Einführung
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Neuronen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl die genauen Ursachen von Parkinson noch nicht vollständig geklärt sind, deuten Forschungsergebnisse auf eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren hin. In den letzten Jahren hat sich die Forschung auch auf mögliche Zusammenhänge zwischen Haarfarbe und dem Risiko für Parkinson-Erkrankungen konzentriert. Dieser Artikel untersucht die aktuelle Evidenz für einen solchen Zusammenhang und beleuchtet weitere Risikofaktoren und präventive Maßnahmen.
Parkinson-Krankheit: Ein Überblick
Definition und Symptome
Die Parkinson-Krankheit ist die häufigste und bekannteste Bewegungsstörung. Im deutschsprachigen Raum wird Parkinson auch als Schüttellähmung bezeichnet. Das Krankheitsrisiko steigt mit fortschreitendem Alter. Bei der Parkinson-Krankheit sind bestimmte Hirnregionen erkrankt. Dadurch ist die Ausschüttung des Botenstoffs gestört, der zur Steuerung von Bewegungen nötig ist. Das verlangsamt Bewegungs- und Denkabläufe. Parkinson ist eine degenerative Erkrankung. Das heißt, Gewebe oder Funktionen gehen dadurch verloren. Neben der Parkinson-Krankheit zählen das Restless-Legs-Syndrom (krankhaft unruhige Beine) und der essenzielle Tremor (Zittern als eigenständige Erkrankung) zu den häufigsten Bewegungsstörungen.
Zu den Hauptsymptomen gehören:
- Muskelstarre (Rigor): Anspannung der Muskeln auch im Ruhezustand.
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen.
- Parkinson-Tremor: Zittern in Ruhe-Situationen.
- Instabile Körperhaltung: Neigung zu Stürzen.
Neben diesen motorischen Symptomen treten häufig auch nicht-motorische Symptome auf, wie neuropsychiatrische Störungen (Antriebsarmut, Depressionen), Schlafstörungen, autonome Funktionsstörungen (Blutdruckschwankungen, Blasen- und Darmprobleme) und Sinnesstörungen (verminderte Geruchs- und Farbwahrnehmung).
Ursachen und Risikofaktoren
Auslöser einer Parkinson-Erkrankung ist eine Schädigung von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin ausschütten. Dadurch kommt es zu einem Dopamin-Mangel. Dieser Botenstoff ist an der Steuerung von Bewegungen beteiligt: Er überträgt Signale aus dem Gehirn auf andere Nervenzellen, die Bewegungen aktivieren oder hemmen. Bei den meisten Parkinson-Erkrankten ist die Ursache für die Zellschädigung im Gehirn unbekannt.
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Zu den bekannten Risikofaktoren gehören:
- Lebensalter: Das Risiko steigt mit dem Alter.
- Genetische Vorbelastung: Bei bis zu 30 Prozent der Parkinsonkranken spielt eine genetische, also familiäre Vorbelastung eine Rolle.
- Umweltfaktoren: Pestizide, Lösungsmittel, Schwermetalle und Luftverschmutzung.
Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Parkinson-Risiko
Eine Studie, die in diesem Artikel erwähnt wird, untersuchte den Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Parkinson-Risiko. Insgesamt 38 641 Männer und 93 661 Frauen der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) und der Nurses’ Health Study (NHS) wurden zu ihrer Haarfarbe im Alter von 18 bis 21 Jahren befragt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Parkinson-Risiko mit der Helligkeit der Haare ansteigt:
- Schwarzes Haar (Referenz): RR = 1,0
- Braunes Haar: RR = 1,40
- Blondes Haar: RR = 1,61
- Rotes Haar: RR = 1,93
Besonders eng war die Korrelation bei relativ jung (< 70 Jahre) Erkrankten mit adjustiertem RR von 2,25, 2,73 bis hin zu 3,83 für rotes vs. ?! Diese Auswertung deutet darauf hin, dass der Pigmentierungstyp und der MC1R-Genotyp das Risiko für ein Parkinson-Syndrom zu ungunsten der Hellhaarigen und besonders der Rothaarigen beeinflusst. Somit könnten Melanome und M.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Ergebnisse auf Beobachtungsstudien beruhen und keine Kausalität beweisen. Es ist möglich, dass andere Faktoren, die mit der Haarfarbe zusammenhängen, für das erhöhte Parkinson-Risiko verantwortlich sind.
Weitere Faktoren, die das Parkinson-Risiko beeinflussen
Umweltfaktoren
Das Exposom, also alle Stoffe, denen wir im Laufe des Lebens ausgesetzt sind, spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Parkinson. Bekannte Noxen, die das Parkinson-Risiko erhöhen, sind Pestizide, Lösungsmittel, Schwermetalle und Luftverschmutzung. Bei der Luftverschmutzung werden neben direkt neurotoxischen Effekten auf das zentrale Nervensystem auch sekundäre Effekte über systemische, pulmonale oder enterale Inflammation diskutiert. Neben Metallen wird auch die Verunreinigung von Trinkwasser mit industriellen Lösungsmitteln wie Trichlorethylen mit einem erhöhten Risiko für Parkinson in Verbindung gebracht.
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Darm-Hirn-Achse
Eine wichtige Rolle spielt die Darm-Gehirn-Achse und Veränderungen in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms werden mit neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Es wurde gezeigt, dass Menschen mit Parkinson eine andere Mikrobiom-Zusammensetzung als gesunde Menschen haben. Und die Ernährung hat einen direkten Einfluss auf das Darmmikrobiom: Es gibt Belege dafür, dass eine mediterrane Diät mit Salzreduktion (Mediterranean-DASH-Diät) sowie eine polyphenolhaltige Ernährung mit einem geringeren Parkinson-Erkrankungsrisiko einhergehen.
