Cannabidiol (CBD) und Hirntumore: Dosierung, Studien und Perspektiven

Cannabis und seine Inhaltsstoffe, insbesondere Cannabidiol (CBD), rücken zunehmend in den Fokus der Krebsforschung und -therapie. Während die palliative Anwendung von Cannabis zur Linderung von Symptomen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen und Depressionen weitgehend akzeptiert ist, wird intensiv an den potenziellen krebshemmenden Eigenschaften von Cannabinoiden geforscht. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung zu CBD bei Hirntumoren, insbesondere Glioblastomen, und geht auf Dosierungsempfehlungen, Studienergebnisse sowie Aspekte der Anwendung und Sicherheit ein.

Cannabis in der Krebstherapie: Ein Überblick

Dr. med. DZO betont die Notwendigkeit, zwischen der symptomatischen Behandlung und den krebshemmenden Eigenschaften von Cannabinoiden zu unterscheiden. Die palliative Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten ist durch klinische Daten gut belegt. Erfahrungsberichte von Patienten und Ärzten deuten darauf hin, dass Cannabisprodukte in Einzelfällen das Überleben verlängern können, was Cannabis zu einer möglichen komplementären Option in der Krebstherapie macht.

Tierstudien und erste klinische Hinweise

Über 100 tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass Cannabinoide krebshemmende Eigenschaften aufweisen. Es gab jedoch auch Ausnahmen, in denen THC in Brust- und Lungenkrebsmodellen das Tumorwachstum förderte. Epidemiologische Studien zum Zusammenhang zwischen Cannabisrauchen und Krebs zeigten teils leicht erhöhte, teils leicht erniedrigte Krebsrisiken, was eine abschließende Bewertung erschwert.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 lieferte erste Hinweise darauf, dass Cannabis auch beim Menschen das Krebswachstum hemmen und das Überleben verbessern könnte. In dieser Studie erhielten 21 Glioblastom-Patienten entweder Temozolomid plus Cannabisextrakt oder Temozolomid plus Placebo. Die 1-Jahresüberlebensrate in der Cannabis-Gruppe war mit 83% deutlich höher als in der Placebo-Gruppe (53%). Eine israelische Studie aus dem Jahr 2018 mit etwa 3000 Krebspatienten zeigte, dass sich der Zustand von 95,9% der Patienten durch Cannabis verbesserte.

Cannabidiol (CBD) im Fokus der Hirntumorforschung

Cannabidiol (CBD), ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit in der Krebsforschung erhalten. Studienleiter Prof. Dr. Rainer Glaß vom LMU Klinikum München in Großhadern betonte, dass in grundlagenwissenschaftlichen Modellen für bösartige Hirntumor-Zellen (Glioblastome) ein „Anti-Effekt“ von hochreinem CBD nachgewiesen wurde. CBD bewirkt die DNA-Bindung des Entzündungskontrollfaktors RELA, ohne eine wichtige chemische Veränderung von RELA zuzulassen.

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CBD bei Glioblastomen: Fallstudien und Forschungsergebnisse

Rudolf Likar (Klinikum Klagenfurt, LKH Wolfsberg, Sigmund Freud Universität) behandelte Glioblastom-Patienten zusätzlich mit einer täglichen Dosis von 400 mg CBD. In dieser Fallserie gingen die Schmerzen zurück, die depressive Verstimmung und die Schlafqualität verbesserten sich, und die chronische Erschöpfung ließ nach. Die Daten deuteten auch auf eine Verlängerung der Überlebenszeit hin. Von neun Patienten waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bis auf einen alle noch am Leben mit einer durchschnittlichen Überlebenszeit von 22,3 Monaten, was länger ist, als erwartet wurde. Als Grund dafür wird eine Tumor-hemmende Wirkung von CBD vermutet.

Weitere potenzielle Anwendungsgebiete von CBD

Neben Glioblastomen wird CBD auch bei anderen Erkrankungen untersucht, darunter psychotische Symptome, Angstzustände, Suchterkrankungen, Morbus Parkinson, Graft-versus-Host-Reaktion bei Transplantationen und Hauterkrankungen mit starkem Juckreiz. Das bislang einzige in der EU zugelassene CBD-Fertigarzneimittel Epidiolex wird bei seltenen und schweren Formen der kindlichen Epilepsie verwendet.

