Ein toter Zahn kann erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen, weshalb eine schnelle Diagnose und Behandlung entscheidend sind. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten eines entzündeten, toten Zahns und bietet einen umfassenden Überblick für Betroffene und Interessierte. Alle netDoktor.de-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.
Was ist ein toter Zahn?
Ein Zahn wird als tot bezeichnet, wenn sein Inneres, das Zahnmark (Pulpa), abstirbt. Die Pulpa besteht aus Nerven, Blutgefäßen und Bindegewebe, die den Zahn von innen heraus versorgen. Stirbt diese Pulpa ab, kann der Zahn seine Vitalität verlieren. Das Absterben der Pulpa kann verschiedene Ursachen haben, führt aber letztendlich dazu, dass der Zahn nicht mehr mit Nährstoffen versorgt wird und somit abstirbt. Die Medizin bezeichnet einen solchen Zahn als nichtvitalen oder devitalen Zahn.
Aufbau der Zahnstruktur
Um die Problematik eines toten Zahns besser zu verstehen, ist es hilfreich, den Aufbau der Zahnstruktur zu kennen:
- Zahnschmelz (Enamelum): Die äußerste, härteste Schicht des Zahns, die dem enormen Druck beim Kauen standhält.
- Zahnbein (Dentin): Eine darunterliegende, knochenähnliche Schicht, die etwas weicher als der Zahnschmelz ist.
- Zahnmark (Pulpa): Das innere, weiche Gewebe, das Nerven, Blutgefäße und Bindegewebe enthält und den Zahn mit Nährstoffen versorgt.
Bei einem toten Zahn ist die Pulpa abgestorben, was in der Folge auch zum Absterben des Dentins führen kann. Mit der Zeit kann sogar der Zahnschmelz brüchig werden oder der Zahn ausfallen.
Ursachen für einen toten Zahn
Ein Zahn stirbt meist ab, weil die Pulpa entzündet ist (Pulpitis). Eine solche Entzündung entsteht, wenn Erreger durch tiefe Löcher im Zahn bis hin zu den Zahnnerven vordringen. Das passiert am häufigsten als Folge von Karies. Eine Pulpitis kann enorm schmerzhaft sein, aber manchmal auch vollkommen unauffällig verlaufen. Hat die Entzündung den Zahnnerven erreicht, befällt sie die ganze Pulpa und zerstört sie.
Lesen Sie auch: Umfassende Betrachtung: Homöopathie und Zahnnervschmerzen
Es gibt verschiedene Ursachen für das Absterben eines Zahns:
- Karies: Fortschreitende Zerstörung der Zahnsubstanz durch Bakterien, die bis zur Pulpa vordringen und eine Entzündung verursachen können.
- Traumata: Verletzungen durch einen starken Schlag oder Unfall können die Blutzufuhr zum Zahn unterbrechen oder den Nerv direkt schädigen.
- Zahnbehandlungen: Bestimmte zahnärztliche Eingriffe wie Wurzelkanalbehandlungen oder das Einsetzen von Kronen können die Nerven schädigen.
- Parodontitis: Bei fortgeschrittener Parodontitis kann eine Zahnwurzelentzündung entstehen, die unbehandelt oder zu spät erkannt zum Absterben des Zahns führen kann.
- Entzündung des Zahnmarks: Bakterien, die durch tiefe Löcher in die Zahnsubstanz eindringen, können zu einer Entzündung der Pulpa (Pulpitis) führen und den Zahnnerv zerstören.
Symptome eines toten Zahns
Ein toter Zahn kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen, wobei diese nicht immer eindeutig sind:
- Dunkle Verfärbung: Der Zahn kann bräunlich, grau oder sogar schwarz werden.
- Abbrechen von Zahnsubstanz
- Schmerzen und Schwellungen
- Schmerzen beim Draufbeißen: Häufig ist auch zu beobachten, dass ein toter Zahn schmerzt beim Draufbeißen.
- Fauliger Geruch: Ist ein toter Zahn zudem entzündet, umfassen die Symptome oft auch noch einen unangenehmen, fauligen Geruch.
