Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Nervensystems. Der Begriff Epilepsie beschreibt Erkrankungen des Gehirns mit äußerst vielfältigen Erscheinungsbildern. Epileptische Anfälle sind kurzzeitige Funktionsstörungen des Gehirns. Sie treten in der Regel schlagartig und unprovoziert (d.h. ohne erkennbaren Auslöser) auf und sind nach wenigen Sekunden bis Minuten wieder beendet. Das harmonische Zusammenspiel der Nervenzellen (Neurone) im menschlichen Gehirn wird plötzlich gestört und viele Nervenzellen entladen sich gleichzeitig und reizen entweder einzelne Hirnregionen oder beide Gehirnhälften. Dieser ungewohnte Impuls führt zum epileptischen Anfall. Seine Erscheinungsform und Ausprägung hängt dabei von der jeweils betroffenen Gehirnregion ab. Manche Patienten verspüren zum Beispiel nur ein leichtes Zucken oder Kribbeln einzelner Muskeln. Andere sind kurzzeitig „wie weggetreten“ (abwesend).
Was ist Epilepsie und was sind die Ursachen?
Epilepsie ist keine einheitliche Erkrankung. Definiert wird sie über das hervorstechende Krankheitszeichen „epileptischer Anfall“. Eine Epilepsie kann viele Ursachen haben - zum Beispiel genetische Veränderungen, Stoffwechselstörungen, Missbildungen des Gehirns, Folgen von Hirnverletzungen und Entzündungen des Gehirns, bis hin zu Hirntumoren und Schlaganfällen. Manchmal bleibt die Ursache auch unklar.
Eine Epilepsie ist so definiert, dass:
- Außerhalb von 24 Stunden zwei epileptische Anfälle aufgetreten sein müssen.
- Oder Informationen über Veränderungen des Gehirns vorliegen, die erwarten lassen, dass auf einen ersten Anfall in absehbarer Zeit weitere Anfälle folgen.
Ein epileptischer Anfall kann sehr unterschiedlich aussehen. Am bekanntesten ist der große epileptische Anfall. Der Betroffene verkrampft sich. Dann geht die Verkrampfung in Zuckungen über. Häufig ist die Atmung gestört und das Gesicht läuft bläulich an. Andere Anfallsformen fallen weniger auf. Zum Beispiel die Absence, die vor allem bei Schulkindern und Jugendlichen vorkommt. Hier drehen sich die Augen für wenige Sekunden nach oben und der Betroffene ist in dieser Phase nicht aufnahmefähig. Die Anzeichen epileptischer Anfälle variieren sehr stark.
Formen und Syndrome
Bei einer Epilepsie im Erwachsenenalter unterscheiden Ärzte generalisierte Epilepsien und herdförmige (fokale) Epilepsien. Ist die Zuordnung bekannt, fällt es leichter, geeignete Medikamente zu finden. Im Kindesalter ist die Situation komplexer. Hier gibt es eine Vielzahl von Syndromen. Ein Syndrom ist ein Komplex aus der Erscheinungsform, dem Erscheinungsalter und den Ergebnissen technischer Untersuchungen, die diese Epilepsieform charakterisieren. Sie gestattet Spezialisten eine Aussage darüber, wie Medikamente wirken und wie der weitere Verlauf aussieht. So ist beispielsweise die Absence Epilepsie im Schulalter ein Syndrom, das mit charakteristischen EEG-Veränderungen einhergeht und in aller Regel spätestens mit der Pubertät verschwindet.
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Wie häufig ist Epilepsie?
Die Epilepsie gehört zu den häufigen neurologischen Erkrankungen. Laut Leitlinie erkranken in Industrienationen pro Jahr 40 bis 70 von 100.000 Einwohnern neu an einer Epilepsie. Besonders häufig treten epileptische Anfälle im frühen Kindesalter und im hohen Erwachsenenalter auf. Die Ursachen unterscheiden sich allerdings. Im höheren Lebensalter sind Anfälle beispielsweise öfter Folgen von Durchblutungsstörungen des Gehirns und Hirntumoren. Im Kindesalter sind die Ursachen häufig genetische Veränderungen, Schäden durch die Geburt, aber auch Missbildungen des Gehirns und andere Erkrankungen des Kindesalters, die das Gehirn betreffen.
