Führt Parkinson immer zum Pflegefall? Ein umfassender Überblick

Die Parkinson-Krankheit, oft auch als Schüttellähmung bekannt, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Der Verlauf und die Auswirkungen von Parkinson sind jedoch sehr individuell. Dieser Artikel beleuchtet, ob Parkinson zwangsläufig zu Pflegebedürftigkeit führt, welche Faktoren den Krankheitsverlauf beeinflussen und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.

Was ist Parkinson?

Das Parkinson-Syndrom, medizinisch auch Morbus Parkinson oder Parkinson-Krankheit genannt, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Zentralnervensystems. Charakteristisch für diese fortschreitende, neurodegenerative Erkrankung ist das Absterben von Nervenzellen, die den Nervenbotenstoff Dopamin produzieren. Dies betrifft vor allem die Substantia nigra im Mittelhirn, die für die koordinierte Ausführung von Bewegungen wichtig ist. Der daraus resultierende Dopaminmangel führt zu den typischen Bewegungsstörungen.

Ursachen und Formen

Das bekannteste Parkinson-Syndrom ist das idiopathische Parkinson-Syndrom oder der Morbus Parkinson. Es macht etwa drei Viertel aller Parkinson-Syndrome aus. Zusätzlich gibt es atypische und sekundäre Parkinson-Syndrome. Die Ursachen für das Absterben der Nervenzellen, insbesondere des idiopathischen Parkinson-Syndroms, sind weitgehend unbekannt.

Symptome und Verlauf

Der Verlauf des Morbus Parkinson lässt sich grob in zwei Phasen einteilen:

  • Prodromalstadium: Diese erste Phase kann Jahre bis Jahrzehnte dauern. In dieser Zeit fallen bei den meisten Betroffenen noch kaum bis keine motorischen Symptome auf. Stattdessen können depressive Verstimmungen, Verstopfung, der Verlust des Geruchssinnes und/oder eine REM-Schlafstörung auftreten.
  • Klinische Phase: In dieser zweiten Phase treten die typischen, motorischen Symptome des Morbus Parkinson zusätzlich zu den bereits genannten Symptomen auf. Mit den Jahren verschlechtern sich die Symptome. Medikamente können zwar zeitweise Linderung verschaffen, verlieren allerdings mit der Zeit an Wirksamkeit.

Diese Phasenaufteilung ist typisch, aber nicht zwingend notwendig. Der klassische Morbus Parkinson kann in unterschiedlichen Formen verlaufen. Je nach Symptomatik unterscheiden Mediziner vier Arten bzw. Verlaufsformen:

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  • Akinetisch-rigider Typ: Vor allem Bewegungslosigkeit und Muskelsteife treten auf, Zittern ist kaum oder gar nicht vorhanden.
  • Tremor-Dominanz-Typ: Das Hauptsymptom ist Zittern (Tremor).
  • Äquivalenz-Typ: Bewegungslosigkeit, Muskelsteife und Zittern sind ungefähr gleich ausgeprägt.
  • Monosymptomatischer Ruhe-Tremor: Das Zittern in Ruhe ist das einzige Symptom (sehr seltene Verlaufsform).

Im Gegensatz zu anderen neurologischen Erkrankungen verläuft Parkinson nicht in Schüben, sondern schreitet langsam und dauerhaft fort. Neben der Verlaufsform spielt das Erkrankungsalter eine wichtige Rolle.

Diagnose

Die Diagnose Parkinson zu stellen, ist nicht immer zweifelsfrei möglich, da viele andere Erkrankungen ähnliche unspezifische Symptome auslösen können. Es gibt jedoch Untersuchungen, die bei Verdacht auf Parkinson notwendig sind, um die Diagnose zu sichern.

Pflegebedürftigkeit bei Parkinson

Ob und wann Parkinson-Patienten pflegebedürftig werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Wann tritt Pflegebedürftigkeit auf?

Im fortgeschrittenen Verlauf, also im Spätstadium und im Endstadium von Morbus Parkinson, werden die Betroffenen häufig pflegebedürftig. Das ist in der Regel aber erst nach langen Krankheitsverläufen ab etwa 20 Jahren der Fall. Ursache ist in den meisten Fällen eine Demenz, aber auch eine hohe Symptomlast.

Pflegegrade bei Parkinson

Parkinson-Patienten sind nicht automatisch pflegebedürftig. Die benötigte Pflege unterscheidet sich je nach Krankheitsverlauf. Daher kann kein Pflegegrad pauschal genannt werden. Das Vorliegen von weiteren Erkrankungen, wie beispielsweise Demenz oder Arthrose, macht einen großen Unterschied in der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit von Parkinson-Patienten.

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  • Pflegegrad 1 oder 2: Patienten am Beginn der Krankheit bzw. mit einem leichten Verlauf haben eventuell Einschränkungen in der Mobilität und kaum Einschränkungen der geistigen und kommunikativen Fähigkeiten.
  • Pflegegrad 3: Patienten mit erheblichen Schwierigkeiten beim Gehen und Stehen, die oft Hilfsmittel benötigen und sturzgefährdet sind, könnten Pflegegrad 3 haben. Ihre kognitiven Fähigkeiten könnten leicht bis mäßig beeinträchtigt sein.
  • Pflegegrad 4 oder 5: Vollständig immobile Patienten, die auf einen Rollstuhl angewiesen oder bettlägerig sind, würden voraussichtlich Pflegegrad 5 erhalten. Sie benötigen umfassende Unterstützung bei der Fortbewegung, ihre kognitiven Fähigkeiten könnten schwer beeinträchtigt sein.