- Fehlende Schmerzreaktion auf Kälte: Tote Zähne reagieren nicht auf Kältereize, was mit Hilfe einer sogenannten Vitalitätsprüfung festgestellt werden kann.
- Brüchige Zahnsubstanz: Im weiteren Verlauf kann die Zahnstruktur brüchig werden. Dadurch können Teile der Zahnhartsubstanz abbrechen.
Es ist wichtig zu beachten, dass ein toter Zahn nicht immer Schmerzen verursacht. In manchen Fällen kann er lange Zeit unbemerkt bleiben, was die Diagnose erschwert.
Gesundheitliche Folgen eines toten Zahns
Ein toter Zahn kann gesundheitliche Folgen für den ganzen Körper haben: Die abgestorbene Pulpa bietet einen idealen Nährboden für weitere Bakterien. Diese kommen aus der Mundhöhle und wandern problemlos in den Zahn ein, wenn sich die Karies schon den Weg dorthin gebahnt hat.
Ein toter Zahn kann verschiedene gesundheitliche Risiken bergen:
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Nervenproblemen im Oberkiefer
- Entzündungen: Die abgestorbene Pulpa kann sich infizieren und zu einer Entzündung im Kieferknochen führen.
- Abszesse: Bricht eine an der Wurzelspitze vorhandene Entzündung in das umliegende Gewebe durch, dann kommt es zu einem Abszess (man bekommt eine "dicke Backe").
- Ausbreitung von Bakterien: Die Bakterien können sich im gesamten Kiefer ausbreiten und im schlimmsten Fall in den Körper gelangen, was zu weiteren gesundheitlichen Problemen führen kann.
- Toxische Stoffe: Zudem entstehen bei der Verstoffwechselung des Pulpa-Eiweißes durch die Bakterien toxische Stoffe, die umgangssprachlich Leichengift genannt werden. Bleibt ein toter Zahn unbehandelt, kann das Leichengift Symptome im ganzen Körper verursachen, denn es gelangt über die Pulpaöffnung im Kiefer in den Organismus. Dort können die Stoffe dauerhafte Entzündungen auslösen, die mitunter das Immunsystem anhaltend schwächen.
- Chronische Entzündungen: Ansonsten können chronische Entzündungen zu Komplikationen wie dauerhaften Mundgeruch und Abszessen führen. Die Bakterien können sich auf den Kiefer und im schlimmsten Fall auf den ganzen Körper ausbreiten und beispielsweise Ihr Immunsystem dauerhaft schwächen.
Diagnose eines toten Zahns
Um festzustellen, ob ein Zahn tot ist, führt der Zahnarzt eine sogenannte Vitalitätsprüfung durch. In der Regel besprüht er dafür einen Wattebausch mit Kältespray hält ihn dann an den Zahn. In einfachen Fällen reicht auch ein kurzer, kalter Luftstoß aus der Wasser-Luft-Pistole. Spürt der Patient den Kältereiz, ist die Vitalitätsprüfung positiv, das bedeutet: Der Zahn lebt.
Die Diagnose eines toten Zahns erfolgt in der Regel durch den Zahnarzt mithilfe verschiedener Untersuchungsmethoden:
- Visuelle Inspektion: Der Zahnarzt achtet auf Verfärbungen, Schwellungen oder andere Auffälligkeiten.
- Vitalitätsprüfung: Mit Kälte- oder Druckreizen wird getestet, ob der Zahn noch auf Reize reagiert.
- Perkussionstest: Hierbei klopft der Zahnarzt mit einem metallischen Gegenstand auf den Zahn. Bei einem toten Zahn ist das schmerzhaft - wobei nicht dieser selbst schmerzt, sondern der Kieferknochen im Bereich der Wurzelspitze, die hierbei entzündet ist (Wurzelspitzenentzündung).
- Röntgenaufnahme: Im Zweifelsfall verrät sich ein toter Zahn im Röntgenbild. Darauf ist eine chronische Wurzelspitzenentzündung durch eine kreisrunde Veränderung an der Wurzelspitze zu erkennen.
- Elektrische Pulsmessung: In einigen Fällen kann auch eine elektrische Pulsmessung eingesetzt werden, um zu prüfen, wie der Zahn auf Kältespray reagiert.
