Migräneattacken können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Die Forschung hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, um die Mechanismen hinter Migräne besser zu verstehen. Eine aktuelle Studie aus Dänemark hat einen bisher unbekannten Signalweg entschlüsselt, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt. Diese Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze ermöglichen. Dieser Artikel beleuchtet die neuesten Forschungsergebnisse, mögliche Auslöser durch Ernährung und gibt praktische Tipps für den Umgang mit Migräne.
Migräne mit Aura: Ein komplexes Phänomen
Etwa 15 Prozent der Migränepatienten erleben vor den eigentlichen Kopfschmerzen eine sogenannte Aura. Diese Aura äußert sich in Form von Seh- oder Empfindungsstörungen, wie Flimmern, Flackern oder Taubheitsgefühle. Während die Ursachen der Aura relativ gut verstanden sind, war es bisher unklar, wie die Kopfschmerzen entstehen und warum sie oft einseitig auftreten.
Neue Forschungsergebnisse aus Dänemark
Eine Studie der Universität Kopenhagen, des Rigshospitalet und des Bispebjerg-Krankenhauses in Dänemark liefert nun eine mögliche Erklärung. Mithilfe modernster Techniken wie der Massenspektrometrie konnten die Forscher nachweisen, dass während einer Migräne mit Aura Proteine aus dem Gehirn freigesetzt werden. Diese Proteine werden mit dem Nervenwasser zu den Schmerzsignalnerven transportiert, die für die Kopfschmerzen verantwortlich sind.
"Diese Proteine aktivieren eine Gruppe von Nervenzellen an der Schädelbasis, die man als Tor zum peripheren sensorischen Nervensystem des Schädels bezeichnen kann", erklärt Martin Kaag Rasmussen vom Zentrum für Neuromedizin an der Universität Kopenhagen. Die Ergebnisse legen nahe, dass ein bisher unbekannter Signalweg identifiziert wurde, der für die Entstehung von Migränekopfschmerzen wichtig ist und möglicherweise auch bei anderen Kopfschmerzerkrankungen eine Rolle spielt.
Der Signalweg im Detail
Die Forscher stießen auf ein im Zusammenhang mit Migräne bekanntes Hirnprotein, das bei Attacken mit Aura vermehrt im Hirnwasser freigesetzt wird: das Protein CGRP (Neuropeptid Calcitonin Gene-Related Peptide). Es handelt sich dabei um ein aus 37 Aminosäuren bestehendes Neuropeptid. Insgesamt werden bei einer Migräneattacke zwölf verschiedene Proteine in das Hirnwasser freigesetzt.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten für Krämpfe in der Oberschenkelinnenseite
Der Signalweg erfolgt über einen bestimmten Nervenknotenpunkt außerhalb des Gehirns, das Ganglion trigeminale. An diesem Nervenknoten trennt sich der Trigeminus-Nerv in drei Äste auf, die in das Gesicht und den Kopf ziehen. Ausnahmsweise können so periphere Nervenzellen mit dem vorbeifließenden Protein CGRP und weiteren Proteinen im Hirnwasser in Kontakt treten.
Die Wissenschaftler glauben, dass sie den primären Kommunikationskanal zwischen dem Gehirn und dem peripheren sensorischen Nervensystem (PNS) identifiziert haben, der bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt war. Dieses Studienergebnis könnte die Forschung für Migräne-Medikamente ebnen, die vor allem auf diesen Signalweg fokussieren und das Protein CGRP hemmen.
Bedeutung für die Migräneforschung
Laut Prof. Dagny Holle-Lee, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums der Universitätsmedizin Essen, sind die Erkenntnisse aus Dänemark vielversprechend, auch wenn sie noch auf den Menschen übertragen werden müssen. Dies gilt vor allem für jene Menschen, die nicht auf CGRP-Medikamente ansprechen. Die Studie aus Kopenhagen könnte den Auftakt für intensive Forschung bilden, um neue Antikörper oder Wirkstoffe gegen Migräne zu entwickeln.
Die Rolle des peripheren Nervensystems
Das periphere Nervensystem (PNS) besteht aus allen Nervenfasern, die für die Kommunikation zwischen dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und der Haut, Organen und Muskeln zuständig sind. Das sensorische Nervensystem, ein Teil des PNS, leitet Informationen über Berührung, Juckreiz oder Schmerz an das Gehirn weiter.
Die Studie gibt auch Aufschluss darüber, warum Migräne oft einseitig auftritt. Zwar wurde die Untersuchung an Mäusen durchgeführt, sie umfasste aber auch MRT-Scans des menschlichen Trigeminalganglions.
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung der Ischiasnerv-Kompression
Neue Therapieansätze
Die identifizierten Proteine könnten, abgesehen von CGRP, bei der Entwicklung neuer präventiver Behandlungen verwendet werden. Der nächste Schritt besteht darin, das Protein mit dem größten Potenzial zu identifizieren und Provokationstests zu entwickeln, um herauszufinden, welche Substanzen Attacken auslösen können.
