Freizeitgestaltung bei Multipler Sklerose: Tipps für mehr Lebensqualität

Multiple Sklerose (MS) stellt Betroffene vor besondere Herausforderungen im Alltag. Einschränkungen der Mobilität, ständige Erschöpfung (Fatigue) und Schlafstörungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet Informationen und Tipps, wie du deinen Alltag leichter meistern und deine Lebensqualität trotz MS steigern kannst. Dabei werden verschiedene Aspekte wie Ernährung, Sport, Stressmanagement und der Umgang mit Fatigue berücksichtigt.

Stressmanagement: Den Alltag positiv beeinflussen

Stress ist ein häufiger Begleiter von MS-Betroffenen. Der unvorhersehbare Verlauf der Erkrankung kann Unsicherheit in Privatleben und Beruf verursachen. Beschwerden wie Schmerzen, Gehstörungen oder Sexualstörungen können die Lebensqualität zusätzlich verringern. Auch wenn es keine Belege dafür gibt, dass Stress die Ursache von MS ist, kann er den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen.

Die Bedeutung von Optimismus und Selbstwirksamkeit

Ob Stress schadet oder nicht, hängt von deinem Gesundheitszustand, deiner Lebenssituation und deiner persönlichen Einstellung ab. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Optimismus in Bezug auf persönliche Lebensperspektiven können eine positive Wirkung haben. Wenn du dir zutraust, schwierige Situationen zu meistern, nimmst du diese eher als Herausforderung wahr. Optimismus lässt sich trainieren, zum Beispiel, indem du dir deine Zukunft besonders rosig ausmalst oder dich bewusst an kleinen Dingen erfreust.

Tipps für mehr Entspannung und Zufriedenheit

Da Stress oft "hausgemacht" ist, kannst du aktiv dazu beitragen, Stress vorzubeugen und den Verlauf deiner MS positiv zu beeinflussen. Hier sind einige Tipps für mehr Zufriedenheit und Entspannung im Alltag:

  1. Umfassend informieren: Eigne dir Wissen über MS an. Gut informierte Betroffene haben weniger Schübe. Das Gefühl, einen persönlichen Handlungsspielraum zu haben, kann einen "Anti-Stress-Effekt" haben. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft bietet umfassende Informationen. Broschüren zu verschiedenen Themen findest du unter www.aktiv-mit-ms.de/service zum Herunterladen.
  2. Tages- und Wochenplan erstellen: Schreibe detailliert Termine und Aufgaben für den jeweiligen Tag und die ganze Woche auf. Plane deine Zeit realistisch ein und rechne Puffer und Pausen mit ein.
  3. Austausch mit anderen Betroffenen: Es kann helfen, zu erfahren, wie andere Betroffene ihre Erkrankung erleben und damit umgehen. In Foren kannst du dich austauschen und Rat einholen.
  4. Stressmanagement: Stressmanagement umfasst verschiedene Methoden, um belastenden Stress zu verringern, und hat nachweislich einen positiven Einfluss auf die Krankheitsaktivität. Zum Stressmanagement gehört auch ein gutes Zeitmanagement. Lerne, Prioritäten zu setzen, Pausen einzuplanen, Aufgaben zu delegieren und auch mal Nein zu sagen.
  5. Hilfe in Anspruch nehmen: Scheue dich nicht, deinen Partner, deine Familie und Freunde um Unterstützung zu bitten. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dich dabei unterstützen, belastende Denk- und Verhaltensmuster aufzudecken und persönliche Strategien zur Stressbewältigung zu finden. Hab Geduld mit dir selbst! Werte, Denk- und Verhaltensweisen ändern sich nicht über Nacht.
  6. Informationsflut stoppen: Nimm dir ab und zu eine Auszeit von Telefon, Radio, Fernsehen und Internet.
  7. Zeit für schöne Dinge nehmen: Räume dir regelmäßig Zeit für Erholung und Dinge ein, auf die du dich freust - vom Spaziergang über den Spieleabend mit Freunden bis zum Konzertbesuch.
  8. Tagebuch führen: Nimm dir regelmäßig Zeit, um deine Gedanken aufzuschreiben. Das Schreiben eines Tagebuchs eignet sich zur Selbstreflektion und kann helfen, Ängste und belastende Erlebnisse zu bewältigen.
  9. Stress-Anzeichen beachten: Achte auf dein Wohlbefinden - und steuere schon bei den ersten Stress-Anzeichen aktiv dagegen.

