Gedächtnisprobleme sollten immer ernst genommen werden, da sie vielfältige Ursachen haben können. Manchmal steckt eine behandelbare Ursache dahinter, manchmal eine demenzielle Erkrankung wie Alzheimer. In jedem Fall ist eine ärztliche Abklärung wichtig, um die Ursache zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.
Erste Anlaufstelle: Hausarztpraxis
In der Regel ist die hausärztliche Praxis die erste Anlaufstelle bei Gedächtnisproblemen. Hausärzte haben den Überblick über Vorerkrankungen und Medikamente und können prüfen, ob hinter den Beschwerden eine andere Ursache steckt, zum Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung, ein Vitaminmangel oder eine Depression. Solche Erkrankungen können ähnliche Symptome wie eine Demenz auslösen, sind aber oft behandelbar.
Fachärztliche Abklärung bei Demenzverdacht
Besteht weiterhin der Verdacht auf eine Demenz, überweisen Hausärzte an Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie oder Psychiatrie oder an eine spezialisierte Gedächtnissprechstunde. Es ist ratsam, eine vertraute Person mit zum Termin zu nehmen, da Angehörige Gedächtnisprobleme oft anders schildern als die Betroffenen selbst.
Das Anamnese-Gespräch beim Facharzt
Der erste Schritt bei der fachärztlichen Abklärung ist das Anamnese-Gespräch - ein ausführliches Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen und eingenommene Medikamente. Typische Fragen sind:
- Welche Probleme oder Veränderungen haben Sie bemerkt?
- Seit wann bestehen die Beschwerden?
- Gibt es Tageszeiten, an denen die Probleme stärker oder schwächer sind?
- Wie oft treten die Beschwerden auf?
- Gibt es Situationen oder Faktoren, die den Zustand verbessern oder verschlechtern?
- Wie wirken sich die Beschwerden auf den Alltag aus?
Es ist wichtig, darauf vorbereitet zu sein, auch sehr persönliche Fragen gestellt zu bekommen, da Demenzerkrankungen sich sehr unterschiedlich äußern und eine eindeutige Abgrenzung oft erst durch viele kleine Hinweise möglich ist. Da auch Medikamente manchmal demenzähnliche Symptome hervorrufen können, spielt die aktuelle Medikation eine Rolle. Daher ist es ratsam, den Medikamentenplan bzw. die Medikamente selbst mitzubringen.
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Ursachen von Gedächtnisstörungen
Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen können vielfältige Ursachen haben. Einige davon sind:
- Stress: Stress kann die Gedächtnisleistung beeinträchtigen.
- Schlafmangel: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Gedächtniskonsolidierung.
- Flüssigkeitsmangel: Dehydration kann die Gehirnfunktion beeinträchtigen.
- Einnahme bestimmter Medikamente: Einige Medikamente, wie z. B. Schmerz- und Beruhigungsmittel sowie blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente, können Gedächtnisstörungen verursachen.
- Depressionen, Angsterkrankungen oder Psychosen: Psychische Erkrankungen können kognitive Beeinträchtigungen hervorrufen und zu Konzentrationsschwächen und Vergesslichkeit führen.
- Schilddrüsenerkrankungen (Über-/Unterfunktion): Schilddrüsenerkrankungen können die Gehirnfunktion beeinflussen.
- Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis): Entzündungen des Gehirns können Gedächtnisstörungen verursachen.
- Schlafapnoe: Schlafapnoe kann zu Sauerstoffmangel im Gehirn führen und die Gedächtnisleistung beeinträchtigen.
- Mangelerkrankungen wie Blutarmut (Anämie) oder Vitamin-B12-Mangel: Ein Mangel an wichtigen Nährstoffen kann die Gehirnfunktion beeinträchtigen.
- Nieren- oder Herzschwäche sowie Leberversagen: Organerkrankungen können die Gehirnfunktion beeinträchtigen.
- Epilepsie: Epileptische Anfälle können Gedächtnisstörungen verursachen.
- Hirnverletzungen: Hirnverletzungen können zu Gedächtnisstörungen führen.
Bleiben Gedächtnisstörungen über einen längeren Zeitraum bestehen und verstärken sie sich, kann dies ein Anzeichen für eine Demenzerkrankung sein.
