Viele Krebspatienten erleben während der Chemotherapie Veränderungen ihres Geschmacksempfindens. Diese Geschmacksstörungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, da sie den Appetit verderben und zu Mangelernährung führen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Geschmacksveränderungen im Zusammenhang mit Chemo und Hirntumoren, gibt praktische Tipps zur Bewältigung dieser Nebenwirkung und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.
Einführung
Geschmacksstörungen, auch Dysgeusie genannt, sind eine häufige Nebenwirkung von Krebstherapien, insbesondere der Chemotherapie. Sie können sich in unterschiedlicher Form äußern, beispielsweise als veränderte, verminderte oder halluzinatorische Geschmackswahrnehmung. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von direkten Schädigungen der Geschmacksknospen bis hin zu zentralen Ursachen im Gehirn. Betroffene leiden oft unter Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und einer verminderten Lebensqualität.
Ursachen von Geschmacksstörungen bei Chemotherapie und Hirntumoren
Chemotherapie
Eine Chemotherapie kann zu Veränderungen des Geschmacksempfindens führen. Viele Patienten berichten von einem metallischen oder chemischen Nachgeschmack, der den Appetit verdirbt. Forschende schätzen, dass nach einer Chemotherapie rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten betroffen sein kann. Die Geschmacksstörungen können nur kurzzeitig auftreten oder mehrere Wochen oder Monate anhalten. Üblicherweise klingen sie nach dem Ende einer Therapie ab, manchmal jedoch erst längere Zeit danach.
Hirntumoren
Hirntumoren können ebenfalls Geschmacksstörungen verursachen, insbesondere wenn sie in Hirnarealen lokalisiert sind, die für die Verarbeitung von Geschmackssignalen zuständig sind. Dazu gehören unter anderem der Thalamus und der Hirnstamm. Auch eine Schädigung von Hirnnerven, die für die Geschmackswahrnehmung wichtig sind, kann durch einen Hirntumor verursacht werden.
Weitere Ursachen
Neben Chemotherapie und Hirntumoren gibt es weitere Faktoren, die zu Geschmacksstörungen führen können:
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- Infektionen der oberen Atemwege (z.B. chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Covid-19)
- Schädel-Hirn-Trauma
- Burning-Mouth-Syndrom
- Medikamente (z.B. trizyklische Antidepressiva, Antibiotika, Schlafmittel)
- Operationen im Kopfbereich
- Strahlentherapie im Kopfbereich
- Mangelnde Mundhygiene
- Erkrankungen der Schilddrüse, Leber oder Niere
- Rauchen und Alkoholkonsum
Formen von Geschmacksstörungen
Es gibt verschiedene Formen von Geschmacksstörungen:
- Qualitative Dysgeusien:
- Parageusie: Veränderte Geschmackswahrnehmung
- Phantogeusie: Halluzinatorische Geschmackswahrnehmung
- Quantitative Dysgeusien:
- Hypogeusie: Verminderter Geschmacksinn
- Hypergeusie: Überempfindlicher Geschmacksinn
- Ageusie: Aufgehobener Geschmacksinn
Auswirkungen von Geschmacksstörungen
Anhaltende Geschmacksstörungen können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben:
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust: Betroffene verlieren die Lust am Essen, was zu einer Mangelernährung führen kann.
- Depressive Verstimmungen: Die anhaltende Beeinträchtigung des Geschmacksempfindens kann zu depressiven Verstimmungen bis hin zu Depressionen führen.
- Soziale Isolation: Betroffene ziehen sich möglicherweise von sozialen Aktivitäten zurück, die mit Essen verbunden sind.
Praktische Tipps zum Umgang mit Geschmacksstörungen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Betroffene selbst ergreifen können, um besser mit Geschmacksstörungen umzugehen:
- Speichelfluss anregen: Bonbons lutschen oder Kaugummis kauen, um den Speichelfluss anzuregen und unangenehme Geschmäcker zu vermindern.
- Gewürze nutzen: Kräuter und Gewürze bringen einen eigenen Geschmack mit und eignen sich gut, Gerichte anzupassen. Milde Gewürze verwenden.
- Gute Mundhygiene: Regelmäßige und sorgsame Mund- und Zahnpflege kann ebenfalls dazu beitragen, Geschmacksstörungen zu reduzieren.
- Besteck wechseln: Bei metallischem Geschmack kann es helfen, auf Metallbesteck zu verzichten und Alternativen aus Holz oder Plastik zu verwenden.
- Mund spülen: Vor oder während des Essens den Mund mit Zitronenwasser oder Pfefferminztee spülen, um unangenehmen Geschmack zu neutralisieren.
- Essen, was schmeckt: Ausprobieren, welche Lebensmittel schmecken. Möglicherweise eignen sich Lebensmittel mit besonders intensivem oder saurem Geschmack dazu, den unangenehmen Geschmack zu verdrängen.
- Mundtrockenheit bekämpfen: Regelmäßig in kleinen Mengen trinken und den Mund befeuchten. Auf sehr säuerliche, scharfe oder zu heiße Lebensmittel und Alkohol verzichten, denn diese reizen die Schleimhäute besonders.
- Speichelproduktion reduzieren: Bei erhöhter Speichelproduktion können roter Traubensaft, Ingwerbonbons, Gummibärchen oder zuckerfreie Kaugummis Abhilfe schaffen. Mehrmals täglich Salbeitee, Thymiantee oder Kamillentee trinken. Milch und Milchprodukte vermeiden, da diese schleimbildend sind.
- Entzündungen vorbeugen: Eine gründliche Mundhygiene ist entscheidend. Das Bakterienaufkommen in der Mundschleimhaut verringern mithilfe einer regelmäßigen Zahnreinigung mit einer weichen Zahnbürste (dreimal täglich) und einer Munddusche.
Ernährungstipps bei Geschmacksstörungen
Eine ausgewogene Ernährung ist während der Krebstherapie besonders wichtig, um Mangelernährung vorzubeugen und den Körper optimal zu versorgen. Hier einige Tipps:
- Kleine, häufige Mahlzeiten: Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind oft besser verträglich als wenige große Portionen.
- Appetit anregen: Eine angenehme Atmosphäre beim Essen schaffen, für Ablenkung sorgen, Mahlzeiten appetitlich anrichten.
- Eiweißreiche Kost: Auf eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß achten, da dies wichtig für den Erhalt der Muskelmasse ist.
- Hochkalorische Zusätze: Bei Bedarf energiereiche (hochkalorische) Nahrungszusätze verwenden.
- Verträglichkeit beachten: Lebensmittel wählen, die gut vertragen werden. Sehr fette, sehr süße, klebrige, krümelige, trockene oder faserige Speisen eher meiden.
Medizinische Behandlung von Geschmacksstörungen
Die Behandlung von Geschmacksstörungen richtet sich nach der Ursache. Wenn möglich, wird die Grunderkrankung behandelt oder das auslösende Medikament abgesetzt. In einigen Fällen kann die Gabe von Zinkpräparaten helfen. Bei Mundtrockenheit können speichelflussanregende Mittel (Sialagoga) verordnet werden.
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Untersuchungen und Diagnose
Die Abklärung einer Dysgeusie ist komplex und umfasst mehrere Schritte:
- Anamnese: Ausführliches Gespräch mit dem Arzt zur Erhebung der Krankengeschichte.
- HNO-Status: Untersuchung des Mund-Nasen-Rachenraums.
- Geschmackstests: Quantitative und qualitative Tests zur Beurteilung des Geschmacksempfindens.
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