Wie entsteht ein epileptischer Anfall?
Bei Menschen mit Epilepsie ist das Gehirn so verändert, dass es zum wiederholten Auftreten von epileptischen Anfällen neigt. Wahrscheinlich entfalten Nervenzellgruppen in der Hirnrinde hoch synchrone, elektrische Aktivität, die unter bestimmten Umständen auf andere Nervenzellen übergreift. Ist eine genügend große Gruppe von Nervenzellen von diesem krankhaften Muster betroffen, kommt es zu äußeren Zeichen des epileptischen Anfalls. Er kann in alle Körperfunktionen eingreifen und je nach Ort des Geschehens variable Symptome produzieren. Unverstanden ist bisher, warum die Mehrzahl der epileptischen Anfälle nach kurzer Zeit - in aller Regel unter zwei Minuten - beendet ist.
Äußere Faktoren können die Entstehung von Anfällen fördern. Dazu gehören extremer Schlafentzug, regelmäßiger und starker Alkoholkonsum, aber auch bestimmte Substanzen und Medikamente. Eine kleine Gruppe von Patienten bekommt auch Anfälle durch Sinnesreize. Am bekanntesten ist die Fotostimulation. Hier werden rhythmische Lichtreize zum Anfallsauslöser.
Ist ein epileptischer Anfall gefährlich?
Bei einem epileptischen Anfall kommt es vor, dass Betroffene sich unwillkürlich auf die Zunge beißen. Durch eine Bewusstseinseinschränkung beim Anfall oder danach, aber auch durch unkontrollierte Bewegungen oder Hör- und Sehstörungen während des Anfalls kann es zu Unfällen kommen. Bestimmte Sportarten wie Schwimmen und Klettern sind für Betroffene gefährlich. Auch die Tauglichkeit, selbstständig ein Kfz zu führen, ist bei fast allen Patienten, die noch Anfälle haben, eingeschränkt, beziehungsweise es besteht ein Fahrverbot. Für die Personenbeförderung und für das Lkw-Fahren gelten besonders strenge Richtlinien. Alle Menschen mit Epilepsie sollten sich zum Thema Fahrverbot / Fahrerlaubnis / Fahrtauglichkeit / Führerschein unbedingt fundiert von ihrem behandelnden Arzt beraten lassen. Die meisten Menschen mit Epilepsie sind intellektuell uneingeschränkt leistungsfähig, obwohl sie manchmal viele epileptische Anfälle hatten und unter Umständen noch haben.
Normalerweise ist ein Anfall für das Gehirn nicht schädlich. Liegen Hirnleistungseinschränkungen vor, sind sie in aller Regel nicht die Folge von Anfällen, sondern haben ihren Ursprung in der Ursache der Anfälle. Die Ursache der Epilepsie bestimmt den sogenannten Phänotyp, also das Erscheinungsbild der Erkrankung. Genetische Veränderungen gehen zum Beispiel oft mit einer Intelligenzminderung und / oder verzögerten motorischen Entwicklung einher. Sind Schlaganfälle die Ursache einer Epilepsie, zeigen sie das typische Krankheitsbild, das vor allem in der Phase nach dem Anfall deutlich verstärkt sein kann.
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Status epilepticus - so nennen Fachleute eine Serie von epileptischen Anfällen. Er kann bei langem Verlauf Schäden am Gehirn verursachen. Ein Status epilepticus ist für den Patienten lebensgefährlich, eine rasche intensivmedizinische Behandlung deshalb wichtig.
SUDEP: In seltenen Fällen ist auch ein einzelner epileptischer Anfall gefährlich. Meist ist dies ein tonisch-klonischer Anfall. Es kommt zu einem Herz-Kreislauf-Versagen. Das Phänomen nennt sich SUDEP. Es steht für „sudden unexpected death in epilepsy“ (plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie).
Erster Krampfanfall - gleichbedeutend mit Epilepsie?