Ernährung und Migräne: Ein komplexes Zusammenspiel
Das Thema Ernährung und Migräne ist komplex und individuell. Es gibt keine allgemeingültige "Migräne-Diät", da die Auslöser von Migräneattacken sehr unterschiedlich sein können. Allerdings können bestimmte Nahrungsmittel und Ernährungsgewohnheiten bei manchen Menschen Migräneattacken provozieren.
Triggerfaktoren in der Ernährung
Triggerfaktoren sind innere und äußere Einflüsse, die einen Migräneanfall auslösen können. Sie sind nicht die eigentliche Ursache, aber der Auslöser von Schmerzattacken. Die Frage, welche Triggerfaktoren bei einem Migräne-Kranken eine Attacke auslösen können, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich.
Einige der häufigsten ernährungsbedingten Triggerfaktoren sind:
- Alkohol: Insbesondere Rotwein wird oft als Auslöser genannt.
- Käse: Vor allem lang gereifte Käsesorten können Migräneattacken provozieren.
- Schokolade: Obwohl Schokolade oft als Trigger genannt wird, könnte der Heißhunger darauf auch ein Symptom einer beginnenden Attacke sein.
- Koffein: Sowohl Koffeinkonsum als auch Koffeinentzug können Migräne auslösen.
- Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker: Nitrate in Wurstwaren und Glutamat in Fertiggerichten können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Speiseeis: Der Kälteschock kann den Trigeminus-Nerv reizen und eine Migräneattacke auslösen.
- Ausgelassene Mahlzeiten: Unregelmäßige Mahlzeiten und Unterzuckerung können Migräneattacken begünstigen.
Kopfschmerztagebuch: Den persönlichen Triggern auf der Spur
Um die persönlichen Triggerfaktoren zu identifizieren, ist es hilfreich, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. In diesem Tagebuch werden alle Details der Schmerzattacken erfasst, einschließlich:
Lesen Sie auch: Wirksame Behandlungen zur Lösung von Gehirnblockaden
- Art, Stärke und Dauer des Schmerzes
- Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Sehstörungen oder Lichtempfindlichkeit
- Einnahme von Medikamenten
- Mögliche Auslöser wie Stress, Schlafverhalten, Sport, Menstruation, Rauchen, Kaffeekonsum oder Ernährung
Mithilfe des Kopfschmerztagebuchs können Muster erkannt und Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und Migräneattacken hergestellt werden. Es gibt auch spezielle Smartphone-Apps, die das Führen eines Kopfschmerztagebuchs erleichtern und statistische Auswertungen ermöglichen.
Ernährungsempfehlungen bei Migräne
Obwohl es keine spezielle "Migräne-Diät" gibt, können folgende Ernährungsempfehlungen helfen, Migräneattacken vorzubeugen:
- Regelmäßige Mahlzeiten: Vermeiden Sie es, Mahlzeiten auszulassen, um Unterzuckerung zu vermeiden.
- Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie ausreichend Wasser, um Dehydration zu vermeiden, die ein Migräneauslöser sein kann.
- Individuelle Trigger vermeiden: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Triggerfaktoren mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs und vermeiden Sie diese.
- Blutzuckerspiegel stabilisieren: Achten Sie auf eine ausgewogene Mahlzeitenzusammensetzung mit einem guten Verhältnis zwischen Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten, um starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.
Nahrungsergänzungsmittel
Einige Nahrungsergänzungsmittel können bei der Migräneprophylaxe hilfreich sein. Dazu gehören:
- Magnesium: Magnesiummangel kann Migräneattacken begünstigen.
- Riboflavin (Vitamin B2): Riboflavin kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
- Coenzym Q10: Coenzym Q10 spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel der Zellen und kann bei Migräne hilfreich sein.
- Ungesättigte Fettsäuren: Eine ausreichende Zufuhr von ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, kann entzündungshemmend wirken und Migräneattacken vorbeugen.
- Tryptophan: Tryptophan ist eine Vorstufe von Serotonin, einem Neurotransmitter, der bei Migräne eine Rolle spielt.
Es ist wichtig, vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem Arzt oder Apotheker zu sprechen, um mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten auszuschließen.
Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Manche Mediziner vermuten, dass durch Nahrungsmittel ausgelöste Migräneattacken eine Art allergische Reaktion sein könnten. Tatsächlich konnte in einigen Studien gezeigt werden, dass eine Auslassdiät, bei der bestimmte Nahrungsmittel gemieden werden, die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren kann. Allerdings lassen sich die fraglichen "Migräne-Allergene" selten mit allergologischen Methoden dingfest machen.
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden, kann ein Lebensmittelunverträglichkeitstest (IgG4) oder ein Histamin-, Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeitstest durchgeführt werden.
Die Bedeutung einer gesunden Lebensweise
Eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressmanagement kann dazu beitragen, Migräneattacken vorzubeugen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
tags: #eiweissshake #losen #migrane #aus