Umgang mit Fatigue: Den Tageslauf anpassen

Bleierne Müdigkeit und Erschöpfung schon nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung - das Fatigue-Syndrom - ist eine häufige Begleiterscheinung von MS. Bisher gibt es kein wirksames Medikament dagegen. Betroffene können sich den Umgang mit der Fatigue jedoch erleichtern, indem sie den Tageslauf ihren persönlichen Bedürfnissen anpassen.

Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt

Tipps zur Bewältigung von Fatigue

  1. Professionellen Rat einholen: Lasse dich von deiner Ärztin oder deinem Arzt, Physiotherapeuten und MS-Fachberater/-in beraten.
  2. Tagesablauf planen: Die täglichen Aufgaben erfordern Kraft und Konzentration. Koordiniere deine Aufgaben und beginne am besten mit der schwersten oder unangenehmsten Aufgabe. Lege regelmäßig Pausen ein.
  3. Regelmäßig bewegen: Sport und Bewegung verbessern dein Wohlbefinden, deine Stimmung und Leistungsfähigkeit.
  4. Hitze vermeiden: Fatigue kann durch Hitze und höhere Körpertemperaturen verstärkt werden (Uhthoff-Phänomen). Halte dich bei hohen Sommertemperaturen in kühlen Räumen auf. Eine kühle Dusche und Kühlaggregate können die Körpertemperatur senken. Vermeide auch Hochleistungs-Sport, da sich der Körper dabei zu sehr erhitzt.
  5. Ruhepausen einplanen: Integriere gezielt Pausen in den Alltag, in denen du dich erholen und entspannen kannst. Versuche dabei, ein für dich ausgewogenes Maß an Arbeit und Pausen zu finden, um leistungsfähig zu sein. Nimm dir dafür Zeit - es kann ein mühsamer Prozess sein, die Grenzen der Belastbarkeit herauszufinden. Versuche dich auszuruhen, bevor die Müdigkeit am schlimmsten ist.
  6. Soziales Umfeld einweihen: Rede mit Familie und Freunden, aber auch mit deinem beruflichen Umfeld offen über deine Erschöpfbarkeit. So kannst du Missverständnissen vorbeugen und es deinem sozialen Umfeld ermöglichen, sich auf die Fatigue einzustellen.
  7. Wohn- und Arbeitsumfeld anpassen: Richte deine Wohnung nach deinen Bedürfnissen ein. Häufig verwendete Dinge sollten stets in deiner Nähe und gut erreichbar sein. Ein Headset erleichtert das Telefonieren. In der Küche ist eine Sitzgelegenheit von Vorteil, damit du beim Vorbereiten des Essens nicht stehen musst.
  8. Ausgewogen ernähren: Achte auf eine gesunde Ernährung. Verzichte möglichst auf Alkohol und schwere Mahlzeiten.

Sport und Bewegung: Muskelkraft, Gleichgewicht und Lebensqualität steigern

Sport und Bewegung sind für Menschen mit MS von großem Nutzen. Sie können die Muskelkraft verbessern, das Gleichgewicht fördern und MS-Symptome wie Fatigue und Spastik lindern. Durch die Steigerung der Fitness können MS-Erkrankte oft ihre Mobilität und ihren Alltag besser bewältigen.

Individuelles Training und wichtige Hinweise

Ein gezieltes Training, das Ausdauer, Kraft, Koordination und Gleichgewicht schult, ist ideal für MS-Erkrankte. Zu Beginn ist die Zusammenarbeit mit einem Trainer oder Physiotherapeuten, der sich mit Sport bei MS auskennt, empfehlenswert. Er kann dir zeigen, wie du eine Fehl- und Überbelastung vermeiden und mit Beschwerden wie Gleichgewichtsstörungen, Fatigue, Muskelschwäche und Spastik umgehen kannst.