Tritt ein erster Krampfanfall auf, sollte er in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Die Ursache des epileptischen Anfalls könnte bereits dringend behandlungsbedürftig sein. So kann zum Beispiel im Rahmen eines Infektes ein epileptischer Anfall anzeigen, dass eine Hirnhaut- oder eine Gehirnentzündung vorliegt, die behandelt werden muss. Weiterhin muss geklärt werden, ob der Anfall provoziert wurde und diese Provokation auch nachweislich bedeutend ist. Bei Kindern kann beispielsweise hohes Fieber zu Fieberkrämpfen führen, die üblicherweise nur behandelt werden, wenn sie wiederholt auftreten. Beim ersten Anfall sollte immer die Frage geklärt werden, ob es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelte. Einfache Ohnmachten können zum Beispiel mit Zuckungen einhergehen (konvulsive Synkope), die einem epileptischen Anfall ähneln. Auch psychische Ausnahmesituationen können zu Anfallsphänomenen führen, die als epileptisch fehlgedeutet werden. Sie könnten eine unnötige Behandlung einleiten, wobei gleichzeitig womöglich die notwendige Behandlung der Psyche unterbleibt. Schlafphänomene können wie Anfälle aus dem Schlaf aussehen. So gibt es Verhaltensstörungen bei älteren Menschen im Schlaf, die nichts mit epileptischen Anfällen zu tun haben, aber wie Anfälle aus dem Stirnlappen im Gehirn aussehen können. Die Diagnose eines Krampfanfalls erfordert viel Sorgfalt, damit die therapeutischen Weichen nicht falsch gestellt werden.
Die Rolle des EEGs bei der Diagnose von Epilepsie
Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist als neurodiagnostisches Verfahren der Goldstandard, wenn es um die Bestätigung der Diagnose einer Epilepsie geht. Mit dem Verfahren wird die elektrische Hirnaktivität über Oberflächenelektroden, die auf der Kopfhaut platziert werden, kontinuierlich gemessen. Dadurch ist eine zeitlich sehr genaue Aufzeichnung der Hirnwellen und die Erkennung krankhafter Veränderungen der Hirnströme in Echtzeit möglich. In der Erstdiagnostik ermöglicht das EEG die Klassifikation von Anfallstypen und die Lokalisation des epileptischen Fokus, während es in der Verlaufskontrolle zur Dokumentation des Therapieerfolgs dient.
Im Rahmen der Untersuchung werden Spikes (scharfe Wellen bzw. Spitzen) und Sharp Waves (steil ansteigende oder abfallende Potenziale in den Hirnströmen) während eines akuten Anfalls mittels EEG aufgezeichnet. Allerdings ist die Methode nur eingeschränkt aussagefähig. Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Betroffenen, bei denen die Werte eines zwischen zwei Anfällen durchgeführten EEGs völlig unauffällig erscheinen. Daher ist ein normaler EEG-Befund nicht zwingend ein negativer Befund. Die Ergebnisse eines EEGs variieren je nach Epilepsieform. Fokale Epilepsien (Anfälle werden in einem eng begrenzten Hirnareal ausgelöst) zeigen charakteristische Spike-Wave-Komplexe oder Sharp-Waves über der betroffenen Hirnregion, während generalisierte (d.h. das gesamte Gehirn betreffende) Epilepsien sich in ihren Mustern nicht so scharf regional abgrenzen lassen. Mit einer kontinuierlichen EEG-Anwendung können subklinische Anfälle (d.h. solche ohne äußerlich in Erscheinung tretende Symptome) überwacht und die Anfallsfrequenz beobachtet werden.
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Was macht man bei einem EEG?
Untersuchung und Aufklärung des Patienten werden durch einen Neurologen durchgeführt. Für ein Routine-EEG sind bis zu 21 Elektroden notwendig, die mit einem Kontaktgel bestrichen, nach einem standardisierten Schema auf der Kopfhaut des Patienten befestigt und über Kabel verbunden werden. Meist sind sie in einer Art Haube eingearbeitet. Das erleichtert die Platzierung und Haftung am Kopf des Patienten. Während der eigentlichen Messung, die für den Patienten nicht spürbar ist, sollte dieser möglichst entspannt und ruhig sein und die Augen geschlossen halten. Der betreuende Arzt gibt hin und wieder kurze Anweisungen, zum Beispiel die Augen zu öffnen oder eine einfache Rechenaufgabe zu lösen. Dies führt zu einer Änderung der Hirnaktivität und wird im EEG aufgezeichnet. Die ganze Messung dauert in der Regel nicht länger als 20 bis 30 Minuten.
