Gedächtnistraining: Wirkung auf das Gehirn und Wege zur Steigerung der geistigen Fitness

Wer kennt es nicht? Gerade noch ist man mit einem definierten Ziel in die Küche gegangen, doch jetzt ist jegliche Information aus dem Gehirn verschwunden. Mit zunehmendem Alter passiert das leider immer öfter. Gedächtnisjogging soll eine Möglichkeit darstellen, diesem Prozess entgegenzuwirken. Doch was bewirkt Gedächtnistraining wirklich im Gehirn? Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse und praktischen Aspekte des Gedächtnistrainings, um Ihnen ein umfassendes Verständnis der Thematik zu vermitteln.

Was ist Gedächtnistraining?

Der Sinn von Gehirnjogging ist es, spielerisch und ohne Stress die Leistung des Gehirns zu steigern. Hierbei geht es speziell um den Bereich der Konzentration und des Kurzzeitgedächtnisses. Genauso wie unsere Muskeln den Anspruch stellen, trainiert zu werden, möchte auch das Gehirn regelmäßig gefordert werden. Immerhin ist es der Speicherplatz für all unsere Erfahrungen. Ähnlich wie beim Muskelaufbau wird auch in dieser Trainingsvariante das Niveau immer weiter gesteigert, um die geistige Fitness zu erhöhen. Hierbei reichen bereits wenige Minuten am Tag, um einen nachhaltigen und spürbaren Effekt auf die Merkfähigkeit bzw. das Erinnerungsvermögen zu erzielen.

Tatsächlich betreiben wir täglich Gedächtnisjogging, ohne es wirklich wahrzunehmen. Diese kleinen Gedächtnisübungen sind zwar nicht zielgerichtet, jedoch basieren sie auf demselben Prinzip. Entscheidet man sich nun für ein ernsthaftes Training des Gedächtnisses, ergibt ein gezielter Trainingsplan mit System Sinn. Das Training sollte in regelmäßigen Abständen mit einer kontinuierlichen Erhöhung der Wiederholungsintervalle stattfinden. Möchte man noch einen Schritt weitergehen, empfiehlt sich eine Kombination mit anderen Trainingsmethoden, also das Trainieren sämtlicher kognitiver Fähigkeiten, von der Konzentrationsfähigkeit bis hin zum mathematischen Denken. So wird nicht nur das Gedächtnis trainiert, sondern man verfolgt das Ziel der Steigerung der Gesamtleistung des Gehirns.

Die Plastizität des Gehirns: Ein Schlüssel zur geistigen Fitness

Sicher ist: Anders als lange gedacht bleibt die Fähigkeit des Gehirns, sich zu entwickeln, auch im Alter erhalten. Zwar lässt die Denkleistung bei jedem Menschen mit den Jahren nach. Die Hirnsubstanz schrumpft ganz allgemein, wenn man älter wird, die Weitergabe von Signalen zwischen den Nervenzellen erfolgt zusehends langsamer, und das Denkorgan insgesamt wird schlechter durchblutet. Natürlich erfassen diese Prozesse auch jene Regionen, die etwa für das Lernen, das Gedächtnis oder andere komplexe geistige Aufgaben wichtig sind - so zum Beispiel der präfrontale Kortex, der zum Stirnlappen der Großhirnrinde gehört, oder der Hippocampus im Schläfenlappen. Die Folge: Viele ältere Menschen können sich Daten und Fakten schlechter einprägen, Zusammenhänge nicht mehr so rasch erfassen und haben größere Mühe, neues Wissen abzuspeichern.

Doch auch wenn die Leistung des Gehirns insgesamt nachlässt, bleibt es, so haben Hirnforscher herausgefunden, ein Leben lang wandlungsfähig und formbar (plastisch). So können auch im Alter noch neue Nervenzellen sprießen, sich neue Verknüpfungen zwischen den Neuronen bilden oder gar manche Areale wieder größer werden.

