Dopamin zur Schmerzbehandlung: Ein umfassender Überblick

Dopamin, oft als „Glückshormon“ bezeichnet, ist ein Neurotransmitter, der eine Vielzahl von Funktionen im Körper und insbesondere im Gehirn erfüllt. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, der Motivation, dem Belohnungssystem, der Stimmung und der Konzentration. Während Dopamin vor allem für seine Rolle bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson bekannt ist, gewinnt es auch zunehmend an Bedeutung bei der Behandlung von Schmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte von Dopamin in Bezug auf Schmerzen, von seiner Wirkungsweise bis hin zu verschiedenen Therapieansätzen.

Dopamin: Ein vielseitiger Neurotransmitter

Dopamin gehört zur Gruppe der Katecholamine und dient im Gehirn der Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Es vermittelt positive Gefühlserlebnisse und ist an der Steuerung von Bewegungen beteiligt. Eine der Krankheiten, bei denen ein Mangel an Dopamin im zentralen Nervensystem (ZNS) auftritt, ist Parkinson. Zu den typischen Parkinsonsymptomen zählen Muskelstarre (Rigor), Zittern (Tremor) und eine Verlangsamung der Bewegungen bis hin zur Bewegungslosigkeit (Akinese).

Dopaminmangel und seine Folgen

Ein Dopaminmangel kann sich auf unterschiedliche Arten äußern. Häufig stellt sich eine Art generelle Unlust ein. Man hat wenig Antrieb und sieht keine Freude darin, sich mit anderen Menschen zu treffen. Neben der Stimmung können bei einem Dopaminmangel auch Depressionen auftreten und es gibt Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit.

Die Ursachen für einen Dopaminmangel sind vielfältig. Es wird eine genetische Veranlagung vermutet. Wenn dann noch verschiedene äußere begünstigende Faktoren hinzukommen, entwickeln diese Menschen eher einen Dopaminmangel. Als besonders entscheidender Faktor gilt länger anhaltender Stress. Auch andere seelische Belastungen, Mangelernährung und Bewegungsarmut können mit einem Dopaminmangel einhergehen.

Dopaminüberschuss: Wenn zu viel des Guten schädlich ist

Nicht nur ein Dopaminmangel kann zu Beschwerden führen, auch ein Dopaminüberschuss beziehungsweise eine ständige Aktivierung des Dopaminsystems kann zum Problem werden. Zu einem kurzfristigen Dopaminüberschuss kann es kommen, wenn die Dopaminausschüttung in kurzer Zeit extrem stimuliert wird. Je mehr Dinge man macht, die eine Dopaminausschüttung bewirken, desto weniger empfindlich wird das Gehirn für kleinere Reize. Das kann im Laufe der Zeit zu einer Art Abstumpfung des Dopaminsystems führen.

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Dopaminagonisten in der Schmerztherapie

Dopaminagonisten sind Medikamente, die die Wirkung von Dopamin im Körper nachahmen. Sie stimulieren dieselben Dopaminrezeptoren (D-Rezeptoren) wie der körpereigene Neurotransmitter. Dopaminagonisten werden häufig zur Behandlung des Morbus Parkinson eingesetzt, bei dem ein Dopaminmangel im extrapyramidalmotorischen System (EPMS) zu neurologischen Störungen und insbesondere Störungen der Motorik führt. Sie werden auch zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms (RLS) eingesetzt, einer hyperkinetischen Störung des EPMS, die durch Zuckungen, Missempfindungen und Schmerzen in den Beinen gekennzeichnet ist.

Anwendungsgebiete von Dopaminagonisten

  • Morbus Parkinson: Ausgleich des Dopaminmangels im EPMS zur Verbesserung der Motorik.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): Linderung von Zuckungen, Missempfindungen und Schmerzen in den Beinen.
  • Hormonelle Beschwerden: Behandlung von Erkrankungen, die mit einer erhöhten Produktion von Prolaktin verbunden sind, wie z. B. Prolaktinomen.

Wirkungsweise von Dopaminagonisten

Im Gegensatz zu L-Dopa müssen Dopaminagonisten nicht im menschlichen Körper umgewandelt werden, um zu wirken. Sie können ihre Wirkung direkt an den entsprechenden Empfängerstellen (Rezeptoren) im Gehirn entfalten. Trotzdem dauert es etwas länger als bei L-Dopa bis die Wirkung einsetzt. Sie hält dann aber länger an. Die Wirksamkeit dieser Präparate ist meist nicht so stark wie die von L-Dopa.

Vorteile von Dopaminagonisten gegenüber L-Dopa

Dopaminagonisten haben jedoch gegenüber L-Dopa den Vorteil, dass sie bei langjähriger Einnahme seltener zu Wirkungsschwankungen und Überbewegungen führen. Daher sollten Dopaminagonisten besonders bei jüngeren Patientinnen und Patienten (unter 70 Jahren, lt. Leitlinie) ohne schwerwiegende Begleiterkrankungen vor einer L-Dopa-Therapie eingesetzt werden.

