Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die oft von Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Die Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt Hinweise auf genetische Prädispositionen und verschiedene Auslöser. Die Schulmedizin konzentriert sich auf die Akuttherapie mit Medikamenten und die Prophylaxe zwischen den Attacken. Alternative Ansätze, wie die Verwendung von Heilpilzen, gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Das Potenzial von Psilocybin bei Migräne
Psilocybin, eine halluzinogen und psychotrop wirksame Substanz, die in „Magic Mushrooms“ enthalten ist, wird zunehmend auf ihr therapeutisches Potenzial bei Migräne untersucht.
Studienlage zu Psilocybin und Migräne
Eine Übersichtsarbeit von Forschern um Dr. Emmanuelle Schindler von der Yale School of Medicine im Fachjournal „Current Pain and Headache Reports“ befasst sich mit dem Potenzial von Psychedelika zur Behandlung von episodischer Migräne. Die Wissenschaftler berücksichtigen auch Ergebnisse einer früheren Untersuchung, der „ersten und einzigen klinischen Studie zu psychedelischen Stoffen bei Migräne“.
In dieser placebokontrollierten Studie erhielten zehn Migränepatienten im Alter zwischen 21 und 65 Jahren mit mindestens zwei Migräneattacken pro Woche einmalig niedrigdosiertes Psilocybin (oral). Die Patienten dokumentierten ihre Migräneattacken, Symptome und Beobachtungen in einem Kopfschmerztagebuch.
Ergebnisse der Psilocybin-Studie
Die Studienautoren stellten fest, dass die Migränepatienten nach der Einnahme von Psilocybin über weniger Migränetage berichteten. Das Psychedelikum reduzierte die Migränetage von durchschnittlich 3,35 Tagen pro Woche um 1,65 Tage, also etwa um die Hälfte. Nach der Einnahme der Placebokapsel hatten sich die Migränetage lediglich um 0,15 Tage verringert. Dieses Ergebnis war statistisch signifikant.
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Ein weiteres positives Ergebnis war, dass die Patienten nach der Einnahme von Psilocybin eine längere attackenfreie Zeit hatten. Während nach der Placebogabe der nächste Migräneanfall bereits nach fünf Tagen wieder auftrat, hatten die Migränepatienten nach der Einnahme von Psilocybin 10,3 Tage zwischen den Attacken, in denen es ihnen gut ging. Auch dieses Ergebnis war statistisch signifikant. Hinsichtlich der Nebenwirkungen wurde Psilocybin in der Studie als gut verträglich eingestuft.
Interessant war, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Verringerung der Migränetage und den psychotropen Effekten von Psilocybin gab. Die Studienautoren bewerteten die Ergebnisse als Hinweise darauf, dass bereits eine einmalige Verabreichung von Psilocybin anhaltend bei Migränekopfschmerzen wirken könne. Zudem sei wichtig, dass die akute psychotrope Wirkung unabhängig von der therapeutischen Wirkung gewesen sei.
Wie wirkt Psilocybin bei Migräne?
Psilocybin könnte auf zwei Arten eine Migräne beeinflussen:
- Ähnlichkeit mit Triptanen: Psilocybin ähnelt chemisch Triptanen, die derzeit als die wirksamsten Substanzen bei akuten Migräneattacken gelten.
- Bewusstseinsveränderung: Psilocybin wirkt bewusstseinsverändernd und halluzinogen, was die Patienten von ihren Migränebeschwerden ablenken könnte. Allerdings wäre eine dauerhafte, durch Psilocybin induzierte Wahrnehmungsveränderung für den Alltag nicht praktikabel und würde lediglich den Schmerz unterdrücken, während die Ursache der Migräne unbehandelt bleibt.
Psilocybin als „Übergangsmittel“ mit langer Wirkung?
Es bleibt die Frage, wann Psilocybin eine Option für Migränepatienten sein könnte. Dr. Schindler sieht in Psilocybin möglicherweise ein „Übergangsmittel“, das eine lange Zeitspanne ohne Migräneattacken ermöglicht.
Heilpilze als alternative Therapie bei Migräne
Neben Psilocybin gibt es auch andere Heilpilze, die bei der Behandlung von Migräne eingesetzt werden können.