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Die Gehirnplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern und zu reorganisieren. Bislang dachte man, dass sich die Gehirnplastizität mit dem Alter vermindert. Die Studie der Forscher konnte nun jedoch zeigen, dass in den frühen Stadien der Alzheimer-Erkrankung noch keine Plastizitätsverminderung nachweisbar ist. Die Forscher untersuchten bislang allerdings erst 30 ältere Personen, davon 15 mit einem sogenannten mild cognitive impairment (MCI) und 15 gesunde Probanden. Sie nutzten die bildgebende Kernspintomographie, um die Gehirntätigkeit der Probanden sechs Wochen und eine Woche vor dem Gedächtnistraining und eine Woche nach dem Training zu analysieren.

Die Hypothese der Forscher war, dass ursprünglich an anderen Gehirnprozessen beteiligte Zellen durch ein einfaches Gedächtnistraining die Rolle von betroffenen Zellen übernehmen könnten. Diese Hypothese konnten sie an ihrer Kleingruppe mithilfe von funktionalen Bildgebungsverfahren belegen. Außerdem zeigte sich ein Anstieg der richtigen Antworten bei Gedächtnistrainingseinheiten um 33 Prozent bei Personen mit MCI. Vor dem Training zeigte sich eine Aktivierung von Gebieten, die normalerweise mit Gedächtnisprozessen zu tun haben. Bei den Personen mit MCI zeigten sich bei dieser Untersuchung verminderte Aktivitäten. Nach dem Trainingsprogramm hingegen konnten die Forscher bei Personen mit MCI erhöhte Aktivitäten beobachten. Diese waren in Gebieten, die für das Gedächtnis ausschlaggebend sind, aber auch in anderen Regionen wie dem Sprachverarbeitungszentrum erkennbar.

Besonders eindrucksvoll demonstrierte dies die Hirnforscherin Eleanor Maguire vom University College London in einer Studie von 2011. Die Neurowissenschaftlerin, die sich seit Jahren mit dem menschlichen Gedächtnis beschäftigt, untersuchte 79 angehende Taxifahrer (viele davon bereits älter als 40). Dabei hielt sie vor allem die jeweiligen Ausmaße des Hippocampus fest - jener Region, die maßgeblich für das episodische Gedächtnis zuständig ist, in dem erlebte Situationen und Erfahrungen abgespeichert werden, aber unter anderem auch für die großräumliche Orientierung. Wie sich zeigte, hatte sich bei jenen Kandidaten, die alle Abschlussprüfungen bestanden hatten, die Hirnsubstanz im hinteren Teil des Hippocampus deutlich vergrößert - bei jenen Fahrern, die die Ausbildung abbrachen oder durch die Prüfungen fielen, dagegen nicht.

Dank dieser neuronalen Plastizität kann man sich auch als älterer Mensch noch komplexe Fertigkeiten aneignen, etwa eine neue Sprache oder ein Musikinstrument erlernen (wenn man auch nie die gleiche Perfektion erlangt wie jemand, der damit schon als Kind begonnen hat). Studien haben überdies gezeigt: Wer in Ausbildung, Beruf und Freizeit über Jahrzehnte geistig aktiv ist, wer zudem ein intensives soziales Leben pflegt und körperlich in Bewegung bleibt, der scheint einen gewissen Schutz vor dem geistigen Verfall zu genießen. Die Wissenschaftler vermuten, dass man sich durch lebenslange geistige Herausforderungen gewissermaßen eine „kognitive Reserve“ im Gehirn aufbauen kann, eine Art neuronales Polster. Ein Gehirn mit mehr und komplexeren Nervenverbindungen vermag offenbar auch dann funktionstüchtig zu bleiben, wenn aufgrund von Alterungsprozessen nach und nach gewisse Ausfälle auftreten.

