Hämorrhoiden sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Menschen betrifft. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, darunter die Sklerosierung, eine minimal-invasive Methode zur Verkleinerung von Hämorrhoiden. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die Sklerosierung, ihre Anwendung, den Ablauf, die Risiken und die Notwendigkeit einer Wiederholung.
Was sind Hämorrhoiden?
Jeder Mensch hat von Geburt an Hämorrhoiden. Hämorrhoiden sind (arterio-venöse) Gefäßpolster, die im Inneren des Afters (Analkanal) kreisrund angeordnet sind. Sie stellen also nicht automatisch krankhafte Veränderungen dar, sondern sorgen sogar für die Feinkontinenz des Afters. Erst eine Vergrösserung der Hämorrhoiden und deren Begleiterscheinungen kann zu Beschwerden und Blutabgängen führen und somit zum Hämorrhoidalleiden.
Die Beschwerden äussern sich meist durch Jucken, Brennen, Nässen oder gelegentlichen Blutungen während oder nach dem Stuhlgang. Oft entwickelt sich auch ein Analekzem, das das Brennen und Jucken noch verstärken kann.
Zu den klassischen Risikofaktoren für vergrößerte Hämorrhoiden und das sogenannte Hämorrhoidalleiden zählt neben Übergewicht (Adipositas) und Bewegungsmangel auch starkes Pressen beim Stuhlgang oder im Rahmen von Kraftsport (Bodybuilding). Diese Effekte werden daher auch bei Schwangeren beobachtet oder können durch zu langes Sitzen und Pressen auf der Toilette verursacht werden. Es gilt daher die Empfehlung, unmittelbar nach Erledigung des Stuhlganges die Toilette zu verlassen.
Konservative Behandlung von Hämorrhoiden
Aus den zuvor angesprochenen Risikofaktoren für das Hämorrhoidalleiden ergeben sich automatisch auch Verhaltensregeln, mit denen man der Entwicklung krankhaft veränderter Hämorrhoiden entgegenwirken kann. Zunächst sollte auf ein angemessenes Körpergewicht geachtet werden (Body-Mass-Index (BMI) 18,5 bis < 25). Bewegungsmangel kann durch regelmäßige körperliche Betätigung vorgebeugt werden. Ob Sie lieber Schwimmen, Radfahren, Joggen oder ins Fitnessstudio gehen, bleibt dabei natürlich Ihren persönlichen Vorlieben überlassen. Auf keinen Fall müssen Sie täglich eine Stunde oder mehr trainieren. Statt Fastfood wie Hamburger, Döner oder Pizza sollten Sie lieber auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung achten, bei der auch regelmäßig Gemüse und Obst konsumiert werden. Als besonders empfehlenswert gilt die sogenannte „mediterrane Küche“. Auch der Konsum von Alkohol sollte nach Möglichkeit reduziert werden.
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Neben diesen und ähnlichen „Basis-Tipps“ gibt es natürlich eine Vielzahl von frei verkäuflichen Salben und Zäpfchen gegen Hämorrhoiden auf dem Markt. Hierbei ist jedoch unbedingt darauf zu achten, sich nicht über dubiose Quellen im Internet zu informieren. Auch das Schließen von sich selbst auf andere und umgekehrt ist oft fatal. Nur weil eine bestimmte Creme dem Schwager eines entfernten Freundes geholfen hat, heißt das leider noch lange nicht, dass dieselbe Creme auch zur Behandlung Ihres eigenen Problems geeignet ist.
Da Probleme mit Hämorrhoiden in Anfangsstadien meist konservativ mit Salben oder anderen einfachen Maßnahmen behandelt werden können, sollten Sie sich möglichst bald nach Auftreten der ersten Beschwerden beim Spezialisten (Proktologe) vorstellen.
Was ist Sklerosierung?
