Duloxetin bei Polyneuropathie: Erfahrungen, Wirksamkeit und Alternativen

Die Behandlung von Schmerzen, die durch diabetische Polyneuropathie verursacht werden, stellt eine Herausforderung dar. Duloxetin, ein selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI), wird häufig als Medikament zur Linderung dieser Schmerzen eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Duloxetin bei Polyneuropathie, seine Wirksamkeit im Vergleich zu anderen Medikamenten und mögliche Nebenwirkungen.

Was ist Duloxetin und wie wirkt es?

Duloxetin ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt wird, darunter depressive Erkrankungen, generalisierte Angststörung und Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie. Es gehört zur Klasse der selektiven Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI).

Der Wirkmechanismus von Duloxetin beruht auf der Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin im synaptischen Spalt. Diese beiden Substanzen spielen eine wichtige Rolle bei der Schmerzregulation im zentralen Nervensystem. Durch die Erhöhung ihrer Konzentration verstärkt Duloxetin die hemmende Wirkung der absteigenden Schmerzbahnen, was zu einer Schmerzlinderung führen kann.

Erfahrungen mit Duloxetin bei diabetischer Polyneuropathie

Duloxetin (ARICLAIM, CYMBALTA) ist seit 2005 zur Behandlung von Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie zugelassen. Die Erfahrungen mit Duloxetin bei diabetischer Polyneuropathie sind vielfältig. Einige Patienten berichten von einer deutlichen Schmerzlinderung und einer Verbesserung ihrer Lebensqualität, während andere weniger oder keine Wirkung verspüren.

In einer Studie mit 457 Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie wurde gezeigt, dass sowohl 60 mg als auch 120 mg Duloxetin den Schmerz im Vergleich zu Placebo signifikant verringerten. Die Patienten hatten seit elf Jahren Diabetes und seit mindestens sechs Monaten täglich Schmerzen. Dabei lag die mittlere Schmerzstärke auf einer Skala von 0 bis 10 bei 5,9 Punkten.

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Dr. Sigrun Jung aus Simmern erklärt, dass Duloxetin die neuropathischen Schmerzen gut verringern kann. Mit den empfohlenen Dosierungen von täglich 60 und 120 mg Duloxetin (Cymbalta®) kann nach den Ergebnissen einer Studie eine Verringerung der Schmerzintensität um die Hälfte erreicht werden.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Duloxetin die Lebensqualität der Patienten verbessern kann. So wurden allgemeine Aktivitäten wie die Gehfähigkeit, die Arbeitsfähigkeit sowie Beziehungen zu Freunden von den mit Duloxetin (2x 60 mg/d) behandelten Patienten signifikant besser bewertet als unter Plazebo. Parallel zur Besserung der funktionellen Einschränkungen berichteten die mit Duloxetin behandelten Patienten verglichen mit Plazebo über mehr Lebensfreude, eine ungetrübtere Stimmungslage und einen besseren Schlaf.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit von Duloxetin von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann. Einige Patienten benötigen möglicherweise eine höhere Dosis, während andere möglicherweise besser auf andere Medikamente ansprechen.

Duloxetin im Vergleich zu anderen Medikamenten

Zur symptomatischen Therapie einer schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie werden in erster Linie bestimmte Antidepressiva und Antiepileptika verwendet. Standard ist nach Einschätzung von Experten nach wie vor das trizyklische Antidepressivum Amitriptylin (SAROTEN, Generika), wenn es vertragen wird und nicht kontraindiziert ist.

Ein Wirkvorteil von Duloxetin gegenüber etablierten Mitteln, insbesondere trizyklischen Antidepressiva, ist nicht belegt. Vergleichende Doppelblindstudien mit anderen Antidepressiva oder Antiepileptika finden sich nicht.

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In einer Studie wurde Duloxetin 60 mg/d und Pregabalin 300 mg/d in Monotherapie miteinander verglichen. Die mit Duloxetin 60 mg/d behandelten Patienten erreichten sowohl nach vier als auch nach acht Wochen eine signifikant stärkere Reduktion der Schmerzen im Vergleich zu den Patienten, die täglich 300 mg Pregabalin erhalten hatten. Acht Wochen nach Therapiebeginn hatten 52 Prozent der Duloxetin-Patienten eine Schmerzreduktion um mindestens 30 Prozent erreicht versus 36,9 Prozent in der Pregabalin-Gruppe. Bei 40,3 Prozent der Patienten, die Duloxetin erhalten hatten, nahmen die Schmerzen sogar um mindestens 50 Prozent ab. Unter Pregabalin lag die Erfolgsquote mit 27,8 Prozent deutlich darunter. Außerdem zeigte sich, dass Duloxetin in Bezug auf die Verbesserung der schmerzbedingten Beeinträchtigungen, der allgemeinen Aktivität, des Gehvermögens und des Schlafes in der Initialtherapie signifikant besser abschnitt als Pregabalin.

