Eine Promotion in der Neurologie ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Unterfangen, das den Grundstein für eine akademische oder klinische Karriere legen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Voraussetzungen, den Ablauf und die verschiedenen Aspekte, die bei einer solchen Promotion zu beachten sind.
Einführung
Die Promotion dient dem Nachweis der Befähigung zu selbstständiger wissenschaftlicher Arbeit und ist in Deutschland eine wesentliche Voraussetzung für eine akademische Laufbahn. Viele Medizinabsolventen entscheiden sich für eine Promotion, obwohl der Anteil in den letzten Jahren leicht gesunken ist. Dies liegt unter anderem an dem günstigen Stellenmarkt für Mediziner, der auch ohne Doktortitel eine Anstellung ermöglicht. An Universitätskliniken ist ein Doktortitel jedoch oft Bedingung für ein gutes Vorankommen.
Akademische Grade und Promotionsordnungen
Die Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes verleiht folgende Doktorgrade:
- Doktor der Medizin (Dr. med.)
- Doktor der Zahnheilkunde (Dr. med. dent.)
- Doktor der theoretischen Medizin (Dr. rer. medic.)
- Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.)
Auch die Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke verleiht aufgrund einer wissenschaftlichen Abhandlung (Dissertation) und einer Disputation akademische Grade:
- Dr. med. (Doctor medicinae, Doktor der Medizin)
- Dr. rer. medic. (Doctor rerum medicinalium, Doktor der Theoretischen Medizin)
Für besondere wissenschaftliche Verdienste kann die Fakultät für Gesundheit den akademischen Grad des Dr. med. h.c. oder des Dr. rer. medic. verleihen.
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Jede Universität hat ihre eigenen Promotionsordnungen, die Form, Umfang, Abgabefristen und Zulassung regeln. Es ist daher unerlässlich, die Promotionsordnung der jeweiligen Universität zu lesen.
Voraussetzungen für die Zulassung zur Promotion
Die formellen Voraussetzungen für die Zulassung zur Promotion können je nach Universität variieren, umfassen aber in der Regel:
- Abgeschlossenes Medizinstudium: Ein abgeschlossenes ärztliches oder zahnärztliches Studium ist in der Regel erforderlich, wobei mindestens zwei Semester an der Universität Rostock absolviert sein müssen.
- Approbation: Erst nach der offiziellen Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand darf der Doktortitel verliehen werden. Während des Studiums kann allerdings bereits mit der Arbeit begonnen werden, ein Merkmal der medizinischen Promotion im Vergleich mit anderen Fachrichtungen.
- Antrag auf Eröffnung eines Promotionsverfahrens: Dieser Antrag ist bei der Promotionskommission der jeweiligen Universität einzureichen.
- Dissertation: In der Regel in deutscher oder englischer Sprache.
- Wissenschaftlicher Lebenslauf.
- Zeugnis über den erfolgreichen Abschluss des medizinischen oder zahnmedizinischen Hochschulstudiums (beglaubigte Kopie).
- Zustimmung der themenvergebenden Betreuungsperson.
- Eidesstattliche Versicherung.
- Amtliches Führungszeugnis.
- Hochschulzugangsberechtigung.
Ablauf des Promotionsverfahrens
Das Promotionsverfahren lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:
- Themenfindung und Betreuung:
- Themenauswahl: Bei der Themenauswahl ist es sicherlich sinnvoll, auf persönliche Interessen zu achten. Je leidenschaftlicher man einer Frage nachgeht, desto einfacher fällt das Forschen. Hat man keine bestimmte Fragestellung vor Augen, so kann man zumindest versuchen, ein Promotionsthema in dem Fach zu erhalten, in dem man später seine Weiterbildung machen möchte. Es ist jedoch auch nicht unüblich, ein gänzlich anderes Promotionsthema anzunehmen.
- Betreuung: Die Betreuung durch einen habilitierten Doktorvater/eine Doktormutter ist essenziell. Sinnvoll ist es, sich an den Schwarzen Brettern der Uni umzuschauen, Kommilitonen zu fragen, die bereits mit einer Dissertation begonnen haben, oder sich bei der Fachschaft zu informieren. Eine Alternative besteht darin, den Wunsch-Doktorvater direkt anzuschreiben, am besten mit einem Themenvorschlag oder zumindest einer Erklärung, warum man genau von ihm betreut werden möchte. Aber Achtung: Der Doktorvater muss ein habilitiertes Mitglied des Fachbereiches sein. Es ist wichtig, die Erwartungen des Doktorvaters/Betreuers zu klären, wie z.B. die Fragestellung, Zeitplanung, Seminare, Erreichbarkeit und Fristen.
