurteilen.
  • Zahlenwandelaufgabe: Der Patient muss zwei Ziffern in Zahlwörter und zwei Zahlwörter in Ziffern umsetzen.
  • Flüssigkeit der Sprache: Der Patient soll so viele Dinge wie möglich nennen, die es in einem Supermarkt gibt.
  • Zahlenreihen rückwärts wiederholen: Prüfung des Arbeitsgedächtnisses.
  • Wortliste wiedererkennen: Abfrage der zuvor genannten Wortliste.

Uhren-Test

Bereits das einfache Zeichnen einer Uhr, lässt eine Beurteilung des geistigen Zustands des Patienten zu. Aufgrund der zunehmenden visuell-räumlichen Orientierungsprobleme im Verlauf der Krankheit können die Ziffern und Zeiger oft nicht mehr richtig in einem vorgegebenen Kreis angeordnet werden (Dauer ca. 5 Minuten).

CERAD-Test

Bei CERAD handelt es sich um eine Sammlung verschiedener kognitiver Test, mit dem einzelne Unterfunktionen der geistigen Leistungsfähigkeit genau geprüft werden können. Er wir nur von Spezialisten eingesetzt.

ADL-Skalen

ADL-Skalen (ADL: "Activities of Daily Living") messen die Auswirkungen der Demenz auf die Alltagsfähigkeiten. Der Test, der in verschiedenen Varianten existiert, misst, zu welchen Tätigkeiten des alltäglichen Lebens der Patient noch fähig ist.

3. Bildgebende Verfahren

Bei der Erstdiagnose der Demenz sollte zusätzlich entweder eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden. CT und MRT erstellen Schichtaufnahmen des Gehirns und erlauben einen Einblick in den Aufbau des Gehirns. Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen allein zwar nicht die Diagnose einer Demenz, können aber helfen, zwischen den einzelnen Formen zu unterscheiden. So können z.B. bei der Frontotemporalen Demenz typische Abbauprozesse im Stirn- oder Schläfenlappen erkannt werden. Bei der Vaskulären Demenz können Durchblutungsstörungen, Gefäßveränderungen oder Schlaganfälle sichtbar gemacht werden.

Der Hauptgrund für die Erstellung von CT- und MRT-Bildern liegt jedoch in der frühzeitigen Erkennung von behandelbaren Ursachen einer Demenz. Dies kann z.B. ein Hirntumor oder eine krankhafte Erweiterung der Hohlräume im Gehirn sein.

4. Untersuchung von Blut und Nervenwasser

Der Arzt wird bei allen Patienten mit Verdacht auf Demenz auch Blut abnehmen, um einige behandelbare Ursachen einer Demenz rechtzeitig zu erkennen (z.B. Mangel an Vitamin B12 oder an Schilddrüsenhormonen).

Über eine Analyse des Nervenwassers lässt sich die Konzentration von beta-Amyloid und Tau-Protein ermitteln, die bei der Entstehung von Demenz eine zentrale Rolle spielen. Der Nachweis bestimmter Proteine (Amyloid-beta, Tau) im Nervenwasser oder Blut kann die Diagnose absichern. Für eine Behandlung mit Leqembi ist dieser Nachweis eine zentrale Voraussetzung.

5. Weitere Untersuchungen

Je nach vermuteter Demenzform können weitere Untersuchungen sinnvoll sein:

  • Frontotemporale Demenz: Bei familiärer Vorbelastung wird eine genetische Beratung empfohlen.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Hier helfen zusätzliche Untersuchungen, etwa zur Beweglichkeit oder zum Schlafverhalten. Auch spezielle bildgebende Verfahren wie DAT-SPECT oder MIBG-Szintigrafie können zum Einsatz kommen. Typische Symtpome wie Halluzinationen oder Schwankungen in der Aufmerksamkeit werden gezielt abgefragt oder getestet.
  • Vaskuläre Demenz: Medizinische Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes werden bei der Abklärung einbezogen.