Die Sklerosierung, auch Verödungstherapie genannt, ist ein chemisches Verfahren zum Veröden von Gewebe, in den meisten Fällen von Venen. Bei Hämorrhoiden wird sie vor allem bei Hämorrhoiden ersten und zweiten Grades durchgeführt. Sie stellt eine bewährte Behandlungsform von Hämorrhoiden dar. Dieses minimal-invasive Verfahren ist für gewöhnlich mit geringen Risiken und Nebenwirkungen verbunden, wodurch es sich um eine besonders schonende Therapie handelt.
Ziel der Sklerosierung
Ziel all dieser Therapien ist es, die Blutzufuhr zu den Hämorrhoiden zu drosseln. Ziel des Eingriffs ist es, dass die Hämorrhoiden schrumpfen.
Verfahren der Sklerosierung
Es bestehen zwei Formen der Verödung: Die nach Blond und Hoff sowie die nach Blanchard. In Deutschland wird jedoch Erstere vorwiegend angewendet, da sie schonender und sicherer ist. Dabei wird durch ein Proktoskop das Sklerosierungsmittel, im Normalfall eine Alkohollösung, in das Gewebe zwischen der Muskelschicht und der Schleimhaut im betroffenen Areal gespritzt. Da hier keine freien Nervenendungen liegen, ist die Injektion kaum bis gar nicht wahrnehmbar. Durch den Wirkstoff wird eine lokale Entzündung hervorgerufen. Damit wird Schleimhaut fixiert und die Durchblutung verringert. Die Hämorrhoiden schrumpfen in den darauffolgenden Tagen ein. (Man kann sich das etwa wie ein Austrocknen des Hämorrhoidengewebes vorstellen - so wie aus einer großen und prallen Weintraube eine kleine Rosine wird.)
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Ablauf der Sklerosierung
Bei Hämorrhoiden 1. oder 2. Grades kommt eine Verödungstherapie (auch „Sklerosierung“ oder „Injektionstherapie“ genannt) infrage. Bei dieser Therapie wird zunächst ein Proktoskop in den After eingeführt. Ein Proktoskop ist ein kurzes Rohr mit Lichtquelle, mit dem die Ärztin oder der Arzt die Analschleimhaut betrachten kann. Mit einer Spritze wird dann ein Wirkstoff (meist Polidocanol) unter die Schleimhaut der vergrößerten Hämorrhoiden gespritzt.
Ist die Sklerosierung schmerzhaft?
Wenn dort etwas injiziert wird, spürt der Patient das nicht, wenn es richtig gemacht wird. Die Injektionen sind i.d.R. schmerzfrei (da im Injektionsbereich keine Schmerznerven verlaufen)
Nach der Sklerosierung
Nach jeder Behandlung kann man seinem normalen Alltag nachgehen. Auch nach der Hämorrhoidenbehandlung muss der Patient nicht mit Einschränkungen rechnen.
Wann ist eine wiederholte Sklerosierung notwendig?
Die Behandlung von Hämorrhoiden durch eine Verödung bedarf, je nach Befund, bis zu drei Anwendungen. Diese werden im Abstand von etwa drei bis vier Wochen durchgeführt. Oft reicht eine einzelne Verödungsbehandlung nicht aus und es können bis zu drei Wiederholungen erforderlich sein. Diese erfolgen dann in mehrwöchigen Abständen. Wenn nötig lässt sich die Sklerotherapie aber auch mit weiteren Methoden kombinieren oder jederzeit wiederholen.
Gründe für eine wiederholte Sklerosierung:
- Unvollständige Verödung: Nicht alle Hämorrhoiden können in einer Sitzung vollständig verödet werden.
- Neubildung von Gefäßen: Im Laufe der Zeit können sich neue Gefäße bilden, die die Hämorrhoiden erneut vergrößern.
- Wiederauftreten der Symptome: Auch nach erfolgreicher Sklerosierung können die Symptome erneut auftreten.