Die Vielfalt des Gehirnjoggings: Von Apps bis zu klassischen Methoden

Das Geschäft mit dem sogenannten Gehirnjogging boomt. Unternehmen ersinnen immer neue Übungen, Online-Kurse oder Computerspiele. Millionen Menschen versuchen, mit Denksportaufgaben geistig fit zu werden. Aber kann das funktionieren? Gehirnjogging für Anfänger geht beispielsweise so: Auf einem Computerbildschirm tauchen drei Punkte auf. Eine Linie erscheint und verbindet den ersten mit dem zweiten Punkt, knickt ab und verknüpft den zweiten mit dem dritten Punkt. Nach wenigen Sekunden verschwindet die Linie wieder. Die Aufgabe besteht nun darin, den Weg der Linie aus dem Gedächtnis nachzuvollziehen - dazu müssen die Punkte in der richtigen Reihenfolge mit der Computermaus angeklickt werden. Bei drei Punkten ist dies problemlos möglich. Doch spätestens, wenn sieben oder acht Punkte auftauchen, wird es knifflig. Die Linien ziehen sich kreuz und quer über den Bildschirm; die Zeit, um sich das entstehende Gebilde zu merken, ist kurz. Wenn das Liniengewirr wieder verschwindet, erinnert man sich vielleicht noch an die ersten drei oder vier Verbindungen - doch der Rest lässt sich partout nicht mehr wachrufen. Sie soll die „Merkfähigkeit“ und die „räumliche Aufmerksamkeit“ steigern, wie es dort heißt.

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Die Aufgabenfolgen sind so gestaltet, dass der Anspruch kontinuierlich zunimmt, nach und nach kann man zudem höhere Levels erreichen. Bei den Rechenaufgaben werden zum Beispiel die Zahlen größer und schließlich teils durch Symbole ersetzt - man muss sich also zusätzlich merken, welches Symbol für welche Zahl steht. In den anderen Übungen werden die Muster komplizierter, die gesuchten Wörter länger. Langeweile soll zu keiner Zeit aufkommen, der Denksport durchaus Spaß machen. Insgesamt könne das tägliche Training die „Gehirnleistung“ um bis zu 40 Prozent steigern. Dies, so beteuert das Online-Unternehmen, das mit einem kostenpflichtigen „Premium-Angebot“ Geld verdienen will, zeigten auch Studien renommierter Wissenschaftler.

Häufig werden Übungen fürs Gehirn insbesondere für ältere Menschen empfohlen: Wer das Denkorgan wie einen Muskel ertüchtige, der könne den natürlichen Abbau der geistigen Fähigkeiten im Alter aufhalten oder zumindest verzögern. Gerade individuelles Gedächtnistraining helfe dabei, lange geistig fit zu bleiben und im Alltag besser klarzukommen. Kein Wunder also, dass das Geschäft mit den Übungen boomt. Marktforschern zufolge hat sich der Umsatz digitaler Gehirnjogging-Angebote weltweit zwischen 2005 und 2013 mehr als versechsfacht - von 210 Millionen auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Hersteller verdienen also gut an den Trainingsprogrammen. Und sie ersinnen immer neue Angebote. So gibt es inzwischen auch Online- Kurse und CD-ROMs sowie Apps und Anwendungen für Spielekonsolen. Die meisten Produkte funktionieren ähnlich wie das Trainingsprogramm, zu dem das Spiel „Pfadfinder“ gehört: Unterschiedliche geistige Fähigkeiten sollen durch bestimmte Aufgaben gestärkt werden, der Schwierigkeitsgrad passt sich automatisch dem Lernfortschritt an. Einzelne Anbieter locken Kunden auch mit der Aussicht, die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Entsprechend geht es in manchen Übungen etwa darum, bestimmte Objekte auf dem Bildschirm möglichst schnell zu erkennen oder Töne zu unterscheiden. Und selbst wenn man keine Lust auf elektronisches Gehirntraining verspürt, lässt sich dem erlahmenden Geist auf die Sprünge helfen - ganz klassisch mit Papier und Bleistift.

Beispiele für Gehirnjogging-Apps und -Programme

  • NeuroNation: Diese App bietet personalisiertes Gedächtnistraining und wurde vom Bundesministerium für Gesundheit ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern wurden 60 kognitive Übungen erarbeitet, die in der COGITO-Studie vom Max Planck Institut in Berlin evaluiert wurden. Die Studie hat gezeigt, dass durch intensives Gehirnjogging die generellen kognitiven Fähigkeiten und insbesondere die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis der Teilnehmer nachhaltig verbessert wurden und nicht nur die Fähigkeiten, die über die jeweilige Trainingsaufgabe geübt wurden.
  • Lumosity: Mit etwa 70 Millionen Nutzern in 182 Ländern hat sich die App weltweit als Marktführer durchgesetzt. Zunächst bestimmt der User seinen Ausgangspunkt in drei Testdurchgängen und gibt an, was trainiert werden soll. Das könnte zum Beispiel sein: „effizient zwischen Aufgaben wechseln“ oder „mehrere Informationen im Kopf behalten“. Danach beginnt das Training, das aus täglichen Workouts besteht, die fünf kognitive Kernkompetenzen herausfordern. Auch Lumosity ist personalisiert und passt sich somit an die individuellen Fähigkeiten an.