Differentialdiagnose

Zur Feststellung einer Demenz bei Alzheimer-Krankheit müssen andere Erkrankungen, die ebenfalls Anzeichen einer Demenz zeigen können, abgeklärt werden: Hierzu gehören u.a. eine Verengung der Hirngefäße und das Vorliegen von kleinen Gehirninfarkten (vaskuläre Demenz), eine Demenz mit Lewy-Körperchen, gut- und bösartige Hirntumore, AIDS, eine Parkinson-Krankheit, die Erbkrankheit Chorea Huntington, eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) und ein Vitaminmangel z.B. an B12 oder Folsäure. Weiter können Erkrankungen der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse zu einer Demenz führen. Auch Alkohol- bzw. Medikamentenmissbrauch kann demenzähnliche Symptome verursachen.

Immer wieder kommt es vor, dass Patienten mit depressiven Erkrankungen aufgrund der psychischen und körperlichen Verlangsamung für dement gehalten werden („Pseudodemenz"). Der Facharzt kann hier mit speziellen Untersuchungen und Tests in der Regel zwischen den beiden Krankheiten unterscheiden.

Die Zukunft der Demenzdiagnostik

Weltweit arbeiten Demenzforscherinnen und -forscher daran, die Diagnostik von Demenzerkrankungen zu verbessern.

Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen. Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld ist die korrekte Abgrenzung von Demenzerkrankungen: Während die Alzheimer-Krankheit mittlerweile sehr gut zu Lebzeiten eindeutig diagnostiziert werden kann, sind andere, seltenere Demenzen diagnostisch nach wie vor eine Herausforderung, zum Beispiel die Frontotemporale Demenz oder die Chronisch Traumatische Enzephalopathie (CTE), die durch Kopfverletzungen hervorgerufen wird. Hier kann oft erst eine Untersuchung des Gehirns nach dem Tod endgültig Gewissheit bringen.

Die Forschung arbeitet daran, auch diese Diagnosen frühzeitig und eindeutig zu ermöglichen. Dank der Fortschritte in der Forschung ist es mittlerweile möglich, die Alzheimer-Krankheit auch per Bluttest zu erkennen. Allerdings können Bluttests die etablierten Diagnoseverfahren bislang noch nicht ersetzen.

Was tun nach der Diagnose?

Steht am Ende tatsächlich die Diagnose Demenz, ist das für die Familie mit vielen Fragen verbunden: Was bedeutet das für uns und unseren Angehörigen? Wie kann eine Therapie aussehen? Können wir Pflegeleistungen beantragen und wenn ja, welche? Müssen wir sogar über einen Platz in einem Pflegeheim nachdenken?

Zunächst einmal können Sie sich mit dem Krankheitsbild Demenz auseinandersetzen, um zu verstehen, was die Diagnose bedeutet und welcher Verlauf zu erwarten ist. Wenn ein Mensch nach und nach seine kognitiven Fähigkeiten einbüßt, bringt das auch rechtliche Fragen mit sich. Darf ein Demenzerkrankter Verträge abschließen? Oder Autofahren? Oft sind es aber gerade die kleinen Herausforderungen im alltäglichen Umgang mit Demenzerkrankten, die Angehörige und Pflegende vor Probleme stellen. Sie sollten aber nicht den Mut verlieren.

Antworten und Unterstützung bekommen Angehörige auch durch die Pflegeberatung der AOK. Die Pflegeexperten und -expertinnen helfen dabei, einen individuellen Versorgungsplan zu erstellen, unterstützen bei der Organisation und nehmen Kontakt zu anderen Beteiligten wie etwa dem Pflegedienst auf. Vereinbaren Sie einen Termin zur Pflegeberatung - am Telefon, im persönlichen Gespräch in einem Kundencenter oder auch bei Ihnen zu Hause.

Eine Demenzerkrankung bedeutet oft, dass ein Anspruch auf Pflegeleistungen besteht. Die Grundlage für viele Finanzierungs- und Beratungsleistungen ist ein anerkannter Pflegegrad.

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