Parkinson, auch bekannt als Morbus Parkinson, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die hauptsächlich Menschen über 60 Jahren betrifft. In Deutschland liegt das durchschnittliche Alter bei der Diagnose bei etwa 65 Jahren. Die Krankheit manifestiert sich durch motorische Symptome wie Muskelsteifheit (Rigor), Zittern im Ruhezustand (Ruhetremor), verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) und Haltungsinstabilität. Jedoch können im Verlauf der Erkrankung auch kognitive Beeinträchtigungen auftreten, die bis zu einer Parkinson-Demenz führen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Gedächtnisstörungen bei Parkinson und stellt Behandlungsansätze vor.
Der Krankheitsverlauf von Parkinson
Der Krankheitsverlauf von Parkinson ist individuell und schwer vorherzusagen. Oftmals sind bereits die Hälfte der Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn abgestorben, bevor die Diagnose gestellt wird. Je mehr Nervenzellen absterben, desto ausgeprägter werden die Symptome. Der Prozess verläuft schleichend, wobei sich die Symptome im Anfangsstadium oft gut behandeln lassen. Im späteren Verlauf wird die Behandlung jedoch weniger effektiv, was zu stärkeren Einschränkungen im Alltag führt.
Stadien des Parkinson-Verlaufs
Obwohl jeder Krankheitsverlauf individuell ist, lassen sich grob folgende Stadien festhalten:
- Stadium 1: Frühe Anzeichen wie Riechstörungen, REM-Schlafverhaltensstörung, Verstopfungen oder Depressionen können auftreten. Die Diagnose ist in diesem Stadium oft schwierig.
- Stadium 2: Die typischen Parkinson-Symptome wie Ruhezittern und verlangsamte Bewegungen werden sichtbar.
- Stadium 3: Die Symptome verstärken sich und können beide Körperseiten betreffen.
- Stadium 4: Die Symptome werden noch stärker, und die Behandlung ist weniger wirksam.
- Stadium 5: Der Alltag ist stark eingeschränkt, und viele Betroffene sind auf Hilfe angewiesen.
- Stadium 6: Es entwickelt sich eine Parkinson-Demenz mit ausgeprägten Gedächtnisstörungen.
Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jeder Patient alle Symptome entwickelt und die Geschwindigkeit des Fortschreitens variieren kann.
Kognitive Beeinträchtigungen bei Parkinson
Viele Menschen mit Parkinson erleben im Laufe der Zeit kognitive Beeinträchtigungen. Wenn mindestens zwei kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Problemlösefähigkeit, Sprache, Orientierung oder Gedächtnis beeinträchtigt sind und das selbstständige Leben erschweren, spricht man von einer Parkinson-Demenz.
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Bereiche der Kognition
- Aufmerksamkeit: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben zielgerichtet zu erledigen. Betroffene haben oft Probleme, Störquellen zu ignorieren und Gesprächen in lauten Umgebungen aufmerksam zu folgen.
- Gedächtnis: Schwierigkeiten, sich an Informationen zu erinnern, insbesondere ohne Hinweise. Das prospektive Gedächtnis (Erinnern an zukünftige Aufgaben) kann ebenfalls beeinträchtigt sein.
- Exekutive Funktionen: Schwierigkeiten beim Planen, Organisieren und Beginnen von Handlungen. Dies kann sich in Problemen äußern, Entscheidungen zu treffen, den Tag zu strukturieren oder Aktivitäten zu planen.
- Visuell-räumliche Fähigkeiten: Schwierigkeiten, sich im Raum zu orientieren und räumliche Beziehungen zu erfassen. Dies kann sich in Orientierungsschwierigkeiten oder Problemen beim Lösen von Puzzles äußern.
Subjektive kognitive Beeinträchtigung
Am Anfang steht oft das Gefühl einer verminderten kognitiven Leistung. Hier ist häufig das Gedächtnis betroffenen (zum Beispiel „Ich kann mir neue Namen nicht mehr so gut merken wie früher“). Die betroffenen Personen haben allerdings keine Schwierigkeiten, ihren Alltag wie gewohnt zu bewältigen. Auch dem sozialen Umfeld fallen diese Defizite oft nicht auf, und kognitive Tests werden typischerweise altersentsprechend absolviert.
Ursachen von Gedächtnisstörungen bei Parkinson
Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen bei Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle spielt das Protein Alpha-Synuclein, das sich in den Nervenzellen zu sogenannten Lewy-Körperchen verklumpt. Diese Ablagerungen stören die Funktion der Nervenzellen und führen zu einem Dopaminmangel.
Dopaminmangel und Acetylcholinmangel
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der unter anderem die körperlichen Bewegungen steuert. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen motorischen Symptomen von Parkinson. Im weiteren Krankheitsverlauf sterben jedoch auch Nervenzellen ab, die den Neurotransmitter Acetylcholin regulieren. Ein Acetylcholinmangel kann kognitive Störungen begünstigen.
