Epilepsiebehandlung in der Haunerschen Kinderklinik: Umfassende Versorgung für Kinder und Jugendliche

Die Haunersche Kinderklinik bietet ein breites Spektrum an Behandlungen für Kinder und Jugendliche mit Epilepsie an. Die Klinik beschäftigt sich klinisch und wissenschaftlich mit allen akuten und chronischen neurologischen Erkrankungen des Kindesalters. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Epileptologie, um eine umfassende Betreuung von Kindern mit Anfallserkrankungen (Epilepsie) zu gewährleisten.

Was ist Epilepsie?

Epileptische Anfälle entstehen durch eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns, die eine abnorme gemeinsame Entladung von Nervenzellen auslöst. Dabei können Bewusstsein, Verhalten, Bewegung, Wahrnehmung und kognitive Fähigkeiten beeinträchtigt sein. Treten mehrere nicht anderweitig erklärbare epileptische Anfälle auf, liegt eine Epilepsie vor.

Das Epilepsiezentrum im kbo-Kinderzentrum München

Das von der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie zertifizierte Epilepsiezentrum im kbo-Kinderzentrum München behandelt das gesamte Spektrum kindlicher Epilepsien. Das Zentrum bietet eine umfassende Diagnostik und ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten.

Diagnostikmethoden

Das Diagnosespektrum zur Abklärung anfallsverdächtiger Ereignisse / Epilepsien beinhaltet:

  • Eine umfassende neuropädiatrisch-epileptologische Untersuchung
  • Die Ableitung von Wach-, Schlaf- und bei Bedarf Langzeit-Video-EEGs mit und ohne verschiedene Provokationsmethoden.
  • Bei Bedarf erfolgt die Überweisung zum cMRT.

Die Elektroenzephalographie (EEG) ist nach wie vor eine der wichtigsten neurologischen Untersuchungsmethoden, insbesondere auch im Kindes- und Jugendalter. Das Haupteinsatzgebiet des EEG ist die Anfalls- bzw. Epilepsiediagnostik. Im EEG werden die Hirnströme bzw. deren elektrische Potentiale aufgezeichnet. Im Wachzustand und im Schlaf ist das Hirnstrombild unterschiedlich, so dass bei bestimmten Fragestellungen auch die Ermüdungs- oder Schlafphase für die Beurteilung von Bedeutung sind. Oft wird die Prüfung von Provokationsmethoden (Photostimulation und Hyperventilation) zur weiteren Klärung der Diagnose notwendig.

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Eine EEG-Ableitung kann aus verschiedenen Gründen notwendig werden, u.a. bei:

  • Verdacht auf zerebralen Krampfanfall
  • Epilepsie
  • Schädelhirntrauma
  • Kopfschmerzen
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Allgemeinen Entwicklungsstörungen unterschiedlicher Ursache
  • Sprachentwicklungsstörung
  • Diagnostik bei Infantiler Cerebralparese
  • Geistigen Behinderungen bzw. Syndromen unklarer Ursache
  • Mikro-/Makrozephalie (Kopfumfang zu klein/ zu groß)
  • Medikamentös bedingte Intoxikation (Vergiftungen)
  • Enzephalopathie (ausgeprägte Hirnfehlfunktion/ akute Infektion des Gehirns)
  • Verdacht auf Hirndrucksymptomatik (u.a. Hydrocephalus mit/ohne Ventilversorgung)
  • Vor Cochlear Implant (CI)-Versorgung und im Behandlungsverlauf
  • Erstellung von Gutachten
  • Teilleistungsstörungen
  • Bestätigtem ADS bzw. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit bzw. - Hyperaktivitätssyndrom), insbesondere vor Therapiebeginn mit Stimulantien bzw.

