Eierkonsum und sein möglicher Einfluss auf das Alzheimer-Risiko

Der Konsum von Eiern ist ein viel diskutiertes Thema, insbesondere im Hinblick auf seine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Eine Frage, die sich Wissenschaftler zunehmend stellen, ist, ob der Verzehr von Eiern einen Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer hat.

Studienlage zum Eierkonsum und Demenzrisiko

In den letzten Jahren haben mehrere Studien versucht, den Zusammenhang zwischen Eierkonsum und dem Risiko für Demenz, einschließlich Alzheimer, zu untersuchen. Eine in "The Journal of Nutrition, Health and Aging" veröffentlichte Arbeit befasste sich mit der Frage, ob der Verzehr von Hühnereiern die geistige Leistungsfähigkeit von gesunden Erwachsenen beeinflusst. Diese umfasste die Ergebnisse von elf verschiedenen Studien mit insgesamt über 38.000 Teilnehmern. Menschen mit und ohne Demenzerkrankung wurden verglichen, wobei einige Gruppen acht Wochen lang täglich zwei ganze Eier aßen.

Die Auswertungen dieser Studien ergaben Hinweise darauf, dass ein mäßiger Eierkonsum (ein halbes bis ein ganzes Ei täglich) potenziell zu einem besseren Gedächtnis, einer erhöhten Ausdrucksfähigkeit, schnellerem Denken und einem geringeren Demenzrisiko führen könnte. Allerdings zeigte eine der Studien auch, dass ein höherer Eierkonsum (mehr als eins am Tag) möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für geistige Einschränkungen bei älteren Erwachsenen verbunden sein könnte, obwohl dies nicht in allen Studien bestätigt wurde.

Eine weitere Studie der University of Wolverhampton untersuchte, ob der regelmäßige Verzehr von Eiern präventiv gegen Demenz wirken kann. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Personen, die täglich Eier verzehren, weniger häufig an Demenz leiden als solche, die Eier nur sporadisch oder gar nicht essen. Das Forscherteam analysierte die Gesundheitsdaten von 233 Demenzkranken und verglich diese mit einer ebenso großen Kontrollgruppe ohne diese Krankheit. Alle Probanden waren Einwohner der Stadt Guangzhou in China und wurden zwei Jahre lang medizinisch überwacht.

Besonders bemerkenswert war der Befund, dass Personen, die pro Tag mindestens ein Ei konsumierten, eine geringere Demenzrate aufwiesen. Die Forscher vermuten, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Eier, wie das für Nervenzellen essentielle Cholin, eine schützende Wirkung auf das Gehirn haben könnten. Auch B-Vitamine, die in verschiedenen Stoffwechselaktivitäten des Gehirns involviert sind, könnten eine Rolle spielen.

Lesen Sie auch: Gehirnverzehr und Gesundheit

Die Rolle von Cholin und anderen Nährstoffen

Eier enthalten eine Vielzahl von Nährstoffen, die potenziell positive Auswirkungen auf die Gehirngesundheit haben könnten. Dazu gehören:

  • Cholin: Dieser Nährstoff ist ein Vorläufer des Neurotransmitters Acetylcholin, der eine wichtige Rolle bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Muskelsteuerung spielt. Eier sind eine der reichsten Nahrungsquellen für Cholin. Es unterstützt die Bildung von Acetylcholin, einem Botenstoff, der bei Alzheimer stark abgebaut wird.
  • B-Vitamine: Diese Vitamine sind an verschiedenen Stoffwechselprozessen im Gehirn beteiligt und können zur Erhaltung der kognitiven Funktion beitragen.
  • Vitamin D: Dieses Vitamin schützt die Nervenzellen und ist wichtig für die allgemeine Gehirngesundheit.
  • Jod: Dieses Spurenelement ist für die Schilddrüsenfunktion und somit für die kognitive Leistungsfähigkeit relevant.
  • Omega-3-Fettsäuren und Lutein: Diese Inhaltsstoffe könnten laut früheren Forschungsergebnissen das Potenzial haben, die kognitive Gesundheit zu stärken.

Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin Wissenschaft beim Verein Alzheimer Forschung Initiative e.V., weist auf ähnliche Ergebnisse aus weiteren Studien hin, die einen positiven Einfluss einer cholinreichen Kost auf die geistige Gesundheit bestätigen.

