Erythema migrans: Ursachen und Besonderheiten außerhalb der Einstichstelle

Die Borreliose ist eine durch Bakterien (Borrelia burgdorferi) verursachte Multisystemerkrankung, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Sie kann alle Organe befallen und unbehandelt zu chronischen Beschwerden führen. Ein charakteristisches, aber nicht immer auftretendes Frühsymptom ist das Erythema migrans, auch bekannt als Wanderröte.

Verlauf und Symptome der Borreliose

Die Borreliose verläuft in mehreren Stadien, die fließend ineinander übergehen oder auch übersprungen werden können. Lange symptomfreie Intervalle sind charakteristisch. Aufgrund der vielfältigen und wechselnden Symptome wird die Borreliose oft als "der große Imitator" bezeichnet, da sie viele andere Krankheiten imitieren kann.

Häufige Fehldiagnosen sind psychosomatische Störungen, Arthritis, Gelenkrheuma, Polyarthritis, Bursitis, Bandscheibenvorfall, Bindehautentzündung, Entzündungen aller Augenteile, Gefäßbeschwerden, Hirnhautentzündung, Karpaltunnelsyndrom, Gelenkentzündungen, Multiple Sklerose, Fibromyalgie, Sehnenscheidenentzündung, HWS-Syndrom und Schlaganfall.

Stadium 1: Lokale Infektion

Im ersten Stadium kommt es nach der Übertragung der Borrelien zu einer lokalen Infektion der Haut. Nach einigen Tagen bildet sich um die Einstichstelle eine sich ringförmig ausbreitende Rötung, das Erythema migrans. Allerdings kann die Entzündungsreaktion sehr diskret sein und vom Betroffenen übersehen werden.

Die Wanderröte ist ein klinisch eindeutiges Zeichen einer Borrelieninfektion im ersten Stadium und sollte fotografisch dokumentiert werden. In etwa 50% der Fälle fehlt die Wanderröte jedoch völlig, wodurch die Infektion oft unbemerkt bleibt. Des Weiteren können Ansammlungen weißer Blutkörperchen (Knötchen, Lymphozytome) an Ohrläppchen, Brustwarze, Hoden, Ellenbogen und anderen Stellen auftreten.

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Wenige Tage bis Wochen nach dem Stich können unspezifische grippeähnliche Allgemeinsymptome wie erhöhte Körpertemperatur, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Muskel-, Bänder- und Faserschmerzen, Heiserkeit, Schweißausbrüche, Nachtschweiß, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen, Schluckbeschwerden und Übelkeit auftreten. Diese Symptome werden oft als Sommergrippe fehlgedeutet.

Stadium 2 und 3: Streuung des Erregers

Im zweiten und dritten Stadium, meist einige Wochen bis Monate (im dritten Stadium auch Jahre) nach dem Stich, kommt es zur Streuung des Erregers. Es kann ein buntes Symptombild auftreten: Gelenkentzündungen, Gelenksteifigkeit, starkes Schwitzen (besonders nachts), Muskelschmerzen, Nervenschmerzen, Kopfschmerzen, Schmerzen in der Wirbelsäule, Gehirnfunktionsstörungen (Lähmungen, Doppelbilder, Verlust des Gehörs oder Geruchssinns, Verwirrtheit, Apathie, Sensibilitätsstörungen), Herzprobleme (Herzbeutelerguss, Herzentzündung, Herzrhythmusstörungen), Sprech-, Schreib-, Wortfindungsstörungen, Hautveränderungen (Ekzeme, Entzündungen, Knötchen, Schwellungen, Mundschleimhaut-Entzündungen), Augenentzündungen, Depression, Erschöpfung, Müdigkeitssyndrom, Fibromyalgie, Frösteln vor und nach Schweißausbrüchen, Gereiztheit, Gesichtsrötungen, Haarausfall, Halsschmerzen, Konzentrationsstörungen, Desorientierung, Lichtempfindlichkeit, Lymphknotenvergrößerung, Ohrgeräusche, Parkinson-Symptome, Persönlichkeitsveränderungen, Potenzstörungen, Psychische Störungen, Pulsfrequenzerhöhung, Schilddrüsenunter- oder -überfunktion, Schwindelattacken, Sehstörungen, Spasmen, Traurigkeit und Wundgefühl über den Rippen.

Erythema migrans außerhalb der Einstichstelle

Die Wanderröte (Erythema migrans) kann untypisch erscheinen. Es müssen nicht immer nach außen wandernde Ringe sein, oder die Rötung ist so großflächig, dass der Ring nicht mehr erkennbar ist. In manchen Fällen sind kaum Hauterscheinungen oder nur eine diffuse Rötung sichtbar.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Wanderröte nicht immer an der Einstichstelle auftritt. Sie kann auch an anderen Körperstellen wie Beinen, Kopf oder Hals auftreten, was auf eine Ausbreitung des Bakteriums im Organismus hindeutet.

Differentialdiagnose

Eine örtliche harmlose Hautverfärbung als direkte Folge des Zeckenstiches ist von der Erythema migrans zu unterscheiden. Letztere zeigt im Allgemeinen keine Aufhellung in der Mitte und bleibt auf die eigentliche Stichstelle mit einer Größe von ein bis zwei Zentimetern begrenzt.

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In einem Fall wurde ein Patient fälschlicherweise wegen Pilzbefall behandelt, da die Wanderröte untypisch aussah. Manchmal vergehen bis zu 180 Tage, bis das Labor einen positiven Befund zeigt. Schwierig wird es, wenn im Serum trotz Borrelien-Befall keine Antikörper gefunden werden. Die Ringe können auch multilokulär, d.h. an verschiedenen Stellen auftreten.

