Hirntumorhäufigkeit bei Personen unter 30 Jahren: Ein umfassender Überblick

Jedes Jahr werden in Deutschland bei etwa 500.000 Menschen Krebserkrankungen diagnostiziert, wobei die genaue Ursache oft unbekannt ist. Es ist jedoch sicher, dass eine Anhäufung von Schäden am Erbgut gesunder Zellen ein ungebremstes Zellwachstum auslösen kann. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko dieser bösartigen Zellveränderungen und somit die Entstehung von Krebs. Auch wenn Hirntumoren im Vergleich zu anderen Krebsarten relativ selten sind, stellen sie eine erhebliche gesundheitliche Herausforderung dar, insbesondere für junge Menschen. Dieser Artikel befasst sich mit der Häufigkeit von Hirntumoren bei Personen unter 30 Jahren, untersucht die verschiedenen Arten von Hirntumoren, die Risikofaktoren und die verfügbaren Behandlungsoptionen.

Krebsinzidenz in verschiedenen Altersgruppen

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland rund 476.000 Krebserkrankungen erstmalig diagnostiziert. Davon waren etwa 2.300 Menschen unter 20 Jahre und über 4.400 im Alter zwischen 20 und 29 Jahren betroffen. Die absolute Zahl der Neuerkrankungen am Übergang vom jungen zum mittleren Erwachsenenalter (30-44 Jahre) belief sich auf mehr als 20.600 Fälle. Bezogen auf das mittlere Erwachsenenalter (45-64 Jahre) wurden mehr als 148.500 Krebsneuerkrankungen gemeldet. Den größten Anteil an Krebsneuerkrankungen trugen jedoch Menschen im höheren Erwachsenenalter (65 Jahre und älter) bei. In dieser Altersgruppe waren 300.100 Menschen betroffen.

Die Bevölkerungszahl in der jeweiligen Altersgruppe spielt zusammen mit dem altersspezifischen Erkrankungsrisiko eine entscheidende Rolle bei der Krebshäufigkeit in der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der Krebsneuerkrankungen je 100.000 Einwohner nimmt mit zunehmendem Alter kontinuierlich zu. Bis zum höheren Erwachsenenalter ist ein steiler Anstieg zu beobachten. Mit Erreichen des höheren Erwachsenenalters wird der Anstieg der Neuerkrankungsraten flacher.

Während das Erkrankungsrisiko bis etwa zum 25. Lebensjahr für Jungen bzw. junge Männer etwas höher liegt, zeigen sich zwischen 25 und 54 Jahren bei Frauen höhere Erkrankungsraten. Erst ab dem 55. Lebensjahr kehrt sich das Verhältnis wieder um. Insgesamt sind die Risiken, innerhalb der nächsten zehn Jahre an Krebs zu erkranken im Alter von 35 Jahren insgesamt niedrig. Für Frauen jedoch liegt die Wahrscheinlichkeit etwas höher als für Männer: Auf der Datenbasis von 2014 erkrankt eine von 45 Frauen innerhalb der nächsten zehn Jahre an Krebs, wohingegen im gleichen Zeitraum einer von 84 Männern erkranken wird. Im Alter von 55 Jahren nähern sich die Risiken an, eine von zwölf Frauen und einer von zehn Männern wird demnach in den nächsten zehn Jahren an Krebs erkranken.

Nicht nur das Krebsrisiko an sich ändert sich mit dem Alter - auch das Spektrum der betroffenen Organe variiert mit Alter und Geschlecht. Einige wenige Krebsdiagnosen treten auch schon vor dem 20. Lebensjahr auf, manchmal sogar verstärkt.

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Häufigkeit von Hirntumoren

Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, sind selten. Sie können jedoch in jedem Lebensalter auftreten. Im Jahr 2020 erkrankten etwa 7.300 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Zum Vergleich: Die Diagnose Darmkrebs erhielten im selben Jahr etwa 54.770 Menschen. Das mittlere Erkrankungsalter bei Frauen liegt bei 66 Jahren, Männer erkranken etwas früher im Mittel mit 63 Jahren. Der häufigste bösartige primäre Hirntumor ist das Glioblastom. 2 von 3 Personen mit einer Krebserkrankung im Gehirn erhalten diese Diagnose.

Im Jahr 2020 erhielten ungefähr 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs. Etwa 1 von 4 Kindern mit Krebs hat einen Hirntumor. Hirntumoren machen also etwa ein Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter aus. Am häufigsten erkranken Kinder an Astrozytomen.

Arten von Hirntumoren

Hirntumoren lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: primäre und sekundäre. Primäre Hirntumoren entstehen im Gehirn selbst, während sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, entstehen, wenn sich Krebszellen von einem anderen Teil des Körpers ins Gehirn ausbreiten.

Primäre Hirntumoren

Primäre Hirntumoren können gutartig oder bösartig sein. Gutartige Tumoren wachsen langsam und dringen nicht in das umliegende Gewebe ein, während bösartige Tumoren schnell wachsen und sich in andere Teile des Gehirns ausbreiten können. Die häufigsten Arten von primären Hirntumoren sind:

  • Gliome: Diese Tumoren entstehen aus Gliazellen, den Stützzellen des Gehirns. Gliome sind die häufigste Art von primärem Hirntumor und können in verschiedene Subtypen unterteilt werden, darunter Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
  • Meningeome: Diese Tumoren entstehen aus den Hirnhäuten, den Membranen, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben. Meningeome sind in der Regel gutartig, können aber aufgrund ihrer Größe und Lage dennoch Probleme verursachen.
  • Neurinome/Schwannome: Diese Tumoren entstehen aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen.
  • Medulloblastome: Diese Tumoren entstehen aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn.

Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen)

Hirnmetastasen sind Tumoren, die sich aus Krebszellen bilden, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Betroffene mit Hirnmetastasen erhalten eine Behandlung, die sich auch an der ursprünglichen Krebsart orientiert, von der die Metastasen stammen. Bei Männern gehen die Metastasen vor allem auf Lungenkrebs zurück, bei Frauen häufig auf Brustkrebs.

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Risikofaktoren für Hirntumoren

Über Risikofaktoren ist bei Gehirntumoren bisher nicht viel bekannt. Auch die durch Studien belegten Risikofaktoren sind nur vereinzelt bei Erkrankten in der Vorgeschichte zu finden:

  • Erbliche Krankheitsbilder: Das Risiko für einen Hirntumor ist erhöht bei bestimmten erblichen Krankheitsbildern: das betrifft Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie eine Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
  • Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
  • Familiäre Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.
  • Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.

Symptome von Hirntumoren

Welche Beschwerden eine Patientin oder ein Patient mit Gehirntumor hat, hängt von der Größe und Lage des Tumors ab. Die Symptome von Hirntumoren können je nach Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors variieren. Einige häufige Symptome sind:

  • Neu auftretende epileptische Krampfanfälle (oft das erste Symptom eines Hirntumors)
  • Kopfschmerzen, vor allem nachts und am frühen Morgen
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen, wie Benommenheit, Verwirrtheit, Konzentrationsstörung
  • Neurologische Ausfälle, je nach Lage des Tumors und der Schädigung von gesundem Hirngewebe: Taubheitsgefühl oder Lähmungen
  • Verschwommene Sicht, Doppelbilder oder andere Sehstörungen
  • Sprachstörung
  • Gleichgewichtsstörung

Diagnose von Hirntumoren

Wenn Menschen mit Symptomen, die auf einen Hirntumor hinweisen können, eine Arztpraxis aufsuchen, wird die Ärztin oder der Arzt zunächst eine neurologische Untersuchung durchführen. Bei Auffälligkeiten veranlasst der Arzt oder die Ärztin ein bildgebendes Verfahren. Mit der Computertomographie und der Magnetresonanztomographie ist es heute möglich, in das Innere des Gehirns zu blicken und feinste Veränderungen sichtbar zu machen. Abhängig von den Beschwerden erfolgt meist eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, bekommt die Patientin oder der Patient in der Regel während einer Operation aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn Gewebe entnommen (Biopsie). Das ist notwendig, um die Diagnose abzusichern. Nach der Biopsie untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.

Behandlung von Hirntumoren

Es gibt viele verschiedene Hirntumoren und unterschiedliche Erkrankungssituationen. Daher lässt sich die Behandlung hier nicht für jede Patientin oder jeden Patienten darstellen. Bei der Behandlung von Hirntumoren stehen grundsätzlich die gleichen Therapieverfahren zur Verfügung wie sie auch bei anderen Tumoren des Körpers eingesetzt werden: die Operation sowie die Strahlen- und Chemotherapie, Studien mit experimentellen Ansätze (Immun-Gentherapie). Die Entscheidung über den Behandlungsablauf, nach einer Operation und histologischer Sicherung mit Klassifikation der Tumorart wird gemeinsam mit anderen Fachdisziplinen der Strahlentherapie und der Onkologie in einer Tumorkonferenz besprochen und festgelegt. Je nach der Art des Tumors wird es festgelegt in welcher Reihenfolge oder Kombination diese Behandlungen nötig sind, oder ob auf eine Methode verzichtet werden kann.

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  • Operation: Ziel ist dabei, das gesamte abgrenzbare Tumorgewebe zu beseitigen. Da sich die Tumorzellen aber über diese Grenze hinaus entlang der Nervenfasern ausbreiten, ist eine komplette Entfernung des Tumors in der Regel nicht möglich.
  • Strahlentherapie: Diese wird kombiniert mit einer Chemotherapie unter Verwendung von Temozolomid-Tabletten - die die Krebszellen abtöten sollen.
  • Chemotherapie: Bei neoadjuvanter Gabe kommen alkylierende Substanzen wie Ifosfamid und Cyclophosphamid, Platinderivate wie Cis- und Carboplatin sowie Alkaloide (Vincristin), Topoisomerasehemmer (Etoposid) und eventuell auch Antimetabolite (hoch dosiertes Methotrexat) infrage.

Kann der Tumor aufgrund einer schlechten Lage oder des Gesundheitszustandes der Betroffenen nicht oder nur teilweise entfernt werden, kann auch direkt eine Strahlen- und Chemotherapie zum Einsatz kommen.

Supportive Therapie

Der Gehirntumor selbst oder Nebenwirkungen einer Therapie können Beschwerden auslösen. Ziel einer supportiven Therapie ist es, solche Beschwerden zu lindern. Sie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen.

Reha und Nachsorge bei Hirntumoren

Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Forschung und Ausblick

Auch an anderen Zentren wird intensiv an neuen Therapiemöglichkeiten geforscht. So testet man am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen die Wirkung von Mistelextrakten auf Gliomzellen. Ebenfalls am HIH versucht man, speziell konstruierte Adenoviren im Kampf gegen Tumorzellen einzusetzen. Die Viren sollen die Krebszellen zerstören und sie zudem sensibler gegenüber der Chemotherapie machen.

Etwas hoffnungsvoller stimmen Versuche, gegen das Glioblastom zu impfen. Die Impfung wird nach der etablierten Behandlung eingesetzt und soll Rezidive verhindern.

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