Eine Spinalkanalstenose, auch Wirbelkanalverengung genannt, ist eine Verengung des Wirbelkanals, die zu einer Kompression von Nerven oder des Rückenmarks führt. Diese Kompression kann eine Reihe von Symptomen verursachen, die von leichten Schmerzen bis hin zu schweren neurologischen Ausfällen reichen.
Was ist eine Spinalkanalstenose?
Bei einer Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals, die zu einer Bedrängung (Kompression) von Nerven oder des Rückenmarks führt.
Betroffene Bereiche
Am häufigsten sind Lenden- und Halswirbelsäule betroffen, in seltenen Fällen auch die Brustwirbelsäule.
Ursachen einer Spinalkanalstenose
Eine Spinalkanalstenose kann verschiedene Ursachen haben, wobei die häufigste Ursache der normale Alterungsprozess ist. Mit zunehmendem Alter kommt es zu Abnutzungserscheinungen an Bandscheiben, Knochen und Bändern der Wirbelsäule.
Degenerative Veränderungen
Bandscheibendegeneration: Die Bandscheiben verlieren an Flüssigkeit, werden spröde und rissig, wodurch die Wirbelsäule an Stabilität verlieren kann. Im Rahmen des normalen Alterungsprozesses verlieren die Bandscheiben an Höhe und es kommt zur Osteochondrosis intervertebralis: einerseits zu Vorwölbungen der Bandscheibe, andererseits zu knöchernen Ausziehungen an den Wirbelkörpern (Spondylophyten). Der Verschleiß der Bandscheiben beginnt schon in den 20iger Lebens-Jahren eines Menschen. Es kann zur Bandscheibenvorwölbung oder zum Bandscheibenvorfall (Nucleus-Pulposus-Prolaps) kommen. Der zunehmende Wasserverlust der Bandscheiben führt zu einer Höhenabnahme des Zwischenwirbelkörperabschnittes (Osteochondrose). Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper werden durch die erniedrigte Bandscheibe mehr belastet. Der Körper reagiert darauf mit einer Knochenverdichtung im Bereich dieser Strukturen (Sklerosierung), was röntgenologisch zu erkennen ist.
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Knochenanbauten (Spondylophyten): Manchmal versucht der Körper, die Instabilität durch Knochenbildung an den Wirbeln auszugleichen (Spondylophyten). Neben der Verknöcherung der Wirbelsäule kommt es zu einer sog. ventralen Abstützreaktion. Bei dieser Abstützreaktion der Wirbelsäule baut der Wirbelkörper seitlich zum Rückenmarkskanal Knochen an, um den erhöhten Druck auszugleichen.
Arthrose der Wirbelbogengelenke (Spondylarthrose, Facettenarthrose): Weiter entstehen Arthrosen der kleinen Wirbelbogengelenke (Spondylarthrosen, Facettenarthrose). Die Einengung resultiert vorwiegend aus der Gelenkarthrose der kleinen Wirbelgelenke, die von beiden Seiten den Wirbelkanal einengen. Durch eine inkongruente Lage der Wirbelkörpergelenke zueinander kommt es zu einem vorzeitigen Knorpelabrieb der Gelenkpartner. Es spielen sich dann die gleichen Vorgänge ab, die für die Knie- oder Hüftgelenksarthrose hinlänglich bekannt sind. Es kommt zur Gelenkentzündung, Kapselschwellung und verdickung, sowie -schneller noch als bei den großen Gelenken- zur Gelenkdeformität.
Verdickung der Bänder: Verdickungen der Wirbelgelenkstrukturen, knöcherne Wirbelkanalanbauten, Bandscheibenvorwölbungen und Verdickungen der Wirbelbänder (Ligamentum flavum) können schließlich zu einer beträchtlichen Enge des Wirbelkanals führen (Spinalkanalstenose) und das Rückenmark selbst oder die abgehenden Nervenwurzeln bedrängen.
Wirbelgleiten (Spondylolisthesis): Die altersbedingten Veränderungen der Wirbelsäule können dazu führen, dass die Wirbel sich stärker gegeneinander verschieben. Das wird Wirbelgleiten genannt. Die Wirbel können dann ebenfalls auf Nerven und Gefäße drücken. Wirbelgleiten tritt häufig zusammen mit einer Spinalkanalstenose auf. Bei sehr weit fortgeschrittener Instabilität, kann sich eine verschleißbedingte Verkrümmung der Wirbelsäule ausbilden, wodurch die Statik der Wirbelsäule weiter geschwächt wird (degenerative Skoliose).