Nebenwirkungen und Risiken von Dopaminagonisten

Dopaminagonisten können zu Beginn der Behandlung zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kreislaufproblemen, Halluzinationen, Schläfrigkeit oder Verdauungsstörungen führen und werden daher langsam eindosiert. Durch eine langsame Anpassung der Dosis wird das Risiko auf Nebenwirkungen deutlich reduziert.

Der Nachteil von Dopaminagonisten sind die Nebenwirkungen und die etwas schlechtere Verträglichkeit, gerade bei hohen Dosen und im hohen Alter. Das Risiko auf Wesensveränderungen wie Punding, exzessives Essen oder allgemeine Impulskontrollstörungen, sowie Psychosen, ist bei erhöhter Dosierung von Dopaminagonisten besonders hoch, verglichen mit L-Dopa oder anderen Parkinson Medikamenten.

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Erste Untersuchungen lassen vermuten, dass ergoline Dopaminagonisten häufiger zu bestimmten Nebenwirkungen führen können. Zum Beispiel zu einer Verdickung der Herzklappen. In der Parkinson-Therapie spielen deshalb vor allem nicht ergoline Dopaminagonisten wie Rotigotin, Apomorphin oder Piribedil eine Rolle.

Bekannte Nebenwirkungen von Dopaminagonisten sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Müdigkeit. Einige Patientinnen und Patienten können unter Schlafstörungen, Unruhe oder Somnolenz leiden. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Schwindel, Inkontinenz und die bereits erwähnte Bildung von Ödemen. Seltener kommt es zu medikamenten-induzierten Psychosen und/oder Halluzinationen.

Kontraindikationen für die Anwendung von Dopaminagonisten

Dopaminagonisten sollten nicht bei Organfibrosen eingesetzt werden, da sie das Risiko einer Fibrosierung (Umbau von Organgewebe) der Herzklappen erhöhen können. Auch ein Pleuraerguss und hoher Blutdruck sind Kontraindikationen. Der Einsatz von Dopaminagonisten bei einer Leberinsuffizienz ist ebenfalls kontraindiziert.

Dopamin und Parkinson-assoziierte Schmerzen

Parkinson-assoziierte Schmerzen sind häufig und reduzieren die Lebensqualität der Betroffenen. Oft fluktuieren die Schmerzen zusammen mit den motorischen Fluktuationen. In grossen crosssektionalen Studien berichten 40 bis 85% aller Parkinsonpatient*innen, unter Schmerzen zu leiden. Neben den anderen Symptomen der Parkinsonerkrankung sind Schmerzen wesentlich für Einschränkungen der Lebensqualität verantwortlich. Die Schmerzsymptomatik beginnt bereits früh im Krankheitsverlauf und nimmt mit fortschreitender Erkrankung zu.

Eine detaillierte Betrachtung der Prävalenz von Parkinson-assoziierten Schmerzen hat gezeigt, dass Motorfluktuationen unabhängig von Alter der Patientinnen, Krankheitsstadium oder der -dauer ein Prädiktor für Schmerzen sind. Am häufigsten ist bei Parkinsonpatientinnen der nozizeptive Schmerz (55%), gefolgt vom noziplastischen Schmerz (22%) und vom neuropathischen Schmerz (16%).

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Mit den motorischen Fluktuationen ändert sich der Schmerz in seiner Frequenz und Intensität. So geht das morgendliche Off mit frühmorgendlichem Schmerz und «Beginning of dose»-Schmerz einher. Darüber hinaus leiden die Patient*innen an «End of dose»-Schmerzen, «Wearing-off»-Schmerzen, Schmerzen während der Off-Periode sowie Peak-Dose-Schmerzen. Generell kommen Schmerzen im motorischen Off häufiger vor und sind schwerer. Dabei sind muskuloskelettale Schmerzen und Fluktuations-assoziierte Schmerzen wie dystone Schmerzen oder Dyskinesie-assoziierte Schmerzen am häufigsten.

Therapie von Parkinson-assoziierten Schmerzen

Aufgrund der wesentlichen Rolle des dopaminergen Systems in der Entstehung des Parkinson-assoziierten Schmerzes, insbesondere des noziplastischen Schmerzes, steht die ausreichende kontinuierliche dopaminerge Stimulation therapeutisch an erster Stelle. Unabhängig davon, ob es sich bei einem Parkinson-assoziierten Schmerz um einen nozizeptiven, noziplastischen oder neuropathischen Schmerz handelt, steht eine kontinuierliche dopaminerge Stimulation, möglichst über 24 Stunden, im Zentrum der Therapie, um auch die Nacht und den frühen Morgen abzudecken. Zusätzlich können je nach Schmerzdomäne Analgetika wie NSAR, Antidepressiva, Opioide oder Physiotherapie beim nozizeptiven Schmerz und Pregabalin, Antidepressiva, Opioide und Physiotherapie beim neuropathischen Schmerz eingesetzt werden.

Dopamin und das Belohnungssystem bei Schmerzen

Das dopaminerge System spielt eine wesentliche Rolle bei der Schmerzwahrnehmung und -modulation. Es beeinflusst nicht nur die Intensität des Schmerzes, sondern auch die emotionale Reaktion auf Schmerzen. Positive Erwartungen und Placebo-Effekte können die Dopaminausschüttung im Gehirn erhöhen und dadurch die Schmerzwahrnehmung reduzieren.

