Gehirntumor-Entfernung durch die Nase: Risiken, Verfahren und Perspektiven

Die Diagnose eines Gehirntumors kann für Betroffene und ihre Angehörigen eine erschütternde Erfahrung sein. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, das Tumorwachstum zu verlangsamen, Symptome zu lindern und in einigen Fällen den Tumor vollständig zu entfernen. Eine dieser Behandlungsmethoden ist die transnasale oder transsphenoidale Operation, bei der der Tumor durch die Nase entfernt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken, Verfahren und Perspektiven dieser speziellen Operationstechnik.

Hypophysenchirurgie: Ein Überblick

Die Hypophyse, auch Hirnanhangsdrüse genannt, ist eine kleine, aber wichtige Hormondrüse, die in einer knöchernen Mulde an der Schädelbasis, dem sogenannten Türkensattel, liegt. Tumore, die in dieser Region entstehen, werden als Hypophysenadenome bezeichnet. Die transsphenoidale Operation ist die Behandlung der ersten Wahl für die meisten Hypophysentumoren.

Indikation für eine Hypophysenoperation

Eine Operation wird in der Regel empfohlen, wenn:

  • Der Tumor auf benachbarte Hirnstrukturen drückt und Symptome verursacht, wie z.B. Sehstörungen.
  • Der Tumor zu einer Überproduktion von Hormonen führt, die den Stoffwechsel stören.
  • Der Tumor wächst und eine konservative Behandlung nicht ausreichend ist.

Diagnostik vor der Operation

Vor einer Hypophysenoperation sind umfassende Untersuchungen erforderlich, um die genaue Lage, Größe und Art des Tumors zu bestimmen. Dazu gehören:

  • Magnetresonanztomografie (MRT): Das MRT ist das wichtigste bildgebende Verfahren, um Hypophysentumoren darzustellen.
  • Computertomografie (CT): Die CT kann hilfreich sein, um knöcherne Strukturen und Verkalkungen im Tumor zu beurteilen.
  • Endokrinologische Untersuchung: Blut-, Speichel- und Urinuntersuchungen werden durchgeführt, um den Hormonstatus zu bestimmen.
  • Augenärztliche Untersuchung: Bei Tumoren, die die Sehnerven beeinträchtigen, ist eine augenärztliche Untersuchung erforderlich.

Transnasale (Transsphenoidale) Operation: Der Weg durch die Nase

Die transnasale Operation ist ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem der Chirurg durch die Nase und die Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis) zur Hypophyse vordringt. Es gibt zwei Hauptvarianten dieser Operationstechnik:

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  • Mikrochirurgische Technik: Bei dieser Technik verwendet der Chirurg ein Operationsmikroskop, um das Operationsfeld zu vergrößern und präzise zu arbeiten.
  • Endoskopische Technik: Bei dieser Technik verwendet der Chirurg ein Endoskop, ein dünnes, flexibles Rohr mit einer Kamera am Ende, um das Operationsfeld zu visualisieren.

Ablauf der Operation

  1. Narkose: Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt.
  2. Zugang: Der Chirurg führt Instrumente durch die Nase ein, um die Nasenscheidewand freizulegen. Ein kleiner Schleimhautschnitt kann notwendig sein.
  3. Keilbeinhöhle: Der Chirurg öffnet die Keilbeinhöhle, um Zugang zum Türkensattel zu erhalten.
  4. Tumorentfernung: Mit feinen Instrumenten wird der Tumor schrittweise entfernt. Bei ausgedehnten Tumoren können intraoperative MRT und Neuronavigation eingesetzt werden.
  5. Verschluss: Nach der Tumorentfernung wird die Keilbeinhöhle verschlossen, um das Risiko einer Liquorfistel zu minimieren. In der Regel werden keine Nasentamponaden eingelegt.

