Ein Schlaganfall kann das Leben eines Menschen von einer Sekunde auf die andere dramatisch verändern. Die Folgen können von leichten Beeinträchtigungen bis hin zu schweren körperlichen und geistigen Einschränkungen reichen. Doch was bedeutet es, nach einem solchen einschneidenden Ereignis wieder neu anzufangen, insbesondere im Bereich der Partnerschaft und des Datings? Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen und Chancen, die sich bei ersten Dates nach einem Schlaganfall ergeben können, und gibt Einblicke in die Rehabilitation, Pflege und Unterstützung, die Betroffenen und ihren Angehörigen zur Seite stehen.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall, umgangssprachlich auch Hirnschlag genannt, tritt auf, wenn die Gehirnzellen nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. Dies kann durch eine Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) geschehen. Unmittelbar nach dem Schlaganfall beginnen Gehirnzellen in dem betroffenen Bereich aufgrund des Sauerstoffmangels abzusterben. Dieser Prozess kann Minuten bis Stunden dauern, weshalb es so wichtig ist, dass die betroffene Person schnell Hilfe erhält.
Ischämischer Schlaganfall
Ein ischämischer Schlaganfall ist die häufigste Art des Schlaganfalls. Er tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel oder eine Verengung blockiert wird. Diese Blockade führt zu einer Unterbrechung der Blutversorgung und verhindert, dass Sauerstoff und Nährstoffe zu den Gehirnzellen gelangen.
Hämorrhagischer Schlaganfall
Ein hämorrhagischer Schlaganfall tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut in das umliegende Gehirngewebe austritt. Diese Blutung kann zu einer Schädigung der Gehirnzellen und einer Erhöhung des Hirndrucks führen. Man unterscheidet zwei Haupttypen von hämorrhagischen Schlaganfällen:
- Intrazerebrale Blutung: Dabei handelt es sich um eine Blutung innerhalb des Gehirngewebes. Dies ist die häufigste Form. Sie tritt oft aufgrund von Bluthochdruck oder Gefäßanomalien wie Aneurysmen oder Arteriovenösen Malformationen (AVMs) auf.
- Subarachnoidalblutung: Hierbei handelt es sich um eine Blutung in den Raum zwischen Gehirn und der dünnen Gewebeschicht, die es bedeckt (Subarachnoidalraum).
Ursachen und Risikofaktoren
Pflegebedürftigkeit kann die verschiedensten Ursachen haben: Ein plötzlicher Unfall, eine angeborene geistige oder körperliche Behinderung oder eine Krankheit können dazu führen, dass ein Mensch Hilfe und Unterstützung im Alltag benötigt. Je älter man wird, desto größer wird das Risiko, in eine Pflege-Situation zu kommen.
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Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen:
- Bluthochdruck (Hypertonie): Der größte Risikofaktor für Schlaganfälle.
- Vorhofflimmern: Eine Herzrhythmusstörung, die das Risiko für Blutgerinnselbildung erhöht.
Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen:
- Alter: Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter.
- Geschlecht: Männer haben ein höheres Risiko für Schlaganfälle als Frauen, aber Frauen haben ein höheres Risiko, an den Folgen eines Schlaganfalls zu sterben.
- Familiengeschichte: Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn nahe Verwandte einen Schlaganfall hatten.
- Ethnische Zugehörigkeit: Manche ethnische Gruppen, wie z.B. Afroamerikaner, haben ein höheres Schlaganfallrisiko.
Symptome und Erkennung
Je früher man einen Schlaganfall erkennt, desto größer sind die Chancen, diesen zu überleben und so wenig Schäden wie möglich davonzutragen. Eine einfache Methode zur Erkennung eines Schlaganfalls ist der FAST-Test:
- F - Face (Gesicht): Schauen Sie, ob das Gesicht der Person hängt und bitten Sie sie zu lächeln.
- A - Arm (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme nach vorne zu strecken und zu halten. Achten Sie darauf, ob ein Arm absinkt.
- S - Speech (Sprache): Hören Sie auf die Aussprache der betroffenen Person. Ist die Sprache verwaschen oder undeutlich?
