Einführung
Die Behandlung von Gehirntumoren, insbesondere aggressiven Formen wie Glioblastomen oder Ependymomen, stellt eine große Herausforderung für die moderne Medizin dar. Trotz medizinischer Fortschritte denken viele Menschen bei dem Wort Krebs noch immer zuerst an Leiden und Tod. Die Gummiummantelung, auch bekannt als Tumortherapiefelder (TTF), ist ein relativ neues Konzept, das in Kombination mit anderen Therapieformen wie Chemotherapie und Strahlentherapie vielversprechende Ergebnisse gezeigt hat. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Gummiummantelung in der Gehirntumortherapie, einschließlich ihrer Wirkungsweise, Anwendung, Vor- und Nachteile sowie aktueller Forschungsergebnisse.
Die Herausforderung Gehirntumor
Jährlich erhalten in Deutschland zwischen 2000 und 3000 Kinder und Jugendliche eine Krebsdiagnose. Am häufigsten geht es um Leukämien oder Hirntumore. Im Durchschnitt entwickeln zwei von tausend Kindern einen Tumor oder eine Leukämie. Hirntumore sind besonders tückisch, da sie sich im empfindlichen Bereich des Gehirns entwickeln und oft schwer zu entfernen sind. Die häufigsten Warnsignale für eine Krebserkrankung im Kindesalter sind Schmerzen in den Knochen, Blässe und Fieber, aber auch Gleichgewichtsstörungen und Schwellungen der Lymphknoten am Hals, unter den Armen oder im Leistenbereich. Die Behandlung von Gehirntumoren erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der Chirurgie, Strahlentherapie und Chemotherapie kombiniert. Dank medizinischer Fortschritte sind die Heilungschancen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Heute können etwa achtzig Prozent der Betroffenen erfolgreich behandelt werden.
Was ist Gummiummantelung (Tumortherapiefelder)?
Tumortherapiefelder (TTF) sind ein neuartiges Konzept in der Krebsbehandlung, das auf der Anwendung von elektrischen Wechselfeldern basiert. Diese Felder sollen die Zellteilung von Krebszellen stören und so deren Wachstum hemmen. Die TTF werden über eine tragbare Haube appliziert, in die Keramik-Gel-Pads integriert sind. Die Haube muss täglich für mindestens 18 Stunden auf dem kahlgeschorenen Kopf getragen werden.
Wirkungsweise
Die TTF wirken, indem sie rasch wechselnde elektrische Felder an das Gehirn abgeben. Diese Felder verhindern die Zellteilung, indem sie die Spindelbildung in der Mitose stören. Die Spindelbildung ist ein entscheidender Schritt in der Zellteilung, bei dem die Chromosomen aufgeteilt werden. Durch die Störung dieses Prozesses können sich die Krebszellen nicht mehr vermehren und sterben ab.
Anwendung
Die Gummiummantelung wird in der Regel in Kombination mit einer Standardchemotherapie eingesetzt. Sie ist für Patienten mit Glioblastomen zugelassen, einer besonders aggressiven Form von Hirntumoren. Die Therapie kann nach einer Operation und Strahlentherapie eingesetzt werden, um das Tumorwachstum zu verlangsamen und das Überleben zu verlängern.
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Klinische Studien und Ergebnisse
Eine Phase-3-Studie mit 695 Patienten hat die Wirksamkeit der TTF-Therapie in Kombination mit Temozolomid-Chemotherapie im Vergleich zu einer alleinigen Temozolomid-Chemotherapie untersucht. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens unter der Kombinationstherapie.
- Das progressionsfreie Überleben betrug im Mittel 6,7 Monate unter der Kombinationstherapie gegenüber 4,0 Monaten unter der alleinigen Chemotherapie.
- Das mediane Gesamtüberleben betrug 20,9 Monate unter der Kombinationstherapie gegenüber 16,0 Monaten unter der alleinigen Chemotherapie.
- Die 2-Jahres-Überlebensrate verbesserte sich von 31 auf 43 Prozent.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die TTF-Therapie eine wertvolle Ergänzung zur Standardbehandlung von Glioblastomen sein kann.
Vor- und Nachteile der Gummiummantelung
Vorteile
- Verlängerung des progressionsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens
- Verbesserung der 2-Jahres-Überlebensrate
- Relativ geringe Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen Krebsbehandlungen
- Tragbare und nicht-invasive Therapie, die den Alltag der Patienten wenig beeinträchtigt
Nachteile
- Hoher Zeitaufwand für das Tragen der Haube (mindestens 18 Stunden täglich)
- Hautreizungen und -ausschläge unter den Keramik-Gel-Pads
- Kosten der Therapie, die nicht immer von den Krankenkassen übernommen werden
- Eingeschränkte Wirksamkeit bei sehr kleinen Tumoren
Weitere Therapieansätze und unterstützende Maßnahmen
Neben der Gummiummantelung gibt es eine Vielzahl anderer Therapieansätze und unterstützender Maßnahmen, die bei der Behandlung von Gehirntumoren eingesetzt werden können.