Alternativen zur Sklerosierung
Neben Hämorrhoidensalben kommen vor allem die Verödung (Sklerosierung) und die Gummibandligatur (nach Barron) zum Einsatz. Gleiches gilt für die Gummibandligatur nach Barron, bei der über einen speziellen Applikator (siehe Abbildung), der durch das Proktoskop eingeführt wird, ein kleines Gummiband über den oder die vergrößerten Gefäßknoten gestülpt wird. Das Prinzip beruht auf einer Abschnürung (Strangulierung) der Gefäßzufuhr des Hämorrhoidalknotens, der in der Folge nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Der abgestorbene, ehemals zu große Gewebsanteil wird nach ca. Erst in fortgeschrittenen Stadien wird ein operativer Eingriff (Hämorrhoiden-OP) nötig. Dabei stehen dem Proktologen mehrere Operationsverfahren zur Verfügung, die je nach Bedarf und im Individualfall auch kombiniert werden können, um den bestmöglichen Therapieerfolg für jeden einzelnen Patienten zu erzielen. Neben der Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan stehen auch die Verfahren nach Parks oder Fansler-Arnold zur Verfügung, bei der einzelne oder mehrere Hämorrhoidalknoten offen oder geschlossen chirurgisch entfernt werden. Alle diese Operationen werden mithilfe einer Kurznarkose schmerzfrei vom After aus durchgeführt. Fast immer kann eine ambulante Operation in unseren modernen Praxisräumen durchgeführt werden. Eine sichere und zuverlässige Alternative zu den oben beschriebenen Operationsverfahren vor allem beim Hämorrhoidalleiden Grad III stellt die Rafaelo-Hämorrhoidentherapie dar, die auf thermischer Verkleinerung des Gewebes (Radiofrequenzablation) ohne Entstehung offener Wunden beruht.
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Gummibandligatur
Effektiver als das und auch bei Hämorrhoiden zweiten Grades am besten anzuwenden ist das Abbinden mittels Gummibandligatur. Da wird wieder ein Proktoskop eingeführt, das der Patient ja schon von der Untersuchung kennt. Das ist wieder schmerzlos in Linksseitenlage. Und durch dieses Proktoskop wird dann mit einem Gerät ein Gummiband auf die Schleimhaut, wohlgemerkt wieder oberhalb der Hämorrhoidalzone, weil man dort nichts spürt, gesetzt. Wenn das richtig geschieht, ist die Sache vollkommen schmerzlos. Mit dieser Gummibandligatur wird die Gefäßzufuhr in der Schleimhaut ziemlich effektiv abgebunden. Und damit schrumpfen die Hämorrhoiden natürlich, weil es an Blutzufuhr aus den kleinen Arterien mangelt. Das ist ein ambulantes Vorgehen, das ohne irgendeine Form der Narkose geschieht. Der Patient kann nach diesem ein bis zwei Minuten dauernden Eingriff wieder nach Hause gehen. Das Gummiband fällt dann nach ein paar Tagen ab. Das merkt man gar nicht. Und dann vernarbt das Gewebe dort so, dass die Blutzufuhr auch auf Dauer gedrosselt sein kann.