Unterstützung durch Angehörige

Häufig übernehmen Angehörige die häusliche Pflege und Betreuung. In den frühen Stadien der Parkinson-Erkrankung haben pflegende Angehörige zumeist eine unterstützende Rolle. Sie helfen bei leichten Einschränkungen in der Mobilität, erinnern an die Einnahme von Medikamenten und unterstützen bei der Organisation von Arztbesuchen und alltäglichen Aktivitäten. Angehörige bieten emotionale Unterstützung und helfen, erste Anzeichen von Depressionen oder Angst zu erkennen und zu managen.

In den fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Erkrankung kommt es häufig vor, dass Patienten im Pflegeheim vollstationär betreut werden, da der pflegerische und betreuerische Aufwand oftmals sehr hoch ist.

Prävalenz in Pflegeeinrichtungen

Das Parkinson-Syndrom hat nach Demenzen das höchste Risiko für erkrankte Personen über 65 Jahre, pflegebedürftig zu werden. Je nach Region und Einschlusskriterien liegt die Prävalenz von Bewohnern mit einem Parkinson-Syndrom in Langzeitpflegeeinrichtungen zwischen 1,8 und 7,7 %. Eine Studie in Deutschland ergab eine Prävalenzrate von 13,9 %.

Behandlung und Therapie

Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die bislang nicht heilbar ist. Es gibt jedoch verschiedene Therapieansätze, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Medikamentöse Therapie

Ziel der medikamentösen Therapie ist es, den Dopamin-Mangel auszugleichen und die Symptome zu lindern. Ein Hauptmedikament ist L-Dopa (Levodopa), das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Darüber hinaus können je nach Symptomatik noch weitere Medikamente verabreicht werden. Wenn eine einzelne Medikamentengruppe nicht ausreichend wirkt, können mehrere Medikamente kombiniert werden.

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Tiefe Hirnstimulation

Um motorische Komplikationen wie etwa das Zittern zu verbessern, hat sich die sogenannte tiefe Hirnstimulation (THS) bewährt. Bei diesem Verfahren werden Elektroden im Gehirn des Patienten und ein kleiner Schrittmacher in dessen Brust implantiert. Per Fernbedienung sind die Elektroden via Schrittmacher in der Brust von außen zu steuern.

Physikalische Therapien

Physio- und Ergotherapien sollen die Beweglichkeit und das Wohlbefinden der Patienten erhalten oder wiederherstellen. Dazu werden individuelle Interessen der jeweiligen Person berücksichtigt, um die Behandlung möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Stimm- und Sprechtherapien zielen darauf ab, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern und eventuelle Stimmprobleme zu lindern. Eine Schlucktherapie wird für Patienten mit Parkinson-bedingten Schluckstörungen empfohlen.

Weitere Therapieansätze

  • Psychotherapie: Im Rahmen einer Psychotherapie können sich Parkinson-Patienten aktiv mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen und den Umgang mit ihr erlernen.
  • Alternative Therapien: Eine alternative Behandlung durch Akupunktur, Magnetstimulation oder Massage kann sich im Einzelfall eignen.

Bedeutung von Bewegung

Bewegungsübungen können einzelne Symptome lindern und dadurch schwerwiegende Folgen verhindern. Gleichzeitig kann Bewegung das Selbstbewusstsein des Betroffenen fördern und möglicherweise positive Auswirkungen auf das Gemüt des Betroffenen haben.

Leben mit Parkinson

Auch im Frühstadium der Parkinson-Krankheit führen viele Menschen ein selbstständiges und aktives Leben. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, mit Einschränkungen im Alltag und psychischen Belastungen umzugehen.

Umgang mit der Diagnose

Die Diagnose Parkinson ist oft zunächst ein Schock. Zugleich kann es erleichternd sein, wenn es endlich eine Erklärung für die Beschwerden gibt und eine Behandlung begonnen werden kann. Wichtig ist, sich ausführlich über die Erkrankung zu informieren und eine gute ärztliche Begleitung zu suchen.

Unterstützung und Austausch

Gerade in der ersten Zeit nach der Diagnose kann es helfen, mit anderen über die eigenen Sorgen zu sprechen und Rat zu medizinischen, rechtlichen oder finanziellen Fragen einzuholen. Gute Anlaufstellen können zum Beispiel Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen sein.

Alltag und Beruf

Bei einer beginnenden Parkinson-Krankheit ist der Alltag oft kaum oder gar nicht eingeschränkt, vor allem, wenn man wirksame Medikamente nimmt. Viele Menschen bemerken ihre Erkrankung zuerst an einer schlechteren Feinmotorik. Wie lange ein Beruf ausgeübt werden kann, hängt sehr von der Tätigkeit und dem Verlauf der Erkrankung ab.

Partnerschaft und Sexualität

Die Erkrankung kann die Partnerschaft beeinflussen - positiv wie negativ. Sie kann einerseits zu mehr Nähe führen, da man stärker aufeinander angewiesen ist und die Zeit vielleicht bewusster miteinander erlebt. Auf der anderen Seite können auftretende Probleme zu Spannungen führen. Viele Menschen mit Parkinson berichten, dass sich ihre Sexualität verändert.

Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken.

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