Die Forderung nach der Förderung beider Gehirnhälften: Ein ausgewogener Ansatz für Bildung und Kreativität

Viele Menschen machen sich selten Notizen, da es ihnen zu lange dauert, Informationen und Gedanken aufzuschreiben. Dies liegt oft daran, dass wir es gewohnt sind, in ganzen Sätzen mitzuschreiben, was zeitaufwendig ist. Aus Zeitnot werden dann viele Informationen weggelassen, was dazu führen kann, dass die Notizen unstrukturiert und unleserlich sind. Das Problem besteht darin, dass ganze Sätze, die hintereinander aufgeschrieben werden, nicht geeignet sind, um Gedanken oder Informationen schnell und gut strukturiert aufzuschreiben.

Mind Mapping als gehirngerechte Methode

Eine Alternative zum herkömmlichen Mitschreiben ist das Mind Mapping. Das Zeichnen eines Mind Maps benötigt deutlich weniger Zeit als das Mitschreiben eines Sachverhalts auf herkömmliche Art. Anstelle ganzer Sätze werden nur die wirklich wichtigen Schlüsselwörter aufgeschrieben. Durch geschickte Wahl der Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt des Mind Maps auch nach Monaten einfach rekonstruieren. Auf Füllwörter, die für die Erinnerung unwichtig sind, wird konsequent verzichtet. Mind Maps lassen sich durch die logische und hierarchische Baumstruktur einfacher erweitern als herkömmliche Notizen.

Nach Gesichtspunkten der modernen Gehirnforschung ist das Mind Mapping eine Methode, mit der exzellente und kreative Denkleistungen erreicht werden können, da durch das Mind Mapping gehirngerecht gearbeitet wird. Das Gehirn speichert Wissen in Beziehungen oder Assoziationen. In herkömmlichen Notizen hat ein Satz nur mit zwei anderen Sätzen eine Beziehung: mit dem Satz davor und dem danach. In Mind Maps können die Beziehungen zwischen den Schlüsselwörtern viel einfacher dargestellt werden.

Die Bedeutung der Zusammenarbeit beider Gehirnhälften

Ende der 60er Jahre machte der amerikanische Gehirnforscher Professor Roger Sperry eine weitreichende Entdeckung. In unserer westlichen Welt wird häufig die linke Gehirnhälfte sehr viel stärker gefordert als die rechte. Dies zeigt sich beispielsweise in der Schule, wo vielmehr logisch-analytische Denkprozesse im Vordergrund stehen und Schwerpunkte in den Bereichen Sprache und Zahlen liegen. Aber nur wenn beide Hemisphären des Großhirns gut zusammenarbeiten und sich ergänzen, entstehen exzellente und kreative Denkleistungen. Durch die sprachlichen Elemente wie Schlüsselwörter und Symbole im Mind Map beschäftigen wir den linken Teil des Großhirns.

Gerhard Huhn, ein Jurist und Kreativitätsexperte, kritisiert, dass der Unterricht an staatlichen Lehranstalten tendenziell verfassungswidrig sei, weil er das geistige Potential von Schülern einschränke. Er argumentiert, dass die Lehrmethoden vor dem Hintergrund gesicherter Erkenntnisse der Hirnforschung vor allem die Entwicklung der linken Gehirnhälfte fördern und die der rechten vernachlässigen.

Lesen Sie auch: Überblick über Demenzförderung

Funktionen und Spezialisierungen der Gehirnhälften

Hirnforscher haben ermittelt, dass die logisch-analytische linke Gehirnhälfte vor allem für Lesen und Schreiben, Rechnen und Detailwissen zuständig ist. Die nonverbale, visuell-räumliche rechte Hälfte ist dagegen die Schatzkammer der Gefühle, mit der man Ironie im Gespräch, das Prickeln beim Flirt oder Arien in Opern erlebt.

Die schwerwiegenden Folgen dieser Ungleichgewichtung sind bekannt: Vielen Schülern drohe wegen ihrer rechtshirnigen Begabung das Scheitern im linkshirnig orientierten Unterricht. Der Zusammenhang zwischen Hirn- und Unterrichtsstruktur könnte mithin auch erklären, warum immer wieder Versager aus Hauptschulen und Gymnasien in Waldorfschulen reüssieren und warum Mädchen im Gemeinschaftsunterricht mit Jungen häufig schlechter abschneiden, da die weibliche Art zu denken im herkömmlichen Unterricht oft zu kurz kommt.