Vorteile der transnasalen Operation

  • Minimal-invasiver Eingriff
  • Keine sichtbare Narbe im Gesicht
  • Schnellere Erholung
  • Geringere Schmerzen

Risiken und Komplikationen

Wie bei jeder Operation gibt es auch bei der transnasalen Tumorentfernung Risiken. Zu den möglichen Komplikationen gehören:

  • Allgemeine Operationsrisiken: Infektionen, Blutungen, Thrombosen, Embolien
  • Spezifische Risiken:
    • Liquorfistel: Austritt von Hirnwasser (Liquor) aus der Nase. Dies kann eine erneute Operation erforderlich machen.
    • Hypophyseninsuffizienz: Schädigung der Hypophyse, die zu einem Hormonmangel führen kann. Eine Hormonersatztherapie kann notwendig sein.
    • Sehstörungen: Verschlechterung des Sehvermögens oder Doppelbilder.
    • Diabetes insipidus: Störung des Wasserhaushaltes durch Schädigung des Hypophysenhinterlappens.
    • Hirnhautentzündung (Meningitis): Seltene, aber schwerwiegende Komplikation.
    • Verletzung von Hirngefäßen: Sehr selten, kann aber zu Schlaganfall führen.
    • Verletzung der Nasenscheidewand: Kann zu Nasenbluten oder einer Veränderung der Nasenform führen.

Umgang mit Komplikationen

Komplikationen nach einer transnasalen Operation sind selten, aber es ist wichtig, sie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

  • Liquorfistel: Kann konservativ behandelt werden (Bettruhe, Antibiotika). In manchen Fällen ist eine erneute Operation erforderlich, um die Undichtigkeit zu verschließen.
  • Hypophyseninsuffizienz: Eine Hormonersatztherapie kann den Hormonmangel ausgleichen.
  • Sehstörungen: Können sich spontan verbessern. In manchen Fällen ist eine weitere Behandlung erforderlich.
  • Diabetes insipidus: Kann mit Medikamenten behandelt werden, die die Wasserausscheidung reduzieren.

Transkranielle Operation: Der Weg durch den Schädel

In seltenen Fällen ist die transnasale Operation nicht geeignet, um einen Hypophysentumor zu entfernen. In diesen Fällen kann eine transkranielle Operation erforderlich sein, bei der der Chirurg den Schädel öffnet, um Zugang zum Tumor zu erhalten.

Ablauf der Operation

  1. Narkose: Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt.
  2. Hautschnitt: Der Chirurg macht einen bogenförmigen Hautschnitt unter dem Haaransatz oder der Augenbraue.
  3. Knochendeckel: Ein kleiner Knochendeckel wird aus dem Schädeldach herausgesägt.
  4. Tumorentfernung: Der Chirurg dringt in den Spaltraum zwischen den Hirnlappen vor und entfernt den Tumor unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskops.
  5. Verschluss: Die harte Hirnhaut wird zugenäht, der Knochendeckel wieder eingesetzt und befestigt, und die Haut wird vernäht.

Risiken der transkraniellen Operation

Die transkranielle Operation ist ein aufwendigerer Eingriff als die transnasale Operation und birgt ein höheres Risiko für Komplikationen, wie z.B.:

  • Hirnschwellung: Schwellung des Hirngewebes.
  • Blutungen: Blutungen im Gehirn.
  • Infarkte: Schlaganfall durch Mangeldurchblutung des Gehirns.
  • Epileptische Anfälle: Anfälle aufgrund von Hirnreizung.
  • Abstoßung des Knochendeckels: Abstoßung des Knochendeckels mit einer daraus resultierenden Knochenlücke.
  • Verletzung von Hirngefäßen: Verletzung der großen, das Hirn versorgenden Blutgefäße.
  • Liquoransammlung unter der Haut (Liquorkissen): Ansammlung von Hirnwasser unter der Haut.

Nachsorge und Rehabilitation

Nach einer Hypophysenoperation ist eine sorgfältige Nachsorge wichtig, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Dazu gehören:

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  • Überwachung auf der Intensivstation: Nach einer transkraniellen Operation ist eine Intensivstationsbehandlung erforderlich.
  • Hormonkontrollen: Regelmäßige Kontrollen der Hormonspiegel, um eine Hypophyseninsuffizienz frühzeitig zu erkennen.
  • MRT-Untersuchungen: Regelmäßige MRT-Untersuchungen, um das Tumorwachstum zu überwachen.
  • Rehabilitation: In manchen Fällen ist eine Rehabilitation erforderlich, um neurologische Ausfälle zu behandeln.

Leben nach der Operation

Die meisten Patienten können nach einer erfolgreichen Hypophysenoperation ein normales Leben führen. In manchen Fällen ist jedoch eine lebenslange Hormonersatztherapie erforderlich. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind wichtig, um das Tumorwachstum zu überwachen und Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

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