Kritik und wissenschaftliche Einordnung

Aber sind die Werbeversprechen der Gehirnjogging-Anbieter berechtigt? Lassen sich allgemeine geistige Fähigkeiten wie das Gedächtnis oder das schlussfolgernde Denken tatsächlich gezielt durch spielerische Aufgaben mit oder ohne Computer stärken - so, wie man Muskeln durch Krafttraining aufbaut? Ist das Geld für Apps, Software oder Rätselhefte mithin genauso sinnvoll angelegt?

Zwar haben Forscher in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien vorgelegt, in denen sie die Wirksamkeit von Gehirnjogging überprüfen und zum Teil auch zu positiven Ergebnissen kommen. Deren Aussagekraft ist allerdings fast durchgängig nicht besonders hoch. Niemand bestreitet, dass man seine Leistung in Spielen wie „Pfadfinder“ bereits nach kurzem Training merklich erhöhen kann. Statt nur Verbindungen zwischen vier oder fünf Punkten zu erinnern, gelingt es zumeist nach ein paar Durchläufen, Gebilde aus sechs oder sieben Linien nachzuzeichnen, wer längere Zeit übt, kann oft noch etliche mehr schaffen. Dieser Fortschritt beruht auf einem relativ einfachen Lernprozess - man durchschaut nach einiger Zeit den Aufbau der Übung, man weiß, worauf man seine Aufmerksamkeit richten muss, entwickelt besondere Strategien, um sich die Linien auf dem Bildschirm einzuprägen. Wer sehr gute Leistungen bei einem Merkspiel erreicht, womöglich bei ähnlich strukturierten Übungen ebenfalls gut abschneidet, erinnert sich nicht automatisch auch im Alltag besser an Gesichter, Einkaufslisten oder Geheimnummern.

Immerhin sind sich viele Forscher darin einig, dass für das Training derartiger Fähigkeiten vor allem solche Aufgaben geeignet sind, die den Geist permanent und möglichst vielfältig herausfordern. Computerübungen, die das Entwickeln immer neuer Strategien verlangen, bieten demnach größere Chancen, die Leistungsfähigkeit des Denkorgans zu fördern, als etwa Rätselformate wie Sudoku, die sich nach einer Weile weitgehend automatisiert lösen lassen.

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Im Oktober 2014 gab eine Gruppe von mehr als 70 renommierten Kognitions- und Neurowissenschaftlern aus aller Welt eine Erklärung heraus, in der sie sich von den überbordenden Versprechungen der Gehirnjogging-Anbieter klar distanzieren. Die Aussagen, mit denen diese für ihre Produkte werben, seien oft übertrieben, bisweilen sogar irreführend und höchst bedenklich, so die Experten. Doch anders als manche unnütze Vitaminpräparate können Denksportübungen zumindest kaum Schaden anrichten. Im Gegenteil: Vielen Menschen machen sie schlicht Spaß, und ganz unabhängig davon, wie groß die Effekte auf die geistige Fitness wirklich sind, ist dieser Aspekt nicht zu unterschätzen. Denn beim Gehirnjogging sind es womöglich nicht die Aufgaben allein, die sich auf die mentale Verfassung der Spieler auswirken. Wererlebt, dass er sich bei einer bestimmten Übung verbessern kann, fühlt sich vielleicht motiviert und schöpft neues Selbstvertrauen. Bei manchen kann das eine sich selbst verstärkende Entwicklung in Gang bringen: Wer sich mehr zutraut, wird auch sonst reger, unternimmt häufiger neue Aktivitäten. Möglicherweise fasst er den Mut, sich an ein neues, herausforderndes Hobby heranzuwagen.