Weitere Ursachen
Angeborene Spinalkanalstenose: Eine Spinalkanalstenose kann angeboren sein. Die primäre Spinalkanalstenose ist eine angeborene Verengung des Rückenmarkskanals. Diese tritt aufgrund anatomischer Gegebenheiten auf, bei denen der Wirbelsäulenkanal von Geburt an enger ist. Ein anlagebedingt enger Wirbelkanal neigt bei beginnendem Verschleiß früher dazu, schmerzhaft zu werden, als ein primär weiter Wirbelkanal, da der Reserveraum des Rückenmarkes früher aufgebraucht wird.
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Bandscheibenvorfall: „Beim Bandscheibenvorfall verliert vor allem bei älteren Personen der Bandscheibenkern deutlich an Höhe und gleitet aus seiner Hülle (Anulus fibrosus) in den Spinalkanal. Die Wirbelkörper rücken dadurch näher zusammen. Die abgerutschte Hülle wölbt sich vor und engt das Rückenmark im Wirbelkanal ein. Die verstärkte Belastung auf die Wirbel bewirkt dann eine zunehmende Verknöcherung der Wirbelsäule.“ Dr. med.
Wirbelsäulentumore: Tumoren können ebenfalls zu einer Verengung des Spinalkanals führen.
Verletzungen: Verletzungen der Wirbelsäule können ebenfalls eine Spinalkanalstenose verursachen.
Symptome einer Spinalkanalstenose
Die Symptome einer Spinalkanalstenose können je nach Lokalisation und Schweregrad der Verengung variieren. Einige Menschen haben überhaupt keine Symptome, während andere unter erheblichen Schmerzen und Einschränkungen leiden.
Typische Symptome
Rückenschmerzen (Lumbago): Viele Menschen haben immer wieder Schmerzen im unteren Rücken. Meist lässt sich deren Ursache nicht genau bestimmen. Zu allgemeinen Symptomen gehören chronische Rückenschmerzen (Lumbago), ggf. auch Gefühlsstörungen der Beine, z.B. Brennen, Ameisenlaufen oder Kältegefühl.
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Schmerzen in den Beinen (Ischialgie): Eine Spinalkanalstenose kann sich durch Schmerzen im unteren Rücken äußern, die bis in Gesäß und Oberschenkel ziehen - manchmal auch bis in den Unterschenkel. Es kann auch sein, dass nur das Bein wehtut oder dass es sich müde und schwer anfühlt. Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, nennt man Ischialgien (umgangssprachlich „Ischias“). Krankheitstypisch für eine Spinalkanalstenose sind Rückenschmerzen mit Maximum beim Gehen und Ausstrahlung über das Gesäß in die Beine sowie ein Schwächegefühl der Beine.
Claudicatio spinalis (Schaufensterkrankheit): Eine Spinalkanalstenose macht sich typischerweise bei Belastung bemerkbar, besonders beim langsamen Gehen oder Stehen. Leichtes Vorbeugen entlastet die Nerven. Deshalb lehnen sich Betroffene beim Gehen oft leicht nach vorne oder setzen sich zwischendurch, um den Oberkörper nach vorne zu beugen. Längere Strecken können sie nicht so gut zurücklegen. Der Patient mit einer Spinalkanalstenose ist in Ruhe praktisch beschwerdefrei, gehstreckenabhängig kommt es zu schmerzhaften Ausstrahlungen in die Beine, oft begleitet von einem Schwächegefühl. Man spricht deshalb auch von der Schaufensterkrankheit (Claudicatio spinalis), weil die Betroffenen, wie bei einem Schaufensterbummel, nach kurzen Gehstrecken stehen bleiben müssen, um eine Schmerzerleichterung zu erfahren. Typisch für die spinale Stenose ist das Symptom der Claudicatio spinalis. Der Patient klagt über ziehende Schmerzen an der Vorder- oder Rückseite der Beine, wenn er eine kurze Strecke gegangen ist. Die Schmerzen bessern sich, wenn er sich hinsetzt oder den Oberkörper vorbeugt. Diese Schonhaltungen geben bereits erste Hinweise. Sie werden so eingenommen, dass der Spinalkanal durch das Beugen relativ weiter wird und die Reizung der Nervenstrukturen vermindert.