Behandlungsmöglichkeiten
Ein toter Zahn muss behandelt werden, denn sonst drohen chronische Entzündungen und Zahnverlust. Der Zahnarzt wird ihn, wenn möglich, erhalten und anderenfalls ziehen.
Es gibt zwei Hauptansätze zur Behandlung eines toten Zahns:
Zahnerhaltung
- Wurzelkanalbehandlung: Manchmal führt der Zahnarzt eine Wurzelkanalbehandlung (Wurzelbehandlung) durch, wenn ein Zahn tot ist. Dabei reinigt er den Wurzelkanal mit winzigen Instrumenten und verschließt ihn danach dicht mit einer Füllung. Anschließend lässt sich ein toter Zahn meist problemlos überkronen. Nach einer Wurzelkanalbehandlung ist es oft notwendig, den Zahn mit einer Krone zu versorgen, um ihn zu schützen, zu stabilisieren und seine Funktionalität wiederherzustellen. Nachbehandlung: Ein wurzelbehandelter oder toter Zahn kann sich von innen verfärben. Mittels Internal Bleaching kann er um zwei bis drei Farbnuancen aufgehellt werden. Um seine Struktur zu stärken, kann der Zahn überkront, mit Veneers verblendet oder ein Stiftzahn eingesetzt werden.
Zahnentfernung
- Extraktion: Ist ein toter Zahn bereits abgebrochen oder aus anderen Gründen nicht mehr zu retten (siehe oben: Wann muss ein toter Zahn raus?), bleibt nur die Extraktion. Die entstandene Zahnlücke lässt sich auf verschiedene Weise schließen, beispielsweise mit einer Brücke, einem Implantat oder mit herausnehmbarem Zahnersatz.
Wann muss ein toter Zahn raus?
Der Zahnarzt versucht, einen toten Zahn nach Möglichkeit zu erhalten. Das gelingt jedoch nicht immer. Unter anderem muss der Zahnarzt in folgenden Fällen einen toten Zahn ziehen (Extraktion):
Lesen Sie auch: Nervenschmerzen im Zahn? So können Globuli helfen
- Ein abgestorbener Zahn ist brüchig.
- Er sitzt locker.
- Er ist dauerhaft infiziert.
Kosten der Behandlung
Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Behandlung, dem Aufwand der jeweiligen Methode sowie dem behandelnden Zahnarzt.
- Wurzelkanalbehandlung: Sie bietet die Möglichkeit, die natürliche Zahnsubstanz zu erhalten und kann so einen Zahnersatz überflüssig machen. Je nach Komplexität der Behandlung liegen die Kosten für eine Wurzelkanalbehandlung zwischen 300 und 1.000 €.
- Zahnkrone: Nach einer Wurzelkanalbehandlung ist es oft notwendig, den Zahn mit einer Krone zu versorgen, um ihn zu schützen, zu stabilisieren und seine Funktionalität wiederherzustellen. Dies erhöht die Kosten zusätzlich. So liegt Ihr Eigenanteil je nach Material und Ausdehnung des Defekts ebenfalls zwischen 300 und 1.000 €.
Ein toter Zahn kann erhebliche Therapie- und Nachbehandlungskosten verursachen.
Vorbeugung
Um zu verhindern, dass ein Zahn abstirbt, ist eine gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen unerlässlich.
- Regelmäßiges Zähneputzen: Mindestens zweimal täglich gründlich die Zähne putzen, um Plaque und Bakterien zu entfernen.
- Zahnseide verwenden: Zahnseide hilft, Speisereste und Plaque aus den Zahnzwischenräumen zu entfernen, die mit der Zahnbürste schwer zu erreichen sind.
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen: Mindestens einmal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung zum Zahnarzt gehen, um Karies und andere Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Professionelle Zahnreinigung: Eine professionelle Zahnreinigung entfernt hartnäckige Beläge und Verfärbungen, die die Mundhygiene verbessern und das Risiko von Karies reduzieren.
- Zucker reduzieren: Reduzieren Sie den Konsum von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken, da Zucker die Hauptnahrungsquelle für Kariesbakterien ist.