Diagnose von Nervenerkrankungen: Ein umfassender Überblick

Die Diagnose von Nervenerkrankungen ist ein komplexer Prozess, der eine sorgfältige Bewertung der Symptome, eine gründliche körperliche Untersuchung und gegebenenfalls zusätzliche diagnostische Tests erfordert. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Diagnose von Nervenerkrankungen, einschließlich der Verwendung des ICD-Codes, der verschiedenen diagnostischen Verfahren und der Bedeutung einer frühzeitigen und genauen Diagnose.

ICD-Code: Ein Schlüssel zur Klassifizierung von Krankheiten

Der ICD-Code (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist ein international anerkanntes System zur Klassifizierung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen. Die aktuelle Version, ICD-10, wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben und dient dazu, Krankheiten weltweit eindeutig zuzuordnen.

Der ICD-Code hat eine feste Struktur und besteht aus einem Buchstaben und mindestens zwei Ziffern. Der Buchstabe am Anfang beschreibt die Diagnosegruppe, während die Ziffern die Diagnose genauer beschreiben. In Bezug auf Nervenerkrankungen steht der Buchstabe G für "Krankheiten des Nervensystems".

Zusätzliche Buchstaben können verwendet werden, um die Diagnose weiter zu präzisieren, z. B. G für gesicherte Diagnose, V für Verdacht, A für Ausschluss, L für links, R für rechts und B für beidseitig.

Der Weg zur Diagnose einer Nervenerkrankung

Die Diagnose einer Nervenerkrankung beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt, in dem die Art und Entwicklung der Beschwerden erfragt werden. Der Arzt wird sich erkundigen, wann und in welchem Zusammenhang die Beschwerden begonnen haben und wie sie sich auswirken.

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Typische Beschwerden, bestimmte Verhaltensweisen oder auffällige Untersuchungsergebnisse können auf eine Erkrankung des Nervensystems hinweisen. Erkrankungen des Nervensystems können sich beispielsweise durch Bewegungseinschränkungen, Schmerzen, Krämpfe oder Bewusstseinsstörungen äußern.

Bei Verdacht auf eine Erkrankung des Nervensystems können weitere Untersuchungen oder eine genaue Beobachtung erforderlich sein, bis der Verdacht ausgeschlossen werden kann.

Diagnostische Verfahren

Zur Diagnose von Nervenerkrankungen stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung, darunter:

  • Elektroneurografie (Messung der Nervenleitung): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale entlang der Nerven wandern. Sie kann helfen, Schäden an den Nerven zu erkennen.
  • Elektromyografie (Analyse der Muskelaktivität): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln. Sie kann helfen, Schäden an den Muskeln oder den Nerven, die die Muskeln steuern, zu erkennen.
  • Laboruntersuchungen: Laboruntersuchungen können helfen, Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangel oder Entzündungen zu erkennen, die Nervenschäden verursachen können. In bestimmten Fällen kann auch eine Untersuchung des Nervenwassers erforderlich sein.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) oder Ultraschall können helfen, strukturelle Veränderungen im Gehirn, Rückenmark oder den Nerven zu erkennen. In bestimmten Fällen kann auch eine Entnahme von Gewebeproben der Haut, von Muskeln oder Nerven wichtig sein.

Polyneuropathie: Eine häufige Nervenerkrankung

Die Polyneuropathie ist eine häufige Nervenerkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Die peripheren Nerven sind die Nerven, die außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegen.

Es gibt viele verschiedene Ursachen für eine Polyneuropathie, darunter Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente, Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangel, Entzündungen und längere Aufenthalte auf einer Intensivstation.

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Bei einer Polyneuropathie können verschiedene Symptome auftreten, darunter:

  • Wahrnehmungsstörungen: Kribbeln, Stechen, elektrisierende Missempfindungen, Hitze- oder Kältegefühl, Schwellungsgefühl oder Gefühl der Eingeschnürtheit in Armen und Beinen.
  • Koordinationsschwierigkeiten: Koordinationsschwierigkeiten beim Laufen, insbesondere bei Schädigung der sensiblen Nerven.
  • Schwächegefühl oder Muskelschwund: Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen, im Verlauf aber auch Lähmungen, bei Betroffenheit der motorischen Nerven.
  • Störungen der Organsteuerung: Störungen der Steuerung der Organe bei Schäden an den vegetativen Nerven.

Kodierunterstützung für Ärzte und Psychotherapeuten

Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind gesetzlich verpflichtet, jede Behandlungsdiagnose so genau wie möglich zu verschlüsseln. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat verbindliche Vorgaben zum Kodieren erstellt und zum 1. Januar 2022 eingeführt.

Praxen erhalten einen digitalen Helfer, der sie beim Verschlüsseln von Diagnosen unterstützen soll. Er wird in das Praxisverwaltungssystem (PVS) eingebunden und steht Ärzten und Psychotherapeuten direkt beim Kodieren zur Verfügung.

Die Kodierunterstützung bietet Praxen eine Lösung aus einer Hand - von der Suche bis zur Auswahl eines Diagnosekodes. Alle Informationen der ICD-10-GM zum Kodieren sind in der Software enthalten.

Bedeutung der Kodierung

Die exakte Verschlüsselung der Behandlungsdiagnosen ist wichtig, um die Morbiditätsstruktur in Deutschland möglichst genau bestimmen zu können. Eine exakte Kodierung der Behandlungsdiagnosen kommt somit auch den Vertragsärzten und -psychotherapeuten zugute.

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Mithilfe der Kodes wird gemessen, wie krank die Versicherten sind und wieviel Geld letztlich für ihre medizinische Versorgung benötigt wird. Eine hohe Kodierqualität ist nicht nur für die Vergütung wichtig, sondern hat mit der elektronischen Patientenakte an Bedeutung gewonnen.

Neurasthenie: Ein Sonderfall

Die Neurasthenie, auch als Nervenschwäche bezeichnet, war insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine häufig verwendete Diagnose. Allerdings wird die Diagnose aktuell kaum noch verwendet, stattdessen werden bei ähnlichen Beschwerden z.B. Depressionen oder Angststörungen diagnostiziert.

Bei einer Neurasthenie treten psychosomatische Symptome auf, d.h. körperliche Beschwerden, deren Ursache nicht hinreichend organisch erklärt werden kann und bei denen auch psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

Eine geeignete Therapieform für eine Neurasthenie ist eine Psychotherapie. Dabei lernt der Patient, Zusammenhänge zwischen psychischer Belastung und den körperlichen Symptomen zu erkennen und verstehen, eigene Konflikte und Stressfaktoren zu identifizieren und positiv auf sie einzuwirken.

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