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Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Heilpilze
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) betrachtet Migräne als eine Erkrankung, die durch gestautes Qi (Lebensenergie) in Leber und Gallenblase entsteht. Das Qi stagniert, steigt anschließend durch die Meridiane nach oben in den Kopf und löst dort heftige Schmerzen aus. Durch die Stagnation kann das Qi auch den Magen angreifen und hier zu der migränetypischen Übelkeit und Erbrechen führen.
Die beschriebene Stagnation entsteht laut TCM durch falsche Ernährungsgewohnheiten, wobei besonders Rotwein, Milchkaffee, Hartkäse und Speisen, die Glutamat, Nitrite und Nitrate enthalten, die Leber und Gallenblase belasten. Die Kombination von fettigen Speisen mit Zucker und / oder Alkohol gilt dabei als der stärkste Auslöser von Migräne.
Empfohlene Heilpilze bei Migräne
Zur allgemeinen Migränetherapie empfiehlt sich die Einnahme einer Kombination aus Reishi und Shiitake. Beide Heilpilze haben die Eigenschaft, die Durchblutung in den kleinsten Blutgefäßen - auch im Gehirn - zu verbessern, was bei der Prophylaxe von Migräneattacken von Bedeutung ist. Zudem verbessert speziell der Reishi die Sauerstoffversorgung des Körpers, wirkt leberstärkend, ausgleichend und stressregulierend.
Insbesondere auch die Kombination der Einnahme von Reishi und Shiitake mit der regelmäßigen Durchführung eines Kaffee-Einlaufs - einem der besten natürlichen Mittel zur Förderung des Gallenflusses - hat sich bewährt, um Kopf- und Migräneschmerzen schnell zu lindern bzw. zu vermeiden. Wenn der Patient weiß, dass vor allem Stress sein Migräne-Trigger ist, kann zusätzlich auch noch die Gabe von Cordyceps und Auricularia sinnvoll sein. Dem Cordyceps werden kräftigende Eigenschaften sowohl auf der physischen, als auch auf der psychischen Ebene zugesprochen, zudem wirkt er ausgleichend auf den überschießenden Hormonhaushalt im Gehirn.
Bedeutung der Anregung des Gallenflusses
Sehr wichtig bei der Behandlung von Migräne ist auch die Anregung des Gallenflusses, der entscheidend für unsere Gesundheit ist. Die Gallenflüssigkeit erfüllt viele wichtige Aufgaben im unserem Organismus und transportiert zum Beispiel fettlösliche Toxine, die in der Leber entgiftet werden, wieder aus dem Körper. Bitterstoffe sind für die Leber und die Galle sehr wichtig. Sie wirken der Übersäuerung des Körpers entgegen und unterstützen die Leber bei ihrer Entgiftungsarbeit, indem sie die Bildung von Verdauungssäften anregen und den Gallensaft flüssig halten. Die Wirkung der Heilpilze zeigt sich nicht zuletzt auch durch ihren hohen Gehalt an bitteren Inhaltsstoffen. Dazu zählen zum Beispiel die Triterpene und die Steroide, die zur größten Klasse der Bitterstoffe gehören und in allen Heilpilzen vorkommen.
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Wirkungsweise der Heilpilze
Die beschriebenen Wirkungen beruhen auf der Einnahme von Heilpilzpulver, das aus dem ganzen Pilz hergestellt wurde. Es ist wichtig zu beachten, dass die Heilpilz-Präparate und -Pulver, die auf dem Markt sind, nicht mit herkömmlichen Medikamenten verwechselt werden dürfen. Sie sind eher vergleichbar mit Mitteln, die auf pflanzlicher Basis hergestellt werden und in der Apotheke oder im Supermarkt zu bekommen sind. Vitalpilze ersetzen keine medizinische Behandlung.
Weitere wichtige Vitalpilze und ihre Eigenschaften
Es gibt Hunderte verschiedener Vitalpilze, und vermutlich ist jeder essbare Pilz letztlich auch ein Vitalpilz oder zumindest ein Superfood. Doch nicht alle sind bisher erforscht und in ihrer Wirkung bestätigt. Im Folgenden werden einige häufig verwendete Arten vorgestellt:
- Agaricus blazei murrill (ABM): Auch bekannt als Mandelpilz, ist in Südamerika beheimatet und bekannt für seine regulierende Wirkung auf das Immunsystem. Er wird sowohl bei Allergien und Autoimmunerkrankungen als auch begleitend bei Krebserkrankungen eingesetzt.
