Dopamin und Serotonin: Unterschiede, Wirkungen und Bedeutung für das Wohlbefinden

Die Suche nach dem Schlüssel zum Glück beschäftigt uns Menschen seit jeher. Obwohl es keine einfache Formel gibt, sind die biochemischen Prozesse in unserem Gehirn, die uns Glück empfinden lassen, gut erforscht. Dopamin und Serotonin spielen dabei eine zentrale Rolle. Wenn diese Botenstoffe in Balance sind, fühlen wir uns wohl und motiviert. Sind sie jedoch aus dem Gleichgewicht geraten, können psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angstzustände oder Burnout die Folge sein.

Wie Glück funktioniert: Das Zusammenspiel von Dopamin und Serotonin

Unser emotionales Gedächtnis bewertet zukünftige Ereignisse oder Tätigkeiten anhand des erwarteten Glücksgefühls. Wenn eine Aktivität angenehm oder lustvoll zu werden verspricht, wird der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet. Dopamin ist für die Motivation zuständig und treibt uns an, diese Tätigkeit auszuführen. Es vermittelt motivations- und antriebssteigernde Effekte.

Folgt auf die Handlung tatsächlich ein angenehmes Ereignis, das bewusst wahrgenommen wird, schütten wir Serotonin aus. Serotonin beruhigt, vermittelt uns Zufriedenheit und das Gefühl des bewussten Glücks. Es ist also weit mehr als nur ein einfaches „Glückshormon“; es ist ein Schlüsselspieler in einem komplexen Netzwerk von Prozessen, die unsere psychische Gesundheit aufrechterhalten.

Bleibt die Ausschüttung von Dopamin und Serotonin aus, können Befindlichkeitsstörungen wie Depressionen, Ängste oder Burnout-Syndrom die Folge sein. Die Anzahl der Arztbesuche aufgrund von Depressionen und die dafür verschriebenen Medikamente sind stetig steigend. Die verschriebenen Psychopharmaka zielen meist darauf ab, das wenige Serotonin, das noch im Körper vorhanden ist, in seiner Wirkung zu verstärken.

Dopamin: Der Motivator und Antriebsförderer

Dopamin gehört zur Gruppe der Katecholamine und wird therapeutisch bei Schockzuständen eingesetzt. Es vermittelt im Gehirn positive Gefühlserlebnisse und wird daher - wie auch Serotonin - als Glückshormon bezeichnet. Im Vergleich zu Serotonin bewirkt Dopamin aber eher eine längerfristige Motivationssteigerung und Antriebsförderung.

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Ein Mangel an Dopamin im zentralen Nervensystem (ZNS) tritt bei der Parkinson-Krankheit auf. Zu den typischen Symptomen zählen Muskelstarre (Rigor), Zittern (Tremor) und eine Verlangsamung der Bewegungen bis hin zur Bewegungslosigkeit (Akinese). Eine Behandlung mit Dopamin kann gegen diese Symptome helfen. Da der Wirkstoff aber nicht in der Lage ist, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, kann er nicht direkt zugeführt werden, um dadurch den Mangel im Gehirn auszugleichen. Stattdessen werden eine Vorstufe (L-DOPA) und Analoga (Dopamin-Agonisten) des Botenstoffs verabreicht, die bis an den Wirkort im Gehirn gelangen können.

Bei schizophrenen oder sonstigen psychotischen Patienten ist meist in bestimmten Hirnregionen die Dopamin-Konzentration erhöht. Hier werden Hemmer des Botenstoffs (Dopamin-Antagonisten) eingesetzt. Sie zählen zu den Antipsychotika.

Dopamin kann in bestimmten Körperregionen (wie zum Beispiel den Nieren) die Durchblutung steigern. Es wird daher bei Schockzuständen, niedrigem Blutdruck und Nierenversagen angewendet. Diese Verwendung ist jedoch rückläufig, da beispielsweise mit Adrenalin oder Noradrenalin Wirkstoffe mit kleinerem Nebenwirkungspotential zur Verfügung stehen.

Dopamin in Bezug auf Schlaf-Wach-Regulation

Dopamin spielt eine wichtige Rolle für die Schlaf-Wach-Regulation und auch umgekehrt beeinflusst der Schlaf den Dopaminspiegel. Studien zeigen, dass dieser bereits nach einer durchwachten Nacht in zwei Gehirnarealen (Striatum und Thalamus) deutlich erhöht ist.

Dopamin und Belohnungssystem

Dopamin ist stark in die Prozesse involviert, die unsere Motivation und unser Verhalten steuern. Es wird in Momenten freigesetzt, in denen wir eine Belohnung erwarten oder erhalten, sei es durch Essen, soziale Interaktionen oder das Erreichen eines Ziels. Dieses Hormon verstärkt das Gefühl der Zufriedenheit, das wir erleben, wenn wir eine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen haben, und motiviert uns, ähnliche Verhaltensweisen in der Zukunft zu wiederholen.