Was ist das beste Gehirnjogging?

Kritiker sagen, dass sich mit Gehirnjogging zwar die Gedächtnisleistung bzw. Aufmerksamkeit des Einzelnen verbessern ließe, aber das generelle Denkvermögen dagegen unverändert bliebe. Intelligenter würden Nutzer von Brain Training also nicht. Zusätzlich seien Aktivitäten, die sich im Alltag umsetzen ließen, wertvoller. Ein Tanzkurs zu besuchen oder eine neue Sprache zu lernen sei zum Beispiel ein besseres Gedächtnistraining, vor allem auch für Senioren.

Wissenschaftler des Karolinska Instituts in Stockholm, dem National Institute for Health and Wellfare und der University of Eastern Finland, haben festgestellt, dass die Kombination von Kraft- und Ausdauertraining, gesunder Ernährung und regelmäßigem Gehirntraining die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten der Teilnehmer um 25-Prozent steigern ließ.

Gedächtnistraining im Alltag: Tipps und Übungen

Es hört sich vielleicht anstrengend an, jeden Tag das Gehirn trainieren zu müssen, nur, damit man sich Telefonnummern der Tante besser merken kann. Doch das tägliche Gedächtnistraining ist sicherlich schweißfreier als ein volles Körpertraining. Vor allem im heutigen Zeitalter nimmt das Gedächtnisjogging eine neue Bedeutung an. Technische Geräte übernehmen zunehmend mehr Gehirnleistungen, sodass das unbewusste alltägliche Training immer mehr abnimmt. Gerade deshalb werden wir immer vergesslicher. Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema würde demnach nicht schaden.

Vor Beginn der Übungen kann es hilfreich sein, einige Seiten in einem schönen Buch zu lesen oder einer entspannenden Musik zu lauschen. Als Zeitfenster bietet sich der Morgen an, wenn Ihre Leistungsfähigkeit auf einem hohen Level steht. Mit einem gesunden "Snack" kann die Konzentrationsfähigkeit übrigens nochmals gesteigert werden. Eine Handvoll Nüsse vor dem Training verleiht Ihnen Energie und den richtigen Kick, um durchzustarten. Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen und Bedürfnisse mit und längst nicht jeder ist gleich hoch belastbar. Wenn Sie gerne mit dem Computer arbeiten, werden Sie online zahlreiche Trainingsangebote in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden finden. Selbst ältere Menschen sind heutzutage sehr offen, was den Umgang mit dem PC angeht - das ergab eine Studie der John Hopkins Uni in Baltimore (USA). Falls Ihnen das Training am PC nicht liegen sollte, können Sie natürlich auch professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.

  • Alltagsintegrierte Übungen: Anstatt sich ausschließlich auf spezielle Programme zu verlassen, können Sie alltägliche Aktivitäten nutzen, um Ihr Gehirn zu fordern. Versuchen Sie, sich Einkaufslisten zu merken, Telefonnummern auswendig zu lernen oder sich ohne Navigationsgerät zu orientieren.
  • Kreativität fördern: Beschäftigen Sie sich mit kreativen Hobbys wie Malen, Schreiben oder Musizieren. Diese Aktivitäten fordern verschiedene Bereiche des Gehirns und fördern die Vernetzung der Nervenzellen.
  • Soziale Interaktion: Pflegen Sie soziale Kontakte und tauschen Sie sich mit anderen Menschen aus. Diskussionen und Gespräche regen das Gehirn an und fördern die geistige Flexibilität.
  • Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren. Diese Nährstoffe sind wichtig für die Gesundheit des Gehirns und können die Gedächtnisleistung verbessern. Für das Gedächtnistraining ist sogar "Doping" erlaubt, zum Beispiel mittels der Einnahme von L-Tyrosin - einer natürlichen Aminosäure, die u.a. die Bildung des Glückshormons Dopamin anregt.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und versorgt es mit Sauerstoff. Studien haben gezeigt, dass Sport die Gedächtnisleistung verbessern kann.

