Das menschliche Gehirn ist ein faszinierendes Organ, das unsere Wahrnehmung, unser Denken, unsere Gefühle und unser Verhalten steuert. Martin Lindner wirft einen Blick in dieses komplexe Gebilde und beleuchtet, wie einzelne Gehirnstrukturen funktionieren und wie sie unser Erleben beeinflussen. Dabei geht er auch auf die Frage ein, wie wir besonders schnell lernen können und welche Rolle Bindung, soziales Umfeld, Anerkennung und Wertschätzung für unseren Lernerfolg spielen.
Die Bedeutung des Lichts für die Wahrnehmung
Der Mensch ist ein Augenwesen. Licht und seine Wahrnehmung bilden seinen wichtigsten Sinn. Licht ist eine allgegenwärtige, fundamentale Energieform. Ohne das Licht der Sonne wäre Leben auf der Erde undenkbar. Zugleich ist der Mensch ein Augenwesen. Auge und Gehirn des Menschen müssen eine Vielzahl von optischen Eindrücken blitzschnell erkennen und verarbeiten. Aber unsere Sinne lassen sich auch auf Abwege führen oder überlisten.
Das Arbeitsgedächtnis und seine Kapazität
Wir erfahren, wie einzelne Gehirnstrukturen funktionieren, unser Arbeitsgedächtnis etwa, das u. a. Die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses steigt nur bis zum 25.
Lernen und Lernerfolg
Martin Korte verrät, wie wir besonders schnell lernen, sowie, was Bindung, soziales Umfeld, Anerkennung und Wertschätzung mit Lernerfolg zu tun haben. Hochinteressant für interessierte Laien sowie für TherapeutInnen und PädagogInnen, die ihre Arbeit noch mehr auf ihre Klientel abstimmen wollen.
Die Neurowissenschaft der Liebe
Kann die Liebe, dieses große, mächtige und wundervolle Gefühl, wirklich rational erklärt werden? Einfach als Ergebnis eines Cocktails aus chemischen Substanzen, unter anderem von Hormonen? Zunächst scheint es tatsächlich so. Die Erklärung von Neurowissenschaftlerin Franca Parianen auf die Frage, was Liebe sei, geht nämlich genau in diese Richtung: "Liebe ist ein Hormonfeuerwerk. Das fängt am Anfang sehr aufgeregt an mit Serotonin, Dopamin und Opioiden gleichzeitig. Das klingt in der Tat so, als ob die Hormone der Hauptdarsteller im Spiel der Liebe wären. Ich würde das als so eine Hormonsuppe bezeichnen, in die verschiedene Zutaten reingegeben werden. Lindner bringt in seinem Bild von der Suppe mit den unterschiedlichen Zutaten des Hormoncocktails noch einen anderen Akteur mit ins Spiel. Nämlich unser Gehirn. Und genau in diesem Kästchen, in diesem kompakten Gebilde von Nervenzellen, fühlen und empfinden, leiden und feiern, begehren, hassen und lieben wir. In diesem Gebilde entstehen und wirken unter anderem auch Hormone und viele andere Botenstoffe. Diese beiden Akteure können nicht ohneeinander. Kein Gedanke, kein elektrischer Strom im Gehirn ohne Hormone, kein Hormon ohne aktive Nervenzellen, beschreibt Neurophysiologe Volkmar Leßmann von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg diese unlösbare Verbindung: "Es gibt eine gewisse Hardware, die wir verdrahtet vorliegen haben, das sind unsere Nervenzellen. Das ist nicht veränderbar. Und die Hormone sind die Software. Dieses Feindrehen ist das Salz in der Suppe unserer Gedanken, unserer Erinnerungen und unserer Wahrnehmung. Denn blanke elektrische Signale, mit denen sich Nervenzellen verbinden, mit denen sie kommunizieren, sind limitiert in ihrer Darstellungsform. Vielleicht kann man sich die elektrischen Signale als Schwarz-Weiß-Foto vorstellen. Kommen aber Hormone dazu, werden sie sozusagen angemalt, dann werden unsere Sinneswahrnehmungen, Erinnerungen und Gedanken bunt, bekommen einen Farbanstrich, beschreibt Volkmar Leßmann: "Das kann dadurch eine ungeheure Vielfalt bekommen. Franca Parianen beschreibt das Buntmalen so: "Also ich kann mich kognitiv verlieben. Ich kann jemanden sehen und sagen, das ist diese Person und alles an der mag ich und alles ist wunderbar. Herzklopfen, weiche Knie, rote Wangen, ein flauer Magen - das alles kommt neben dem Feintuning der Nervenverbindungen auch dadurch zustande, dass viele Hormone eben nicht nur im Gehirn aktiv werden. Franca Parianen und Martin