Missempfindungen (Parästhesien): Es kann auch zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Beinen oder Lähmungserscheinungen kommen. Das kann dazu führen, dass man sich etwas unsicher auf den Beinen fühlt. Missempfindungsstörungen (Parästhesien) der Beine, z.B.
Lähmungserscheinungen: Selten weisen Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auf ein ernsthaftes Problem hin, etwa eine Nervenschädigung.
Kauda-Syndrom: Beim sogenannten Kauda-Syndrom kommt es zu Lähmungen oder einer plötzlichen Störung der Blasen- oder Darmfunktion. Eine Operation ist sofort nötig, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Letzteres sind Zeichen des sogenannten Kauda-Syndroms.
Symptome je nach Lokalisation
Lendenwirbelsäule: Typische Beschwerden einer Spinalkanalstenose im Bereich der Lendenwirbelsäule sind Rückenschmerzen mit belastungsabhängiger Ausstrahlung in die Beine, welche zu einer relevanten Einschränkung der Gehstrecke führen können.
Halswirbelsäule: Eine Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule wird typischerweise durch in die Arme ausstrahlende Nackenschmerzen begleitet von diffusen Gefühlsstörungen der Arme und Hände symptomatisch. Schreitet die Erkrankung fort, treten zunächst Feinmotorikstörungen, in Spätstadien auch ausgeprägte Lähmungserscheinungen von Armen und Händen hinzu. Eine Halswirbelkanalverengung kann zu Missempfindungen in den Händen und Störungen der Feinmotorik sowie zu Gangunsicherheit führen und alltägliche Tätigkeiten enorm erschweren. Im fortgeschrittenen Stadium können Lähmungserscheinungen aufgrund geschädigter Nerven auftreten. Eine Spinalkanalstenose (SKS) im Bereich der Halswirbelsäule kann Nackenschmerzen sowie ausstrahlende, brennende Schmerzen in Schultern und Armen sowie Händen verursachen.
Diagnose einer Spinalkanalstenose
Um die Ursache der Beschwerden herauszufinden, fragt der Arzt oder die Ärztin nach der Art der Beschwerden. Zusammen mit einer körperlichen Untersuchung reicht das oft schon aus, weil die Beschwerden bei einer Spinalkanalstenose sehr typisch sind.
Bildgebende Verfahren
Magnetresonanztomographie (MRT): Eine bildgebende Untersuchung wie eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) wird nötig, wenn die Schmerzen trotz Behandlung nicht besser werden, sehr stark sind oder wenn es zu Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen in den Beinen kommt. Dann ist es wichtig, abzuklären, ob etwas anderes als eine Spinalkanalstenose hinter den Beschwerden steckt. Die Magnetresonanztomographie (MRT) stellt den Goldstandard in der Diagnostik von Spinalkanalstenosen dar. Noch wertvoller in der Wirbelsäulendiagnostik ist hingegen die MRT (Magnetresonanztomographie), die neben den knöchernen Strukturen, deutlich besser als die CT, auch die Weichteilstrukturen (Bandscheiben, Nervenwurzeln, Bänder) darstellt.
Computertomographie (CT): Darüber hinaus kann, z.B. bei bestehenden Kontraindikationen für eine MRT oder zur Beurteilung der knöchernen Strukturen bei begleitender Fehlstellung der Wirbelsäule, eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden. Mit Hilfe einer CT (Computertomographie) Untersuchung lassen sich insbesondere weitergehende Fragen bezüglich der knöchernen Struktur beantworten (z.B.
Röntgenuntersuchung: Eine Röntgenuntersuchung kann bei einem Verdacht auf Wirbelgleiten sinnvoll sein, weil das in einer Röntgenaufnahme in der Regel gut sichtbar ist. Prinzipiell lässt sich die Röntgenaufnahme der Wirbelsäule als bildgebende Basisdiagnostik bezeichnen. Über die Röntgenbilder erhält der behandelnde Arzt einen Einblick in die Wirbelsäulenhaltung. Die Spinalkanalstenose selbst kann in konventionellen Röntgenaufnahmen nicht genau genug erkannt werden.