Psychologische Faktoren und Dopamin

Gedanken, Erfahrungen und Erwartungen können das Schmerzempfinden verstärken oder schwächen. Sie haben auch einen großen Einfluss darauf, wie gut Schmerztherapien bei einzelnen Menschen wirken. Welche psychologischen und neuronalen Mechanismen liegen diesem Effekt zugrunde? Wie und aus welchen Gründen verändern sich die Erwartungen von Menschen? Und welche Folgen hat das für den individuellen Behandlungserfolg bei Schmerzen?

Negative Erwartungen wirken sich stärker auf Schmerzen aus als positive. Eine weitere große, kontrollierte pharmakologische Studie zeigte, dass das dopaminerge System mit dem Botenstoff Dopamin eine wesentliche Bedeutung für die schmerzhemmende Wirkung von Placeboeffekten hat. Und schließlich konnten bestimmte Gehirnregionen identifizieren, deren Zusammenspiel beim Entstehen von Nocebo-Effekten eine Rolle spielt.

Natürliche Wege zur Dopaminsteigerung

Grundsätzlich wird die Produktion von Dopamin durch Tätigkeiten gesteigert, bei denen wir Lust empfinden. Doch der Grat zwischen einer gesunden Dopaminsteigerung und einer kurzfristig übermäßigen und auf Dauer eher schädlichen Überanregung des Dopaminsystems, etwa durch das schnelle Betrachten von Social-Media-Inhalten, ist schmal. Um das Dopaminsystem auf gesunde Weise anzuregen, empfehlen sich vor allem Sport und ausreichend Schlaf. Eine ausgewogene Ernährung kann das Nervensystem insgesamt stärken.

Sport und Bewegung

Sport ist Mord? Nein, Sport macht glücklich! Auch wenn für manch einen am Anfang ein gewisser Schweinehund zu überwinden ist, so versetzt körperliche Anstrengung im Rahmen von Sport die meisten Menschen nach einer Zeit in eine Art Glückszustand. Wer mit Sport den Dopaminspiegel steigern möchte, braucht wahrscheinlich ein gewisses Pensum. Manche Menschen sagen, ich gehe eh spazieren. Aber das reicht nicht, um eine spürbare Dopaminausschüttung herbeizuführen. Dazu sollte man schon mehrmals in der Woche Sport von mindestens mittlerer Intensität machen.

Schlaf und Entspannung

Schlafmangel kann das Dopaminsystem durcheinanderbringen. Umgekehrt ist davon auszugehen, dass ausreichend Schlaf sich positiv auf das Dopaminsystem auswirken kann: Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig für den Körper und das Gehirn insgesamt - er kann vermutlich auch helfen, den Dopaminhaushalt zu stabilisieren.

Ernährung

Dopamin wird im Nervensystem und im Nebennierenmark unter anderem aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin gebildet. Doch ob es einen Effekt hat, phenylalaninhaltige Lebensmittel wie Fleisch, Nüsse oder Hülsenfrüchte zu sich zu nehmen, um den Dopaminspiegel zu steigern, darüber gibt es noch keine stichhaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Es gibt Nahrungsergänzungsmittel, in denen viele Substanzen enthalten sind, die Vorstufen von Dopamin sind. Ihr Effekt ist aber gering. Gerade bei krankhaftem Dopaminmangel - etwa im Rahmen von ADHS oder Depressionen - helfen solche Vorstufen kaum.

Stattdessen wird eine ausgewogene Ernährung empfohlen, um den Stoffwechsel im Gehirn insgesamt zu stärken. Die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse und Olivenöl und Fisch sowie weißem Fleisch hat eine stabilisierende Wirkung auf das Nervensystem. Dazu tragen unter anderem die Omega-3-Fettsäuren bei, die etwa in Fisch und Olivenöl enthalten sind.

Dopamin Detox

Beim „Dopamin Detox“, auch Dopaminfasten genannt, zieht man sich für eine bestimmte Zeit in eine möglichst ruhige Umgebung zurück und vermeidet alles, was sonst eine Dopaminausschüttung stimuliert. Wer immer unterwegs ist - online und offline -, könnte sich zum Dopamin Detox beispielsweise für ein Wochenende in eine ruhige Hütte im Wald zurückziehen, ohne Internet und mit abgeschaltetem Telefon.

Es gibt bislang keine aussagekräftigen Studien darüber, inwieweit ein solches Dopamin Detox tatsächlich den Dopaminhaushalt beeinflusst. Man kann aber schon davon ausgehen, dass es eine gewisse Wirkung hat. Es geht ja nicht nur um die Dopaminkonzentration, sondern auch um das eigene Wohlbefinden und die Zufriedenheit. Und die können durch ein solches Dopamin Detox in vielen Fällen gesteigert werden - wenngleich es vielen anfangs auch schwerfallen dürfte, die relative Reizarmut auszuhalten.

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