Behandlungsmöglichkeiten

Das kbo-Kinderzentrum München bietet ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten für Epilepsie an:

  • Differenzierte medikamentöse Behandlung von Epilepsien
  • Vagus-Nerv-Stimulator-Therapie (VNS)
  • Modifizierte Atkins Diät
  • Kooperation mit Epilepsiezentren im In- und Ausland, insbesondere bei epilepsiechirurgischen Fragestellungen
  • Anleitung zur Anfallsselbstkontrolle durch unsere Psychologen
  • Psycho- und insbesondere Verhaltenstherapie
  • Psychotherapeutische Familienbegleitung
  • Ärztliche Beratung im Rahmen der Sprechstunde
  • Famoses-Epilepsieschulungen für Kinder mit Epilepsie und deren Eltern
  • Themenbezogene Gruppenberatungsangebote (z.B. Transition)
  • Einzelberatung durch unsere Epilepsie-Fachberatung
  • Transitionssprechstunde in Kooperation mit der Neurologie des IAK-KMO zur Anbahnung des Überganges von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin
  • Systematische neurologische und neuropsychologische Überprüfung der Behandlung

Die Wirksamkeit und ggf. Nebenwirkungen der Behandlung werden systematisch neurologisch und neuropsychologisch überprüft. Bei epilepsiechirurgischen Fragestellungen kooperiert die Klinik mit entsprechenden Epilepsiezentren im In- und Ausland.

Vagusnervstimulation (VNS)

Bei Patienten mit bilateraler oder multifokaler Epilepsie, die sich nicht für eine resektive epilepsiechirurgische Behandlung eignen, hat sich die elektrische Stimulation des Nervus Vagus (Vagusnervstimulation) oder alternativ die Implantation eines Thalamusstimulators als Therapieoptionen zur Anfallsreduktion bewährt. Kontrollierte Studien zeigen eine Anfallsreduktion um 50 % bei ca. der Hälfte der Patienten, wobei auch nach mehreren Monaten bis zu einem Jahr noch Besserungen zu verzeichnen sind.

Seit 2014 bietet die Klinik die Behandlung mit einem Vagus-Nerve-Stimulator an. Dieser wird ähnlich wie ein Herzschrittmacher in einer Operation implantiert und sendet regelmäßige Impulse über den N. vagus Richtung Gehirn aus, die eine Epilepsie beeinflussen und behandeln sollen. Die Operation wird in Kooperation mit der Kinderklinik im 3. Orden durchgeführt, die weitere Einstellung in regelmäßigen Terminen erfolgt dann im Kinderzentrum in der Heiglhofstraße.

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Diskonnektive epilepsiechirurgische Eingriffe

Bei Patienten mit ausgedehnten Hirnfehlbildungen (z.B. Hemimegalencephalie, Polymikrogyrie) und schwer behandelbarer Epilepsie können diskonnektive epilepsiechirurgische Eingriffe wie die Hemisphärotomie, Callosotomie oder die temporo-parieto-occipitale Diskonnektion die Ausbreitung von Anfällen in das gesunde Gewebe verhindern und die Häufigkeit von klinischen Anfällen deutlich reduzieren.

Auch Patienten, die in der Vergangenheit bereits epilepsiechirurgisch behandelt wurden und trotzdem weiter an Anfällen leiden, ist eine erneute Untersuchung sinnvoll.

Famoses-Epilepsieschulung und weitere Beratungsangebote

Neben der Beratung in der ärztlichen Sprechstunde bietet die Klinik in Kooperation mit dem iSPZ der Haunerschen Kinderklinik 1-2 x jährlich eine famoses-Epilepsieschulung für Kinder mit Epilepsie und deren Eltern an. Zusätzlich kann eine ergänzende Einzelberatung von Patienten / deren Familien durch die Epilepsie Fachberaterin erfolgen. Des Weiteren veranstaltet die Klinik zusätzlich, auf die Schulungen aufbauende, themenbezogene Gruppen-Beratungstermine (z.B. zum Thema Transition).

Transitionssprechstunde

Zusammen mit Frau Dr. Astrid Peters-Weist (Neurologin im IAK Haar) bietet die Klinik seit 2 Jahren die Transitionssprechstunde ca. 1 x im Quartal an. Dabei werden Patienten kurz vor der Volljährigkeit in einem gemeinsamen Termin vorgestellt und die Krankengeschichten besprochen. Der teils schwierige Übergang in die Weiterbetreuung in der Erwachsenenmedizin wird dadurch gebahnt und erleichtert, Berührungsängste abgebaut und ein möglichst reibungsloser Transfer ermöglicht.

Das iSPZ Hauner MUC: Ganzheitliche Versorgung

Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie und ihren Familien steht im Zentrum für die ganzheitliche Diagnostik und Therapie nicht nur das epileptologische sondern das gesamte weitere SPZ-Team, unter anderem mit den Fachrichtungen Psychologie, Sozialarbeit, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Montessoritherapie, Musiktherapie zur Verfügung. So kann eine alltagsrelevante Therapieplanung Hand in Hand gemeinsam mit dem Team und den Betroffenen und ihren Familien erfolgen.