Arten von EEGs
Schlaf-EEG: Ein Schlaf-EEG wird meist in einem speziellen Schlaflabor stationär durchgeführt. Wie beim Routine-EEG setzt der Arzt dem Patienten eine Elektrodenhaube auf. Der Patient geht dann wie gewohnt zu Bett - so wie er es auch zuhause macht. Medikamente und Alkohol darf er keine einnehmen. Über die gesamte Schlafdauer wird die Hirnaktivität gemessen und aufgezeichnet. Häufig erfasst der Arzt dabei auch die Augenbewegungen, die Muskelaktivität und die Herzfrequenz des Schlafenden.
Langzeit-EEG: Beim Langzeit-EEG wird die Hirnaktivität über 24 oder 48 Stunden gemessen. Dazu erhält der Patient einen tragbaren Rekorder, der am Körper befestigt wird. Während der Langzeitaufzeichnung protokolliert der Patient alle Vorkommnisse, damit der Arzt sie mit Veränderungen der Hirnaktivität in Zusammenhang bringen kann.
Provokations-EEG: Hierbei wird ein epileptischer Anfall provoziert. Dazu setzt der Neurologe drei verschiedene Methoden ein: Hyperventilation (Mehratmung), Photostimulation und Schlafentzug. Für die Hyperventilation bittet der Arzt den Patienten, für drei bis fünf Minuten möglichst tief ein- und auszuatmen. Bei der Photostimulation wird der Patient hellen Lichtblitzen ausgesetzt. Sowohl während der Hyperventilation als auch der Photostimulation leitet der Arzt direkt ein EEG ab. Beim Schlafentzug soll der Patient während einer gesamten Nacht wach bleiben. Hierzu wird er meist stationär aufgenommen. Koffeinhaltige Getränke darf er keine zu sich nehmen, um wach zu bleiben. Das EEG wird dann am nächsten Tag abgeleitet.
EEG: Auswertung und Befundung
Der Neurologe beurteilt das EEG nach Form, Frequenz und Amplitude der aufgezeichneten Hirnwellen. Ein allgemein verlangsamter Grundrhythmus bei erwachsenen, wachen Patienten tritt zum Beispiel bei Vergiftungen, Koma oder Gehirnentzündung auf. Ein sogenannter Herdbefund, also eine örtlich begrenzte Veränderung der Hirnaktivität, spricht hingegen für Tumore oder Hirnschäden durch Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma). Herdbefunde werden oft zusätzlich mitels Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) abgeklärt. Die Diagnostik einer Epilepsie ist schwieriger, da das EEG zwischen den Anfällen häufig unauffällig ist und die epilepsietypischen Hirnstromkurven erst bei einem Anfall auftreten.
Physiologische Wellen im EEG
Je nach Wachheitsgrad unterscheidet man verschiedene Muster (Graphoelemente) im Elektroenzephalogramm, die keinen Krankheitswert haben:
Alpha-Wellen (acht bis zwölf Hertz): wacher, entspannter Erwachsener mit geschlossenen Augen
Beta-Wellen (13 bis 30 Hertz): wacher Erwachsener mit geöffneten Augen und bei geistiger Tätigkeit
Theta-Wellen (vier bis sieben Hertz): starke Müdigkeit, beim Einschlafen
Delta-Wellen (0,5 bis drei Hertz): Tiefschlaf
Öffnet der Patient die Augen oder konzentriert sich auf eine Aufgabe, findet ein Wechsel vom Alpha-EEG zum Beta-EEG statt. Dies wird als Berger-Effekt oder auch Arousal-Reaktion bezeichnet. Neugeborene und Kinder zeigen statt des genannten Musters langsame und eher unregelmäßige Wellen.
Epilepsiediagnose im EEG-Labor
Etwa 10 % aller Menschen erleiden einmal in ihrem Leben spontan oder provoziert durch besondere Einwirkungen einen epileptischen Anfall, der sich nicht wiederholt. Daher spricht man in diesem Fall nicht von dem Vorliegen einer Epilepsie. Treten Anfälle wiederholt spontan auf oder lassen sich nach einem einmaligen Anfall Hinweise für ein erhöhtes Risiko auf weitere Anfälle feststellen (in der Bildgebung des Gehirns oder/und den elektrischen Hirnströmen = EEG), wird von dem Vorliegen einer Epilepsie ausgegangen. An einer Epilepsie leiden in Deutschland 0,5-1 % der Bevölkerung. Findet sich eine Ursache für eine Epilepsie (z.B. ein alter Schlaganfall oder eine Raumforderung, siehe Schnittbild des Gehirns), handelt es sich um eine symptomatische Form. Bei den meisten sogenannten idiopathischen Epilepsien konnte eine genetische Ursache festgestellt werden. In einigen Fällen bleibt die Ursache jedoch ungeklärt.