Gedächtnistechniken

Eine sehr bekannte Mnemotechnik - zu deutsch Gedächtnistechnik - ist die sogenannte Loci-Methode, auch Gedächtnispalast oder Routenmethode genannt. Mit dieser Technik kann man sich mehrere Dinge wie eine Einkaufsliste ganz einfach merken. Die Idee dahinter: Informationen mit einem bekannten Raum oder Weg verbinden, beispielsweise mit einem Gang durch die eigene Wohnung. Dabei werden bestimmte Wegpunkte wie die Haustür, das Sofa oder der Spiegel mit den Punkten auf der Einkaufsliste verknüpft. Wenn man sich dann im Supermarkt daran erinnert, was man kaufen wollte, genügt es, den Weg vor seinem geistigen Auge durchzugehen.

Schwierig wird es allerdings mit Zahlen wie beispielsweise Telefonnummern. Da unterstützt das sogenannte Major-System besser: Mithilfe eines speziellen Codes werden die Zahlen in Buchstaben und Bilder umgewandelt und so besser abgespeichert. Das zu lernen, ist erstmal etwas kompliziert, aber in wenigen Stunden hat man es dann drauf.

Und dann gibt es noch die Schlüsselwortmethode, die das Erlernen einer Fremdsprache erleichtert. Bei dieser Gedächtnistechnik werden neue Begriffe und Vokabeln mit vorhandenem Wissen, also einem bekannten deutschen Wort und einer bildhaften Assoziation verknüpft. Ein Beispiel: Das englische Wort "cow" (deutsch: Kuh) klingt wie das deutsche Wort "kauen". Nun kann man sich eine Kuh auf der Weide vorstellen, die genüsslich Gras kaut.

Die Bedeutung des Arbeitsgedächtnisses

Bei einem wissenschaftlichen Gehirnjogging steht das Arbeitsgedächtnis im Fokus. Dieses Gedächtnis wird von Wissenschaftlern als Quelle der fluiden Intelligenz angesehen und stellt die Grundlage aller Denk- und Handelsprozesse dar. Neuste Erkenntnisse der Hirnforschung lassen verlauten, die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses lässt bessere Voraussagen für den akademischen Werdegang zu als die Höhe des IQ.

Studienlage zum Gehirntraining

Zahlreiche Studien belegen - Gehirntraining ist wirksam, wenn es denn richtig umgesetzt wird. Die wohl wichtigsten Faktoren sind: Die Personalisierung, das bedeutet, dass sich die Schwierigkeit des Trainings immer an die individuelle Leistungsgrenze des Nutzers anpasst. Die Zielgerichtetheit, sodass nicht nur eine Steigerung in der trainierten Übung erzeugt, sondern auch eine Verbesserung im Alltag bemerkt wird. Weiterhin müssen Dauer und Intensität des Trainings so abgestimmt sein, dass eine größtmögliche Steigerung überhaupt erst erreicht werden kann.

Studiengebiete

  • Intelligenz: Studien zeigen, dass der IQ mit Gehirntraining gesteigert werden kann und es zu Transfereffekten im Alltag kommt.
  • Konzentration und Aufmerksamkeit: Gehirntraining beeinflusst Konzentration und Aufmerksamkeit positiv.
  • Mathematische Leistung: Personalisiertes Training des Arbeitsgedächtnisses verbessert die mathematische Leistung bei Schulkindern.
  • Lesevermögen und Sprache: Kognitives Training hat einen positiven Einfluss auf das Lesevermögen und die Sprachgewandheit.
  • ADHS: Ein Training des Arbeitsgedächtnisses kann zu einer Linderung der Symptome von ADS/ADHS führen.
  • Demenz: Mentale Aktivität kann das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, verringern.

Die wichtigsten Kriterien erfolgreichen Gehirntrainings

  • Personalisierung: Das Training darf das Gehirn weder über- noch unterfordern.
  • Zielgerichtetheit: Eine Übung muss auf spezielle Gehirnfunktionen abzielen, die besonders die Alltagsleistung verbessern.
  • Motivation und Regelmäßigkeit: Eine Beständigkeit und Kontinuität sind der Schlüssel zum Erfolg.
  • Abwechslung: Ständig die gleichen Aufgaben zu lösen, strengt das Gehirn mit der Zeit immer weniger an.

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