Huhns Forderung nach Hirngerechtigkeit

Huhns Forderung nach höherer Hirngerechtigkeit ist geeignet, das deutsche Bildungssystem zu erschüttern. Er fordert ein "Abwehrrecht" gegen allzu linkshirnige Unterrichtspläne, einen Anspruch auf ausgewogenen Unterricht. Er belegt, dass selbst in Fächern wie Musik und Kunst, die vorwiegend der rechten Gehirnhälfte zugerechnet werden, linksseitige Herangehensweisen kraß dominieren.

In den Richtlinien des Faches "Textiles Gestalten" für nordrhein-westfälische Realschulen tauchen beispielsweise knapp 300mal Methodenbeschreibungen linkshirniger Inhalte auf. So soll Farbe "bewußt" eingesetzt werden, nicht etwa unbewußt. Benennen, bestimmen, erläutern, analysieren, beurteilen, bewerten, zuordnen - das sind die Vorgaben in Fächern, die sich ausdrücklich die "Förderung der Kreativität" zum Ziel gesetzt haben. Noten in künstlerischen Fächern lehnt der Schul-Kritiker folgerichtig als "schädlichen Unsinn" ab.

Die Wurzel des Übels sieht Huhn vor allem in der inzüchtigen Rekrutierung eines emotional verarmten Pädagogenstandes. Er selbst ist ein Beispiel dafür, daß es auch anders geht: Zu Schulzeiten als sprachunbegabt abqualifiziert, lernte der spätere Hirntrainer in Schweden mit der am Gymnasium unüblichen "direkten Methode" in sechs Wochen die Landessprache - so gut, daß er danach selbst auf schwedisch unterrichten konnte.

Lesen Sie auch: Überblick zur Alzheimer-Forschung

Händigkeit und Gehirnstruktur

Die Dominanz der rechten oder linken Hand liegt in der Struktur unseres Gehirns begründet. Das Zauberwort heißt Lateralisation, also die Verteilung verschiedener Aufgaben auf die linke und die rechte Hirnhälfte. In Sachen Motorik läuft diese Zuständigkeit über Kreuz. Händigkeit ist Hirnigkeit.

Die Frage, warum nicht beide Hirnhälften gleichermaßen für unsere Motorik zuständig sind, lässt sich mit Effizienz beantworten. Das menschliche Gehirn ist ein sehr energiehungriges Organ, und in evolutionären Zeiträumen war es wichtig, Kalorien effizient zu nutzen.

Die ungleiche Verteilung von Rechts- und Linkshändern könnte ebenfalls evolutionäre Gründe haben. Wenn viele Menschen die gleiche Händigkeit gemeinsam haben, laufen Lern- und Nachahmungs-Prozesse einfacher ab. In der Steinzeit war es wahrscheinlich erfolgreicher, wenn ein Mensch dem anderen mit der gleichen Hand zeigte, wie man ein Werkzeug herstellt.

Genetische und umweltbedingte Einflüsse auf die Händigkeit

Bereits im Mutterleib zeigen sich erste Anzeichen einer Händigkeit. Forschende gehen davon aus, dass die Händigkeit zu 25 Prozent genetisch und zu 75 Prozent durch Umweltfaktoren festgelegt wird. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass eineiige Zwillinge durchaus verschiedene Händigkeiten entwickeln können und Linkshänder-Paare eher rechtshändige Kinder bekommen. Welche Umwelteinflüsse es genau sind, die am Ende den Ausschlag für die Händigkeit geben, ist noch nicht abschließend erforscht.

Es ist wichtig, die Händigkeit eines Kindes frühzeitig zu erkennen und zu fördern, da eine Umerziehung auf die nicht-dominante Hand zu Störungen und Irritationen im Gehirn führen kann. Glücklicherweise ist diese erzwungene Umerziehung von linkshändigen Menschen längst aus den Lehrplänen der Schulen gestrichen und gilt sogar als Körperverletzung.

Lesen Sie auch: Umfassende Informationen zur Parkinson-Krankheit

Die Bedürfnisse von Linkshändern im Alltag

Obwohl wir versuchen, in der Schule auf Linkshänder zu achten, lassen wir sie danach oft allein. Dies betrifft vor allem die handwerklichen und technischen Berufsfelder, wo viele Geräte und Werkzeuge für Rechtshänder ausgelegt sind. Auch an vielen alltäglichen Gegenständen zeigt sich, dass die Welt für rechtshändige Menschen ausgelegt sei.

Es ist wichtig, mehr Bewusstsein für die Bedürfnisse von Linkshändern zu schaffen und die Arbeits- und Lebensbedingungen entsprechend anzupassen.

tags: #forderung #linke #rechte #gehirnhalfte