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Die Wirkung von Dopamin auf unser Verhalten zeigt sich besonders deutlich in unserer Antriebskraft. Ein gesunder Dopaminspiegel führt dazu, dass wir uns energiegeladen und motiviert fühlen. Es hilft uns, Ziele zu setzen und diese mit Entschlossenheit zu verfolgen. Auf der anderen Seite kann ein niedriger Dopaminspiegel zu einem Mangel an Motivation führen. Betroffene fühlen sich oft antriebslos, müde und wenig interessiert an Aktivitäten, die sie früher begeistert haben.

Dopamin ist auch stark mit Suchtverhalten verbunden. Da es das Belohnungssystem des Gehirns direkt beeinflusst, kann eine übermäßige Stimulierung dieses Systems durch bestimmte Verhaltensweisen oder Substanzen zu Abhängigkeiten führen. Bei wiederholtem Konsum von Drogen, Alkohol oder auch beim exzessiven Einsatz digitaler Medien wird das Belohnungssystem des Gehirns übermäßig aktiviert, was zu einer erhöhten Dopaminausschüttung führt. Der Körper gewöhnt sich an diese hohen Dopaminspiegel, was den Drang verstärkt, das Verhalten zu wiederholen, um das gleiche Gefühl der Belohnung zu erleben.

Dopaminspiegel Beeinflussung

Mit Lebensmitteln, die reich an Tyrosin sind, liefern wir unserem Körper den wichtigsten Ausgangsstoff für die Dopaminsynthese. Die Fachliteratur geht davon aus, dass das Dopamin-System um etwa 5-10 % pro Jahrzehnt abnimmt.

Serotonin: Der Stimmungsstabilisator und Glücksbote

Serotonin ist eines der bekanntesten Glückshormone und spielt eine zentrale Rolle in der Regulierung unserer Stimmung. Es trägt wesentlich dazu bei, wie wir uns fühlen, reguliert unseren Schlafzyklus und spielt eine Rolle bei der Appetitkontrolle. Niedrige Serotoninspiegel werden oft mit Depressionen und Angststörungen in Verbindung gebracht. Das emotionale Gleichgewicht wird stark von der Verfügbarkeit und Wirkung von Serotonin im Gehirn bestimmt. Serotonin spielt auch eine Rolle in unserem Sozialverhalten.

Serotonin ist auch außerhalb des zentralen Nervensystems weit verbreitet. Erstmals isoliert wurde es in der Schleimhaut des Magen-​Darm-​Trakts. Den Namen hat es von seiner Wirkung auf den Blutdruck: Als Bestandteil des Serums reguliert es die Spannung (Tonus) der Blutgefäße.

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Als Neurotransmitter im Gehirn ist Serotonin nur in Neuronen nachweisbar, deren Zellkörper in den so genannten Raphekernen im Hirnstamm sitzen. Von dort innervieren sie mit ihren Axonen praktisch alle Regionen des Gehirns und beeinflussen etwa Schmerzempfinden, Schlaf- und Wachrhythmus und den Gemütszustand. So sind die Raphekerne im Zustand erhöhter Wachsamkeit besonders aktiv, am wenigsten dagegen im Schlaf. Umgekehrt haben Studien gezeigt: Ist Serotonin im Gehirn im Übermaß vorhanden, können Unruhe und Halluzinationen entstehen. Serotoninmangel kann zu depressiven Verstimmungen, Angst und Aggressionen führen.

Serotonin ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten, kann aber nicht von der Blutbahn ins Gehirn gelangen. Vielmehr wird es dort aus der Aminosäure Tryptophan erzeugt. Allerdings lässt sich die Serotoninmenge im Gehirn über den Tryptophanspiegel beeinflussen - und dieser sich wiederum über die Ernährung. So führt kohlenhydratreiche Kost zu hoher Tryptophan-​Verfügbarkeit, umgekehrt hat ein Entzug von Kohlenhydraten in Studien Schlafstörungen und Depressionen bewirkt, was man auf das dann fehlende Serotonin zurückführte.

Viele Antidepressiva und Medikamente gegen Angst erhöhen gezielt die Menge verfügbaren Serotonins im Gehirn, etwa indem sie die präsynaptische Wiederaufnahme verlangsamen. Diese Wirkstoffe kennt man als selektive Serotonin-​Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Trotzdem lässt sich die Stimmung nicht einfach verbessern, indem man den Serotoninspiegel erhöht.

Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer

Ein Ansatzpunkt sind Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, die zur Behandlung von Depressionen (mit Symptomen der Ahedonie und Antriebslosigkeit) eingesetzt wird.

Dopamin vs. Serotonin: Die Unterschiede im Überblick

Worin genau liegt der Unterschied der motivationalen Funktion dieser zwei Hormone? Dopamin wird mit appetitiven Funktionen (Sexualität, Wachstum, Ernährung, generell: Nutzen von Chancen) in Verbindung gebracht, Serotonin mit aversiven Funktionen (Bedrohung, Gefahren, Flucht, generell: Minimierung von Risiken). Neurochemisch sind beide Antagonisten, wobei das dopaminerge System sehr viel besser untersucht & verstanden wird als das serotonerge System, das weitverzweigte Projektionen im Gehirn besitzt.

