Eisenmangel ist ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das sich nicht nur auf die Blutbildung auswirkt, sondern auch eine Vielzahl neurologischer Symptome verursachen kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Eisenmangels, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung
Eisen ist ein essenzielles Spurenelement, das für zahlreiche Körperfunktionen unerlässlich ist. Es ist ein wichtiger Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der Sauerstoff von der Lunge zu den Körperzellen transportiert. Darüber hinaus spielt Eisen eine Rolle bei vielen enzymatischen Reaktionen, bei der Produktion von Botenstoffen für das Gehirn, bei der Bildung des Muskelproteins Myoglobin und bei Funktionen des Immunsystems. Ein Mangel an Eisen kann daher vielfältige Symptome hervorrufen, die oft unspezifisch sind und leicht übersehen werden.
Stadien des Eisenmangels
Bei der Entwicklung von Eisenmangel werden verschiedene Stadien unterschieden:
- Speichereisenmangel: Zunächst greift der Körper auf seine Eisenspeicher zurück, um eine verminderte Eisenaufnahme auszugleichen. Solange die Eisenspeicher noch nicht erschöpft sind, bleibt der Blutfarbstoff Hämoglobin im Normalbereich.
- Eisendefizitäre Erythropoese: Sind die Eisenspeicher erschöpft, ist die Neubildung der roten Blutkörperchen behindert. Der Körper greift auf das im Blut befindliche Eisen zurück.
- Eisenmangelanämie: Dauert der Eisenmangel an und wird nicht behandelt, entwickelt sich schließlich eine Eisenmangelanämie, bei der die Hämoglobinkonzentration unter den alters- bzw. geschlechtsspezifischen Normwert absinkt (unter 12 g/dl bei Frauen und unter 13 g/dl bei Männern).
Ursachen von Eisenmangel
Ein Eisenmangel entsteht, wenn der Eisenbedarf höher ist als die Eisenaufnahme. Die Ursachen können vielfältig sein:
- Chronischer Blutverlust: In Europa ist chronischer Blutverlust die häufigste Ursache für Eisenmangel. Dies kann verschiedene Gründe haben:
- Menstruation: Der Verlust von Eisen mit der Regelblutung (Menstruation) ist die häufigste Ursache für einen Eisenmangel bei Frauen im gebärfähigen Alter.
- Blutungen im Magen-Darm-Trakt: Blutungen im Magen-Darm-Trakt gehören zu den häufigsten Ursachen einer Eisenmangelanämie bei Männern und bei Frauen nach den Wechseljahren. Sie können sich aufgrund einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis), von Magen-Darm-Geschwüren (Ulkuskrankheit) oder Hämorrhoiden entwickeln.
- Dialyse: Von Nierenerkrankungen Betroffene verlieren durch die Dialyse knapp 2,5 Liter Blut pro Jahr.
- Blutspenden: Häufige Blutspenden können die Eisenspeicher im Körper reduzieren.
- Ungenügende Eisenzufuhr: Der Mensch muss Eisen mit der Nahrung aufnehmen. Eine unausgewogene Ernährung, insbesondere bei Vegetariern und Veganern, kann zu einer unzureichenden Eisenzufuhr führen.
- Gestörte Eisenaufnahme: Bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (z.B. Zöliakie, Morbus Crohn) oder Medikamente (z.B. Antazida, Protonenpumpenhemmer) können die Eisenaufnahme im Darm beeinträchtigen. Phytinsäure, die beispielsweise in den Randschichten von rohem Getreide oder in unverarbeiteten Sojabohnen vorkommt, und Oxalsäure (etwa in Rhabarber, aber auch in vielen eisenreichen Lebensmitteln wie Mangold, Mandeln, Spinat, Weizenkleie) können das Eisen so stark binden, dass es kaum vom Körper aufgenommen werden kann.
- Erhöhter Eisenbedarf: In bestimmten Lebensphasen, wie Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstumsphasen bei Kindern und Jugendlichen oder bei Leistungssportlern, ist der Eisenbedarf erhöht.