- T - Time (Zeit): Wenn einer oder alle der vorgenannten Punkte zutreffen, dann wählen sie umgehend den Notruf. Informieren Sie über Ihren Verdacht auf einen Schlaganfall, damit klar ist, wie dringlich die Situation ist.
Weitere Symptome können sein:
- Plötzliche Taubheit oder Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein, meist auf einer Körperseite
- Plötzliche Sehprobleme auf einem oder beiden Augen
- Plötzliche Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache
- Plötzlicher starker Kopfschmerz unbekannter Ursache
- Plötzlicher Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Koordinationsprobleme
Rehabilitation und Therapie
In Deutschland erfolgt die Rehabilitation und Therapie nach einem Schlaganfall in mehreren Phasen, um die bestmögliche Genesung der Patienten zu gewährleisten.
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- Akutphase: Unmittelbar nach dem Schlaganfall erfolgt die Behandlung in einer spezialisierten Schlaganfallstation (Stroke Unit).
- Frührehabilitation: Beginnt in der Akutklinik oder in einer neurologischen Rehabilitationsklinik.
- Anschlussheilbehandlung (AHB): Eine weiterführende Rehabilitation, die in spezialisierten Rehabilitationskliniken durchgeführt wird.
Die deutsche Gesundheitsversorgung bietet umfassende Möglichkeiten zur Rehabilitation, die durch gesetzliche und private Krankenkassen abgedeckt sind.
Ziele der Rehabilitation
Ziel aller Maßnahmen sollte dabei sein, die Lebensqualität betroffener Menschen zu verbessern und deren bestmögliche Genesung zu fördern. Aufgrund der Plastizität des Gehirns können die betroffenen Gehirnfunktionen teilweise von anderen Bereichen übernommen werden. Das Gehirn erholt sich aber hauptsächlich durch Training und Reize.
Bereiche der Rehabilitation
Die Rehabilitation umfasst verschiedene Bereiche, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden:
- Physiotherapie: zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination
- Ergotherapie: zur Verbesserung der Alltagskompetenzen und Selbstständigkeit
- Logopädie: zur Verbesserung der Sprach- und Kommunikationsfähigkeit sowie zur Behandlung von Schluckstörungen
- Neuropsychologie: zur Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
- Sozialberatung: zur Unterstützung bei sozialen und finanziellen Fragen
Leben mit den Folgen eines Schlaganfalls
Ein Schlaganfall kann eine Vielzahl an Folgeerkrankungen auslösen oder bedingen. Dazu gehören beispielsweise Spastizität, Inkontinenz und ein statistisch erhöhtes Risiko an Demenz zu erkranken. Häufige Folgen sind:
- Lähmungen oder Schwäche: Meist auf einer Körperseite, was Fähigkeiten wie Gehen, Greifen oder Festhalten beeinträchtigen kann.
- Sprachstörungen (Aphasie): Schwierigkeiten, Wörter zu finden, flüssig zu sprechen oder Gesprochenes zu verstehen.
- Schluckstörungen (Dysphagie): Kontrollverlust über die Muskulatur, die am Schlucken beteiligt ist, was zu einem erhöhten Risiko von Lungenentzündungen führen kann.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Verschlechterung der Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeitsspanne und räumlichen Orientierung.
- Emotionale Veränderungen: Reaktionen auf bestimmte Situationen können sich verändern, Depressionen oder Angstzustände können auftreten.
- Sehstörungen: Schwierigkeiten, Distanzen oder Größenverhältnisse richtig einzuschätzen.
- Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue): Aufgaben, die vorher leichtfielen, erfordern nun viel Kraft und Konzentration.
Pflege und Unterstützung
In den ersten drei Monaten sind 35,6 Prozent aller Betroffenen in Deutschland auf eine pflegerische Versorgung angewiesen. In dieser Situation ist eine adäquate Pflege und Betreuung von großer Bedeutung, um den Schlaganfall-Patienten bei der Bewältigung des Alltags und der Rehabilitation zu helfen.
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- Häusliche Pflege: Übernahme der Pflege durch Angehörige oder professionelle Pflegekräfte.
- Tagespflegeeinrichtungen: Betreuung tagsüber, während die Angehörigen ihren Verpflichtungen nachgehen können.