- Exposé: Am Anfang steht das Verfassen eines Exposés. In diesem wird zusammengefasst, um was es gehen soll, es ist quasi „der rote Faden“. In einem Exposé sollten die Punkte „Fragestellung und Zielsetzung“, „aktueller Forschungsstand“, „Methoden“ und „Primäre und sekundäre Endpunkte“ geklärt werden.
- Datenerhebung und -auswertung:
- Datensammlung: Als nächstes müssen die Daten gesammelt werden. Je nach gewähltem Typ Doktorarbeit bedeutet das Patienten einzubestellen und zu „vermessen“, im Labor Versuche durchzuführen oder einen bereits bestehenden Datensatz rein statistisch zu analysieren.
- Statistische Auswertung: Dann müssen die gewonnenen Daten statistisch ausgewertet werden. Je nach Universität wird mit unterschiedlichen Programmen gerechnet. Ein Beispiel wäre SPSS, ein weit verbreitetes Statistikprogramm, mit welchem man die nötigen Tests durchführen und Grafiken erstellen kann. Es ist fast unumgänglich, im Vorhinein einen Kurs zur medizinischen Statistik abgelegt zu haben, um die teilweise hochkomplexen Rechenschritte durchführen zu können.
- Dissertation:
- Schreibphase: Sind die Datenerhebung und der statistische Teil abgeschlossen, beginnt die Schreibarbeit. Eine Umfrage unter Kommilitonen ergab, dass dieser Teil der mit Abstand unangenehmste und zeitaufwendigste ist. In Worte zu fassen, was man herausgefunden hat, stellt für viele nach fünf bis sechs Jahren Medizinstudium, in welchem selten verlangt wurde, dass man auch nur einen Satz ausformulieren muss, eine große Herausforderung dar.
- Formale Anforderungen: Die Gliederung der Dissertation wird von den Universitäten vorgegeben. Die Abschnitte „Einleitung“, „Material und Methoden“, „Ergebnisteil“ und die „Diskussion“ sind jedoch immer feste Bestandteile.
- Begutachtung und Verteidigung:
- Gutachten: Nach Fertigstellung der Arbeit geht diese in Korrektur. Vorgeschrieben sind zwei Gutachter, einer davon ist der eigene Doktorvater, ein zweiter wird von der Fakultät bestimmt.
- Verteidigung (Kolloquium): Haben diese die Promotionsschrift abgesegnet, darf sie verteidigt werden. Im sogenannten „Kolloquium“, was eine Art mündliche Prüfung darstellt, soll der Promovend darlegen, dass er die Arbeit selbst verfasst hat und sich natürlich mit der Materie besonders gut auskennt.
- Veröffentlichung: Nach bestandener Verteidigung muss die Dissertation veröffentlicht werden. Die Unibibliothek bietet Medizinstudenten für ihre Promotion ein vielfältiges Angebot an Kursen und Modulen. Zudem wird hier auch der Nachweis über die veröffentlichte Dissertation ausgestellt, ohne den man keine Doktorurkunde bekommt. Dabei legt die Promotionsordnung fest, auf welche Art veröffentlicht werden kann.
Arten von medizinischen Promotionen
Grundsätzlich werden in Würzburg zwei Arten von medizinischen Promotionen unterschieden:
- Promotionen im Rahmen der medizinischen Fakultät.
- Promotionen im Rahmen der Graduate School of Life Sciences (GSLS).
Promotionen im Rahmen der GSLS werden häufig auch als strukturierte Promotionen bezeichnet (u.a. Betreuungskommittee, regelmäßige Teilnahme an Seminaren, Kongressteilnahme, Fortbildungsveranstaltungen, Koautrorenschaft auf einer Publikation). Aber auch die Promotionen, die vollständig im Rahmen der medizinischen Fakultät erfolgen, enthalten Elemente einer strukturierten Promotionen (z.B. Betreuungskommittee) gemäß der Rahmenpromotionsordnung der Universität Würzburg.
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Je nach Art der Arbeit kann man diese weiter unterteilen in:
- Experimentelle Doktorarbeiten: Dabei forscht man meist an Zellkulturen, Gewebeproben oder Versuchstieren. Experimentelle Doktorarbeiten sind in fast allen Bereichen der Medizin durchführbar aber v.a. Contra: zeitintensiv (eigentlich kaum ohne Freisemester durchführbar); hohe Motivationsbereitschaft und Frustrationstoleranz erforderlich; Rückschläge und Risiko, dass Versuche nicht funktionieren; evtl.
