Dopamin Globuli und ADHS: Erfahrungen, Behandlung und Alternativen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine komplexe neuropsychiatrische Störung, die sich durch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität auszeichnet. Sie wird häufig im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert, kann aber auch im Erwachsenenalter fortbestehen. Die Behandlung von ADHS ist vielfältig und umfasst medikamentöse Therapien, Verhaltenstherapien, Elterntrainings und alternative Ansätze wie die Homöopathie.

Was ist ADHS?

Die Abkürzung „ADHS“ steht für „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung“. Das Beschwerdebild setzt sich zusammen aus einem unaufmerksamen und impulsiven Verhalten, das mit oder ohne Hyperaktivität auftreten kann und in seinem Auftreten nicht dem Alter und allgemeinen Entwicklungsstand des Betroffenen entspricht. Die ADHS wird häufig als Störung des Kindes und Jugendlichen wahrgenommen. Je nach Altersgruppe liegt die Prävalenz (Häufigkeit der Krankheit) dort bei bis zu 2,9 % der Vorschulkinder und bis zu 7,9% bei Jugendlichen. Für den Übergang ins Erwachsenenalter zeigen Studien, dass die Symptome der bereits im Kindesalter diagnostizierten ADHS in 40-60 % der Fälle weiterhin vorlagen.

Diagnostik und Ursachen von ADHS

Zur Diagnostik der ADHS dienen neben einer ausführlichen Anamnese eine Reihe von psychologischen Testes und standardisierte Fragebögen. Als mögliche andere Ursachen der beobachteten Symptome können Angststörungen, Autismus und organische Psychosyndrome (hirnorganisch begründbare Pychosen) in Frage kommen.

Die Ursachen von ADHS sind vielfältig und komplex. Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle, aber auch psychosoziale Faktoren wie Stress und familiäre Einflüsse können eine Rolle spielen. Neurowissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass bei ADHS-Patienten ein Mangel an Dopamin und Noradrenalin im präfrontalen Kortex und Striatum vorliegt. Diese Neurotransmitter sind entscheidend für die Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Motivation.

Konventionelle Behandlungsmethoden

Eine bewährte Methode ist die Kombination aus Medikamenten, Verhaltenstherapie und Elterntraining.

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Folgende Bausteine sind grundsätzlich für eine erfolgreiche ADHS-Behandlung bei Kindern wichtig:

  • Aufklärung und Beratung der Eltern, des Kindes/Jugendlichen und des Erziehers beziehungsweise des Klassenlehrers
  • Zusammenarbeit mit Erziehern und Lehrern (Kindergarten, Schule)
  • Elterntraining, Miteinbeziehen der Familie (einschließlich Familientherapie), um die Symptomatik im familiären Umfeld zu vermindern
  • Kognitive Verhaltenstherapie des Kindes/Jugendlichen (ab dem Schulalter): Impulsives und unorganisiertes Verhalten kontrollieren lernen und Selbstmanagement lernen (Umgang mit Problemverhalten)
  • Medikamente (meist Amphetamine wie Methylphenidat), um Symptome in der Schule, im Kindergarten, im Familienkreis oder in anderen Umgebungen zu vermindern

Medikamentöse Therapie

Das am häufigsten eingesetzte Medikament zur Behandlung von ADHS ist Methylphenidat. Es ist vor allem unter den Handelsnamen Ritalin und Medikinet bekannt. Methylphenidat erhöht die Konzentration des Nervenbotenstoffs Dopamin im Gehirn. Dieser spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, ist aber auch wichtig für den psychischen Antrieb und die Konzentrationsfähigkeit.

Ein neuerer Wirkstoff zur Behandlung von ADHS ist Atomoxetin. Er wirkt tendenziell etwas weniger gut als Methylphenidat, bietet aber eine Alternative. Atomoxetin steigert vor allem die Konzentration des Nervenbotenstoffes Noradrenalin im Gehirn, indem es dessen Abbau verlangsamt. Der Botenstoff bleibt so länger aktiv und verbessert so die Signalübertragung im Gehirn.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie umfasst die Zusammenarbeit mit den Kindern, deren Eltern und auch der Schule. Die Kinder lernen, ihren Alltag zu strukturieren und ihr Verhalten besser zu kontrollieren. In vielen Fällen ist es sinnvoll, dass ein professioneller Helfer die Kinder einige Zeit auch in der Schule unterstützt. Auch das Üben in Modellsituationen kann hilfreich sein. Im Rahmen von Rollenspielen, zum Beispiel unter Gleichaltrigen, üben ADHS-Kinder in einer praxisnahen Situation ein Verhalten, das sie später auch zu Hause oder in der Schule anwenden können. Erleben sie dabei Anerkennung, werden sie das neue Verhaltensmuster schnell in ihr Repertoire aufnehmen.