Ein Ungleichgewicht von Erregung und Hemmung im Gehirn unterschiedlichster Ursache liegt epileptischen Anfällen zugrunde. Hierbei kommt es im Anfall zu nicht normalen synchronen rhythmischen Entladungen von Nervenzellverbänden. Nach der Art des Beginns der elektrischen Aktivität im Oberflächen-EEG werden Anfälle und auch die resultierende Epilepsie als fokal oder generalisiert bezeichnet. Eine örtlich begrenzte (fokale) Aktivität kann sich im Verlauf eines Anfalls auf das gesamte Gehirn ausbreiten und wird dann "sekundär generalisiert" genannt. Die fokale oder generalisierte Aktivität spiegelt sich auch in den klinischen Anfallssymptomen wider.
Symptome von Epilepsie
Die Epilepsien sind durch das unvorhersehbare Auftreten epileptischer Anfälle charakterisiert. Die Symptomatik stellt sich beim Einzelnen stabil dar, hat zwischen den Betroffen aber große Unterschiede. Diese erklären sich bei den fokalen Epilepsien durch das vom Anfallsursprung betroffene Hirnareal. Die dort kodierte Funktion bestimmt den klinischen Anfall. Ist zum Beispiel die rechte motorische Hirnrinde betroffen, kommt es z. B. zu einem motorischen Anfall im Bereich der linken Körperhälfte. Im Falle der Sehrinde käme es zu visuellen Phänomenen. Typische Anfallsphänomene bei genetischen generalisierten Epilepsien sind "kleinere" generalisierte Anfälle (petit Mal) wie Absencen und bilaterale zumeist morgendlichen Muskelzuckungen (Myoklonien) und primäre "große" generalisierte tonisch-klonische Anfälle (grand Mal). Letztere können auch bei fokalem Anfallsursprung im Rahmen der Ausbreitung der elektrischen Anfallsaktivität auf das gesamte Gehirn auftreten.
Diagnose von Epilepsie
Nach einer anfallsartigen Episode sind drei wichtige Fragen zu klären:
- Handelt es sich um einen epileptischen Anfall?
- Gibt es eine akut zu behandelnde Ursache?
- Besteht ein erhöhtes Risiko auf weitere Anfälle?
Ob es sich um einen epileptischen Anfall handelt, wird in der Epilepsieambulanz überwiegend anhand des Anfallhergangs beurteilt. Dabei sind die Angaben des Betroffenen wichtig, wobei insbesondere bei eingeschränktem Bewusstsein auf Angaben von Augenzeugen angewiesen wird. Diese haben einen herausragenden Stellenwert, weshalb bei Terminen in der Epilepsieambulanz Augenzeugen - wenn möglich - mitzubringen sind. Akut zu behandelnde Ursachen werden mittels akuter Bildgebung (zumeist Computertomographie), Blut- und gegebenenfalls Nervenwasserentnahmen abgeklärt und eine gegebenenfalls notwendige weiterführende Diagnostik und Therapie stationär eingeleitet. Nach einem ersten Anfall muss anhand durchgeführter Bildgebung (bevorzugt Magnetresonanztomographie) und den Ergebnissen des EEGs festgestellt werden, ob ein erhöhtes Risiko auf weitere epileptische Anfälle besteht. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist die richtige Diagnose. Anhand der Anfallsbeschreibung und der Ergebnisse der Diagnostik wird die Zuordnung des Epilepsiesyndroms durchgeführt. Hieraus wird auf weitere Empfehlungen bezüglich Therapie und z. B. Fahreignung geschlossen.