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Das Zentrum vereint medizinische, psychologische, therapeutische und sozialrechtliche Expertise unter einem Dach und ermöglicht eine umfassende biopsychosoziale Versorgung. Wenn beispielsweise ein Kind an einer schweren neurologischen Entwicklungsstörung leidet, die motorische Einschränkungen, Verhaltensauffälligkeiten und Teilhabeprobleme mit sich bringt, profitiert die Familie von der engmaschigen Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachbereiche - von der Diagnostik über die Therapieplanung bis zur Unterstützung bei sozialrechtlichen Fragen.

Die Weiterentwicklung des iSPZ Hauner MUC ist ein Leuchtturmprojekt der langjährigen Partnerschaft zwischen dem Landesverband Bayern für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (LVKM als Träger) und dem LMU Klinikum als universitärem Kompetenzpartner. Durch die räumliche Konzentration am Goetheplatz profitieren Familien von kurzen Wegen, barrierefreiem Zugang und der direkten Anbindung an die universitäre Spitzenmedizin des Dr. von Haunerschen Kinderspitals.

Ein Fallbeispiel

Ein siebenjähriger Junge leidet an einer häufigen genetischen Epilepsie. Seit seinem zweiten Lebensmonat treten schwere epileptische Anfälle und gravierende körperliche sowie geistige Beeinträchtigungen auf. Er wird mit mehreren Medikamenten zur Anfallsunterdrückung behandelt, von denen einige erst in den letzten Jahren speziell für seine genetische Epilepsieform zugelassen wurden. Dadurch konnte im letzten Jahr das Auftreten langanhaltender epileptischer Anfälle vermieden werden. Mithilfe einer robotergestützten Laufbandtherapie kann der Junge nun mit Unterstützung stehen und gehen. Diese Kombination aus modernen medizinischen Therapieverfahren, Entwicklungsförderung und sozialer Unterstützung zeichnet das iSPZ Hauner MUC aus. Studien zur Präzisions-basierten Modifikation des hier vorliegenden Gendefektes werden im nächsten Jahr am LMU Klinikum starten.

Innovative Behandlungsansätze

Entwicklungsstörungen und Epilepsien des Kindesalters sind häufig genetisch bedingt. Bei einem Fall, den Forschende im Fachmagazin „Nature Medicine“ schildern, lag eine "SCN2A-assoziierte Entwicklungs- und epileptische Enzephalopathie" (SCN2A-DEE) vor. Die SCN2A-DEE wird durch Mutationen im SCN2A-Gen verursacht. Dieses Gen führt zur Produktion eines speziellen Proteins: ein Natriumkanal, der eine entscheidende Rolle bei der Funktion von Nervenzellen spielt. Veränderungen in diesem Gen führen zu einem fehlerhaften Protein und zu einer gestörten Signalübertragung im Gehirn. Im Falle des betroffenen Kindes aus München wurde der genetische Defekt bereits im Mutterleib diagnostiziert. Der Wert solcher genetischen Testungen ist mit dem Einzug neuer Präzisionstherapien erheblich gestiegen, da im besten Fall auf der Grundlage einer spezifischen Diagnose ein innovatives personalisiertes Therapiekonzept erarbeitet werden kann.

Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche

Das Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche betreut Patienten mit allen Formen kindlicher Epilepsien. Kernaufgabe ist die kontinuierliche Begleitung der Patienten und ihrer Familien zu unterschiedlichen Krankheitsphasen. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung findet eine intensive Aufklärung über Erkrankung der Epilepsie und die daraus resultierenden Auswirkungen für die Zukunft statt. Sollte eine medikamentöse Einstellung erforderlich sein, erfolgen regelmäßige ambulante Vorstellungen zur Anfallskontrolle, mit Bestimmung der Medikamentenspiegel und zu EEG-Kontrollen. Gemeinsam mit den Familien wird so eine optimale Versorgung angestrebt mit dem primären Ziel der Anfallsfreiheit. Bei akut auftretenden Problemen, wie zum Beispiel Rezidivanfällen oder einer Anfallshäufung, wird prompte Hilfestellung angeboten.

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