Lindner beschreiben die Liebe als ein Gefühl, dass uns ganz und gar ergreift: "Das geht, wie wir wissen, bis in die Fingerspitzen. Auch in die Spitzen von anderen Organen. Hormone seien so eine Art Rundfunk, der dem ganzen Körper eine Nachricht überbringen kann. Hormone haben bei jedem von uns eine ähnliche, aber lange nicht die gleiche Wirkung. Mit einem großen Schluck aus der Pulle des Sexualhormons Testosteron beispielsweise macht sich nicht jeder Mann mit seinem Balzgehabe automatisch zum Vollidioten. Auch das Bindungshormon Oxytocin wirkt bei vielen ganz unterschiedlich. Es wird ausgeschüttet, wenn Väter die Nähe ihres Kindes spüren, wenn Mütter stillen oder bei zärtlichen Berührungen. "Wenn wir also sehr negative zwischenmenschliche Erfahrungen gemacht haben, sei es im Umgang mit Eltern oder auch in vorherigen Beziehungen, dann kann das auch insofern Spuren hinterlassen, dass man eine gewisse Bindungsängstlichkeit hat", so der Bio-Psychologe. "Die hat dann auch damit zu tun, wie man in neuen Beziehungen mit diesen Umständen umgeht. Also ob man zum Beispiel körperliche Kontakte überhaupt als positiv empfindet. Man weiß, dass fehlende Liebe oder körperliche Nähe in der Kindheit die Antennen auf den Zellen, also die Rezeptoren für das Bindungshormon Oxytocin, ausschalten. Wenn durch fehlende Berührungen oder Zärtlichkeiten wenig Oxytocin produziert wird, scheint der Körper zu sagen: Diese Antennen sind sinnlos, die brauche ich nicht, die lege ich erstmal lahm. Solche sogenannten epigenetischen Veränderungen sind mindestens über zwei Generationen nachweisbar. Die Art zu lieben, Liebe zu empfinden und zu geben hängt aber nicht nur davon ab, was wir gerade erleben, was wir erlebt haben, wie wir denken, wie die Hormone unsere Hirnaktivitäten stimulieren bzw. ausmalen und durch unseren Körper strömen. Es scheint auch so zu sein, dass solche ursprünglichen, natürlichen Zustände wie das romantische, leidenschaftliche Verbliebtsein davon abhängen, wo und wann und unter welchen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wir leben. Zum Beispiel, ob wir die romantische Liebe als etwas Großes, Wundervolles oder als Krankheit bewerten. Anthropologin Birgitt Röttger-Rössler hat das in Indonesien erforscht. In einigen Regionen werden dort frisch Verliebte weggesperrt. Sie gelten als unzurechnungsfähig, als verzaubert, als krank und gehören beschützt. "Wir können nicht außerhalb der Schemata denken, die wir eigentlich im Laufe unseres Lebens erlernen. Und wenn ich erlernt habe, dass dieser Gefühlszustand, den wir als Verliebtheit hier bezeichnen, gefährlich ist, nehme ich den anders wahr", erklärt Röttger-Rössler. Gefahr, Flucht oder Liebesabenteuer? Wie unterschiedlich der akute Zustand der romantischen Liebe gefühlt werden kann, zeigt folgendes Gedankenspiel: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass, wenn man Augen, Nasen und Ohren verschließen würde und nicht wüsste, in welcher Situation man sich befindet, man anhand der Gefühle nicht unterscheiden könnte, ob man in Gefahr oder auf der Flucht ist oder ob gerade ein Liebesabenteuer beginnt. Je nach Stadium der Liebe sind in uns andere Hormonmischungen unterwegs: Ob wir frisch verliebt sind, uns gebunden haben oder voller Zuneigung und Vertrauen miteinander leben. Und immer treffen Hormone auf unsere neue Körperlichkeit, auf neue Erfahrungswelten und Gedanken. Hormone sind also ein wichtiger Teil der Liebe, der Teil der entscheidend für den Zauber dieses Zustandes ist: für die Lust, das Begehren, die Wärme und die Zufriedenheit. "Das sind also ja tausende, wenn nicht Millionen von Faktoren, die die Gefühle mitbestimmen. Was da letztlich los ist im Gehirn, bleibt da forschungsmäßig erstmal undurchsichtig", so Lindner. Wir haben so eine Ahnung, wie Liebe funktioniert und welche Rolle Hormone in diesem System spielen und wie kompliziert die Liebe ist. Natürlich reizt es uns, herauszufinden, wie der Zauber der Liebe zustande kommt, aber zum Glück stoßen wir dabei immer wieder an unsere Grenzen.