Hier sind einige Tipps für dein Training:

  • Verzichte während eines Schubes weitgehend auf körperliche Aktivitäten. Ratsam ist, nur die Übungen zu machen, die dein Physiotherapeut dir zeigt.
  • Vermeide Überanstrengung! Fang am besten mit kleinen Trainingseinheiten an und steigere langsam dein Pensum. Baue auch kleine Pausen ein.
  • Achte darauf, dass du dich während des Trainings wohlfühlst, und nimm auch Rücksicht auf deine Symptome.
  • Verzichte bei Hitze auf Sport oder trainiere in einem kühlen Raum! Denn bei vielen MS-Betroffenen verstärken sich Symptome wie Fatigue, Seh- und Gleichgewichtsstörungen, wenn sich ihre Körpertemperatur erhöht.
  • Dusche nach dem Training eher mit kühlem Wasser.
  • Bevorzuge beim Schwimmen Wassertemperaturen zwischen 22 und 26 Grad. Wärmere Temperaturen verstärken bei vielen MS-Betroffenen die Beschwerden.
  • Bei Menschen mit MS kommt es oft zu täglichen Schwankungen bei der körperlichen Leistungsfähigkeit. Ein Sport-Tagebuch kann dir helfen, die Ursache dafür herauszufinden.
  • Entspanne dich nach dem Training.

Geeignete Sportarten für MS-Erkrankte

Wähle eine Sportart aus, die dir Spaß macht - denn nur wenn du am Ball bleibst, wird sich der Sport langfristig positiv auf deine Gesundheit auswirken. Lasse dich auch nicht gleich von deinem Lieblingssport abbringen, wenn du körperlich eingeschränkt bist: Manchmal reicht es aus, in Krankheitsphasen auf eine Alternative zum gewohnten Training umzusteigen. Lasse dich am besten von deiner Ärztin oder deinem Arzt bzw. Ideal für MS-Erkrankte ist ein moderates Ausdauertraining. Besonders geeignet sind zum Beispiel Nordic Walking, Radfahren und Schwimmen. Meide jedoch Sportarten, die du nicht spontan abbrechen kannst, wie zum Beispiel Klettern im Hochgebirge.

Weitere empfehlenswerte Sportarten sind:

Lesen Sie auch: Wie man MS vorbeugen kann

  • Wassergymnastik: Stabilisiert die Mobilität und unterstützt das Herz-Kreislauf-System. Besonders gut geeignet bei spastischen MS-Symptomen, weil der Körper aktiv und passiv bewegt wird.
  • Outdoor-Sportarten wie Nordic Walking: Verbessern Bewegungsabläufe, Koordination sowie Lungenfunktion und können Fatigue-Beschwerden lindern.
  • Tai Chi und Qi Gong: Rhythmische und langsame Bewegungen helfen besonders bei Ataxie, also bei Störungen in der Bewegungskoordination.
  • Kanufahren oder Stand-up-Paddling: Trainieren den ganzen Körper, fördern den Gleichgewichtssinn sowie Bewegungsabläufe. Je nach Schwere der Erkrankung kann Stand-up-Paddling aber auch zum Sit-up-Paddling werden.

Kognitives Training: Gedächtnis und Konzentration verbessern

Bei MS treten häufig auch kognitive Einschränkungen auf. Kognitives Training hilft dir, deine Konzentration zu steigern und dein Gedächtnis zu verbessern. So gewinnst du Selbstbewusstsein und bist besser für die Herausforderungen im Beruf und privatem Alltag gewappnet.

Übungen für den Alltag

  • Mit einfachen Memo-Spielen bringst du deine grauen Zellen auf Trab. Spieleklassiker wie z. B. „Ich packe meinen Koffer und nehme … mit“ eignen sich ebenso wie Denk- und Rätselspiele.
  • Mit dem Aktiv mit MS-Gedächtnistraining kannst du z. B. kostenlos deine kognitiven Fähigkeiten trainieren. Im Fokus der Übungen stehen vier Bereiche, die bei MS-Erkrankten am häufigsten betroffen sind: Merkfähigkeit / Gedächtnis, Aufmerksamkeit / Konzentration, Schlussfolgerndes Denken und Visuell-räumliches Denken.
  • Mithilfe der Aktiv mit MS-App kannst du die Übungen auch unterwegs abrufen.
  • Nutze deine Tätigkeiten im Alltag, um eigene Übungen zu entwickeln. Rechne z. B. beim Einkaufen von Lebensmitteln die Preise deiner Waren im Kopf zusammen.
  • Achte auf kurze und vor allem regelmäßige Trainingseinheiten - sie können die Gedächtnisleistung besonders effektiv verbessern.
  • Im Alltag helfen Routinen. B. einen Weg in Gedanken abgehst.
  • Schlafe ausreichend, denn Schlaf ist z. B. für die Bildung eines Langzeitgedächtnisses wichtig.
  • Bewege dich ausreichend! Es ist belegt, dass sich sportliche Aktivität positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt. So wird bei regelmäßiger Bewegung das Gehirn besser durchblutet.