- Auricularia auricula-judae (Judasohr): Gilt als „Blutverdünner“ unter den Pilzen. Er hemmt Fibringerinnsel und die Thrombozytenaggregation und wirkt gefäßentspannend und -erweiternd auf die Arterien. Aufgrund dieser Eigenschaften kommt er bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Durchblutungsstörungen adjuvant zur Anwendung.
- Coprinus comatus (Schopftintling): Zu seinen Indikationen zählt sowohl Typ-2-Diabetes als auch die späte Typ-1-Form LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults). Eine antidiabetische Wirkung führt man auf eine Verringerung der Insulinresistenz, eine Senkung erhöhten Blutzuckers sowie eine Reduzierung der Eiweißverzuckerung zurück.
- Cordyceps sinensis und militaris (Raupenpilz und Puppenkernkeule): Erlangte aufgrund seiner leistungssteigernden Eigenschaften Berühmtheit. Das macht ihn sowohl für Sportler als auch für Menschen, die unter Schwäche, Energie- und Antriebslosigkeit oder depressiven Zuständen leiden, interessant.
- Hericium erinaceus (Igelstachelbart): Setzt an der wichtigen Darm-Hirn-Achse an und findet, häufig auch als ergänzende Therapie, Verwendung bei allen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und des Nervensystems.
- Reishi (Glänzender Lackporling): Einer der berühmtesten Heilpilze. Zu seinen zahlreichen Indikationen zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzstärkung und Blutdrucksenkung sowie eine Verbesserung des Sauerstoffgehalts im Blut. Die ihm zugeschriebenen antientzündlichen Eigenschaften machen ihn zu einem gebräuchlichen Therapeutikum gegen Zivilisationskrankheiten wie Arteriosklerose, Arthrose und Autoimmunerkrankungen.
Anwendung von Vitalpilzen nach Indikationen
Aufgrund der zahlreichen Indikationen kommt die Mykotherapie sowohl für die Prävention als auch bei vielen chronischen und auch einigen akuten Beschwerden zur Anwendung. Seit über 20 Jahren gibt es eine gute Erfahrungslage mit Pilzpulver, das noch sämtliche Pilzinhaltsstoffe besitzt. Eine Einnahme über den Tag verteilt ist oft effektiver als eine einmalige Gabe, die Therapiedauer richtet sich am Beschwerdebild aus.
Immunregulation bei Allergien und Autoimmunerkrankungen
Viele Vitalpilze gelten als entzündungshemmende Immunmodulatoren, die überschießende Immunreaktionen reduzieren und gleichzeitig eine gesunde Erregerabwehr ermöglichen. Bei Allergien können Pilze wie Pleurotus oder Reishi die erhöhte Histaminausschüttung senken und die Mastzellen stabilisieren. Hericium und Reishi sorgen für eine gesunde Darmschleimhaut und damit für den Histaminabbau. Somit wird die Allergieneigung auch langfristig gesenkt.
Nervenregeneration bei Konzentrationsstörungen und Demenz
Pilze enthalten viele bioaktive Verbindungen, die auch dem Nervensystem nützen. Besonders sticht hier Hericium erinaceus (Igelstachelbart) hervor, der den Nervenwachstumsfaktor (NGF) ankurbeln kann und dadurch unter anderem zu Nervenschutz und -regeneration beiträgt.
Psychosomatische Störungen: Stress, Erschöpfung, Schlafstörungen
Pilze wie Cordyceps, Hericium oder Reishi können dabei helfen, die Stressresistenz zu erhöhen, die Schlafqualität zu verbessern und die Stimmung aufzuhellen.
Fette, Cholesterin und Blutzucker senken
Eine gute Unterstützung für übergewichtige Menschen, die von gefährlichem Bauchfett oder Fettleber betroffen sind, bieten Coprinus und Maitake. Sie werden bei erhöhten Blutfetten, Fettleber und Diabetes verwendet.