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Die Debatte um die "Internetsucht"
Kann das Internet süchtig machen? Kann man überhaupt von „dem Internet“ sprechen? Dies sind Fragen, die vor allem jene kulturkritischen Bildungsteilnehmer beschäftigen, die am liebsten „das Netz“ verbieten würden. Zunächst einmal war ich dankbar, dass in dem Kapitel eine profunde Auseinandersetzung mit den Fehlleistungen des Mediengurus Dr. Dr. Auch die Problematik des Themas „Internetsucht“ wird in diesem Kapitel deutlich. Kurz gesagt scheitert es für Lindner an der Unschärfe des Begriffs, der Pathologisierung eines bestimmten Nutzerverhaltens und Lobbyinteressen seitens der Bundesregierung. Soweit verständlich. Zunächst erscheint diese Argumentation völlig plausibel. Was für mich jedoch ausgelassen wird, ist der Faktor Ort und Zeit. Als Beispiel: Wir alle würden unsere Kinder sehr wahrscheinlich eher neben einer Bibliothek als neben einem Sexshop großziehen wollen, weil wir vermuten würden, dass eine räumliche Nähe die Zugänglichkeit vergrößere. Genau diese Zugänglichkeit ist aber 24/7 gegeben. Mit anderen Worten: Natürlich ist Porno kein spezifisches Problem des Internets. Aber die spielerische Zugänglichkeit von allem - eben auch von Porno - ist ein Spezifikum des Netzes. Ein mobiles Endgerät ist nicht nur Weltaneignungsassistent, sondern auch ein Taschenwurmloch, das seinen Besitzer zu jeder Zeit und (je nach Verbindung) in Sekundenschnelle in jeden Sexshop der Welt beamt. Ohne das Internet ist das nicht möglich. Eine weitere Ebene ergibt sich für mich auf der Grundlage eines anderen Themengebiets. Gesetzt den Fall, man plane statt einer Unterrichtsstunde eine Reise. Auch hier hat es den Anschein, als könne man zunächst das Ziel festlegen und müsse erst in einem zweiten Schritt darüber nachdenken, mit welchem Transportmittel sich dieses Ziel am bequemsten und schnellsten erreichen lässt. Doch dieses vermeintliche Primat des Reiseziels gegenüber dem Transportmittel ist das Resultat einer stark eingeengten Perspektive. Denn welche Ziele realistischerweise in den Blick genommen werden, hängt in entscheidendem Maße von den verfügbaren Transportmitteln ab.
Politische Bildung und aktuelle Herausforderungen
Lindners Werk berührt auch aktuelle Themen der politischen Bildung und gesellschaftlichen Herausforderungen. Dazu gehören:
- KI-gestützte Wahlkampfberatung als Unterrichtsprojekt: Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Gefahren von KI in der politischen Kommunikation.
- Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter: Die Nutzung von KI-gestützten Prüfungsformaten zur Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen.
- Satire als Methode der politischen Bildung: Die Rolle von Satire in einer demokratischen Gesellschaft unter Druck.
- Gesellschaftliche Folgen von Internettrends: Die Analyse von Phänomenen wie "#Tradwife" und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft.
- Demokratisierungsprozesse: Die Zeitumstellung in der EU als Beispiel für komplexe politische Entscheidungsprozesse.
- Menschenrechtsbildung: Die Zwölf Memminger Bauernartikel als Gegenstand politisch-historischer Menschenrechtsbildung.
- NSU-Verbrechen kuratieren: Die Aushandlung der Opferperspektive als kommunikative Menschenrechtsbildung.
Religiöse Bildung in der digitalen Welt
Auch die religiöse Bildung steht vor neuen Herausforderungen im digitalen Zeitalter. Lindner thematisiert:
- Digitale Souveränität als Ziel religiöser und ethischer Bildung: Ein Design Based Research Project für die Lehrerausbildung.
- Religionspädagogik in der digitalen Welt: Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Gefahren digitaler Medien für die religiöse Bildung.
- Open Educational Resources und Open Educational Practices: Ein systematischer Literaturbericht im religionspädagogischen Horizont.
- Education for Sustainable Development: Spirituelle Dimensionen.
Weitere Forschungsperspektiven
Lindners Werk gibt Anstoß für weitere Forschung in verschiedenen Bereichen:
- Ästhetische Kommunikation über Filme: Entwicklung eines Gesprächsmodells für den Deutschunterricht.
- Emotionale Aktivierung für personale und funktionale Bildungsprozesse: Eine inhaltsanalytische Untersuchung ästhetischer Kommunikation.
- Digitale Narration und Ästhetik: Interdisziplinäre Zugänge.
- Personale und funktionale Aspekte fachlicher Bildung: Klärungsbedarfe und Forschungsdesiderate aus deutschdidaktischer Sicht.
- Die Rolle kultureller Normen für die Wahrnehmung von Lehrern: Vergleichende Studien in Deutschland und Taiwan.
- Handlungsbereitschaft in der Klimakrise: Wozu sind Schülerinnen und Schüler konkret bereit?
- Die Darstellung von Jesus und People of Colour in Schulbüchern: Eine komparative rassismuskritische Diskursanalyse.
- Analoge Fotobearbeitung im Kunstunterricht.
- Wahrnehmung räumlicher Betroffenheit durch den Klimawandel bei Schülerinnen und Schülern.
- Messung von Repräsentationskompetenz: Analysen der Dimensionalität und der Beziehung zum allgemeinen Inhaltswissen.
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