Operative Verfahren
Wenn nun die vor allem für die kleinen Hämorrhoiden gedachten Interventionen wie Sklerosierungs-Injektionen, also Verödung, oder Gummibandligatur nichts nützen, wenn die konservative Therapie nicht ausreicht und wenn Sie einen Leidensdruck haben, das heißt wenn Sie mehr als drei Monate in Summe im Jahr wirklich leiden unter den Hämorrhoidalbeschwerden, dann wird sich die Operation als unumgänglich erweisen. Eine neue Methode, die Hämorrhoiden zu reduzieren, das heißt zu verkleinern, besteht in der sogenannten HAL. Unter HAL versteht man Hämorrhoiden-Arterien-Ligaturen. Da wird durch ein dickeres Proktoskop, dicker als das, was ich hier zeige, und daher vorzugsweise in Narkose, damit es nicht zu unangenehm ist, die Hämorrhoidalzone inspiziert. Dann werden mit einem Ultraschallsensor die Gefäße, die zu den Hämorrhoiden führen, hörbar gemacht. Und dort, wo man sie hört, kann man dann durch das Gerät unter recht guter Sicht die Schleimhaut abbinden, wo man das Gefäß darunter gehört hat. Damit ist die Blutzufuhr gedrosselt. Das ist ideal bei Hämorrhoiden zweiten Grades. Sind die Hämorrhoiden schon größer, also bis zu dritten Grades, dann kann man diese Ligatur, also das Abbinden, das chirurgische Abbinden der Hämorrhoidalgefäße, verbinden mit Nähten, die so überwendelnd die Schleimhaut entlang gestochen werden, und wenn man sie dann knüpft, dann werden die Knoten kleiner.
Risiken und Komplikationen der Sklerosierung
Obwohl die Sklerotherapie zu den Standardverfahren in der Behandlung krankhaft veränderter Gefäße zählt, können Probleme auftreten. Dazu zählen:
- Verletzung oder Durchstoßen der Gefäßwand mit Blutung
- Infektionen
- Entzündungsreaktionen mit Hautrötung („Matting“)
- vorübergehende bräunliche Verfärbung der umliegenden Haut
- Rötungen an der Einstichstelle
- Wundheilungsstörungen
- Schäden am Gewebe (Abszesse, Absterben von Zellen)
- Schädigung von Nerven, selten auch bleibend
- allergische Reaktionen oder Unverträglichkeit auf verwendete Materialien und Medikamente
- vorübergehende Sehstörungen (Flimmern)
- Migräneanfall (bei Betroffenen mit Migräne in der Vorgeschichte)
- Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose)
Was muss ich nach einer Sklerosierung beachten?
Nach der Sklerosierung ist es ganz normal, dass an der Einstichstelle kleine Schwellungen mit Spannungsgefühl, blaue Flecken oder Hautrötungen auftreten. Diese sind vorübergehend und verschwinden im Normalfall nach wenigen Tagen. In folgenden Fällen sollten Sie sich allerdings ärztlich untersuchen lassen:
- bei stärker werdenden, pochenden Schmerzen
- bei starker Rötung, Schwellung oder Heißwerden des behandelten Bereichs
- bei Druckschmerz oder brennendem Hautgefühl durch Verbände
- bei Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Fuß
- bei bläulicher oder dunkler Verfärbung der Haut
- bei Fieber von mehr als 38° C, da dies auf eine Infektion hinweisen kann
Der angelegte Verband wird bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin gewechselt. Kompressionsstrümpfe oder Kompressionsverbände dürfen nur nach ärztlicher Rücksprache abgelegt werden.
Körperpflege nach Sklerosierung
Nach der Sklerosierung ist kurzes Duschen im Normalfall erlaubt. Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.
Intensive sportliche Betätigung, heiße Wannenbäder, Sauna und starke UV-Strahlung sollten in den ersten Tagen nach der Sklerotherapie vermieden werden.
Sport nach Sklerosierung
Im Anschluss an die Sklerosierung sollten Sie körperlich aktiv bleiben: Gehen Sie direkt nach dem Veröden etwa eine halbe Stunde lang auf und ab!
Unternehmen Sie täglich leichtes körperliches Training (z.B. Fahrradfahren, Spazierengehen).
Vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen.
Schlagen Sie die Beine im Sitzen nicht übereinander.
Lagen Sie die Beine möglichst oft hoch, um einen Lymphstau zu vermeiden. Im Liegen sind nach der Sklerosierung leichte gymnastische Übungen sinnvoll, um die Muskelpumpe zu aktivieren:
- Ziehen Sie die Fußspitzen zum Knie und lassen Sie wieder locker.
- Heben Sie Ihr gestrecktes Bein langsam und kontrolliert ohne Gegengewicht an.
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