Dosierung und Anwendungsformen von CBD

Die Dosierung von CBD ist ein wichtiger Faktor für die Wirksamkeit und Verträglichkeit. Es gibt keine allgemeingültige Dosierungsempfehlung, da die optimale Dosis von verschiedenen Faktoren abhängt, darunter die Art und Schwere der Erkrankung, das Körpergewicht, die individuelle Empfindlichkeit und die Art des verwendeten CBD-Produkts.

Empfehlungen und Erfahrungen aus der Praxis

Einige Experten empfehlen eine tägliche Dosis von 400 mg CBD bei Glioblastomen, basierend auf Fallstudien und Forschungsergebnissen. Andere Quellen empfehlen, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese langsam zu steigern, bis die gewünschte Wirkung eintritt. Bei Krebserkrankungen kann es sinnvoll sein, schneller hoch zu dosieren und bis zur persönlichen Maximaldosis zu steigern.

Es gibt verschiedene Anwendungsformen von CBD, darunter:

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  • CBD-Öl: Wird oral eingenommen und ermöglicht eine genaue Dosierung durch Tropfen.
  • CBD-Kapseln: Bieten eine einfache und diskrete Einnahme.
  • CBD-Spray: Ermöglicht eine schnelle Aufnahme über die Mundschleimhaut.
  • CBD-Zäpfchen: Werden rektal angewendet und können eineAlternative sein, wenn die orale Einnahme nicht möglich ist oder unerwünschte Nebenwirkungen verursacht.
  • RSO (Rick Simpson Oil): Ein stark konzentriertes Cannabisöl, das sowohl THC als auch CBD enthält und oft zur Behandlung von Krebs eingesetzt wird.

Hinweise zur Dosierung und Anwendung von RSO

Die Behandlung mit RSO startet in der Regel mit einer sehr geringen Menge, etwa einem halben Reiskorn. Die Dosis wird dann langsam gesteigert, um die Verträglichkeit zu gewährleisten. Bei der Einnahme von RSO können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Halluzinationen, trockener Mund und Sprachprobleme auftreten. In solchen Fällen kann die Einnahme von CBD-Öl helfen, die psychoaktiven Effekte von THC abzuschwächen.

Rechtliche Aspekte und Qualitätskontrolle

In Deutschland dürfen Ärzt*innen seit 2017 cannabisbasierte Arzneimittel und medizinisches Cannabis verschreiben. Die Kosten werden nach Prüfung eines Antrags auf Genehmigung durch die Krankenkassen übernommen. Seit der Teil-Legalisierung von Cannabis im April 2024 unterliegt die Verordnung von Cannabisarzneimitteln nicht länger dem Betäubungsmittelgesetz, was die Verschreibung erleichtert.

Qualitätssicherung und Arzneibuch

Experten fordern, dass CBD in das österreichische Arzneibuch aufgenommen und der einfachen Rezeptpflicht unterworfen wird, um eine ausreichende Qualitätskontrolle zu gewährleisten. Frei verkäufliche CBD-Extrakte, die als Öle, Tees oder in Nahrungsmitteln verkauft werden, sind oft unklar in Bezug auf ihren CBD-Gehalt und ihre Qualität.

Fertigarzneimittel vs. Eigenherstellung

Vor der Verordnung von getrockneten Cannabisblüten oder -extrakten müssen Ärzte prüfen, ob geeignete Cannabis-haltige Fertigarzneimittel verfügbar sind. Vom Einsatz der Blüten wird eher abgeraten, da die Wirkstoffkonzentration von Mischung zu Mischung unterschiedlich sein kann. Cannabisextrakte werden häufig in Form von öligen Tropfenlösungen, Kapseln oder alkoholischen Inhalationslösungen verschrieben.

Aromapflege als unterstützende Maßnahme in der Onkologie

Neben der medizinischen Anwendung von Cannabis kann auch die Aromapflege eine unterstützende Rolle in der Onkologie spielen. Ätherische Öle können zur Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie beitragen und das Wohlbefinden der Patienten steigern.