Neurologische Symptome von Eisenmangel
Eisenmangel kann eine Vielzahl neurologischer Symptome verursachen, da Eisen für die Funktion des Gehirns und des Nervensystems eine wichtige Rolle spielt. Zu den häufigsten neurologischen Symptomen gehören:
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- Müdigkeit und Abgeschlagenheit: Eisenmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Müdigkeit, da die Organe unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden.
- Kopfschmerzen: Ein Eisenmangel kann zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Gehirns führen, was Kopfschmerzen verursachen kann.
- Konzentrationsstörungen: Eisenmangel kann die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und zu Konzentrationsstörungen führen. Studien haben gezeigt, dass Frauen mit Eisenmangel Unterschiede hinsichtlich Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Lernvermögen aufweisen.
- Reizbarkeit und Nervosität: Ein Eisenmangel kann sich auf die Produktion von Neurotransmittern im Gehirn auswirken und zu Reizbarkeit und Nervosität führen.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Eisenmangel wird oft mit der Entstehung des Restless-Legs-Syndroms in Verbindung gebracht, einer neurologischen Störung, die durch einen unkontrollierbaren Drang gekennzeichnet ist, die Beine zu bewegen.
- Kognitive Beeinträchtigungen: In schweren Fällen kann ein Eisenmangel zu kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnisproblemen und Lernschwierigkeiten führen.
Weitere Symptome von Eisenmangel
Neben den neurologischen Symptomen kann Eisenmangel auch eine Reihe anderer Symptome verursachen:
- Blässe: Bei Eisenmangel kann die Haut blass erscheinen, da weniger Hämoglobin und rote Blutkörperchen vorhanden sind. Die dünne Haut unter den Augen ist besonders empfindlich gegenüber Veränderungen im Blutfluss und Sauerstoffgehalt, was zu Augenringen führen kann.
- Haarausfall: Eisenmangel kann zu Haarausfall führen, da Eisen entscheidend für die Gesundheit der Haarfollikel ist.
- Brüchige Nägel: Ein schwerer, lang andauernder Eisenmangel kann zu brüchigen Fingernägeln führen.
- Eingerissene Mundwinkel (Mundwinkelragaden): Ein Eisenmangel kann zu eingerissenen Mundwinkeln führen.
- Zungenatrophie (Glossitis): Bei unbehandeltem Eisenmangel kann die Zunge geschwollen, entzündet oder schmerzhaft sein.
- Kälteempfindlichkeit: Wer unter einem Eisenmangel leidet, friert häufiger, weil weniger Sauerstoff ins Körpergewebe gelangt und der Energiestoffwechsel beeinträchtigt ist.
- Herzrasen: Das Herz muss härter arbeiten, um genügend Sauerstoff im Körper zu verteilen, wenn der Hämoglobinspiegel niedrig ist.
- Atemnot: Durch Eisenmangel wird weniger Hämoglobin produziert, was dazu führt, dass das Blut weniger Sauerstoff transportieren kann und der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt wird.
- Ungewöhnliche Essgelüste (Pica): Bei schwerem Eisenmangel ist eine Pica möglich, bei der Patienten ungewöhnliche Essgelüste entwickeln, z.B. Appetit auf Kalk oder Erde.
Diagnose von Eisenmangel
Bei Verdacht auf Eisenmangel sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Die Diagnose erfolgt in der Regel anhand folgender Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erhebt eine ausführliche Krankengeschichte, dokumentiert die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme. Bei jungen Frauen wird die Häufigkeit, Dauer und Schwere der Regelblutung dokumentiert, und bei älteren Menschen wird nach Blutungen aus Magen-Darm-Trakt oder Harn- und Geschlechtsorganen gefragt.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt achtet auf Anzeichen von Eisenmangel, wie Blässe, brüchige Nägel oder eingerissene Mundwinkel.