- Klinische Doktorarbeiten: Hierunter fallen Doktorarbeiten, die im Rahmen von klinischen Studien mit Patienten oder Probanden durchgeführt werden. Dementsprechend sucht ihr am besten in den klinischen Instituten und Fächern. Pro: Nähe zum klinischen Arbeitsalltag; Kontakt zu Patienten / Probanden; oft interessante Themen von aktueller klinischer Bedeutung für die Betroffenen; Ausführen von Untersuchungen, Anamnesegesprächen, Routinetätigkeiten (z.B. Contra: zeitaufwändig (meist auch ein Freisemester erforderlich); Umfang der Rekrutierung von Patienten / Probanden (angestrebte Anzahl realistisch? Einschlusskriterien? Gibt es dafür schon ein laufendes System oder Datenbank etc.?
- Statistische Doktorarbeiten: Hier verbringt man als Doktorand die meiste Zeit vor dem PC oder in Archiven, um die vorhandene Daten aufzuarbeiten und zu analysieren und mit der Literatur oder anderen Studien zu vergleichen. Pro: i.d.R. Contra: eher durchschnittliche bis weniger gute Benotung; evtl.
- Theoretische Doktorarbeiten: Theoretische Arbeiten findet ihr z.B. in der Medizinethik oder -geschichte. Contra: u.U.
Herausforderungen und Tipps
Eine Promotion kann mit einigen Herausforderungen verbunden sein:
- Zeitmanagement: Das aufwendige Studium, welches „ganz nebenbei“ ja auch noch absolviert werden will. Ist man bereits in das Arbeitsleben eingetreten, wird die Zeit noch knapper. Viele brechen zu diesem Zeitpunkt ab.
- Aktualität des Themas: Ein weiterer Nachteil einer langen Bearbeitungszeit ist der Verfall der Aktualität des Themas. Andere Publikationen zu dem gleichen Thema können die eigenen Ergebnisse ganz schnell veraltet aussehen lassen.
- Betreuung: Die Zuverlässigkeit und Unterstützung des Doktorvaters beziehungsweise des Betreuers spielen eine große Rolle. Die Geschwindigkeit der Korrekturen, Hilfe bei der Datenerhebung, der Literaturauswahl sowie nicht zuletzt das Gutachten liegen allein in ihrer Hand.
- Durchführung der Forschung: Ein unrealistischer Versuchsaufbau, das Scheitern von Experimenten, der Wegfall von Patienten oder unverwertbare Datenmengen können zu einem Versagen führen.
Um das Gelingen der Doktorarbeit so wahrscheinlich wie möglich zu machen, sollte man sich einiger Fallen und Tücken bewusst werden:
- Frühzeitiger Beginn: Ein frühzeitiger Beginn ist das A und O für ein gutes Gelingen. Bereits mit Eintritt in die klinischen Semester und spätestens im sechsten Semester sollte man sich nach freien Promotionsstellen umhören.
- Zeitplan: Sobald die Arbeit aufgenommen ist, ist rasches, diszipliniertes Voranschreiten zu empfehlen. Das Erstellen eines genauen Zeitplanes mit Einplanung von Urlaub, Famulaturen und Klausuren ist dabei hilfreich.
- Informationen einholen: Das Einholen von Informationen aus möglichst vielen Quellen ist zu empfehlen. Sprechen kann man mit Studierenden aus höheren Semestern, um Tipps zu bekommen oder von freien Promotionsstellen zu erfahren. Fragen kann man nach der Qualität der Betreuung, der Zahl der Doktoranden, die der Doktorvater bereits betreut, der Abbrecherquote, der menschlichen Kompetenz des Doktorvaters/der Doktormutter beziehungsweise des Betreuers.
- Kommunikation: Während der Durchführung der Arbeit ist die regelmäßige Kommunikation mit den Betreuern wichtig. In Doktorandenteams ist es oft üblich, in kurzen Abständen seine Ergebnisse vorzustellen und ein Feedback einzuholen.
- Kurse: Ein weiterer Tipp sind promotionsbezogene Kurse, die viele Universitäten anbieten, zum Beispiel Endnote-, Literaturrecherche oder spezielle Doktorandenkurse. Verpflichtend ist an vielen Universitäten ein Statistikkurs. Ohne dieses Wissen ist das Verfassen einer selbstständigen Dissertation nicht möglich.
Karrierechancen mit Doktortitel
Ein Doktortitel kann die Karrierechancen in der Medizin erheblich verbessern, insbesondere in folgenden Bereichen:
- Universitätskliniken: An Universitätskliniken ist ein Doktortitel oft Bedingung für ein gutes Vorankommen.
- Forschung: Die Promotion ist eine wesentliche Voraussetzung für eine akademische Laufbahn und ermöglicht eine Tätigkeit in der medizinischen Forschung.
- Gesellschaftliches Ansehen: Für einige Patienten ist jeder Arzt auch automatisch ein „Doktor“. Mit dem Begriff verbindet man Respekt, Zuverlässigkeit und Bildung.
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