- Pflegeheim: Geeignete Option in schwereren Fällen, in denen die häusliche Pflege nicht ausreicht.
- Schlaganfall-Wohngemeinschaften (WGs): Eine innovative und einzigartige Wohnform, die es den Bewohnern ermöglicht, ihren Alltag in einer unterstützenden Umgebung zu meistern.
Wichtig ist hierbei die Feststellung des Pflegegrades. Diese erfolgt durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MD) oder durch die MEDICPROOF GmbH, je nachdem ob der Patient gesetzlich oder privat versichert ist. Seit 2017 unterscheidet man in Deutschland zwischen fünf Pflegegraden. Diese bestimmen in der Regel, in welchem Umfang Leistungen aus der Pflegekasse bezogen werden können.
Erste Dates nach Schlaganfall: Herausforderungen und Chancen
Nach einem Schlaganfall kann das Leben in vielerlei Hinsicht anders sein. Die körperlichen und geistigen Veränderungen können sich auch auf das Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen, auswirken. Dennoch ist es möglich, nach einem Schlaganfall wieder eine erfüllende Partnerschaft zu finden.
Herausforderungen
- Körperliche Einschränkungen: Lähmungen, Sprachstörungen oder Fatigue können die Teilnahme an Dates erschweren.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten können die Kommunikation und Interaktion beeinträchtigen.
- Emotionale Veränderungen: Depressionen, Angstzustände oder Stimmungsschwankungen können die Beziehungsfähigkeit beeinflussen.
- Selbstwertgefühl: Das veränderte Körperbild und die Angst vor Ablehnung können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen.
- Offenheit und Ehrlichkeit: Es erfordert Mut, über die eigenen Einschränkungen und Bedürfnisse zu sprechen.
Chancen
- Neue Perspektiven: Ein Schlaganfall kann dazu führen, dass man diePrioritäten im Leben neu ordnet und sich auf das Wesentliche konzentriert.
- Stärkere Persönlichkeit: Die Bewältigung eines Schlaganfalls kann die Persönlichkeit stärken und zu mehr Resilienz führen.
- Ehrlichkeit und Authentizität: Die Offenheit über die eigenen Erfahrungen kann zu tieferen und ehrlicheren Beziehungen führen.
- Wertschätzung für kleine Dinge: Die Wertschätzung für die einfachen Dinge im Leben kann die Beziehungsfähigkeit verbessern.
- Unterstützung und Verständnis: Es gibt viele Menschen, die bereit sind, einen Partner mit Schlaganfall zu unterstützen und zu verstehen.
Tipps für erste Dates nach Schlaganfall
- Seien Sie offen und ehrlich: Sprechen Sie über Ihre Erfahrungen und Einschränkungen, aber konzentrieren Sie sich auch auf Ihre Stärken und Interessen.
- Wählen Sie einen geeigneten Ort: Wählen Sie einen Ort, der für Sie zugänglich und komfortabel ist. Vermeiden Sie laute oder überfüllte Orte, die Sie überfordern könnten.
- Nehmen Sie sich Zeit: Planen Sie nicht zu viel für das erste Date ein. Es ist besser, sich in Ruhe kennenzulernen und sich nicht zu überanstrengen.
- Seien Sie geduldig: Es kann Zeit dauern, bis Sie sich wohlfühlen und eine Verbindung zu Ihrem Date aufbauen. Seien Sie geduldig mit sich selbst und Ihrem Gegenüber.
- Haben Sie Spaß: Genießen Sie das Date und konzentrieren Sie sich auf die positiven Aspekte. Lachen Sie, teilen Sie Ihre Interessen und seien Sie einfach Sie selbst.
Erfolgsgeschichten
Auch nach einem Schlaganfall ist es möglich, eine erfüllende Partnerschaft zu finden. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Stephanie (35) und Thorsten (46), die sich im „First Dates Hotel“ auf Mallorca kennen und lieben gelernt haben. Nur drei Wochen nach den Dreharbeiten erlitt Thorsten einen Schlaganfall und musste notoperiert werden. Stephanie blieb an seiner Seite und unterstützte ihn während seiner Genesung. Ihre Geschichte zeigt, dass Liebe und Partnerschaft auch nach einem Schicksalsschlag möglich sind.
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