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Einsatzgebiete der Aromapflege

  • Linderung von Nebenwirkungen: Zitrusöle und Pfefferminze können bei Übelkeit und Erbrechen helfen. Mundspüllösungen mit Minze, Kamille, Salbei und Kardamom können Mundschleimhautentzündungen minimieren. Sanddornfruchtfleischöl kann bei Aphten und Ulcera helfen.
  • Hautpflege: Johanniskrautöl, Karottensamenöl, Lavendel und Rosengeranie können zur Pflege von Narben eingesetzt werden. Niaouli, Sanddornfruchtfleischöl, Aloe Vera, Lavendel und Johanniskrautmazerat können beiBestrahlungsdermatitis helfen. Pfefferminz- und Rosenhydrolat sowie Balsame mit Weihrauch, Lavendel und Pfefferminzöl können Juckreiz lindern.
  • Schmerzlinderung und Lymphstau: Massagen mit durchblutungsfördernden, entspannenden und angstlösenden Ölen können bei myofaszialen Schmerzen und Neuropathien eingesetzt werden. Atlaszeder, Wacholder, Zypresse und Lorbeer können helfen, Wasser aus dem Gewebe zu bringen.
  • Geruchsneutralisierung: Raumbeduftung und Sprays mit Ölen aus Nadelhölzern, Harzen und Zitrusfrüchten können bei ulzerierenden Tumoren eingesetzt werden.
  • Reduktion von psychischer Belastung: Ätherische Öle können bei Ängsten, Ungewissheit, Schlafstörungen und Fatigue stabilisieren. Lavendel wird oft erfolgreich eingesetzt.

Gefahren und rechtliche Grundlagen der Aromapflege

Es sollten nur 100% naturreine ätherische Öle in Bioqualität und gesicherter Herkunft verwendet werden. Allergische Reaktionen und Hautreizungen sind möglich. Bei Kindern sind nur sehr niedrige Konzentrationen anzuwenden. Patientinnen mit Asthma sollten nicht mit Kampfer- und Eukalyptusölen eingerieben werden. Bei Epileptikerinnen können bestimmte ätherische Öle Krampfanfälle auslösen. Es ist wichtig, Interaktionen mit Medikamenten zu berücksichtigen.

Forschung und Studienlage zu CBD bei Krebs

Die Studienlage zu CBD bei Krebs ist noch begrenzt, aber vielversprechend. Es gibt Hinweise darauf, dass CBD und andere Cannabinoide krebshemmende Wirkungen haben können, einschließlich einer Rolle beim Absterben von Krebszellen und bei der Blockierung des Wachstums von Krebszellen.

In-vitro- und In-vivo-Studien

Präklinische In-vitro- und In-vivo-Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide bei einer Vielzahl von Krebsarten krebshemmend wirken, darunter Brustkrebs, Gliom, Bauchspeicheldrüse, Prostata, Dickdarm und Lymphom. CBD wird auch ein Potenzial für die ergänzende Behandlung von Krebs zugeschrieben, da es helfen kann, häufige krebsbedingte oder krebstherapeutische Symptome zu lindern.

Cochrane-Studien zu Cannabis bei Krebsschmerzen

Eine kürzlich veröffentlichte Übersichtsarbeit der Cochrane-Gesellschaft hat ergeben, dass Cannabis-basierte Medikamente alleine Krebsschmerzen, die nicht auf Opioide ansprechen, nicht lindern können. Es gibt jedoch Hinweise aus klinischen Studien, dass Cannabinoide bei Krebsschmerz wirksam sein könnten, wenn sie kombiniert mit anderen Schmerzmitteln und in Ergänzung zur Standardtherapie angewendet werden.

ASCO-Leitlinie zu Cannabis und Cannabinoiden bei Krebs

Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) hat eine Leitlinie zu Cannabis und Cannabinoiden bei Erwachsenen mit Krebs veröffentlicht, die Empfehlungen für den Einsatz von Cannabis zur Linderung von Symptomen und Nebenwirkungen der Krebstherapie gibt.

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