Protonentherapie
Die Protonentherapie ist eine Form der Strahlentherapie, die als besonders sanft und nebenwirkungsarm gilt. Bei dieser Therapie werden Protonen eingesetzt, um den Tumor gezielt zu bestrahlen und das umliegende Gewebe zu schonen. Leonards Eltern haben sich für eine Strahlenbehandlung mit Protonen entschieden. Im WPE, dem Westdeutschen Protonentherapiezentrum in Essen, bekam Leonard insgesamt dreißig Bestrahlungstermine.
Chemotherapie
Die Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, bei der Medikamente eingesetzt werden, um Krebszellen im ganzen Körper abzutöten. Sie kann in Kombination mit anderen Therapieformen wie Chirurgie und Strahlentherapie eingesetzt werden. Chemotherapie und Bestrahlung können Leben retten, sind aber auch sehr belastend.
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Hyperthermie
Bei der Hyperthermie wird ein Tumor mit Hitze bekämpft und kann ein Baustein in der Krebsbehandlung sein. Weltweit versuchen Forscher und Forscherinnen, die experimentelle Methode zu verbessern. Ein zentrales Problem ist das punktgenaue Erhitzen des kranken Gewebes, damit tatsächlich nur Tumorzellen geschädigt werden.
Boswellia (Weihrauch)
Weihrauch gilt seit Jahrhunderten als Heilmittel, zum Beispiel bei entzündlichen Erkrankungen. Auch gegen Krebs soll das Harz des Boswellia-Baums wirken. Es gibt Hinweise darauf, dass Boswellia-Extrakte therapiebedingte Hirnödeme bei Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren verkleinern könnten.
Rehabilitation und Physiotherapie
Nach einer intensiven Krebsbehandlung ist es wichtig, den Körper wieder zu stärken und die Lebensqualität zu verbessern. Eine ambulante Reha in einem auf neurologische Erkrankungen spezialisierten Zentrum kann dabei helfen, Muskeln aufzubauen, die Koordination zu verbessern und die Fatigue zu reduzieren.
Psychoonkologische Betreuung
Die Diagnose und Behandlung von Krebs kann eine enorme Belastung für die Patienten und ihre Familien darstellen. Eine psychoonkologische Betreuung kann helfen, mit Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Problemen umzugehen. Die Leiterin, Nicole Stember, beobachtet immer wieder, wie die Familien von heute auf morgen in eine ganz neue Welt katapultiert werden: „Die Diagnose verändert ihr ganzes Leben. Plötzlich müssen sie mit ganz neuen Gedanken und Ängsten umgehen, denn in vielen Fällen handelt es sich ja um eine lebensbedrohliche Erkrankung.“
Unterstützungssysteme
Es gibt eine Vielzahl von Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Unterstützung und Informationen für Krebspatienten und ihre Familien anbieten. Der Kinderkrebstag am 15. Februar findet der Internationale Kinderkrebstag statt. Im Jahr 2002 hat ihn die Internationale Vereinigung der Eltern krebskranker Kinder (ICCCPO) ins Leben gerufen, um auf das Schicksal krebskranker Kinder und Jugendlicher aufmerksam zu machen.
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Umgang mit Nebenwirkungen und Spätfolgen
Die Behandlung von Gehirntumoren kann eine Reihe von Nebenwirkungen und Spätfolgen verursachen. Es ist wichtig, diese frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
Fatigue
Viele Patienten berichten eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung, die durch die Therapie zunächst weiter zunimmt. Diese Erschöpfung (Fatigue) und andere Einschränkungen der Lebensqualität erreichen während der Therapie ein hohes Ausmaß, das in allen Stadien und bei allen derzeit angewandten Therapien ähnlich hoch ausfällt.
Hormonelle Störungen
Bei Frauen muss mit einer vorzeitig einsetzenden Menopause gerechnet werden. In Abhängigkeit vom Alter der Patientin und der Gesamtdosis der verabreichten Zytostatika kann es jedoch zu einer Erholung der Eierstöcke und der Empfängnisfähigkeit kommen.
Herz- und Lungenprobleme
Auch Herz und Lunge können durch bestimmte Substanzen einer Chemotherapie gestört werden. Störungen der Herzfunktion sind zumeist dosisabhängig und werden durch individuelle Faktoren mit beeinflusst.
Neurologische Probleme
Im Verlauf einer Chemotherapie kann es zu Gefühlsstörungen in Händen und Füßen kommen. Diese äußern sich meist als Kribbeln und Pelzigkeitsgefühl.
Perspektiven und zukünftige Forschung
Die Forschung im Bereich der Gehirntumortherapie schreitet stetig voran. Es werden ständig neue Therapieansätze und Medikamente entwickelt, um die Heilungschancen zu verbessern und die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von personalisierten Therapien, die auf die individuellen Eigenschaften des Tumors und des Patienten abgestimmt sind.
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