Löwenmähne (Hericium erinaceus) im Detail
Die Löwenmähne, auch bekannt als Igel-Stachelbart oder Affenkopfpilz, ist ein vielversprechender Heilpilz mit vielfältigen positiven Wirkungen auf Körper und Psyche.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung
Der Fruchtkörper und das Myzel der Löwenmähne sind reich an Proteinen, Aminosäuren, Mineralien, Vitaminen und bioaktiven Stoffen. Besonders die sekundären Pflanzenstoffe Hericenon und Erinacin scheinen für die positive Wirkung auf das Nervensystem sowie auf die kognitive Leistungsfähigkeit verantwortlich zu sein. Dabei spielt der Nervenwachstumsfaktor NGF eine bedeutende Rolle.
Positive Effekte auf Nervensystem und kognitive Funktionen
Studien haben gezeigt, dass die kognitive Leistungsfähigkeit mit der Dauer der Einnahme von Löwenmähne anstieg. Tierstudien deuten darauf hin, dass die Löwenmähne und darin enthaltene Extrakte die Symptome des Gedächtnisverlusts reduzieren und neuronale Schäden verhindern können, die durch Alzheimer-Plaques verursacht werden.
Linderung von Depressionen und Angstzuständen
Eine Studie an Frauen in den Wechseljahren zeigte, dass der tägliche Verzehr von Keksen, die den Pilz enthielten, zu weniger depressiven Symptomen und Angstgefühlen führte als Placebo-Kekse. Auch eine italienische Studie aus dem Jahr 2019 mit übergewichtigen und fettleibigen Menschen zeigte, dass die Löwenmähne Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen verbesserte.
Verbesserung des Hörvermögens
Eine taiwanesische Studie aus dem Jahr 2022 ergab, dass die Löwenmähne vor allem durch seine antioxidative Wirkung in der Lage ist, den Hörverlust bei Menschen zwischen 50 und 79 Jahre zu verbessern.
Positive Wirkung auf das Verdauungssystem
Mehrere Studien belegen, dass sich die Löwenmähne positiv auf das Verdauungssystem auswirken kann. So kann der Pilz etwa dabei helfen, Magengeschwüre zu verhindern. Eine norwegische Studie an Patienten mit Colitis ulcerosa zeigte, dass ein Arzneimittel, das zu 15 % aus Löwenmähnen-Extrakt besteht, zu einer Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität führte.
Förderung einer gesunden Darmflora
Studien haben gezeigt, dass die Löwenmähne die Alpha-Diversität, also die Artenvielfalt der Bakterien in der Darmflora, als auch die Häufigkeit einiger Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren produzieren, erhöhte. Gleichzeitig führte die Einnahme des Pilzes in der Studie zu einer Reduktion von Darmbakterien, die mit der Entstehung von Krankheiten in Verbindung gebracht werden.
Weitere potenzielle Vorteile
Die Löwenmähne kann sich überdies positiv auf einige der wichtigsten Risikofaktoren für Herzerkrankungen auswirken und die Oxidation des LDL-Cholesterins im Blutkreislauf verhindern. Ein Erklärungsansatz für die blutzuckersenkende Wirkung besteht darin, dass die Löwenmähne die Aktivität des Enzyms Alpha-Glucosidase blockiert.
Nebenwirkungen und Dosierung
Die Löwenmähne scheint Studien zufolge nur selten und wenige Nebenwirkungen zu haben. Wer jedoch allergisch auf Pilze reagiert, sollte die Löwenmähne meiden. Um die kognitive Funktion zu verbessern, empfehlen Forscher 3-5 g des getrockneten Fruchtkörpers pro Tag einzunehmen.
Zubereitung und Verzehr
Der Geschmack des Pilzes wird als hummerähnlich beschrieben, weshalb er als Fleischersatz verwendet werden kann sowie als leckere Zutat für Risotto, Pasta oder Suppe dienen kann. In Form von Pulver kann die Löwenmähne auch in heißes Wasser, Tee, Kaffee, Eistee, Smoothies oder auch in eine Goldene Milch gemischt sowie den verschiedensten Speisen untergerührt werden.