Genetische Faktoren bei Migräne: Die Rolle von Chromosom 8

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet wird. Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, deuten Forschungsergebnisse auf eine starke genetische Komponente hin. Insbesondere das Chromosom 8 scheint eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne zu spielen.

Migräne: Eine komplexe neurologische Erkrankung

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine neurovaskuläre Erkrankung, bei der Veränderungen an Gefäßen und Nerven im Gehirn auftreten. Diese Veränderungen können zu den typischen Schmerzen und Begleiterscheinungen führen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die starke Migräne zu den am stärksten behindernden Erkrankungen überhaupt. In Deutschland leiden etwa 12 bis 14 Prozent aller Frauen und sechs bis acht Prozent aller Männer unter Migräne. Bei Klein- und Schulkindern bis zur Pubertät sind vier bis fünf Prozent betroffen.

Symptome und Verlauf einer Migräneattacke

Eine Migräneattacke kann bis zu drei Tage dauern und lässt sich meist in drei Phasen einteilen:

  • Vorboten (Prodomalphase): Hochstimmung, Gereiztheit, Heißhunger auf Süßigkeiten, Verstopfung, Schläfrigkeit.
  • Kopfschmerzphase: Anfallsartige, pulsierende, pochende oder stechende Schmerzen, häufig nur auf einer Körperhälfte.
  • Rückbildungsphase: Der pulsierende Schmerz geht in einen gleichbleibenden Schmerz über.

Bei etwa zehn bis 15 Prozent der Migränepatienten tritt vor der Kopfschmerzphase eine Aura auf, die sich durch neurologische Störungen wie Lichtblitze, Farben, flimmernde Zick-Zack-Linien oder Doppelbilder äußern kann.

Genetische Veranlagung und Migräne

Die Forschung hat gezeigt, dass Migräne eine starke genetische Komponente hat. Das bedeutet, dass die Veranlagung für Migräne vererbt werden kann. In den letzten Jahren hat die Genforschung große Fortschritte bei der Entschlüsselung der genetischen Faktoren gemacht, die zur Entstehung von Migräne beitragen.

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Chromosom 8 als wichtiger Faktor

Ein internationales Konsortium aus Genetikern und Migräne-Forschern entdeckte eine Genvariante auf Chromosom 8, die als mögliche Ursache für die gewöhnliche Form von Migräne gilt. Diese Genvariante, rs1835740, verhindert, dass Glutamat, ein essenzieller Nervenbotenstoff im Gehirn, ausreichend abgebaut wird. Die Folge ist eine Ansammlung von Glutamat im Gehirn, die möglicherweise Migräne auslösen kann.

Die Rolle der Gene PGCP und MTDH/AEG-1

Die Genvariante rs1835740 liegt zwischen den Genen PGCP und MTDH/AEG-1 auf Chromosom 8. Die Mutation zwischen diesen Genen scheint ein signifikant höheres Risiko für Migräne mit sich zu bringen. Die Genvariante verändert offenbar die Aktivität des MTDH/AEG-1-Gens, das wiederum die Aktivität des EAAT2-Gens reguliert. Das EAAT2-Gen spielt eine entscheidende Rolle in neurologischen Prozessen und könnte bei der Entwicklung der Migräne eine Rolle spielen. Es besteht ein genetischer Zusammenhang, dass eine Glutamat-Anreicherung im Gehirn eine Rolle bei der gewöhnlichen Migräne spielen könnte.

Weitere genetische Faktoren

Neben dem Chromosom 8 wurden auch Veränderungen auf dem Chromosom 1 bei Migränepatienten nachgewiesen. Es gilt als gesichert, dass jeder der entdeckten genetischen Faktoren und wohl auch alle weiteren, die noch entdeckt werden, als wertvolle Mosaiksteine bei der Antwort auf die Frage helfen: Zu welchem Grad ist Migräne vererbbar? Eine allgemeingültige Antwort ist aber nicht in Sicht. Dafür erscheinen die genetischen Faktoren und alle weiteren Einflussfaktoren für die Entstehung der Migräne von Mensch zu Mensch zu individuell.

Diagnose und Behandlung von Migräne

Die Diagnose von Migräne basiert hauptsächlich auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Es ist wichtig, andere Ursachen für den Kopfschmerz auszuschließen. Bildgebende Untersuchungen können bei untypischen Verläufen oder dem Verdacht auf andere Erkrankungen durchgeführt werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Migräne hängt von der Schwere und Häufigkeit der Anfälle ab. Es gibt Akutbehandlungen während eines Anfalls und präventive Maßnahmen, um die Anzahl und Schwere der Anfälle zu reduzieren.

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  • Akutbehandlung: Bei leichten bis mittelstarken Migräneattacken können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol helfen. Bei schwereren Attacken können Triptane oder Rimegepant eingenommen werden.
  • Prävention: Vorbeugende Maßnahmen können helfen, Migräne zu vermeiden:
    • Ausreichend frische Luft
    • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
    • Regelmäßige Mahlzeiten
    • Ausreichend trinken
    • Vermeidung von Lebensmitteln mit Histamin (z.B. Tomaten, Zitrusfrüchte, Rotwein)

In manchen Fällen kann auch eine vorbeugende Therapie mit Antikörper-Spritzen oder Botox in Erwägung gezogen werden.

Neue Therapieansätze durch genetische Erkenntnisse

Die Entdeckung genetischer Faktoren, die mit Migräne in Verbindung stehen, eröffnet neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Medikamenten. Medikamente, die das Glutamat beeinflussen, könnten in Zukunft bei der Behandlung von Migräne eingesetzt werden. Es wird jedoch noch einige Jahre dauern, bis solche Medikamente in der Apotheke erhältlich sind.

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