Darmverklemmung und Nerven: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Darmverschluss, medizinisch als Ileus bezeichnet, ist eine Störung des normalen Transports von Nahrungsresten durch den Darm. Es gibt zwei Haupttypen: den mechanischen Ileus, bei dem ein Hindernis den Darm blockiert, und den paralytischen Ileus, bei dem eine Lähmung der Darmmuskulatur die Darmbewegung verhindert. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere im Zusammenhang mit eingeklemmten Nerven.

Was ist ein paralytischer Ileus?

Ein paralytischer Ileus ist eine Lähmung der Darmmuskulatur. Durch diese Lähmung wird die Nahrung nicht mehr weitertransportiert und staut sich im Darm an. Normalerweise sorgen die Darmbewegungen dafür, dass die Nahrung im Darm weitertransportiert und ausgeschieden wird. Bei einem paralytischen Ileus sind diese Bewegungen jedoch so abgeschwächt oder unkoordiniert, dass dies nicht mehr gelingt. Speisebrei, Gase und Flüssigkeit sammeln sich im Darm, wodurch sich die Darmwand zunehmend dehnt. Der Darm kann sich dadurch stark erweitern.

Ursachen eines paralytischen Ileus

Ein paralytischer Ileus entsteht durch eine Fehlfunktion der Nerven oder Muskeln der Darmwand. Grund dafür ist meistens eine andere Erkrankung oder Störung. Wie genau es zu der Darmlähmung kommt, ist jedoch noch nicht vollständig bekannt. Mögliche Auslöser sind:

  • Operationen, vor allem im Bauchraum
  • Schwere Verletzungen, beispielsweise von Becken oder Wirbelsäule
  • Krebserkrankungen
  • Erkrankungen des Nervensystems, zum Beispiel Parkinson-Erkrankung, Alzheimer-Demenz oder multiple Sklerose
  • Stoffwechselstörungen durch eine Leber- oder Nierenerkrankung, Diabetes mellitus oder übermäßigen Alkoholkonsum
  • Ein Mangel an Mineralien wie Kalium, Kalzium oder Magnesium
  • Durchblutungsstörungen des Darms
  • Medikamente, unter anderem starke Schmerzmittel (Opioide), Arzneimittel gegen Depressionen oder Narkosemittel

Interessant zu wissen: Dass es nach einer Operation vorübergehend zu einer Darmträgheit kommt, ist bis zu einem gewissen Grad normal.

Darmverklemmung bei Leistenbruch

Ein Leistenbruch (Leistenhernie) entsteht an einer Schwachstelle in der Bauchwand im Bereich der Leiste. Dort kann sich eine Lücke als Bruchpforte auftun, durch die Bauchfell sackartig nach außen tritt. Dieser Bruchsack kann verschiedene Gewebe- oder Organteile aus dem Bauchraum enthalten - wie etwa ein Stück Darm. Häufig bildet Dünndarm den Bruchinhalt, selten auch Dickdarm. Die betroffene Stelle wölbt sich typischerweise unter der Haut hervor.

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Wenn der Bruchinhalt - mit oder ohne Darm - in der Bruchpforte eingeklemmt wird (Inkarzeration), kann dies zu einem Darmverschluss führen. Erste Symptome für eine solche Einklemmung sind:

  • Eine (plötzlich) dauerhaft sichtbare und/oder größere Vorwölbung
  • Eine Hautrötung im Bereich des Leistenbruchs
  • Eine zunehmende Schmerzhaftigkeit oder Empfindlichkeit an der betroffenen Stelle

Jeder eingeklemmte Leistenbruch ist ein Notfall. Symptome, die auf eine Einklemmung hindeuten könnten, erfordern sofortige medizinische Hilfe.

Innere Hernie

Bei einer inneren Hernie können sich Organe im umliegenden Gewebe einklemmen. Im Allgemeinen spricht man von einer Hernie, wenn Gewebe aus seiner normalen anatomischen Position hervortritt. Die Voraussetzung für eine Hernie ist eine Schwachstelle im Gewebe. Diese kann angeboren oder erworben sein, zum Beispiel durch Entzündung, Trauma oder vorherige Operationen. Erhöht wird das Risiko einer (inneren) Hernie durch einen erhöhten Druck im Bauchraum, der das Bindewebe strapaziert.