Es gibt aber auch Studien, die zeigen, dass Pregabalin und Duloxetin in Kombinationstherapie bei Non-Respondern (Patienten mit einer Schmerzreduktion von weniger als 30 Prozent) zu einer besseren Analgesie führt als die jeweilige Hochdosis-Monotherapie.

Letztendlich muss die Entscheidung für ein bestimmtes Medikament oder eine Kombination von Medikamenten individuell getroffen werden, unter Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse und Umstände des Patienten.

Mögliche Nebenwirkungen von Duloxetin

Wie alle Medikamente kann auch Duloxetin Nebenwirkungen verursachen. Häufige unerwünschte Effekte unter Duloxetin sind:

  • Übelkeit (24%)
  • Kopfschmerzen (14%)
  • Mundtrockenheit (13%)
  • Schläfrigkeit (11%)
  • Schwindel (10%)

Duloxetin kann auch den Blutdruck und die Herzfrequenz steigern. Hypertensive Krise, Tachykardie, Vorhofflimmern und Verschlechterung einer vorbestehenden Herzinsuffizienz sowie orthostatische Hypotonie und Synkopen sind beschrieben.

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Nach Markteinführung sind zudem Harnverhaltung, schwere Hepatotoxizität und schwerwiegende Hautschäden wie STEVENS-JOHNSON-Syndrom aufgefallen.

Aufgrund dieser möglichen Nebenwirkungen ist es wichtig, dass Patienten, die Duloxetin einnehmen, regelmäßig von ihrem Arzt überwacht werden.

Wann ist Vorsicht geboten?

Bei der Anwendung von Duloxetin ist Vorsicht geboten bei:

  • kardialen Kontraindikationen gegen Trizyklika
  • unkontrolliertem Bluthochdruck
  • Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz
  • gleichzeitiger Einnahme von anderen serotonergen/neuroleptischen Medikamenten
  • gleichzeitiger Einnahme von Johanniskraut
  • Patienten mit bipolarer Störung oder Krampfanfällen
  • erhöhtem Augeninnendruck oder Engwinkelglaukom
  • gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern oder bekannten Blutungsstörungen
  • älteren, dehydrierten oder lebererkrankten Patienten sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika

Duloxetin sollte nicht abrupt abgesetzt werden, da sonst Absetzsymptome auftreten können wie z.B.: Schwindel, sensorische Beeinträchtigungen (Parästhesien), Schlafstörungen, Müdigkeit, Somnolenz, Agitation oder Ängstlichkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen, Tremor, Kopfschmerzen, Myalgie, Reizbarkeit, Diarrhoe, vermehrtes Schwitzen und Drehschwindel.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei Polyneuropathie

Neben der medikamentösen Therapie gibt es auch andere Behandlungsmöglichkeiten bei Polyneuropathie, die zur Linderung der Beschwerden beitragen können. Dazu gehören:

  • Physikalische Therapie: Ergotherapie und Physiotherapie können helfen, dieFunktion der geschädigten Nerven zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
  • Elektrotherapie: Verschiedene Formen der Elektrotherapie, wie z.B. TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) und Hochtontherapie, können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Rehabilitation: Ein Reha-Aufenthalt kann den Patienten helfen, mit den Folgen der Polyneuropathie besser umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Risikofaktoren wie Alkohol und Rauchen können den Verlauf der Polyneuropathie positiv beeinflussen.
  • Hilfsmittel: Spezielle Schuhe, Einlagen oder andere Hilfsmittel können die Sicherheit und Mobilität der Patienten verbessern.
  • Achtsamkeit: Körperwahrnehmung, aktive Achtsamkeit mit sich. Ich kann die Körperwahrnehmung schulen, auch während ich andere Therapien mache.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Polyneuropathie schwer zu behandeln ist und die Behandlungsergebnisse nicht immer zufriedenstellend sind. Es gibt eine Vielzahl von medikamentösen Ansätzen, die aber alle keinen Nutzen gezeigt haben, sondern eher noch zusätzliche Nebenwirkungen verursachen. Das heißt: Man sollte sich auf die physikalischen Therapien, das heißt die Trainings- und Übungsbehandlungen und gegebenenfalls auch die Elektrotherapie konzentrieren und nicht versuchen, das während der Chemotherapie mit Medikamenten zu beeinflussen.

Kosten

Duloxetin (ARICLAIM, CYMBALTA) verteuert mit monatlichen Kosten von 85 € für täglich 60 mg die Therapie der diabetischen Neuropathie gegenüber Amitriptylin (AMITRIPTYLIN NEURAXPHARM, monatlich 9 € für täglich 75 mg) auf knapp das Zehnfache. Gegenüber Gabapentin (GABAPENTIN AAA, monatlich 65 € für täglich 2.400 mg) und Pregabalin (LYRICA, monatlich 77 € für täglich 300 mg) sind gut 30% bzw. 10% mehr aufzuwenden.

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