Altersvergesslichkeit vs. Demenz
Altersvergesslichkeit und Demenz sind zwei Begriffe, die beide mit Gedächtnisproblemen und kognitivem Abbau im Alter in Zusammenhang stehen. Im Laufe des normalen Alterungsprozesses eines Menschen sterben rund zehn Prozent der Nervenzellen im Gehirn ab. Bei einer krankhaft bedingten Gedächtnisverschlechterung, wie einer Demenz, sind es deutlich mehr.
Der Hauptunterschied zwischen Altersvergesslichkeit und Demenz liegt in der Schwere der Symptome und ihrer Auswirkungen auf das tägliche Leben. Während Altersvergesslichkeit meist leichte und gelegentliche Vergesslichkeit umfasst, führt Demenz zu einem deutlichen kognitiven Verfall und erfordert oft professionelle medizinische Betreuung und Unterstützung.
Alzheimer-Demenz
Die häufigste Form von krankhaften kognitiven Leistungseinbußen ist die Alzheimer-Demenz. Bei Betroffenen lagert sich unlösliches Eiweiß in Form von Beta-Amyloid im Gehirn ab und sorgt dafür, dass Nervenzellen absterben. Eine weitere häufige Ursache für eine Demenz ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns. Auch die führt dazu, dass Nervenzellen absterben.
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Symptome von Gedächtnisproblemen
Situationen, in denen Gedächtnisstörungen festgestellt werden, können sehr individuell sein. Folgende Symptome können auf Probleme mit dem Gedächtnis hinweisen:
- Subjektives Gefühl, dass die geistige Leistungsfähigkeit nachlässt
- Probleme beim Erinnerungsvermögen, z. B. das regelmäßiges Verlegen von Dingen oder Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen
- Eingeschränkte Merkfähigkeit
Ein Anzeichen für eine Demenzerkrankung ist vor allem, wenn die Gedächtnisstörungen deutliche Auswirkungen im Alltag zeigen und normale Alltagstätigkeiten beeinträchtigt werden. Äußern kann sich dies beispielsweise durch:
- Schwierigkeiten, sich an Abläufe bestimmter Aufgaben zu erinnern, z. B. einen Bankautomaten zu benutzen
- Probleme bei der Zeit- und Raumorientierung
Diagnose von Gedächtnisstörungen
Wer über mehrere Monate zunehmende Gedächtnisstörungen oder Konzentrationsschwächen bemerkt, sollte sich an eine Ärztin oder einen Arzt wenden. Dabei ist die Hausarztpraxis die beste Anlaufstelle für das erste Gespräch. Weil Gedächtnisstörungen sehr viele Ursachen haben können, werden in der Hausarztpraxis oder gegebenenfalls auch in der Facharztpraxis verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Neben der körperlichen Untersuchung (z. B. Bluttests) werden auch genauere Fragen zu den aktuellen Beschwerden gestellt, z. B. seit wann eine vermehrte Vergesslichkeit bemerkt wurde und wie sie sich im Alltag genau äußert. Daneben spielen auch die Lebensumstände eine Rolle: Bedeutend können hier z. B. besondere Ereignisse in der Vergangenheit sein, die sich auf den Alltag ausgewirkt haben. Aber auch die Ernährungsweise oder die Einnahme von Medikamenten sind für die Diagnosefindung relevante Aspekte. Zusätzlich kann in manchen Fällen auch die Einschätzung der Angehörigen hilfreich sein, um die Gedächtnisstörungen einzuordnen.
Verschiedene Tests, Untersuchungen und bildgebende Verfahren, wie eine Kernspintomografie (MRT), ermöglichen es der Fachärztin oder dem Facharzt, die Ursachen für den kognitiven Leistungsabbau abzuklären. Durch die genaue Untersuchung ist es möglich, zwischen Alzheimer und vaskulärer Demenz beziehungsweise einer Mischform zu unterscheiden.
Gedächtnissprechstunde
Um einen reibungslosen Ablauf mit möglichst geringen Wartezeiten zu gewährleisten, sind die Untersuchungen auf mehrere Termine verteilt.
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1. Termin:
- Anamnese durch einen Arzt oder eine Ärztin in der Gedächtnissprechstunde der Klinik und Poliklinik für Neurologie.
- Prüfung, welche Untersuchungen bereits veranlasst wurden und welche weiteren Untersuchungen sinnvoll und noch notwendig sind.
