Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen bei Katzen. Sie manifestiert sich in unkontrollierten elektrischen Entladungen im Gehirn, die zu Anfällen führen. Diese Anfälle können verschiedene Formen annehmen, von kurzzeitiger Starrheit und Verhaltensänderungen bis hin zu generalisierten Krämpfen mit Bewusstseinsverlust. Obwohl die veterinärmedizinische Therapie primär auf die Unterdrückung der Anfälle abzielt, spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der Behandlung und der Verbesserung der Lebensqualität betroffener Tiere.
Formen und Ursachen von Epilepsie bei Katzen
Epilepsie bei Katzen kann in verschiedene Formen unterteilt werden:
- Idiopathische Epilepsie: Diese Form hat eine genetische Ursache. Eine Therapie verspricht wenig Erfolg, da diese angeborenen Formen in der Regel nicht beeinflussbar sind.
- Symptomatische Epilepsie: Diese Form tritt infolge von Stoffwechselentgleisungen, Hormonimbalancen oder Vergiftungen auf. Auch eine Störung des zentralen Nervensystems oder eine Funktionsstörung der Leber können ursächlich sein.
- Fokale Epilepsie (partielle Epilepsie): Hierbei sind nur bestimmte Bereiche des Gehirns betroffen. Die Anfälle können sich als Zuckungen einzelner Körperteile, unmotiviertes Bellen, Fliegenschnappen oder zwanghaftes im Kreis Laufen äußern.
- Generalisierte Epilepsie: Bei dieser Form ist das gesamte Gehirn betroffen. Der häufigste Anfallstyp ist der tonisch-klonische Grand-mal-Anfall, der mit Zuckungen, generalisierten Krämpfen, Kieferschlagen, Harn- und Kotabsatz, Speicheln und massiven Zuckungen der Gliedmaßen und Muskulatur einhergeht.
Die Ursachen für Epilepsie bei Katzen sind vielfältig. Neben genetischer Veranlagung können auch erworbene Erkrankungen des Gehirns, wie FIP (Feline infektiöse Peritonitis), Hirnentzündungen durch wandernde Wurmlarven, Toxoplasmose, Bakterien oder Hirntumore, eine Rolle spielen. Schädel-Hirn-Traumata und die feline Hippocampus-Nekrose, bei der Gehirnzellen absterben, sind weitere mögliche Auslöser.
Auch Faktoren außerhalb des Zentralnervensystems können Krampfanfälle auslösen. Dazu gehören Elektrolytverschiebungen, Unterzuckerung, Sauerstoffmangel, Organerkrankungen und Vergiftungen, beispielsweise durch Frostschutzmittel, Wurm-, Floh-, Zecken- und Milbenmittel, Mäusegift, Insektizide oder giftige Pflanzen wie Philodendron und Buchsbaum. Stress, Schreck und Schock können ebenfalls Anfälle auslösen.
Schwermetallbelastungen, begünstigt durch häufige Impfungen mit aluminium- und quecksilberhaltigen Adjuvantien, sowie mangelhaftes Futter mit hoher Quecksilberbelastung können ebenfalls eine Rolle spielen.
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Ernährungsempfehlungen für Katzen mit Epilepsie
Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Epilepsie bei Katzen. Eine angepasste Fütterung kann die medikamentöse Therapie wirkungsvoll unterstützen und in manchen Fällen sogar zum "Gamechanger" werden.
Allgemeine Fütterungsgrundsätze
- Getreidefreies Futter: Das im Getreide enthaltene Gluten kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und aufgrund seiner entzündlichen Wirkung auch Krämpfe auslösen. Getreide enthält zudem einen hohen Anteil an Glutamaten und Aspartaten, die auf die elektrische Aktivität des Gehirns einwirken.
- Zucker vermeiden: Zucker kann den Stoffwechsel erheblich stören und ebenfalls zu Anfällen führen. Daher sollte das Futter keinen Reis, Weizen, Mais, Kartoffeln oder Erbsen enthalten, da die darin enthaltene Stärke zu Zucker umgebaut wird.
- Naturnahe und ausgewogene Fütterung: Achten Sie auf eine möglichst naturnahe und ausgewogene Fütterung mit Fleisch oder Reinfleischdosen ohne synthetische Zusätze.
- Hochwertige Proteine: Wählen Sie ein Futter mit hochwertigen Proteinen tierischen Ursprungs. Je mehr essentielle Aminosäuren ein Eiweiss enthält, desto hochwertiger ist es.
- Ausreichend Taurin: Taurin ist eine essentielle Aminosäure für Katzen, die nicht selbst synthetisiert werden kann und daher über das Futter aufgenommen werden muss. Taurin ist vor allem in tierischen Produkten enthalten.
- MCT-Öl: Mittelkettige Fettsäuren (MCTs), insbesondere C8- und C10-Fettsäuren aus Kokos- oder Palmkernöl, können die Bildung von Ketonkörpern fördern, die dem Gehirn als alternative Energiequelle dienen und Anfälle reduzieren können.
- Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren aus Fisch- oder Algenöl können das Nervensystem zusätzlich unterstützen.
- B-Vitamine: Ein B-Vitamin-Komplex kann ebenfalls das Nervensystem unterstützen.
Spezielle Diätansätze
- Ketogene Diät: Eine sehr fett- und proteinreiche, aber kohlenhydratfreie Ernährung zwingt den Körper, Ketonkörper zu produzieren. Diese dienen dem Gehirn als alternative Energiequelle zu Glukose und haben nachweislich eine anfallsreduzierende Wirkung. Bei Katzen kann die Gabe von MCT-Öl eine elegantere Alternative zur streng ketogenen Diät sein.
- Kohlenhydratarme Diät: Bei der Laphora-Krankheit, einer genetisch bedingten Stoffwechselstörung, bei der sich abnorme Glykogen-Verbindungen im Nervensystem ablagern, ist eine strikt kohlenhydratarme Diät sinnvoll.
- Glutenfreie Ernährung: Bei der Paroxysmalen Dyskinesie, einer Bewegungsstörung, die mit einer Glutenunverträglichkeit assoziiert ist, kann eine konsequent glutenfreie Ernährung die Anfälle oft vollständig kontrollieren.
Medikamentengabe und Fütterung
- Phenobarbital: Dieses gängige Medikament sollte immer auf nüchternen Magen verabreicht werden, idealerweise eine Stunde vor der Fütterung, um einen stabilen Wirkspiegel zu gewährleisten.
- Kaliumbromid: Die Wirksamkeit dieses Medikaments hängt vom Chloridgehalt (Salzgehalt) im Futter ab. Eine hohe und schwankende Salzzufuhr sollte vermieden werden.
- Regelmäßigkeit: Plötzliche Futterwechsel und unregelmäßige Medikamentengabe können den Medikamentenspiegel im Blut beeinflussen und Anfälle auslösen. Absolute Regelmäßigkeit bei Fütterungs- und Medikamentenzeiten ist entscheidend.
Futterauswahl und -umstellung
Die Auswahl des richtigen Futters für eine Katze mit Epilepsie kann eine Herausforderung sein, insbesondere wenn die Katze wählerisch ist. Es ist wichtig, ein Futter zu finden, das den oben genannten Anforderungen entspricht und von der Katze akzeptiert wird.
Einige Beispiele für geeignete Futtersorten sind:
- Reinfleischdosen: Diese enthalten in der Regel keine Getreide oder andere unnötige Zusätze und sind reich an hochwertigem Protein.
- Trockenfutter mit begrenzter Zutatenliste: Achten Sie auf ein Trockenfutter, das getreidefrei ist und nur wenige, gut verdauliche Zutaten enthält.
Bei der Futterumstellung sollte man schrittweise vorgehen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden. Mischen Sie zunächst eine kleine Menge des neuen Futters unter das alte und erhöhen Sie den Anteil des neuen Futters allmählich über mehrere Tage oder Wochen.
Zusätzliche Tipps
- Feste Tagesabläufe: Sorgen Sie für feste Tagesabläufe und eine ruhige, stressfreie Umgebung, da Stress Anfälle auslösen kann.
- Vermeiden Sie Stressfaktoren: Vermeiden Sie parfümierte Kerzen, Parfums, Raumsprays, Reiniger mit Kiefernöl, Petroleum für Lampen, Campher, Eukalyptus, Borax und Polyurethanschaum oder -kleber in den Räumen, in denen sich die Katze aufhält.
- Epilepsie-Tagebuch: Führen Sie ein Epilepsie-Tagebuch, in dem Sie alle Parameter rund um einen Anfall aufzeichnen, um eventuelle Auslöser zu ermitteln.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Epilepsie bei Katzen. Mittel der Wahl ist häufig Phenobarbital, ein Barbiturat, das in den Produkten Luminal und Luminaletten enthalten ist. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Phenobarbital dosisabhängige Nebenwirkungen wie Atemlähmung, Kreislaufversagen und Nierenschädigung verursachen kann. Es gibt kein Gegenmittel bei einer Überdosierung.
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In der Tiermedizin kommen bei Katzen vor allem Phenobarbital, Kaliumbromid und im Akutfall Diazepam zum Einsatz. Diese Mittel haben jedoch schwere Nebenwirkungen, die vor allem die Leber belasten.
Homöopathische Therapie
Die Homöopathie kann eine unterstützende Rolle bei der Behandlung von Epilepsie bei Katzen spielen. Es gibt verschiedene homöopathische Mittel, die in Frage kommen, die jedoch unbedingt mit einem Tierheilpraktiker oder Tierarzt mit homöopathischer Erfahrung besprochen werden sollten. Die Antiepileptika sollten jedoch weiterhin verabreicht werden, da die homöopathischen Mittel dazu beitragen können, die Medikamente langsam zu reduzieren und somit das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.
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