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung ist entscheidend, um den Eisenstatus im Körper zu beurteilen. Wichtige Parameter sind:
- Hämoglobin (Hb): Gibt die Konzentration des roten Blutfarbstoffs im Blut an.
- Serum-Ferritin: Ferritin ist ein Protein, das Eisen speichert und den Eisenspeicher im Körper widerspiegelt.
- Transferrinsättigung (TSAT): Gibt an, wie viel Prozent des Transferrins (ein Transportprotein für Eisen) mit Eisen beladen sind.
- Löslicher Transferrinrezeptor (sTfR): Spiegelt die Anzahl der Rezeptoren wider, die für den Eisen-Transport auf den Zellen verfügbar sind.
- CRP: Da Ferritin bei einer Entzündung falsch erhöht sein kann, wird gleichzeitig CRP bestimmt, um evtl. Entzündungen zu erkennen.
Behandlung von Eisenmangel
Die Behandlung von Eisenmangel zielt darauf ab, die Eisenspeicher des Körpers wieder aufzufüllen, den Hämoglobinwert zu normalisieren und die zugrundeliegenden Ursachen zu beheben.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit eisenreichen Lebensmitteln ist wichtig. Das im Fleisch enthaltene Häm-Eisen kann der Körper dabei besser aufnehmen als Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Vitamin C verbessert die Aufnahme von Eisen.
- Eisenpräparate: Reicht eine Umstellung der Ernährung nicht aus und liegt bereits eine Anämie vor, muss eine Behandlung mit Eisendragees oder Eisentabletten erfolgen. Eisenpräparate sind frei verkäuflich, sollten aber nicht ohne ärztliche Abklärung eingenommen werden, da der Körper überschüssiges Eisen nicht ausscheiden kann und es in den Organen speichert. Nebenwirkungen der Eisenpräparate können Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfälle und eine Schwarzfärbung des Stuhls sein.
- Intravenöse Eisengabe: Bei schweren Nebenwirkungen oder einer Unverträglichkeit gegenüber oralen Eisenpräparaten kann Eisen auch über die Vene (intravenös) verabreicht werden. Dies ist auch bei chronisch-entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen oder einer schlechten Aufnahmefähigkeit von Eisen angezeigt.
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn der Eisenmangel durch eine Grunderkrankung verursacht wird (z.B. Blutungen im Magen-Darm-Trakt), muss diese entsprechend behandelt werden.
Vorbeugung von Eisenmangel
Einem Eisenmangel kann vorgebeugt werden durch:
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine eisenreiche Ernährung mit viel Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten und grünem Gemüse.
- Vitamin C-reiche Ernährung: Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme. Essen Sie viel Obst und Gemüse, das reich an Vitamin C ist.
- Vermeidung von Eisenaufnahmehemmern: Vermeiden Sie den gleichzeitigen Konsum von Milchprodukten, schwarzem Tee, Kaffee, Cola und Kalzium- und Magnesiumpräparaten mit eisenhaltigen Lebensmitteln oder Eisenpräparaten.
- Regelmäßige Blutuntersuchungen: Insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter sollten regelmäßig ihren Eisenstatus überprüfen lassen.
Eisenmangel in der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf erheblich, um die Sauerstoffversorgung von Mutter und ungeborenem Kind sicherzustellen. Ein Eisenmangel in der Schwangerschaft kann zu Komplikationen wie niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburten und Wachstumsverzögerungen beim Fötus führen. Daher ist es wichtig, während der Schwangerschaft auf eine ausreichende Eisenversorgung zu achten.
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Funktioneller Eisenmangel
Bei einem funktionellen Eisenmangel verfügt der Körper zwar über ausreichend Eisenreserven, kann dieses Eisen aber nicht verwerten oder in die Zellen aufnehmen. Dies kann beispielsweise im Rahmen von chronischen Entzündungen oder Krebs auftreten. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Eiweiß Hepcidin, das die Eisenfreisetzung aus den Zellen des Darms in den Blutkreislauf hemmt.
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