Blasenstörungen: Beschwerden lindern und Lebensqualität steigern

Viele MS-Betroffene sind im Laufe ihres Lebens von einer Blasenstörung betroffen. Dagegen kannst du etwas unternehmen - z. B. Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die die Organe im Bauchraum stützt und den Bauchraum von unten abschließt. Eine gute Beckenboden-Muskulatur unterstützt die Funktion der Blase und ist außerdem wichtig, um Stuhl zu halten. Ein Training des Beckenbodens kann daher Blasenstörungen und Stuhl-Inkontinenz lindern und auch bei sexuellen Problemen helfen. Das Training steigert so die Lebensqualität - bei Frauen ebenso wie bei Männern. Mit diesen Übungen kannst du deine Beckenboden-Muskulatur gezielt trainieren.

Tipps für den Umgang mit Blasenstörungen

  • Trinke ausreichend! Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich. Bekommt dein Körper zu wenig Flüssigkeit, kann dies deine Leistungsfähigkeit einschränken und zu Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Harnwegsinfektionen und Nierenproblemen führen.
  • Verzichte auf Kaffee, schwarzen Tee oder Cola, da diese Getränke harntreibend sind.
  • Stelle deine Tagesmenge an Flüssigkeit am besten schon morgens gut sichtbar bereit, zum Beispiel an deinem Arbeitsplatz. So kannst du besser kalkulieren, wie es um dein Pensum steht.
  • Trinke bei Hitze mehr.
  • Gehe noch einmal auf die Toilette, bevor du das Haus verlässt. Bewegung treibt die Blase an - daher könntest du in unpassenden Momenten Harndrang verspüren.
  • Vermeide einen verstärkten Druck bei der Entleerung des Darms - dies kann die Beckenmoden-Muskulatur schwächen.
  • Liegt eine Blasenschwäche vor, sollten auch Hygienemaßnahmen und Körperpflege angepasst werden.
    • Gelangt Urin auf die Haut, sollte er möglichst schnell abgewaschen werden, um Hautreizungen vorzubeugen.
    • Bei minimaler Inkontinenz reicht die Verwendung einer normalen Slipeinlage. Es gibt aber auch spezielle Einlagen, die den Urin geruchsneutral auffangen.
    • Verwende zum Waschen möglichst pH-neutrale Produkte.
    • Trockne die Haut gut ab.

Hat deine Ärztin oder dein Arzt eine Blasenstörung diagnostiziert, frage ihn nach einem Rezept für Einlagen. Blasenstörungen lassen sich jedoch gut behandeln. Zögere daher nicht, deinen Neurologen auf mögliche Therapien anzusprechen.

Ernährung: Den Krankheitsverlauf beeinflussen

Es gibt bei MS keine Diät, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Ernährung über die Darmflora den Krankheitsverlauf der MS beeinflusst. Forscher fanden z. B. heraus, dass kurzkettige Fettsäuren bei MS Entzündungsreaktionen unterdrücken können und eine regulierende Wirkung auf das Immunsystem haben. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann z. B. Es gilt auch als gesichert, dass sich eine ausgewogene Ernährung positiv auf die Entzündungs- und Immunprozesse im Körper auswirken kann. Dazu gehören bestimmte Fette, Vitamine und Spurenelemente.

Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung

  • Omega 3-Fettsäuren hemmen entzündliche Prozesse im Körper. Diese sind z. B. in fettreichen Fischen wie Lachs, Hering und Makrele enthalten. Das gesunde Fett ist aber auch in Lein- oder Rapsöl, Avocados, Walnüssen, Mandeln oder Chia-Samen zu finden. Nimm zugleich möglichst wenige tierische Fette zu dir, da sie Entzündungen fördern.
  • Bei Menschen mit Multipler Sklerose kann durch andauernde Entzündungsprozesse der Bedarf an Antioxidantien erhöht sein. Diese helfen unserem Körper dabei, sich vor oxidativem Stress zu schützen - also vor Stress für unsere Körperzellen. Wichtige Antioxidantien sind: Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, β-Karotin und die Spurenelemente Kupfer, Selen und Zink. Diese Nährstoffe kannst du bei einer ausgewogenen Ernährung in der Regel mit der täglichen Nahrung zu dir nehmen. Antioxidantien kommen vor allem in Obst und Gemüse vor.
  • Wissenschaftler vermuten, dass ein Vitamin D-Mangel zur Entstehung der Multiplen Sklerose beiträgt. Sie haben festgestellt: Die Häufigkeit von MS nimmt mit wachsender Entfernung vom Äquator zu.

Fahrradfahren bei MS: Mobil bleiben und Lebensqualität steigern

Selbstständig, unabhängig und mobil sein - das ist gerade für MS-Erkrankte ein hohes Gut, das es trotz gesundheitlicher Einschränkungen zu erhalten gilt. In diesem Zusammenhang kann das Fahrrad der ideale Partner und manchmal auch die Rettung sein. Es ist nicht nur ein effektives Trainingsgerät, das Körper und Geist fit hält, es eröffnet auch neue Möglichkeiten, wenn eine eingeschränkte Gehfähigkeit das tägliche Leben beeinträchtigt.

Lesen Sie auch: MS und Rückenschmerzen: Ein Überblick

Die Vorteile des Radfahrens

Die Fortbewegung auf dem Fahrrad vereint das Schöne mit dem Nützlichen, bietet Erholung, Training, Mobilität und Gemeinschaft. MS-Erkrankte, die Schwierigkeiten mit dem Gehen haben, können mit dem Fahrrad wieder längere Strecken zurücklegen. Radfahren stärkt Ausdauer, Gleichgewicht und Kraft und wirkt der motorischen Fatigue entgegen. Es hat aber auch ganz allgemein einen positiven Effekt auf die Gesundheit: Es trainiert Herz und Kreislauf, aktiviert den Stoffwechsel und schont Muskeln und Gelenke, weil der Sattel bis zu 80 Prozent des Körpergewichts auffängt. Es arbeiten zudem jene Muskeln, die für das Gehen bedeutend sind und bei MS-Erkrankten häufig früh schon schwach sind: Fußheber, Hüftbeuger, untere Bauch- und Oberschenkelmuskulatur.

Tipps für sicheres Radfahren

Damit du mit Freude in die Pedale treten kannst, solltest du einige Dinge beachten:

  • Sofern du nicht einfach nur zum Einkaufen fährst, plane deine Route sorgfältig und versuche, möglichst ebene Wege zu wählen.
  • Fahre in einem Tempo, bei dem du dich wohlfühlst und das dir gut tut.
  • Falls du in einer Gruppe mit schnelleren Fahrern unterwegs bist, teile dich gegebenenfalls auf und vereinbare Treffpunkte im Verlauf der Strecke.
  • Trage beim Fahren möglichst einen Helm und festes Schuhwerk für einen guten Halt auf den Pedalen.
  • Achte darauf, dass dein Fahrrad in einem einwandfreien technischen Zustand ist, vor allem, dass Licht und Bremsen in Ordnung sind.

Spezialräder für MS-Betroffene

Wenn du gerne Fahrrad fährst, solltest du dich auch bei zunehmender Symptomatik und den damit verbundenen Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen. Nutze andere Möglichkeiten, wenn du dir das klassische Zweirad nicht mehr zutrauen, und trainiere spezifisch dein Gleichgewicht durch Physiotherapie. Wer zu Anfang unsicher ist, sollte mit seinem Physiotherapeuten den richtigen Umgang mit dem Fahrrad üben und verschiedene Radtypen ausprobieren. Da Spezialräder wie das Pedelec oder Dreirad in der Regel relativ teuer in der Anschaffung sind, solltest du auch die Möglichkeit prüfen, dein vorhandenes Fahrrad umrüsten und deinen Bedürfnissen anpassen zu lassen. Spezielle Lenkhilfen, Pedale, tiefe Einstiege sowie Fixierungen für die Füße können häufig schon den entscheidenden Unterschied machen.