- Ausführliche neuropsychologische Testung durch Neuropsychologen und Neuropsychologinnen, die je nach Fragestellung etwa 0.5-2 Stunden dauert. Bei der Testung werden verschiedene Verfahren angewendet, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit und weitere kognitive Bereiche überprüfen.
- Es ist hilfreich, wenn der Patient bzw. die Patientin zu diesem Termin Vorbefunde, bereits durchgeführte Aufnahmen vom Kopf (CT, MRT) und - falls benötigt - die Brille und das Hörgerät mitbringt.
- Am Ende dieses Termins wird festgelegt, welche weiteren Schritte folgen.
2. Termin:
- Untersuchung des Nervenwasser (Liquorpunktion) zur Klärung der Fragestellung (ambulanter Aufenthalt in der Neurologie).
- Erneute ärztliche Untersuchung.
- Blutentnahme für eine ausführliche Blutuntersuchung, um sicher zu stellen, dass eine Liquorpunktion ohne erhöhtes Blutungsrisiko durchgeführt werden kann.
- Liquorpunktion zur Analyse von speziellen Demenzmarkern.
- Abschlussuntersuchung und Entlassung.
- Eine MRT (Magnetresonanztomographie), bzw. eine CT (Computertomographie) falls eine MRT aus unterschiedlichen Gründen (z. B. Herzschrittmacher) nicht möglich sein sollte, ist ambulant in einer radiologischen Praxis oder Klinik durchzuführen. Die Bilder sollten auf CD mit zu den Terminen mitgebracht werden (der Befund ist nicht ausreichend).
3. Termin:
- Besprechung der Ergebnisse der Untersuchungen mit dem Patienten bzw. der Patientin und seinen Angehörigen im Rahmen der Gedächtnissprechstunde.
- Besprechung möglicher Behandlungsansätze.
- Prüfung, ob weitere diagnostische Schritte wie z. B. eine PET (Positronenemissionstomographie) durchgeführt werden sollte.
Behandlung von Gedächtnisstörungen
Steht die Ursache fest, kann diese behandelt werden. Und da diese so vielfältig sein können, sieht die Behandlung von Gedächtnisstörungen nicht immer gleich aus. Ist die Ursache beispielsweise ein Vitamin-B12-Mangel, kann die Behandlung darin bestehen, ergänzende Vitamin-B12-Präparate einzunehmen. Bei Stress oder Schlafmangel als Ursache können Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung hilfreich sein.
Je nach Ursache der Gedächtnisstörungen kann die Ärztin oder der Arzt Medikamente zur Behandlung verschreiben. Sind die Gedächtnisstörungen tatsächlich durch eine Demenz-Erkrankung begründet, können Antidementiva zum Einsatz kommen.
Medikamentöse Behandlung
In Deutschland sind derzeit zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit vier Wirkstoffe zugelassen. Wenn zusätzlich eine Depression oder Verhaltensänderungen auftreten, können auch diese behandelt werden. Die Amyloid-Antikörper binden an die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und helfen, diese abzuräumen. Lecanemab muss derzeit alle 2 Wochen als Infusion verabreicht werden. Des Weiteren sind regelmäßige MRT-Sicherheitskontrollen erforderlich (aktuelles MRT vor Beginn der Therapie und dann vor der 5., 7. und 14.
Ein pflanzliches und rezeptfreies Medikament, das sich im Rahmen des demenziellen Syndroms positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken kann, ist Ginkobil® ratiopharm 120mg.
Natürliche Hilfen
Auch in der Natur gibt es zahlreiche Hilfen, um das Gedächtnis zu unterstützen. Die am besten erforschte Heilpflanze zur Förderung der geistigen Leistungsfähigkeit ist Ginkgo biloba, welches auch als Arzneimittel zur Therapie eingesetzt wird. Daneben gibt es einige Pflanzen, denen eine positive Wirkung auf das Gedächtnis nachgesagt wird und die unterstützend bei leichten Gedächtnisstörungen eingenommen werden können: Dazu zählen Grüner Tee, Ginseng, Rosenwurz und Tigergras. In der Apotheke sind diese meist als Tabletten, Kapseln oder als Pulver erhältlich.
Kognitive Übungen und Therapieformen
Bei einer leichten Vergesslichkeit und zum Training der grauen Zellen können kognitive Übungen eingesetzt werden. Reichen solche Gedächtnistrainings nicht mehr aus, können verschiedene Therapieformen zum Einsatz kommen.