Weitere Faktoren
- Alter: Das Risiko für eine Parkinson-Demenz steigt mit dem Alter.
- Genetische Faktoren: Die GBA1-Mutation könnte sowohl das Risiko für Parkinson als auch für eine Parkinson-Demenz erhöhen.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Diese Demenzform ähnelt der Parkinson-Demenz, wobei sich die Lewy-Körperchen hauptsächlich in der Großhirnrinde befinden.
- Stress, Medikamente und Depressionen: Diese Faktoren können ebenfalls zu kognitiven Veränderungen beitragen.
α-Synuclein und Dopaminmangel
Das Protein α-Synuclein verklumpt unter anderem in einer Hirnregion, die wir „Substantia nigra“ nennen - die schwarze Substanz. Von ihr gehen Nervenzellen in eine andere Hirnregion, wo der Botenstoff Dopamin freigesetzt wird. Wenn die Nervenzellen aber durch verklumptes α-Synuclein verstopft sind, können sie nicht mehr funktionieren. Es kommt zum Dopaminmangel, der das Zittern, die Muskelsteifheit, die verlangsamten Bewegungen und die Gangunsicherheit auslöst. Und hier setzt man therapeutisch an - mithilfe einer Dopaminersatztherapie.
Diagnose von Gedächtnisstörungen bei Parkinson
Bei Verdacht auf kognitive Beeinträchtigungen sollte ein Arzt konsultiert werden. Die Diagnose umfasst in der Regel:
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- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte im Gespräch mit dem Betroffenen und den Angehörigen.
- Körperliche Untersuchung: Um andere Ursachen auszuschließen.
- Kognitive Kurztests: Zur Beurteilung der kognitiven Funktionen. Ein spezieller Test für Parkinson-Patienten ist der PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment).
- Neuropsychologische Untersuchung: Eine ausführlichere Testung der kognitiven Fähigkeiten durch einen Neuropsychologen.
- Bildgebende Verfahren: MRT-Untersuchungen können zeigen, ob Teile des Gehirns geschrumpft sind.
Behandlung von Gedächtnisstörungen bei Parkinson
Die Behandlung von Gedächtnisstörungen bei Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Medikamentöse Behandlung
- Dopaminersatztherapie: Medikamente wie Levodopa gleichen den Dopaminmangel aus und verbessern die motorischen Symptome.
- Acetylcholinesterase-Hemmer: Medikamente wie Rivastigmin erhöhen den Acetylcholinspiegel im Gehirn und können die kognitiven Funktionen verbessern.
- Vorsicht bei Antipsychotika: Diese Medikamente sollten bei Parkinson-Demenz nur mit Vorsicht eingesetzt werden, da sie die motorischen Symptome verschlimmern können.
Nicht-medikamentöse Behandlung
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung, Krankengymnastik und Sport können die motorischen Fähigkeiten verbessern und die kognitive Funktion unterstützen.
- Ergotherapie: Hilft den Betroffenen, ihre Alltagskompetenzen zu erhalten und zu verbessern.
- Logopädie: Kann bei Sprach- und Schluckstörungen helfen.
- Gedächtnistraining: Gehirnjogging und andere kognitive Übungen können die geistige Leistungsfähigkeit fördern.
- Kreative Therapien: Malen, Musik und Tanz können das Wohlbefinden steigern.
- Anpassung der Wohnräume: Beseitigung von Gefahrenquellen und Schaffung einer sicheren Umgebung.
- Unterstützung und Beratung: Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen bieten Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
Parkinson-Komplex-Therapie
In Deutschland gibt es die Möglichkeit einer „Parkinson-Komplex-Behandlung“, die von den Krankenkassen erstattet wird. Dabei handelt es sich um einen zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt in Parkinsonspezialkliniken, in denen die Patienten medikamentös eingestellt werden und intensive Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie erhalten.
Prävention
Regelmäßige körperliche, geistige und soziale Aktivität, eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie der Verzicht auf Nikotin und schädliche Mengen Alkohol können das Risiko reduzieren, kognitive Störungen oder eine Demenz zu entwickeln. Auch die Behandlung anderer gesundheitlicher Probleme kann das Demenzrisiko senken.
Umgang mit Demenzsymptomen
Ein respektvoller und rücksichtsvoller Umgang ist wichtig, um die Probleme gemeinsam bewältigen zu können. Es ist wichtig, den Betroffenen nicht einfach alle anspruchsvollen Tätigkeiten „abzunehmen“, auch wenn dies aus gut gemeinter Fürsorge erfolgt. Diese Tätigkeiten sind nicht nur ein Training der kognitiven Fähigkeiten, sondern auch wichtig für das Selbstwertgefühl der Betroffenen.
Bei Gesprächen in der Familie, mit Freund:innen oder Ärzt:innen ist es wichtig, den Betroffenen nicht „das Wort aus dem Mund zu nehmen“. Bei ausgeprägten Einschränkungen sollten im Gespräch möglichst kurze, klar strukturierte Sätze verwendet werden.
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