Pedelec

Das Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist ein Fahrrad, bei dem du bei Bedarf einen Elektromotor zuschalten kannst. Das hat viele Vorteile:

  • MS-Erkrankte können hiermit dem Ausdauerproblem oder der motorischen Fatigue entgegenwirken und trotzdem wirksam trainieren.
  • Wer körperlich beeinträchtigt ist, kann durch die elektrische Unterstützung beim Treten länger Fahrrad fahren.
  • Lange oder hügelige Strecken lassen sich bewältigen, ohne zu schwitzen und ohne zwischendurch schieben zu müssen.
  • Wenn dein Partner schneller fährt als du, kannst du mit dem Pedelec wieder mithalten und gemeinsam Spaß am Fahrradfahren haben.

Dreirad/Trike

Weniger bekannt, aber ideal bei Gleichgewichtsproblemen ist das Dreirad für Erwachsene (Trike). Traditionell hat es eine Doppelbereifung hinten und ein Rad vorne oder umgekehrt. Der Fahrer sitzt relativ hoch über dem Tretlager und hat eine nach unten gerichtete Tretrichtung. Weil das Rad fest steht, ist das Aufsteigen deutlich leichter als beim Zweirad. MS-Erkrankte können sich - selbst wenn das Gehen und das normale Fahrradfahren Schwierigkeiten bereiten - mit dem Dreirad noch ein hohes Maß an Mobilität erhalten und gegebenenfalls die Nutzung eines Rollstuhls hinauszögern.

Handbike

Das Handbike ist ein Fahrzeug, vergleichbar mit dem Fahrrad oder Liegerad, das allein durch die Arme angetrieben wird. Es eignet sich für MS-Erkrankte, bei denen der Antrieb über die Beine nicht oder nur schwer möglich ist.

Hobbys und Freizeitaktivitäten: Freude und Entspannung trotz MS

Trotz der Erkrankung Multiple Sklerose (MS) kannst du weiterhin Hobbys mit MS ausüben und genießen. Natürlich hängt es von deinen individuellen Einschränkungen ab, in welchem Umfang du dein Hobby weiterführen kannst. Doch grundsätzlich gilt: Alles, was dir Freude bereitet, ist es wert, ausprobiert zu werden. Darüber hinaus gibt es viele neue Hobbys, die du entdecken kannst, vielleicht sogar welche, die du zuvor nie in Betracht gezogen hast.

Beispiele für Hobbys und Freizeitaktivitäten

  • Häkeln: Es ist mehr als nur ein Zeitvertreib - es hilft, sich zu entspannen, kreativ zu sein und gleichzeitig etwas Sinnvolles zu tun. Zudem hat es einen positiven Nebeneffekt: Es unterstützt die Ergotherapie, ohne dass man sich dazu zwingen muss.
  • Feuerwehr: Auch wenn es Tage oder Wochen gibt, an denen man am Einsatz- oder Übungsdienst nicht teilnehmen kann, kann man trotzdem in Kontakt mit den Kamerad*innen bleiben. Manchmal reicht es schon, einfach als Zuschauerin zur Übungsstunde zu kommen.
  • Bewegung im Alltag: Treppensteigen statt Aufzugfahren, mit dem Rad zur Arbeit oder Fensterputzen - jede Aktivität hat einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit. Wer Bewegung in seinen Alltag einbaut, kann auf lange Sicht viel erreichen.

Unterstützung durch Familie und Freunde

Die Unterstützung der Familie und Freunde von Menschen mit MS ist von unschätzbarem Wert. Geduld kann die Lebensqualität der betroffenen Person erheblich verbessert werden. MS bewältigen und die Liebe und Freundschaft wird gestärkt.

Tipps für Angehörige und Freunde

  • Informiere dich über die Krankheit, um deinen Freund oder dein Familienmitglied sicher und verstanden zu fühlen.
  • Sei geduldig und verständnisvoll, da MS-Symptome variieren und unvorhersehbar sein können.
  • Biete praktische Hilfe im Alltag an, z. B. bei Arztterminen oder Einkäufen.
  • Ermutige deinen Freund oder dein Familienmitglied, aktiv zu bleiben und Hobbys auszuüben.
  • Sei ein guter Zuhörer und unterstütze ihn oder sie emotional.

tags: #freizeitgestaltung #bei #multiple #sklerose