Um die geistigen Leistungen und Alltagsfähigkeiten zu stärken, gibt es viele therapeutische Behandlungswege. Damit lassen sich auch Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefindens verbessern.
Risikofaktoren für Gedächtnisstörungen
Es gibt einige Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit für Gedächtnisstörungen erhöhen. Dazu zählen:
- Hörverlust
- Bluthochdruck
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Übergewicht
- Depression
- Soziale Isolation
- Bewegungsmangel
- Luftverschmutzung
- Diabetes
Einige dieser Risikofaktoren, wie ein übermäßiger Alkoholkonsum, lassen sich gut vermeiden. Das persönliche Risiko einer Gedächtnisstörung kann dadurch gesenkt werden. Auch durch eine bestmögliche Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes kann einer Gedächtnisstörung entgegengewirkt werden.
Tipps für ein gesundes Gehirn
Auch im Alltag gibt es zahlreiche Möglichkeiten, etwas für das Gehirn und den Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit zu tun. Dazu gehören z. B. gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Gedächtnistraining.
Alltagshilfen bei normaler Altersvergesslichkeit
Viele Menschen erleben im Alter normale Gedächtnisveränderungen - hier können kleine Alltagshilfen spürbar entlasten:
- Einkaufs- und To-do-Listen nutzen: Das Aufschreiben unterstützt das Gedächtnis und gibt im Tagesablauf Orientierung und Sicherheit.
- Handyalarme oder Wecker stellen: Erinnerungen für Termine oder die Medikamenteneinnahme sind eine einfache und zuverlässige Stütze.
- Feste Plätze für wichtige Dinge etablieren: Wenn Schlüssel, Brille oder Geldbeutel immer am gleichen Ort liegen, erspart dies lästiges Suchen und verringert Stress.
- Routinen entwickeln: Wiederkehrende Abläufe - zum Beispiel bestimmte Aufgaben regelmäßig am selben Wochentag oder zur gleichen Uhrzeit - entlasten das Gedächtnis und erleichtern die Orientierung.
Darüber hinaus ist das Gehirn bis ins hohe Alter flexibel. Wer es auf vielfältige Weise fordert - etwa durch Neues lernen, Bewegung und soziale Kontakte - kann einer Demenzerkrankung sogar aktiv entgegenwirken.
Leben mit Alzheimer
Eine Alzheimer-Diagnose verändert das Leben. Aber es nimmt nicht sofort alles, was den Menschen ausmacht. Erinnerungen mögen verblassen, der Alltag sich verändern - doch der Mensch bleibt. Trotz der Diagnose ist ein Leben mit Sinn, Freude und Verbindung möglich. Gerade deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Kleine Veränderungen im Alltag, Routinen, liebevolle Unterstützung und Geduld helfen dabei, Orientierung zu geben. Wer versteht, was gerade geschieht, kann bewusster handeln.
Dieser Weg ist nicht einfach - aber niemand muss ihn allein gehen. Auch wenn Alzheimer vieles verändert, gibt es vieles, was man selbst in der Hand behalten kann. Struktur gibt Halt. Feste Tagesabläufe, wiederkehrende Rituale und vertraute Umgebungen helfen, sich zu orientieren. Bleiben Sie aktiv - auf Ihre Weise. Bewegung, frische Luft, Musik, gemeinsames Kochen oder einfache Handarbeiten können viel Lebensfreude schenken. Es geht nicht um Leistung, sondern um Teilhabe und Freude an vertrauten Tätigkeiten. Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Der Austausch mit vertrauten Menschen, mit Angehörigen oder in Selbsthilfegruppen kann entlasten. Akzeptieren Sie Unterstützung. Hilfe anzunehmen, bedeutet nicht Schwäche - es bedeutet Stärke. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Jeder Tag ist neu. Nicht jeder wird einfach sein - aber in vielen steckt ein kostbarer Moment: ein Lächeln, ein vertrauter Blick, ein Augenblick der Nähe. Diese Momente zählen.
Unterstützung für Betroffene und Angehörige
- Das Alzheimer - Telefon: Ein bundesweites Beratungsangebot für Menschen mit Demenz, für Angehörige sowie für alle, die sich beruflich oder ehrenamtlich engagieren.
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Bietet Informationen, Beratung und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.
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