Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der viele Menschen betroffen sind. Glücklicherweise ermöglichen moderne Diagnosemethoden und medikamentöse Behandlungen eine sichere Diagnose und wirksame Therapie.
Was ist Epilepsie?
Epilepsien sind chronische neurologische Erkrankungen, die sich durch epileptische Anfälle äußern können. Etwa zehn Prozent der Menschen erfahren einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall, wobei etwa 5 % davon tatsächlich an Epilepsie erkranken. Ohne angemessene Behandlung können diese Anfälle wiederholt auftreten.
Ursachen und Auslöser epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle entstehen durch eine Entladung von Gehirnzellen. Das Gehirn besteht aus etwa 80 Milliarden Zellen, die miteinander in Kontakt stehen und unter Spannung stehen. Ein Kurzschluss in diesen Zellen kann einen Anfall auslösen. Grundsätzlich kann jeder Bereich des Gehirns epileptische Anfälle verursachen. Da im Gehirn Prozesse wie Riechen, Schmecken, Hören oder Sehen ablaufen, können sich diese Zellverbände elektrisch entladen und einen Anfall verursachen. So können beispielsweise Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen Anzeichen eines epileptischen Anfalls sein.
Genetische Veranlagung
Epilepsie selbst ist nicht direkt vererbbar, aber die Neigung zu epileptischen Anfällen kann vererbt werden. Dies wird als genetische Epilepsie bezeichnet. Ähnlich wie wir unseren Vorfahren ähneln, können wir auch Krankheiten von ihnen übernehmen. Es gibt genetische Erkrankungen, die Epilepsie verursachen oder mit Anfällen einhergehen können, wie das Landau-Kleffner-Syndrom oder die Trisomie 21.
Hirnschädigungen
Bei Erwachsenen und Kindern können Verletzungen des Gehirns epileptische Anfälle verursachen. Bei Erwachsenen können Schlaganfälle oder Tumore, bei Kindern Schädel-Hirn-Traumata oder stärkere Gehirnerschütterungen zu Veränderungen im Gehirn führen, die eine Narbe hinterlassen und Instabilität in den Gehirnzellverbänden verursachen.
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Begünstigende Faktoren
Es gibt Faktoren, die epileptische Anfälle begünstigen können. Dazu gehören Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, der für das Leben zentral ist. Schlafentzug und Alkoholkonsum können die Gehirnzellen instabiler machen und Entladungen fördern.
Symptome und Formen epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle können sich unterschiedlich äußern. Einige kündigen sich an, während andere plötzlich auftreten. Fokale Anfälle, die vom Schläfenlappen ausgehen, können sich durch eine Aura ankündigen. Die Aura ist eine Art Vorgefühl oder Sensation, die schwer zu beschreiben ist. Häufig treten epigastrische Auren oder aufsteigende Übelkeit auf, bevor das Bewusstsein verloren geht.
Olfaktorische Auren
Olfaktorische Auren sind Geruchsstörungen, die einen Anfall ankündigen können. Auch Geschmacksstörungen (gustatorische Auren) oder Zuckungen mit der Hand (motorische Anfälle) können Vorboten sein. Nach diesen Ankündigungen verlieren Betroffene oft das Bewusstsein und erinnern sich nicht mehr an den Anfall.
Grand-Mal-Anfälle
Ein großer Anfall (Grand-mal-Anfall) äußert sich durch Verkrampfungen und Zuckungen des Körpers. Beobachter sind oft entsetzt über das Anfallsgeschehen und können wenig darüber berichten. Es kann zu Verkrampfungen der Arme (tonischer Anfall) oder Zuckungen der Arme (klonischer Anfall) kommen. Während des Anfalls selbst spürt man meist wenig, aber es kann zu Verletzungen kommen.
Fokale und generalisierte Anfälle
Fokale Anfälle sind die häufigsten epileptischen Anfälle. Sie gehen von einer bestimmten Region im Gehirn aus. Im Gegensatz dazu betreffen generalisierte Anfälle den gesamten Körper. Die Unterscheidung zwischen fokalen und generalisierten Anfällen ist in der Untersuchung gut möglich, aber im klinischen Bereich schwieriger.
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Diagnose von Epilepsie
Ein erster epileptischer Anfall sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Ein Arzt, Neurologe oder Kinderarzt sollte aufgesucht werden, um eine Abklärung durchzuführen. Das zentrale Instrument ist dabei das EEG (Elektroenzephalographie). Je früher das EEG durchgeführt wird, desto aussagekräftiger ist es.