Elterntraining

Ein wichtiger Bestandteil der ADHS-Therapie ist das Elterntraining. Um ihre Sprösslinge besser zu unterstützen, lernen die Eltern einen konsequenten, aber liebevollen Erziehungsstil. Dazu gehören unter anderem: klare Strukturen vorgeben, sich unmissverständlich ausdrückeneigenes Verhalten mit den Anweisungen in Übereinstimmung bringenAblenkungen von einer gerade anstehenden Aufgabe vermeidenRückmeldung geben, ob sie das Verhalten des Kindes positiv oder negativ findenerwünschtes Verhalten deutlich erkennbar belohnenViele Eltern suchen auch Hilfe bei Elterninitiativen. Der Austausch mit anderen hilft ihnen aus der Isolation und kann mögliche Schuldgefühle reduzieren. Oft schaffen Eltern von ADHS-Kindern es erst dank des Rückhalts durch die Gruppen, ihr hyperaktives Kind so zu akzeptieren, wie es ist.

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Homöopathie bei ADHS: Ein alternativer Ansatz

Die Behandlung mit homöopathischen Mitteln stellt einen Ansatz dieser Therapie dar. Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben. Begleiterscheinungen sind Störungen der Fein- und Gorbmotorik, Tics und Redseligkeit. Die betroffene Person ist in gesunder Verfassung gutmütig, heiter, sprachbegabt und musikalisch. Die betroffene Person will alles perfekt machen, wirkt getrieben und leidet oft auch an Magenproblemen. Die betroffene Person zeigt starke körperliche Unruhe und ist diktatorisch im Umgang mit anderen.

Homöopathische Mittel, die häufig bei ADHS verordnet werden, sind nach Freis Angaben vor allem Calcium carbonicum, Lycopodium und Sulfur. Aber etwa auch Belladonna, Causticum, Chamomilla, Ignatia, Nux vomica, Phosphor oder Silicea werden genutzt. Ein auf ADHS abgestimmtes Komplexmittel ist Zappelin® (erstattungsfähig bis zum vollendeten 12. Lebensjahr). Es enthält etwa Chamomilla, Kalium phosphoricum und Valeriana. Ein anderes Komplexmittel, Damiana Pentarkan®S, wird etwa bei nervösen Spannungszuständen, Konzentrationsmangel und Gedächtnisschwäche genutzt. Stramonium Pentarkan® wird bei nervösen Schlafstörungen verordnet, die durch seelische Erregungszustände ausgelöst und von innerer Unruhe und Angst begleitet werden.

Studienlage zur Homöopathie bei ADHS

Ein interdisziplinäres Team um Dr. Heiner Frei von der Universität Bern hatte 83 Kinder zwischen 6 und 16 Jahren in die Studie aufgenommen. Ein homöopathisch ausgebildeter Arzt bestimmte das jeweils für ein Kind passende Homöopathikum. 62 Kinder sprachen auf die homöopathische Therapie an. Das Kriterium dafür war eine 50-prozentige Reduktion des Conners’ Global Index (CGI) nach im Mittel fünf Monaten. Der CGI ist eine Skala, mit der zehn Kriterien wie Wutausbrüche, Schreianfälle, Frustrationstoleranz oder das Stören anderer Kinder erfasst werden. Nun startete die eigentliche Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie. Die 62 Kinder, die auf die Homöopathika angesprochen hatten, wurden den zwei Gruppen A und B zugeteilt. In diesen Gruppen wurden sie sechs Wochen behandelt und wechselten dann in die jeweils andere Gruppe. In welcher Gruppe sie Placebo oder das für sie passende Homöopathikum erhielten, wussten weder Kinder noch Eltern noch die behandelnden Ärzte. Ein starkes Ergebnis. Das liege einmal daran, dass es dauere, bis die Therapie anspreche, und dass diese Therapie nicht in Notfallsituationen geeignet sei, so die Kollegen aus Bern. Zum anderen sei es wichtig, dass Eltern die Symptome ihrer Kinder akkurat erfassen und dem Homöopathen mitteilen. Und das sei nicht einfach.

Die Auswertung der Messdaten nach zwölf Monaten weist darauf hin, dass die eingesetzten potenzierten Substanzen spezifisch wirksam waren. Die mittlere Effektstärke über alle Zielparameter hinweg wird zum Studienende mit 0,57 angegeben. Das bedeutet, dass eine mittelgroße, klinisch relevante Linderung der untersuchten Symptomatik bewirkt werden konnte, die mit dem Placebopräparat nicht zu erzielen war.

