Multiple Sklerose: Fallbeispiele und Therapieansätze in der Physiotherapie

Einleitung

Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter. Der unvorhersehbare Verlauf der Krankheit und die oft nebenwirkungsreichen medikamentösen Behandlungen erfordern von den Betroffenen eine ständige Anpassung. Die Inzidenz affektiver Störungen ist bei MS-Patienten deutlich erhöht. Dieser Artikel beleuchtet anhand von Fallbeispielen verschiedene Aspekte der MS und stellt moderne physiotherapeutische Therapieansätze vor.

Grundlagen der Multiplen Sklerose

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS), auch als "Krankheit der tausend Gesichter" bekannt, ist eine chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) betrifft. Sie ist durch inflammatorische Demyelinisierung und neuroaxonale Schädigungen gekennzeichnet, was zu irreversiblen Behinderungen führen kann. Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise im jungen bis mittleren Erwachsenenalter.

Diagnose

Die Diagnose der MS hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Lange erwartet und viel diskutiert, wurden die revidierten McDonald-Diagnosekriterien für die Multiple Sklerose publiziert. Bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sind EBNA-1 381-452 -spezifische Antikörper im Blut vermehrt.

Auswirkungen auf die Lebensqualität

MS kann die Lebensqualität von Patienten stark negativ beeinflussen. Besonders belastend sind nicht nur die körperlichen Einschränkungen, sondern vor allem Symptome wie Fatigue, kognitive Probleme, Depressionen oder Angst. Kognitive Symptome der MS werden in der ärztlichen Praxis häufig unterschätzt oder bleiben unerkannt, haben aber für die Betroffenen eine hohe Relevanz.

Physiotherapeutische Behandlung bei MS

Moderne Untersuchungsverfahren

Die moderne MS-spezifische Untersuchungsverfahren orientieren sich am FBL-Analysenkonzept nach Klein-Vogelbach. Jeder Untersuchungsschritt folgt kontinuierlichen „Clinical Reasoning“-Überlegungen und -Schlussfolgerungen.

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Interventionsmöglichkeiten

Im Praxisbuch werden medizinische Hintergrundinformationen und Forschungsergebnisse (u.a. Pathogenese, Klinik, Therapieoptionen) verknüpft mit Einführungen in die verschiedenen physiotherapeutischen Interventionsmöglichkeiten (Bewegungs-, Trainingstherapie, Sport, Hippotherapie, Wassertherapie, Urogenitale Therapie, Atemtherapie, Hilfsmittel, interdisziplinäre Schnittstellen) undeiner ausführlichen Darstellung der modernen MS-spezifischen Untersuchungsverfahren, die sich am FBL-Analysenkonzept nach Klein-Vogelbach orientieren.

Therapieoptionen für alle Funktionsbereiche - ob Paresen, Koordinationsstörungen, Sensibilitätsdefizite, Schmerzen, Atemprobleme oder Gleichgewichtsstörungen - werden praxisnah und evidenzbasiert dargestellt. Ergänzt wird dies durch gezielte Ansätze für Gruppentherapie, Eigentraining, Urogenitale Therapie, Domizilbehandlung und Palliative Care.

Spezialisten in der MS-Physiotherapie

Regula Steinlin Egli (Basel) ist diplomierte Physiotherapeutin und gründete 2001 die weltweit erste Fachgruppe für Physiotherapie bei MS. Als langjährige Leiterin der Studiengänge CAS und MAS Neurophysiotherapie an der Universität Basel sowie Autorin mehrerer Fachpublikationen prägte sie die MS-Therapie nachhaltig. Heute ist sie beratend tätig und engagiert sich weiterhin in Lehre, Forschung und Fachgremien zur Weiterentwicklung der spezialisierten Physiotherapie.

Ursula Biland-Thommen, MSc Neurophysiotherapie (UCL), ist seit über 25 Jahren spezialisiert auf neurologische Physiotherapie mit Schwerpunkt MS. Als Praxisinhaberin, Dozentin und Modulverantwortliche des CAS Neurophysiotherapie an der Universität Basel verbindet sie klinische Erfahrung mit wissenschaftlicher Lehre. Ihr Engagement als Co-Präsidentin der FPMS und Mitglied im Advisory Board der Schweizerischen MS-Gesellschaft prägt die Weiterentwicklung der MS-Physiotherapie maßgeblich. Urs Gamber arbeitet als Chefphysiotherapeut im Rehabilitationszentrum, Valens/Schweiz.

Neue Entwicklungen in der Therapie

Innovative Themen wie Robotik, Exergaming, Virtual Reality und weitere Rehabilitationstechnologien werden in der modernen MS-Therapie eingesetzt. Fatigue bei MS wird als eigenständiges Unterkapitel mit multiprofessionellen Perspektiven betrachtet.

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Medikamentöse Behandlung

Abb. 23.1 zeigt die sehr deutlichen Veränderungen in der Behandlung der multiplen Sklerose während der letzten 10 Jahre auf. Der Anti-CD20-Antikörper Ofatumumab zeigte zur Behandlung der aktiven schubförmigen Multiplen Sklerose (RMS) in verschiedenen Settings eine gute Wirksamkeit und ein günstiges Sicherheitsprofil. Dies belegen aktuelle Daten der offenen Verlängerungsstudie ALITHIOS sowie der ARTIOS-Studie.

Medizinische Cannabinoide können seit 01.03.2017 von Ärztinnen und Ärzten jeder Fachrichtung, mit Ausnahme von Zahn- und Tierärzten, mittels Betäubungsmittelrezept verordnet werden - und das werden sie auch immer häufiger. Aber ist die Indikation und Wirksamkeit auch gegeben?

Fallbeispiele

In fünf konkreten Fallbeispielen mit charakteristischen Patientensituationen werden Therapieverläufe jeweils mit Anamnese, Untersuchung und Clinical Reasoning-Schritten, Formulierung des Patientenproblems und der Therapieziele, Behandlungs- und Übungsvorschlägen zu den einzelnen Therapiezielen sehr praxisnah und direkt nachvollziehbar demonstriert. Ergänzt wird dies durch erweiterte Fallbeispiele nach 15 Jahren mit detaillierten Re-tests-und Behandlungsdokumentationen sowie ein neues Fallbeispiel.

Fallbeispiel 1: Patientin mit akuter Verschlechterung

Die Betreuerin fand die 54-jährige Patientin reglos im Bett. Ihr Glasgow-Koma-Skala-Wert liegt bei sieben, sie hat Fieber und zeigt deutlichen Meningismus. Laut Betreuerin lebt sie auf einem Bauernhof. Bisherige Diagnosen: Multiple Sklerose und zeitweise erhöhter Alkoholkonsum.

(Anmerkung: Hier müsste der Fall weiter ausgeführt werden, um die therapeutischen Maßnahmen und den Verlauf darzustellen.)

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