Anamnese
Bei der Diagnose ist es wichtig, dass Patienten und Angehörige Symptome wie Kribbeln am Arm, plötzliche Geruchs- oder Geschmacksstörungen oder aufsteigende Übelkeit schildern. Auch Informationen über Epilepsie in der Familie, Schädel-Hirn-Traumata oder Hirnhautentzündungen in der Kindheit sind wichtig.
EEG
Beim EEG werden Elektroden am Kopf angebracht, um die Hirnströme zu messen. Im besten Fall sollte das EEG frühzeitig (bis zu zwanzig Stunden nach dem Anfall) durchgeführt werden, um eine epileptogene Bereitschaft zu erkennen.
Bildgebende Verfahren
Nach dem EEG wird eine bildgebende Untersuchung des Gehirns durchgeführt, in der Regel eine Kernspintomographie (MRT).
Stationäre Abklärung
Nach einem ersten Anfall ist es sinnvoll, eine stationäre Abklärung in einer Kinderklinik oder Neurologie durchzuführen, um alle Befunde durch EEG und MRT abklären zu lassen. Zudem können Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um andere Ursachen wie Blutzucker oder Elektrolytstörungen auszuschließen.
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Behandlung von Epilepsie
Wenn die Diagnose einer Epilepsie frühzeitig gestellt wird, wird in der Regel mit einer antiepileptischen Medikation begonnen. Für die meisten Formen der Epilepsie handelt es sich dabei um eine dauerhafte Therapie. Es gibt jedoch auch Epilepsien des Kindes- und Jugendalters, die im Erwachsenenalter nicht mehr auftreten.
Medikamentöse Therapie
Etwa zwei Drittel der Menschen mit Epilepsie werden unter Medikamenten anfallsfrei. Ein Drittel ist schwerer behandelbar. Es ist wichtig, die Medikamente regelmäßig einzunehmen, um Anfälle zu vermeiden.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Wenn man bei einem epileptischen Anfall anwesend ist, sollte man den Betroffenen in eine stabile Seitenlage bringen und alles wegräumen, wodurch man sich verletzen könnte.
Epilepsie und Schwangerschaft
Frauen mit Epilepsie müssen bei der Schwangerschaft ein paar Dinge berücksichtigen. Antiepileptische Medikamente können Fehlbildungen verursachen, aber das trifft nicht auf alle zu. Es ist wichtig, sich gut beraten zu lassen, welche Medikamente während einer Schwangerschaft ideal sind. Die bestehenden Medikamente sollten nicht abgesetzt werden, sobald man von einer Schwangerschaft erfährt.
Auslöser vermeiden
Es gibt viele Auslöser, welche die Neigung zu epileptischen Anfällen verstärken können. Dazu gehören Schlafentzug, ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus und übermäßiger Alkoholkonsum.
Spezielle Epilepsieformen
Rolando-Epilepsie
Die Rolando-Epilepsie ist eine häufige Epilepsieform bei Kindern, die sich durch Muskelkrämpfe im Gesicht und Sprechunfähigkeit äußert. Die Anfälle treten häufig nachts auf und erfordern nicht immer eine Behandlung.
Psychogene nichtepileptische Anfälle (PNEA)
Psychogene nichtepileptische Anfälle (PNEA) sind Anfälle, die epileptischen Anfällen ähneln, aber psychische Ursachen haben. Sie können auch zusätzlich zu einer Epilepsie vorkommen. Gegen PNEA helfen Psychoedukation und Psychotherapie, während Antiepileptika wirkungslos sind.
Risiken und Komplikationen
Epileptische Anfälle können zu Verletzungen und sogar zum Tod führen. Es besteht ein gewisses Risiko, bei einem Status epilepticus oder durch SUDEP (plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie) zu versterben oder Langzeitschäden davonzutragen.
SUDEP
SUDEP ist die Abkürzung für "sudden unexpected death in epilepsy". Menschen mit Epilepsie können plötzlich und unerwartet versterben, meistens morgens tot im Bett gefunden. Die Todesursache lässt sich oft nicht klären.
Anfallskalender
Ein Anfallskalender kann helfen, Anfallsauslöser zu erkennen und die Behandlung zu verbessern.
Epilepsie und Geruch
Eine Studie hat gezeigt, dass Hunde einen spezifischen Geruch erkennen können, der mit epileptischen Anfällen einhergeht. Dieser Ansatz könnte zur Entwicklung eines Frühwarnsystems für Epilepsie-Patienten führen. Es ist jedoch noch unklar, ob diese Geruchsstoffe auch schon vor einem Anfall entstehen.
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