Kritische Auseinandersetzung mit der Homöopathie

Trotz einiger positiver Studien gibt es auch kritische Stimmen zur Homöopathie bei ADHS. Eine hochwertige, randomisierte, drei-Arm-Studie mit 180 Kindern (6-16 Jahre) zeigte, dass Kinder, die mit homöopathischen Beratungen und Placebo behandelt wurden, eine ähnliche Abnahme der ADHS-Symptome erfuhren wie diejenigen mit homöopathischen Mitteln. Homöopathische Mittel an sich waren nicht mit einer Veränderung der ADHS-Symptome verbunden. Die Verbesserungen kamen vom Konsultations- und Placebo-Effekt, nicht vom homöopathischen Mittel selbst.

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Es ist wichtig zu beachten, dass die auf Globuli.de zur Verfügung gestellten Informationen sowie Kommentare und Diskussionsbeiträge nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer eigenständigen Auswahl und Anwendung oder Absetzung von Arzneimitteln, sonstigen Gesundheitsprodukten oder Behandlungsmethoden verwendet werden dürfen. Für eine sichere Diagnose und Behandlung muss immer ein Arzt aufgesucht werden.

Dopamin und ADHS

Dopamin und ADHS hängen zusammen. Die gängigsten Medikamente wie Ritalin, Medikinet, Concerta und Elvanse erhöhen den Dopaminspiegel. Trotzdem stimmt die Aussage nicht, dass ADHS ein Mangel an Dopamin sei. Die ADHS-Symptomatik verbessert sich, wenn wir das dopaminerge System stimulieren. Dopamin ist nicht nur der Botenstoff, der für das Belohnungszentrum zuständig ist, sondern steuert auch das Erkennen von Zusammenhängen.

Möglichkeiten zur Erhöhung des Dopaminspiegels

Um das eigene Dopamin erhöhen zu können, können folgende Handlungen helfen:

  • Abbau von chronischem Stress (ständiger Stress hemmt die Produktion von Dopamin)
  • Ausreichend Schlaf (7-9h) von guter Qualität
  • Praktizieren von Entspannung (Meditation und Yoga)
  • Regelmäßige Bewegung (bereits nach 10min. kommt es zur Ausschüttung von Dopamin und nach 20 min. ist die Konzentration an Dopamin am höchsten)
  • Ausreichendes Verzehren von Proteinen (Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte etc. führen zum Wachstum von Dopamin)
  • Genießen von Musik (die Hirnaktivität im Belohnungszentrum ist reich an Dopaminrezeptoren und wird dabei angesprochen)
  • Sonne tanken (Sonnenstrahlen fördern die Herstellung von Dopamin)

Alternative Behandlungsmethoden für ADHS

Jenseits von Ritalin und Adderall gibt es diverse alternative ADHS-Behandlungsmöglichkeiten auf dem Markt.

Neurofeedback

Das Neurofeedback ist ein Verfahren auf verhaltenstherapeutischer Basis. Dabei lernt man, die eigenen Hirnaktivitäten positiv zu beeinflussen. Die Methode kann bei Kindern über sechs Jahren und Jugendlichen eingesetzt werden, wenn andere, wirkungsvollere Therapien dadurch nicht verzögert oder behindert werden. Durch Konzentration gelingt es dem Patienten, seine Gehirnaktivität auf einem bestimmten Level zu halten. Bei längerem Training lässt sich die erlernte Fähigkeit dann auch im Alltag, in der Schule oder im Beruf anwenden.

Meditation und Achtsamkeit

Meditation erhöht den Dopaminspiegel und fördert die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu knüpfen. Der präfrontale Cortex (Sitz der Impulskontrolle) wird aktiviert und gestärkt. Auch Yoga gilt vielen als probates Mittel gegen die ADHS-Symptome.

Sport und Bewegung

Regelmäßiger Sport erhöht Dopamin und Noradrenalin, steigert Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) und verbessert die Blutdurchblutung im präfrontalen Cortex.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren, L-Theanin, Phosphatidylserin und Zink kann ebenfalls positive Auswirkungen auf die ADHS-Symptomatik haben.

ADHS bei Erwachsenen und Besonderheiten bei Frauen

ADHS bei Frauen ist ein Thema, dass mehr und mehr in den Fokus rückt. Der Grund hierfür ist, dass Frauen und Mädchen in den vergangenen Jahrzehnten diagnostisch noch weniger erkannt wurden als männliche Patienten, da das gesellschaftlich geprägte Bild der Erkrankung als Klischee den Zappelphilipp überbetont.

Sowohl für Betroffene als auch für Partner*innen gilt es zu unterscheiden, welche Erlebens- und Verhaltensweisen durch ADHS erklärbar sind und welche nicht. Ziel für Betroffene sollte es sein, die ADHS-Symptomatik zu kontrollieren, anstatt von ihr kontrolliert zu werden.

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