Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Bei Frauen kann Migräne in bestimmten Phasen des Menstruationszyklus auftreten, was als menstruelle Migräne bezeichnet wird. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der menstruellen Migräne, ihre Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist menstruelle Migräne?
Von einer menstruellen Migräne spricht man, wenn Migräneattacken vorwiegend in einem bestimmten Zeitfenster auftreten: zwei Tage vor bis drei Tage nach Beginn der Periode - und das in mindestens zwei von drei Zyklen. Laut Prof. Patricia G. Oppelt, Leitende Oberärztin an der Frauenklinik der Universität Erlangen, ist vielen Frauen zunächst nicht bewusst, dass ihre Beschwerden mit dem Zyklus zusammenhängen. Oft wird dies erst durch gezieltes Nachfragen oder das Führen eines Zykluskalenders deutlich.
Formen der hormonellen Migräne
Fachleute unterscheiden zwei Formen der hormonellen Migräne:
- Rein menstruelle Migräne: Attacken treten ausschließlich während der Periode auf.
- Menstruationsassoziierte Migräne: Attacken treten im gleichen Zeitfenster wie bei der rein menstruellen Migräne auf, jedoch zusätzlich auch zu anderen Zeiten des Zyklus. Diese Form ist häufiger.
Unterschiede zu normaler Migräne
Eine hormonell bedingte Migräne dauert oft länger und schmerzt stärker als andere Migräneformen. Auch die Begleitsymptome sind ausgeprägter: Betroffene reagieren empfindlicher auf Licht und Geräusche und leiden häufiger unter Übelkeit oder Erbrechen. Dr. Bianca Raffaelli, Leiterin des Kopfschmerzzentrums an der Charité Universitätsmedizin Berlin, betont, dass Migräne bei den 15- bis 49-Jährigen die Erkrankung ist, die weltweit zur größten Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Viele Frauen stellen sich die Frage, ob sie studieren, einen neuen Job annehmen oder Kinder bekommen sollen, aus Angst, dass die Migräne durch diese zusätzliche Belastung noch stärker wird.
Ursachen der menstruellen Migräne
In der Woche vor der Menstruation sinkt bei Frauen der Östrogenspiegel. Dr. Raffaelli erklärt, dass es aus Tiermodellen Hinweise darauf gibt, dass Schwankungen von weiblichen Hormonen - insbesondere von Östrogen - zu einer verstärkten Freisetzung des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn führen.
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Die Rolle von CGRP
Das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) spielt eine zentrale Rolle bei Migräne. Es erweitert die Blutgefäße im Gehirn und löst eine Entzündungsreaktion aus - die Ursache für die typischen pulsierenden Kopfschmerzen. Eine Studie aus dem Jahr 2023 konnte nachweisen, dass auch Patientinnen mit Migräne während der Menstruation höhere CGRP-Werte haben als gesunde Frauen ohne Migräne. Obwohl die Forschenden einen Zusammenhang zwischen den erhöhten Werten und der menstruellen Migräne sehen, sind die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden.
Migräne in den Wechseljahren
Auch während der Wechseljahre kann durch Schwankungen des Hormonspiegels die Entstehung einer hormonell bedingten Migräne begünstigt werden. Meist betrifft dies jedoch Frauen, die bereits vorher mit Migräneattacken zu tun hatten. Dr. Raffaelli beruhigt, dass es nach der Menopause zu einer Stabilisierung der Hormonkonzentration kommt und die Migräne in der Regel besser wird. Es ist allerdings eher selten, dass eine Migräne in den Wechseljahren erstmalig auftritt.
Behandlungsmöglichkeiten
„Die Akuttherapie unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der Standardtherapie der Migräneattacke“, sagt Dr. Raffaelli. Bei leichten bis mittelschweren Attacken empfiehlt die Expertin normale Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS). Bei schwereren Attacken sollten sich die Betroffenen Triptane, also migränespezifische Mittel, verschreiben lassen.
Spezielle Optionen bei menstrueller Migräne
Bei der menstruellen Migräne stehen therapeutisch aber auch ein paar Extraoptionen zur Verfügung:
- Vorbeugende Medikamenteneinnahme: Während der prämenstruellen Phase kann vorbeugend ein Medikament über etwa sieben Tage eingenommen werden, beispielsweise ein lang wirksames Triptan oder ein lang wirksames Schmerzmittel wie Naproxen.
- Hormonelle Behandlung: Eine weitere Möglichkeit ist eine hormonelle Behandlung beim Frauenarzt oder bei der Frauenärztin.
Vorbeugung mit der Pille
Als Migräne-Vorbeugung kann bei menstrueller Migräne auch die Einnahme eines oralen Kontrazeptivums, also einer Pille, in Betracht gezogen werden. Prof. Oppelt erklärt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Zyklus- bzw. Hormonschwankungen, die eine Migräne auslösen können, zu verhindern. Dies funktioniert zum Beispiel mit einer Gestagenmonotherapie, also einer östrogenfreien Pille. Auch ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Progesteron kann helfen - allerdings nur, wenn es ohne Pillenpause eingenommen wird.