Myelographie: In seltenen Fällen ist eine Myelographie sinnvoll. Bei einer Myelographie wird Kontrastmittel in den Nervenschlauch (Duralsack) injiziert, so werden die Engpässe sichtbar. Die Myelographie beschreibt eine Untersuchung, bei der dem Patienten Kontrastmittel in den Duralsack injiziert wird. Der Duralsack umhüllt das Rückenmark und ist im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule der Bereich, der den Anfang eines Nerv umgibt, bevor dieser den Rückenmarkskanal wieder verlässt. Durch die Vermischung von Nervenwasser und Kontrastmittel lassen sich somit gezielt Fragestellungen in Bezug auf das Rückenmark klären. Nach der Einspitzung des Kontrastmittels werden gewöhnlich Funktionsaufnahmen der Wirbelsäule vorgenommen (in Beugung und Streckung), um eine Nerven-/Rückenmarkbedrängung in funktioneller Stellung zu erkennen.
Elektrophysiologische Untersuchung
Ergänzend zur bildgebenden Diagnostik kann zur exakteren Beurteilung der Funktion von Rückenmark und Spinalnerven eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt werden, welche beispielsweise auch in Frühstadien der Erkrankung eine Bedrängung des Rückenmarks nachweisen kann. Zudem ermöglicht eine derartige Untersuchung bei unklarem klinischem Befund eine exakte Abgrenzung von anderen Erkrankungen, wie z.B. Um eventuelle Nervenschädigungen ermitteln zu können, müssen erweiterte Untersuchungen durchgeführt werden. Dies kann durch eine fachneurologische Untersuchung und Erhebung neurophysiologischer Parameter (z.B.
Behandlung einer Spinalkanalstenose
Die Behandlung einer Spinalkanalstenose hängt von der Schwere der Symptome und dem Grad der Verengung ab. Nicht operative (konservative) Behandlungen stehen bei der Therapie einer Spinalkanalstenose im Vordergrund.
Konservative Behandlung
Physiotherapie: Entlastungshaltungen, etwa das Beugen des Oberkörpers oder das Kippen des Beckensmanuelle Therapie, bei der der betroffene Wirbelsäulenabschnitt und die Nervenwurzeln am Übergang zum Kreuzbein gezielt mobilisiert werden. Auch eine Dehnung und Mobilisierung der Gelenke im Hüft-, Becken- und Wirbelsäulenbereich sowie Rumpfübungen gehören dazu.Physiotherapie, bei der gezielte Übungen und Haltungen zur Entlastung der Wirbelsäule erlernt werden, die man dann selbstständig durchführen kann. Krankengymnastische Übungen können die Beschwerden einer Spinalkanalverengungeffektiv lindern.
Schmerzmittel: schmerzstillende Medikamente, um Rückenschmerzen zu lindern und sich trotz Beschwerden weiter zu bewegen. Meist werden entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen empfohlen. Am besten nimmt man sie nur bei Bedarf und in der geringsten wirksamen Dosierung ein. Von den meisten anderen schmerzstillenden Medikamenten wird wegen fehlender oder unklarer Wirksamkeit und Nebenwirkungen eher abgeraten. Bei Beinschmerzen, Rückenschmerzen oder anderweitigen Schmerzen durch eine Spinalstenose können wir entzündungshemmende Schmerzmittel, Nervenschmerzmittel, muskelentspannende Medikamente und entzündungshemmende Injektionen einsetzen.
Aktiv bleiben: Generell wird empfohlen, im Alltag möglichst aktiv zu bleiben.
Multimodale Schmerztherapie: Besonders wenn Beschwerden länger andauern und chronisch werden, kann eine sogenannte multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein. Hierbei wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut, etwa aus der Medizin, Physiotherapie und Psychologie. Sie unterstützen dabei, in Bewegung zu bleiben und mit den Beschwerden umzugehen.
Stufenlagerung: Erster Schritt bei der Behandlung der Spinalstenose ist die Entlastung der Wirbelsäule, z. Platzieren Sie die Beine auf eine Erhöhung wie z. B. Hinweis: Achten Sie bei der Stufenlagerung darauf, den unteren Rückenbereich bewusst auf den Boden zu drücken.