Medikamente
Medikamente die typischen Parkinson-Erscheinungen wie Bewegungsverlangsamung, Muskelversteifung, Zittern oder Gleichgewichtsstörungen auslösen können. Bei der normalen Parkinson-Krankheit kommt es zu einem Untergang von bestimmten Hirnzellen, welche normalerweise den wichtigen Botenstoff Dopamin für die Steuerung unserer Bewegungsabläufe produzieren. Diese Zellen liegen im Mittelhirn in einer Region, welche „schwarze Substanz“ (Substantia nigra) genannt wird, da sie eine dunkle Färbung aufweist. Normalerweise wird dieses Dopamin nun aus der schwarzen Substanz in ein höher gelegenes Hirnzentrum weitergeleitet, welches als Schaltzentrale für einen harmonischen Ablauf der Bewegung sorgt, die sogenannten Basalganglien oder auch Stammganglien. Um das Dopamin aufnehmen zu können, verfügen diese Zellen über Andockstellen für solche Botenstoffe, Rezeptoren genannt. Bei der Parkinson-Krankheit gibt es genügend aktive und gesunde Rezeptoren in den Stammganglien, aber zu wenig Dopamin. In der Folge kommt es zu den oben genannten motorischen Störungen. Es ist zwar genügend Dopamin vorhanden, dieses kann aber von den bereits mit den Dopamin-Blockern belegten Rezeptoren nur eingeschränkt aufgenommen werden. In der Folge kommt es nun auch zu einem Mangel an dopaminerger (=dopamingesteuerter) Aktivität im Gehirn mit ähnlichen Symptomen, die auch bei einer Parkinson-Krankheit auftreten können. Liegt bereits eine Parkinson-Krankheit vor, so können diese Medikamente zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptomatik führen. Die häufigsten Dopamin-Blocker im Gehirn sind sogenannte Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt. Es handelt sich dabei um Medikamente, welche in der Therapie von Psychosen (bestimmte psychische Störungen) und gegen starke Übelkeit eingesetzt werden.
Präventive Maßnahmen
Obwohl das Parkinson-Risiko nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, gibt es verschiedene Lebensstilmaßnahmen, die dazu beitragen können, das Risiko zu senken:
- Ernährung: Eine mediterrane Diät mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch kann das Risiko verringern. Reich an Polyphenolen sind u. a. Beeren, Nüsse, Samen, grüner Tee, dunkle Schokolade, Kräuter und Gewürze - z. B. Kurkuma (Curcumin) - , Ingwer, Olivenöl, Obst wie Äpfel, Birnen, Trauben (mit Schale) und Gemüse mit kräftiger Farbe (z. B. rote Zwiebeln, Spinat, Brokkoli).
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Parkinson-Risiko um 40 bis 60 % senken.
- Schlaf: Ausreichend Schlaf (6 bis 8 Stunden) ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns.
- Vermeidung von Schadstoffen: Die Exposition gegenüber Pestiziden, Lösungsmitteln, Schwermetallen und Luftverschmutzung sollte minimiert werden.
Aktuelle Forschung und Therapieansätze
Im Bereich der Parkinson-Therapie gibt es wegweisende Fortschritte. In der Entwicklung sind Zelltherapien, Gentherapien sowie Therapien mit Antikörpern und „small molecules“. Neben diesen vielversprechenden Behandlungsansätzen erachtet es Parkinson-Expertin und DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg, Kiel, jedoch für notwendig, einen Schritt davor anzusetzen und anhand individueller Exposom-Analysen zielgerichtete präventive Ansätze zu entwickeln.
Medikamentöse Behandlung
Die motorischen Symptome lassen sich vor allem mit Medikamenten beeinflussen. Dabei wird der Dopaminmangel im Gehirn ausgeglichen. Dazu setzt man fünf Substanzgruppen ein: Levodopa (kurz L-Dopa) (ersetzt den Botenstoff Dopamin) COMT-Hemmer (hemmen das Enzym Catechol-O-Methyl-Transferase und damit den Abbau von Dopamin) MAO-Hemmer (hemmen das Enzym Monoamin-Oxidase und verlangsamen damit den Abbau von Dopamin) NMDA-Antagonisten (blockieren sogenannte NMDA-Rezeptoren und beeinflussen so die Beweglichkeit) Dopamin-Agonisten (wirken wie Dopamin) Man verwendet diese Wirkstoffe meist kombiniert.
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Tiefe Hirnstimulation
In den letzten Jahren wird neben der medikamentösen Behandlung immer häufiger ein operatives Therapieverfahren namens Tiefe Hirnstimulation eingesetzt. Hierbei regt man drei ausgewählte Hirnregionen über Elektroden an. Dazu kommt ein Schrittmacher, der unter die Haut implantiert wird und den der Patient oder die Patientin von außen steuern kann.
Zelltherapie
Derzeit laufen internationale Studien zur sogenannten Zelltherapie. Dabei werden durch sogenannte Transkriptionsfaktoren veränderte Stammzellen in Hirnregionen implantiert, in denen Dopamin-Neurone bei Parkinson zugrunde gehen. Die implantierten Stammzellen sollen ihre Funktion übernehmen.