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Vorsicht bei Migräne mit Aura
Bei Patientinnen mit Migräne mit Aura ist allerdings Vorsicht geboten. Neurologin Raffaelli mahnt, dass diese Patientinnen ohnehin ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall haben und östrogenhaltige Präparate dieses Risiko noch steigern würden. Warum bei Patientinnen mit Aura das Schlaganfallrisiko höher ist, ist noch nicht genau bekannt. Es wird eine Störung des Endothels, also der Innenschicht der Gefäße im Gehirn, vermutet. Früher empfahlen Fachleute, Östrogen über die Haut zuzuführen.
Welcher Arzt ist der richtige?
Ärztinnen und Ärzte beider Fachrichtungen, sowohl Gynäkologen als auch Neurologen, können betroffenen Frauen helfen. Wenn es darum geht, eine hormonelle Therapie durchzuführen, ist der Gynäkologe oder die Gynäkologin der richtige Ansprechpartner. Prof. Oppelt betont, dass man im Gespräch über Verhütungsmethoden auch gezielt nach zyklusabhängigen Beschwerden fragen sollte. Wer aber beispielsweise nicht dauerhaft Hormone einnehmen möchte, könnte es zunächst auch mit einer Akuttherapie probieren und schauen, was die Triptane bewirken, so Neurologin Raffaelli. Letztlich sollte jede Betroffene selbst entscheiden und ausprobieren, mit welcher Behandlung sie sich wohler fühlt.
Zusätzliche Informationen und Anlaufstellen
Für Patientinnen, die unter Migräne leiden, gibt es verschiedene Anlaufstellen und Informationsquellen. Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzformen an.
Aufnahmeformalitäten in der Schmerzklinik Kiel
Für eine stationäre Aufnahme in der Schmerzklinik Kiel sind folgende Schritte erforderlich:
- Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die angegebene Anschrift gesendet.
Je nach Krankenkasse gibt es unterschiedliche Regelungen für die Kostenübernahme. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt.
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Weitere Ressourcen
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.: Bietet Informationen und Unterstützung für Migränepatienten.
- Arztsuchehessen.de: Verzeichnis aller frauenärztlichen Praxen in der Region Hessen.
- DGS-PraxisLeitlinie „Migräne: Kernwissen zur Diagnostik und Behandlung von Migräne für Gynäkologinnen und Gynäkologen“: Eine Publikation, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) erarbeitet wurde, um Gynäkologen das aktuelle Kernwissen zur Diagnostik und Behandlung von Migräne zu vermitteln.
Umgang mit Migräne während der Schwangerschaft
Die Migräne ist von besonderer Bedeutung für eine mögliche oder bestehende Schwangerschaft. Es stellt sich die Frage, wie eine Migräne während der Schwangerschaft zu behandeln ist, insbesondere welche Medikamente indiziert oder kontraindiziert sind. Betroffene Patientinnen sorgen sich auch, ob die Schwangerschaft durch die Migräneerkrankung bedroht wird.
Studien und Forschungsergebnisse
Forscher der Charité in Berlin haben herausgefunden, welche Mechanismen bei hormonell bedingten Kopfschmerzen ablaufen. In einer Untersuchung mit 180 Frauen zeigte sich, dass Migräne-Patientinnen größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn ausschütten, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt, als migränefreie Probandinnen.
Alternative Behandlungsmethoden
Neben den genannten medikamentösen Behandlungen gibt es auch alternative Ansätze, die bei Migräne helfen können:
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren kann.
- Entspannungstechniken: Stress kann ein Auslöser für Migräne sein. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
- Biofeedback: Diese Methode hilft, Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung bewusst zu beeinflussen. Biofeedback kann bei der Reduzierung von Migräneattacken wirksam sein.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit können dazu beitragen, Migräneattacken vorzubeugen. Einige Menschen berichten, dass bestimmte Lebensmittel wie Käse, Schokolade oder Rotwein Migräne auslösen können. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, individuelle Auslöser zu identifizieren.
Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen
Gegen Übelkeit und Erbrechen empfiehlt die Leitlinie Medikamente, die als Wirkstoff Metoclopramid oder Domperidon enthalten. Diese sogenannten Antiemetika bessern nicht nur die Begleitsymptome von hormonellen Kopfschmerzen, sondern regen auch die Peristaltik des Magen-Darm-Traktes an.
Vorbeugende Behandlung
Eine wichtige Säule in der Behandlung von hormonellen Kopfschmerzen ist die vorbeugende Behandlung. Hierbei werden Medikamente eingesetzt, die die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken reduzieren sollen.
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