Serotonin und Dopamin haben unterschiedliche, aber ergänzende Wirkungen auf das Gehirn. Serotonin ist hauptsächlich für die Regulierung der Stimmung, des Schlafs und des Appetits verantwortlich. Es sorgt dafür, dass wir uns emotional stabil und ausgeglichen fühlen. Dopamin hingegen ist eng mit dem Belohnungssystem des Gehirns verbunden und beeinflusst unsere Motivation und Antriebskraft. Während Serotonin eher beruhigend wirkt und für Zufriedenheit sorgt, fördert Dopamin die Aktivität und das Streben nach Zielen.

Weitere Glückshormone: Endorphine und Oxytocin

Neben Serotonin und Dopamin spielen auch Endorphine und Oxytocin eine wichtige Rolle in unserem Wohlbefinden.

Endorphine sind körpereigene Chemikalien, die als natürliche Schmerzmittel wirken. Sie werden insbesondere in Situationen freigesetzt, die unser Wohlbefinden gefährden könnten, wie zum Beispiel bei körperlicher Anstrengung, Stress oder Verletzungen. Endorphine blockieren die Schmerzrezeptoren im Gehirn und reduzieren so das Schmerzempfinden. Ein klassisches Beispiel für die Wirkung von Endorphinen ist das sogenannte „Runner’s High“, das viele nach intensiver körperlicher Betätigung erleben. Endorphine tragen auch dazu bei, Stress abzubauen.

Oxytocin wird oft als „Bindungshormon“ bezeichnet, da es eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung von engen zwischenmenschlichen Beziehungen spielt. Oxytocin wird freigesetzt, wenn wir körperliche Nähe zu anderen Menschen erleben, sei es durch Umarmungen, Küsse oder andere Formen von Zärtlichkeit. Ein besonders wichtiger Bereich, in dem Oxytocin wirkt, ist die Bindung zwischen Eltern und Kind. Oxytocin hat auch einen positiven Einfluss auf soziale Interaktionen im Allgemeinen.

Endorphine und Oxytocin sind also weit mehr als nur einfache Hormone. Sie sind entscheidend für unser körperliches und emotionales Wohlbefinden und helfen uns, sowohl mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen als auch tiefgehende, bedeutungsvolle Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Die Balance der Glückshormone: Wege zu mehr Wohlbefinden

Die Balance der Glückshormone ist entscheidend für unser emotionales und körperliches Wohlbefinden. Unsere Lebensgewohnheiten haben einen direkten Einfluss auf die Produktion und Regulation der Glückshormone.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung kann die Produktion von Glückshormonen erheblich beeinflussen. Bestimmte Nährstoffe wie Tryptophan, das in Lebensmitteln wie Nüssen, Samen und Bananen enthalten ist, sind Vorläufer von Serotonin und können dessen Produktion unterstützen.

Bewegung

Regelmäßige körperliche Aktivität ist einer der effektivsten Wege, um die Produktion von Endorphinen und Dopamin zu steigern. Bewegung, insbesondere Ausdauersportarten wie Laufen oder Schwimmen, führt zu einer erhöhten Ausschüttung dieser Hormone, was zu einem besseren Wohlbefinden und einer gesteigerten Motivation führt.

Schlaf

Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf ist für die Regulation der Glückshormone unerlässlich. Während des Schlafs regeneriert sich das Gehirn und stellt die Balance der Neurotransmitter wieder her.

Achtsamkeit und Meditation

Praktiken wie Meditation und Achtsamkeitstraining haben nachweislich positive Effekte auf die Hormonproduktion, insbesondere auf Serotonin und Endorphine.

Soziale Interaktionen

Der Kontakt zu anderen Menschen, insbesondere zu engen Freund*innen und Familienmitgliedern, fördert die Freisetzung von Oxytocin, was das Gefühl von Verbundenheit und Sicherheit stärkt.

Therapie und Unterstützung bei hormonellem Ungleichgewicht

Manchmal reicht eine gesunde Lebensweise allein nicht aus, um ein hormonelles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, insbesondere wenn eine Person unter chronischem Stress, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen leidet. Eine Therapie, sei es durch Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie oder medikamentöse Behandlung, kann helfen, die Hormonbalance wiederherzustellen. Antidepressiva beispielsweise wirken häufig auf das Serotoninsystem und können so das emotionale Gleichgewicht unterstützen.

Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), beeinflussen direkt den Serotoninspiegel im Gehirn. Diese Medikamente verhindern die Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzellen, was dazu führt, dass mehr Serotonin im synaptischen Spalt verfügbar bleibt und länger wirken kann. Das hilft, die Stimmung zu stabilisieren und Symptome von Depressionen zu lindern.

Epigenetische Einflüsse auf Dopamin und Serotonin

Die Forschung hat gezeigt, dass Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin auch epigenetische Prozesse beeinflussen können. Sie können als epigenetische Marker wirken, indem sie sich im Zellkern an Histone binden und so die Genaktivität regulieren. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Perspektiven für das Verständnis und die Behandlung von Suchterkrankungen und Depressionen.

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