Die Symptome einer inneren Hernie variieren je nach Art und Schweregrad der Hernie. In milden Fällen können Betroffene überhaupt keine Symptome haben. In schwereren Fällen kann es zu leichten Bauchbeschwerden oder starken Bauchschmerzen kommen. Wenn der Dünndarm durch eine Gewebelücke gebrochen ist, kann die stetige Bewegung des Darms (Darmperistaltik) dazu führen, dass der Darm sich auch wieder aus der Lücke herausbewegt, was die Diagnostik erschweren kann.

Symptome eines paralytischen Ileus

Die Symptome einer Darmlähmung entwickeln sich oft langsam über mehrere Tage. Anfangs kommt es zu leichten Bauchschmerzen, zunehmend bläht sich der Bauch auf. Typische Symptome sind:

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  • Bauchschmerzen
  • Ein aufgeblähter Bauch
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Verstopfung

Wenn bei einem Leistenbruch ein Stück Darm mit eingeklemmt ist, können weitere Symptome hinzukommen, die auf lebensbedrohliche Komplikationen hinweisen:

  • Darmverschluss (Ileus)
  • Bauchfellentzündung (Peritonitis)
  • Sepsis ("Blutvergiftung")
  • Kreislaufschock

Symptome eines Darmverschlusses

Ein Darmverschluss kann unterschiedliche Ursachen haben. Recht häufig handelt es sich dabei um einen Leistenbruch, bei dem der Darm eingeklemmt ist. Symptome für einen vollständigen Darmverschluss sind beispielsweise:

  • Starke Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Aufgeblähter Bauch
  • Unfähigkeit, Stuhl auszuscheiden und Gas abzulassen
  • Evtl. Stuhlerbrechen

Symptome einer Bauchfellentzündung

Eine Bauchfellentzündung macht sich typischerweise durch eine brettharte Bauchdecke bemerkbar. Die Betroffenen verspüren bei jeglicher Erschütterung starke Schmerzen und bekommen oft Fieber.

Symptome einer Sepsis

Eine Sepsis kann mit Fieber - und Schüttelfrost - einhergehen. Manche Betroffene haben jedoch eher eine erniedrigte Körpertemperatur. Weitere mögliche Symptome einer Sepsis sind zum Beispiel:

  • Beeinträchtigtes Allgemeinbefinden bis Verwirrtheit
  • Herzrasen
  • Erniedrigter Blutdruck
  • Beschleunigte Atmung
  • Hautausschlag
  • Kleine Hauteinblutungen (Petechien)

Symptome eines Kreislaufschocks

Typische Symptome für einen Kreislaufschock sind ein niedriger Blutdruck und Herzrasen. Dabei kann ein Kreislaufschock bei einem Leistenbruch mehrere Gründe haben. Ist beispielsweise der Darm so eingeklemmt, dass ein Darmverschluss auftritt, ist die normale Aufnahme von Flüssigkeit aus dem Darm gestört. Dann herrscht ein Flüssigkeitsmangel im Körper, wodurch sich die im Kreislauf zirkulierende Blutmenge vermindert.

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Diagnose eines paralytischen Ileus

Die Ärztin oder der Arzt fragt in einem Gespräch nach den Beschwerden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Ein aufgeblähter Bauch, Verstopfung und fehlende Darmgeräusche weisen auf einen paralytischen Ileus hin. Außerdem röntgt die Ärztin oder der Arzt den Bauchraum. Auf dem Röntgenbild lassen sich die aufgeblähten Darmschlingen gut erkennen. Um ein mechanisches Hindernis als Auslöser für die Darmlähmung auszuschließen, können zusätzlich eine Computertomographie (CT) und eine Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz kommen. Auch das Blut wird untersucht, um mögliche Ursachen herauszufinden.

Behandlung eines paralytischen Ileus

Ist eine Erkrankung die Ursache für den paralytischen Ileus, behandeln Ärztinnen und Ärzte - wenn möglich - zunächst die Erkrankung. In den ersten 1 bis 2 Tagen nach Auftreten der Darmlähmung geht es vor allem darum, den Darm zu entleeren. Dies gelingt meist durch folgende Maßnahmen:

  • Zunächst sollte man nichts mehr essen und trinken.
  • Eine Infusion sorgt für die nötige Flüssigkeitszufuhr.
  • Mit einer Magensonde kann der aufgestaute Magen- und Dünndarminhalt abgelassen werden.
  • Ein Einlauf in den Enddarm hilft, den Darm zu entleeren.
  • Umherlaufen und häufige Veränderungen der Körperposition können Bewegung in den Darm bringen.