Wärme und Massage: Wärmebehandlungen und Massagen können Ihnen bei einer Spinalstenose vorübergehende Linderung bieten. Sie entspannen Ihre Muskeln, verbessern die Durchblutung und reduzieren den Schmerz (vorübergehend). Aufgrund dessen müssen wir die Ursache gezielt mit einer ganzheitlichen Behandlung angehen.
Akupunktur und Yoga: Zuletzt können Akupunktur und Yoga ebenfalls die Schmerzen lindern und die Flexibilität und Beweglichkeit Ihrer Wirbelsäule bei einer Stenose verbessern. Während Akupunktur den Energiefluss im Körper ausgleichen kann, stärken Yoga-Übungen Ihre Muskulatur.
Injektionen: Therapeutische Facetteninjektion Bei dieser Behandlung werden spezielle schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente unter stetiger Kontrolle mittels Computertomographie in oder an die erkrankten Wirbelgelenke injiziert. Das lokale Betäubungsmittel hat einen sofort schmerzlindernden Effekt, das Kortison hat eine entzündungshemmende Langzeitwirkung. Für eine Spinalkanalstenose, die sich vorwiegend im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule abspielt, eignen sich sacrale Blockaden bzw. sacrale Infiltrationen. Hierbei wird ein Gemisch aus lokalem Betäubungsmittel und/oder Kortison über den Sakralkanal in den Wirbelkanal injiziert. Der Zugang befindet sich im Verlauf der Gesäßfalte oberhalb des bogenförmigen Übergangs zum Steißbein. Eine Bildgebung ist für eine sacrale Infiltration nicht notwendig. Man orientiert sich an den anatomischen Landmarken. Unter sterilen Bedingungen werden dann 20-30 ml eines lokalen Betäubungsmittels und/oder Kortison in den Wirbelkanal injiziert. Der Patient wird anschließend aufgefordert für einige Zeit (1-2 Stunden) nicht herumzulaufen, weil es durch das lokale Betäubungsmittel mitunter zu Gefühlsstörungen und Schwächegefühl in den Beinen kommen kann und dadurch eine Sturzgefahr besteht. Nach Abklingen des Betäubungsmittels verschwindet dieser Effekt wieder. Der schmerztherapeutische Effekt ist gut und durch das applizierte Kortison auch anhaltend. Manchmal kann es durch die Volumen- und Druckzunahme im Wirbelkanal zu einer vorübergehenden Schmerzzunahme kommen. Für eine Spinalkanalstenose, welche die oberen Anteile der Lendenwirbelsäule betrifft, eignet sich die Epidurale Infiltration. Mit der sacralen Infiltration wird gewöhnlich nur eine Höhe bis etwa zum 4. Lendenwirbelkörper schmerztherapeutisch erreicht. Mit der epiduralen Infiltration ist man bezüglich der Höhe der Infiltration sehr flexibel. Der Zugang entspricht dem der Anästhesisten bei einer Rückenmarknarkose. Mit einer langen Nadel wird nach dem Prinzip des Loss of Resistence der Wirbelkanalraum aufgesucht und wie bei der sacralen Infiltration ein Gemisch aus lokalem Betäubungsmittel und/oder Kortison injiziert. Der schmerztherapeutische Effekt entspricht dem der sacralen Infiltration.
Operative Behandlung
Wenn die Beschwerden viele Monate oder Jahre andauern und trotz konservativer Behandlungen nicht besser werden, kann eine Operation infrage kommen. Vor einem solchen Eingriff hat man das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten. Auch die Entscheidungshilfe zur Operation bei Spinalkanalstenose kann beim Abwägen der Vor- und Nachteile eines solchen Eingriffs helfen.
Dekompression: Bei der OP einer Spinalkanalverengung (vor allem im Alter) muss in der Regel kein Bandscheibenmaterial entfernt werden. In der Bandscheibenklinik in Gensingen erweitern wir mittels Hochfrequenz-Mikrodiamantfräsen den Wirbelkanal durch teilweises oder vollständiges Abnehmen eines Halbbogens. Die Therapie der Wahl wäre bei einer umschriebenen Spinalkanalstenose eine offene mikrochirurgische Dekompression. Unter Mikrochirurgie versteht man eine offene Operation mit sehr kleinem Hautschnitt, dem Einsatz eines Operationsmikroskopes sowie Verwendung von speziellen, abgewinkelten Instrumenten. Es werden unter mikroskopischer Vergrößerung diejenigen Anteile, die für die Spinalkanalstenose/Nervenwurzelstenose verantwortlich sind, weggenommen, also dekomprimiert (Wirbelbogenanteile, Ligamentum-Flavum-Anteile, Wirbelgelenkanteile). Bei einer langstreckigen Spinalkanalstenose über mehrere Wirbeletagen hinweg muss der Schnitt erweitert werden, entsprechend einer offenen Operation. Für einzelne Dekompressionsschritte wird dann wieder das Operationsmikroskop hinzugezogen.