Diagnose der Borreliose

Die Diagnose der Borreliose gestaltet sich im Früh- und Spätstadium oft schwierig, besonders wenn der Zeckenstich nicht erinnerlich ist und die typischen Krankheitsmerkmale, wie die Wanderröte, im Frühstadium ausbleiben oder das bunte Symptombild einer Spätphase nicht an eine Borreliose denken lässt.

Laboruntersuchungen des Blutes (Serologie) können in schwierigen Fällen helfen, die Diagnose zu sichern, sind aber nicht hundertprozentig sicher. Zu den Methoden der Borrelien-Labordiagnostik gehören der Borrelien-Suchtest (ELISA oder IFT) und der Borrelien-Bestätigungstest (Western- oder Immunoblot). Ein negativer Test schließt eine Borrelieninfektion nicht aus, da Borrelien in der Lage sind, sich vor dem Immunsystem zu tarnen. Auch eine frühe Gabe von Antibiotika oder der Einsatz von Kortison oder Immunsuppressiva kann die Antikörperbildung unterdrücken.

Es gibt nachgewiesenermaßen viele Ursachen dafür, dass keine Antikörper messbar sind, obwohl eine Borrelieninfektion vorliegt. Der Suchtest kann durch Kreuzreaktionen mit anderen Erregern auch falsch positive Ergebnisse liefern. Daher wird oft ein Westernblot oder Immunoblot als Bestätigungstest durchgeführt, um die einzelnen Oberflächenproteine der Borrelien und die jeweils gegen sie gerichteten Antikörper genauer aufzuspalten.

Um der Borreliose auf die Spur zu kommen, ist das Gesamtbild aus Vorgeschichte, Verlauf, Krankheitssymptomen und Laborergebnissen zu betrachten.

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Therapie der Borreliose

Die Therapie erfolgt stadien- und symptomgerecht mit wirksamen Antibiotika. Je früher therapiert wird, desto größer sind die Chancen auf eine vollständige Heilung. Der "Startschuss" für eine Antibiotikum-Therapie im Frühstadium ist die Wanderröte oder das Auftreten der Allgemeinsymptome nach erinnerlichem Zeckenstich, auch bei negativen Laborergebnissen, um mögliche Spätfolgen zu vermeiden.

Ein Hauptproblem bei der Therapie ist, dass die Borrelien sich in Körperregionen zurückziehen können und dort vom Antibiotikum schlecht erreichbar sind. Dadurch können ruhende Erreger (Persister) eine Therapie überdauern und später wieder aktiv werden. Deshalb sollte das verwendete Antibiotikum nicht unterdosiert und ausreichend lange verabreicht werden.

Antibiotika-Therapie

Bei eindeutig diagnostizierter akuter Borreliose sollte eine Antibiotika-Therapie (Doxycyclin) über 14 Tage erfolgen, um den Erreger in einem frühen Stadium unschädlich zu machen. Bei der chronischen Borreliose sind Antibiotika oft nicht mehr ausreichend wirksam. Es ist bedeutsam, dass nicht nur gegen den Erreger behandelt wird, sondern auch etwas für den betroffenen Menschen nach den Grundsätzen der Salutogenese getan wird, indem man ihn selbst und sein Immunsystem unterstützt.

Alternative und unterstützende Maßnahmen

Wenn die Borreliose ins chronische Stadium übergegangen ist, können Antibiotika in der Regel nicht mehr viel ausrichten. Die Ausbreitung von Borrelien im Körper kann aber trotzdem beeinflusst werden. Borrelien sind sehr hitzeempfindlich. Bei hohen Temperaturen werden sie zunehmend inaktiv und sterben ab. Um die Anzahl an Borrelien im Körper zu reduzieren, können Sauna, heiße Bäder, Infrarotkabine oder auch Schwitzkuren hilfreich sein. Allerdings sollte man sich langsam und vorsichtig an höhere Temperaturen herantasten und das Vorhaben mit einem Arzt besprechen. Mit dem Verfahren der sogenannten Hyperthermie ist es möglich, den gesamten Körper über mehrere Stunden auf eine Temperatur von etwa 41,6 Grad zu erhitzen. Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts sterben Borrelien oberhalb dieser Temperaturen relativ zuverlässig ab.

Ein basisches Körpermilieu macht Borrelien angreifbarer. Um den Säure-Basen-Haushalt in Richtung basisches Milieu zu regulieren, ist es wichtig, die Ernährung auf eine vollwertige und pflanzenbasierte Kost umzustellen. Je stärker das eigene Immunsystem ist, umso schwerer haben es die Borrelien. Deshalb sollte man alles tun, um die eigenen Abwehrkräfte zu stärken: Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf, Stressvermeidung und Entspannung. Darüber hinaus können auch spezielle Mikronährstoffe, wie B- und D-Vitamine, L-Carnitin sowie Omega-3-Fettsäuren helfen, die eigene Immunkraft zu fördern.

Prävention

Der beste Schutz vor Borreliose ist, das Risiko zu minimieren, gestochen zu werden bzw. die Zecke über mehrere Stunden auf der Haut zu tragen. Bei Aufenthalt im Grünen und vor allem im hohen Gras oder im Wald sollte man die Hosen in die Strümpfe stecken, Kopfbedeckung und möglichst helle Kleidung tragen. Anschließend die Kleidung und den gesamten nackten Körper absuchen. Bei Kindern vor allem den Kopf-, Nacken- und Schulterbereich absuchen.

Voraussetzung für eine Borrelien-Infektion ist eine Kontaktzeit von etwa acht Stunden (dies gilt nicht für FSME, da die Überträgerviren im Stechapparat der Zecke sitzen und sofort übertragen werden). Wenn der Saugakt länger als acht Stunden war, sollte man zunächst abwarten und/oder einen Zecken-Test machen.

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