Genügen diese Maßnahmen nicht, können zusätzlich Medikamente zum Einsatz kommen, um die Darmbewegungen anzuregen. Der Wirkstoff Neostigmin wird häufig eingesetzt, die Wirksamkeit ist aber begrenzt. Nebenwirkungen wie ein Absinken des Blutdrucks und Zittern sind möglich. Wenn Medikamente nicht helfen oder aufgrund der Nebenwirkungen nicht infrage kommen, kann die Ärztin oder der Arzt versuchen, den Darminhalt bei einer Darmspiegelung mithilfe einer speziellen Sonde abzusaugen. Ein Eingriff ist selten nötig.

Behandlung eines eingeklemmten Leistenbruchs

Jeder eingeklemmte Leistenbruch ist ein Notfall und muss operativ behandelt werden. Ziel ist es, den eingeklemmten Darm zu befreien und den Bruch zu verschließen. Je nach Zustand des Darms kann es notwendig sein, einen Teil des Darms zu entfernen.

Konservative und operative Behandlung bei Darmverschluss und Darmlähmung

In der Medizinischen Klinik I - Allgemeine Innere, Nephrologie, Gastroenterologie, Pneumologie können ein Darmverschluss und eine Darmlähmung konservativ behandelt werden. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • Verzicht auf eine Nahrungsaufnahme (Nahrungskarenz), damit der Darm entlastet wird
  • Absaugen von Darminhalt über eine Magensonde, um Druck und Übelkeit zu verringern
  • Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich über Infusionen, um den Kreislauf zu stabilisieren
  • Medikamente, die gezielt die Darmbewegung anregen oder Krämpfe lösen
  • Schmerztherapie, um die Beschwerden zu lindern

Liegt ein mechanischer Ileus vor, kann bei mechanischen Hindernissen ein endoskopischer Eingriff notwendig sein, um Engstellen zu erweitern oder Fremdkörper zu entfernen. Auch Stents - Implantate, die Blutgefäße oder Holorgane offenhalten - können so eingesetzt werden. Diese machen den Darm wieder durchgängig. Eine Operation des Darmverschlusses oder der Darmlähmung findet durch die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marien Hospital Herne statt und wird nur dann notwendig, wenn das Hindernis nicht anders beseitigt werden kann oder Komplikationen wie ein drohender Darmdurchbruch vorliegen.

Nachsorge und Verlauf

Nach erfolgreicher Behandlung des Darmschluss und der Darmlähmung ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig, um Rückfälle zu vermeiden. Dazu gehören in beiden Fällen die Beobachtung der Verdauung, die Behandlung von Grunderkrankungen und bei Bedarf eine Anpassung der Ernährung. Ein Darmverschluss ist ein medizinischer Notfall. Ja, in manchen Fällen setzt die Darmtätigkeit nach einigen Tagen wieder ein, besonders wenn die Ursache beseitigt wird.

Vorbeugung eines paralytischen Ileus

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um einer Darmlähmung nach einer Operation vorzubeugen: Frühzeitige Bewegung und Nahrungsaufnahme nach dem Eingriff regen die Darmtätigkeit an. Auch Kaugummikauen kann vorbeugend wirken.

Neurogastroenterologie: Die Verbindung zwischen Nerven und Darm

Die Neurogastroenterologie ist ein medizinischer Fachbereich, der sich mit der Erforschung und Behandlung von Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt befasst, die durch Störungen des Nervensystems des Magen-Darm-Trakts (enterisches Nervensystem) verursacht werden. Typische neurogastroenterologische Erkrankungen sind Schluckstörungen, Refluxerkrankung, Reizmagen, Reizdarmsyndrom, chronische Verstopfung sowie Stuhlinkontinenz.

Das enterische Nervensystem befindet sich in allen Abschnitten des Magen-Darm-Trakts und steuert den kompletten Funktionsablauf der Verdauung. Da die Zahl der Nervenzellen und die Komplexität der Verknüpfungen untereinander vergleichbar zu unserem Gehirn sind, wird das System auch als „Bauchgehirn“ bezeichnet.

Die Hirn-Bauch-Achse

Die Hirn-Bauch-Achse spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von psychosomatischen Erkrankungen. Stress und insbesondere chronischer Stress beeinflussen die Hirn-Bauch-Achse. Das erklärt, warum bei neurogastroenterologischen Erkrankungen neben organischen immer auch psychosomatische Ursachen abgeklärt werden müssen.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, durch Entspannungs- und Atemübungen wie autogenes Training oder Yoga positiv auf Bauchbeschwerden einzuwirken.

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