Stabilisierung: Besteht gleichzeitig eine ausgeprägte Wirbelkörperinstabilität, müssen zusätzlich die instabilen Wirbelsäulenetagen stabilisiert werden. Dies kann auf verschiedenen Wegen erfolgen, ggf. ist eine zweizeitige Operation mit einem Eingriff von vorne und einem von hinten notwendig (bauch- und rückwärts). Manchmal genügt auch eine alleinige Operation von hinten.
Alternative Verfahren: Weitere Verfahren verfolgen das Ziel, den Wirbelkanal indirekt zu erweitern, indem man von hinten zwischen die Dornfortsätze der betroffenen Wirbelsegmente eine Art "Abstandshalter" implantiert (X-Stopp, Spacer, Coflex-Implantat). Dabei kann man den operativen Aufwand so gering als möglich halten und unter Umständen auch die Operation direkt im Spinalkanal vermeiden.
Spezielle Operationstechniken:
- Laminoplastie: Bei der operativen Therapie zervikalen erfolgt die Entlastung des Spinalkanals über einen kleinen, medianen Hautschnitt im Nackenbereich auf Höhe der betroffenen Enge. Nach Freipräparation der Wirbelbögen können, je nach Ausgeprägtheit der Stenose und abhängig von der Anzahl der betroffenen Höhe, diese durchtrennt und zur Erweiterung des Spinalkanals nach hinten versetzt am Knochen mit Titanplättchen und -schräubchen fixiert werden (sog. Laminoplastie).
- Laminektomie: Alternativ kann bei kurzstreckigen Stenosen eine komplette Entfernung des Wirbelbogens erfolgen (sog.
- Hemilaminektomie: Bei der minimal-invasiven, mikrochirurgischen Erweiterung des Spinalkanals erfolgt der Zugang von hinten über einen medianen Hautschnitt am Rücken. Die knöcherne Engstelle sowie der vergrößerte Bandapparat kann in Abhängigkeit der klinischen Symptomatik und der bildgebenden Befunde über eine einseitige Teilentfernung des Wirbelbogens (sog. Hemilaminektomie) mit / oder ohne Erweiterung der Dekompression zur Gegenseite (sog. Undercutting), oder über die Erweiterung des Spinalkanals mittels kompletter Entfernung des Wirbelbogens (sog.
Rehabilitation
Manchmal schließt sich an eine Operation eine Rehabilitation an. Sie hat das Ziel, die Erholung zu fördern und dazu beizutragen, dass man sich nach einer Operation auch langfristig wieder möglichst gut bewegen kann. Eine Rehabilitation kann Übungen zur Kräftigung, Dehnung und für das Gleichgewicht umfassen. Die Übungen werden meist von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet.
Leben mit einer Spinalkanalstenose
Die Beschwerden durch eine Spinalkanalstenose können von Tag zu Tag unterschiedlich stark sein. Wenn sie stärker sind, kann das für berufstätige Menschen zu Einschränkungen im Job führen. Auch Alltagstätigkeiten wie Putzen oder Einkaufen können schwerfallen und man braucht für viele Dinge mehr Zeit. Manchmal ist es dann gut, im Familien- oder Freundeskreis um Unterstützung zu bitten. Die Sorge vor einer Verschlechterung kann aber belastend sein. Die Herausforderung ist dann, sich damit zu arrangieren und gute Strategien für den Alltag zu entwickeln.
Grad der Behinderung (GdB)
Der Grad der Behinderung (GdB) bei einer Spinalkanalstenose bzw. Stenose der Lendenwirbelsäule (LWS) variiert je nach Symptomen und funktionellen Einschränkungen. Laut Anlage zu § 2 VersMedV kann beispielsweise ein GdB von 20 bei mittelgradigen funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt angemessen sein.
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