Mögliche Risiken eines übermäßigen Eierkonsums

Obwohl ein moderater Eierkonsum möglicherweise positive Auswirkungen auf die Gehirngesundheit haben kann, deuten einige Studien darauf hin, dass ein übermäßiger Konsum auch Risiken bergen könnte. Teilnehmende einer Studie, die über zwei Eier täglich verzehrten, zeigten ein gesteigertes Demenzrisiko. Dies könnte am hohen Cholesteringehalt liegen, der langfristig die Blutgefäße und damit die Gehirndurchblutung schädigen kann. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Auswirkungen von Cholesterin auf die Gesundheit komplex sind und von verschiedenen Faktoren abhängen.

Einschränkungen der Studien und weitere Forschung

Es ist wichtig zu betonen, dass viele der bisherigen Studien zum Thema Eierkonsum und Demenzrisiko Beobachtungsstudien sind. Dies bedeutet, dass sie zwar Zusammenhänge aufzeigen können, aber keine Kausalität beweisen. Es ist daher möglich, dass andere Faktoren, wie z.B. der allgemeine Lebensstil oder die Ernährungsgewohnheiten, eine Rolle spielen.

Einige Einschränkungen der Studien sind:

Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige

  • Die Erfassung des Eierkonsums basierte oft auf den Angaben der Teilnehmer, die möglicherweise ungenau sind.
  • Einige Studien berücksichtigten keine Eier in verarbeiteten Lebensmitteln.
  • Die Nachbeobachtungszeiten waren in einigen Studien relativ kurz, was mögliche Verzerrungen durch bereits beginnende kognitive Abbauprozesse nicht ausschließt.
  • Einige Studien konzentrierten sich auf bestimmte Bevölkerungsgruppen, wie z.B. ältere Menschen oder Frauen, was die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse einschränken kann.

Daher sind weitere gut durchgeführte Untersuchungen notwendig, um genauer zu klären, wie viele Eier zur Vorbeugung von Gedächtnisproblemen beitragen können und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen.

Die Bedeutung der Ernährung für die Demenzprävention

Unabhängig von den spezifischen Auswirkungen des Eierkonsums auf das Demenzrisiko ist es allgemein anerkannt, dass die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Prävention von Demenz spielt. Ein Bericht der Lancet-Kommission für Demenzprävention aus dem Jahr 2024 hob hervor, dass bis zu zwölf Prozent aller Demenzfälle vermieden werden könnten, wenn durch die Ernährung bedingte Risikofaktoren minimiert würden. Dazu gehören ein hoher LDL-Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Übergewicht und Typ-2-Diabetes.

Die Mittelmeerdiät als Vorbild

Eine Ernährungsweise, die sich positiv auf die Gesundheit, insbesondere auf die des Herzens und der Gefäße, auswirkt, ist die traditionelle Mittelmeerkost. Diese ist gekennzeichnet durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorngetreide und Kartoffeln, sowie durch den großzügigen Einsatz von Olivenöl. Ergänzt wird die mediterrane Kost durch Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Geflügel sowie Milch und Milchprodukte, insbesondere Sauermilchprodukte. Rotes Fleisch und zuckerreiche Lebensmittel werden hingegen nur sehr selten verzehrt.

Studien haben gezeigt, dass eine hohe Adhärenz zu einer mediterranen Ernährungsweise mit einem verminderten Demenzrisiko assoziiert ist. Pro 2 Pluspunkte im Mittelmeerscore sank das Demenzrisiko um 8 %. Die Assoziation war bei Studienteilnehmern mit einem geringen Bildungsgrad am stärksten.

Weitere Ernährungsempfehlungen zur Demenzprävention

Neben der Mittelmeerdiät gibt es weitere Ernährungsempfehlungen, die zur Demenzprävention beitragen können:

Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick

  • Ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren: Diese Fettsäuren sind wichtig für die Gehirnfunktion und können aus Fisch, Algenöl oder Leinsamen gewonnen werden.
  • Regelmäßiger Verzehr von Obst und Gemüse: Diese Lebensmittel liefern wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien, die die Gehirnzellen schützen können.
  • Vermeidung von stark verarbeiteten Lebensmitteln: Diese enthalten oft viel Zucker, Fett und Salz, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Dehydration kann die kognitive Funktion beeinträchtigen.

tags: #eiweibe #ungesund #alzheimer