Weitere diagnostische Verfahren
Neben dem EEG kommen weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz, um die Ursache der Epilepsie zu ermitteln und die betroffenen Hirnregionen genauer zu lokalisieren.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist in der Lage, im Rahmen der Epilepsiesdiagnostik wichtige strukturelle Informationen zu liefern. Aufgrund ihrer hohen Auflösung bei der Darstellung von Weichgewebe erlauben moderne Geräte die Detektion selbst kleiner Veränderungen wie Gewebeneu- oder Umbildungen, die mit anderen Methoden leicht zu übersehen sind. Dabei bietet eine MRT-Untersuchung den weiteren Vorteil, den Patienten keinem zusätzlichen Strahlungsrisiko auszusetzen. Gerade strukturelle Läsionen wie Tumore, Fehlbildungen der hirnversorgenden Gefäße oder Narbengewebe nach einem Trauma oder Entzündungen sind mittels MRT hochauflösend darstellbar. Zum Beispiel ist eine Hippokampussklerose (Vernarbung im Bereich des Hippokampus) häufig Ursache der mesialen Temporallappenepilepsie und zeigt charakteristische Signalveränderungen und Volumenreduktion in einzelnen MRT-Sequenzen. Das Erkennen solcher Veränderungen durch den Einsatz spezifischer Untersuchungsprotokolle liefert wichtige Informationen zur Bewertung der Epilepsie. Neben der diagnostischen Anwendung wird die MRT auch prächirurgisch (zur Planung operativer Eingriffe) eingesetzt. Hier ermöglicht die Methode eine präzise anatomische Planung und Abschätzung der Risiken, indem die für Sprache oder Motorik zuständigen Zentren mit der funktionellen MRT identifiziert werden.
Computertomographie (CT)
Die Computertomographie (CT) hat vor dem Hintergrund der physikalischen Rahmenbedingungen (Nutzung von Röntgenstrahlen, die besonders knöcherne Substanz gut darstellen) für die Diagnostik der Epilepsie zwar gewisse Limitationen, nimmt aber eine wichtige Rolle in spezifischen klinischen Situationen ein. Als schnell verfügbares Verfahren eignet sie sich für die Notfalldiagnostik beim Status epilepticus (andauernder Anfall oder Serie von Anfällen ohne Erholungsphase) oder bei erstmaligen Anfällen. Dabei steht im Vordergrund, lebensbedrohliche Ursachen wie Blutungen oder raumfordernde Prozesse auszuschließen. Nachteile gegenüber der MRT sind die Strahlenbelastung und die geringere Sensitivität für feingewebliche Hirnveränderungen. Ursachen für eine Epilepsie, wie die beginnende Hippokampussklerose, bleiben in der CT oft unentdeckt. Allerdings kann das Verfahren als Alternative infrage kommen, wenn Kontraindikationen gegenüber einer MRT (wie Herzschrittmacher) beim Patienten vorliegen. Eine spezifische Indikation für den Einsatz der CT ist der Verdacht auf Verkalkungen, die unter anderem als Folge einer Entzündung oder Infektion entstehen können.
Szintigraphie
Die Nuklearmedizin stellt mit der SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) und PET (Positronenemissionstomographie, englisch Positron Emission Tomography) funktionelle Aspekte der Hirnphysiologie über radioaktiv markierte Stoffe (Radiotracer) dar. Die iktale (Zeitfenster, in dem der akute Anfall stattfindet) SPECT-Bildgebung zeigt eine charakteristische Hyperperfusion (stärkere Durchblutung) im epileptischen Fokus, während die interiktale (zwischen den Anfällen) Aufnahme eine Hypoperfusion (Minderdurchblutung) dokumentiert. Szintigraphien können zudem die strukturelle Bildgebung ergänzen. Zum Beispiel stellt die FDG-PET (Fluordesoxyglukose-Positronenemissionstomographie) den Glukosestoffwechsel dar und zeigt zwischen Anfällen oft eine abnehmende Stoffwechselaktivität in den epileptogenen Arealen.
Therapie von Epilepsie
Als erste Therapieoption steht eine große Auswahl an Medikamenten zur Verfügung, die über Beeinflussung der Erregbarkeit des Gehirns das Auftreten von Anfällen unterdrücken können. Die Wahl des Medikaments richtet sich zum einen nach dem vorliegenden Epilepsiesyndrom sowie nach den persönlichen Merkmalen, die ein Patient mit sich bringt.
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