Helicobacter pylori und neurologische Symptome: Ein umfassender Überblick

Helicobacter pylori (H. pylori) ist ein gramnegatives, schraubenförmiges Bakterium, das den menschlichen Magen besiedeln und eine Gastritis auslösen kann. Die weltweite Prävalenz der H. pylori-Infektion variiert stark zwischen verschiedenen Regionen. In Afrika ist sie mit 70,1 % am höchsten, während sie in Ozeanien mit 24,4 % am niedrigsten ist. In Deutschland liegt der Wert bei 35,5 %. Die Infektion wird meist im Kindesalter durch engen Kontakt zu infizierten Erwachsenen erworben.

Helicobacter pylori und Gastritis

Eine Infektion mit H. pylori kann verschiedene Formen der Gastritis verursachen:

  • Typ-A-Gastritis (Autoimmungastritis): Hierbei werden Parietalzellen des Magens durch körpereigene Immunprozesse geschädigt und zerstört. Die Typ-A-Gastritis kann sich auch aus einer vorangegangenen Infektion mit H. pylori entwickeln. Speziell für die Typ-A-Gastritis sind die Symptome eines Vitamin-B12-Mangels. Dazu gehören unspezifische neurologische Symptome wie Antriebslosigkeit, Impotenz oder eine Visusverschlechterung, also eine Verschlechterung des Sehvermögens. Weiterhin sind Empfindungsstörungen möglich.
  • Typ-B-Gastritis (Bakterielle Gastritis): Diese Form wird durch die Infektion mit H. pylori ausgelöst. Das Bakterium schädigt das Gewebe der Magenschleimhaut, was zu einem Magenulkus führen kann.
  • Typ-C-Gastritis (Chemische Gastritis): Hier wird das saure Milieu des Magens durch Medikamente oder zurückfließenden Dünndarmsaft gestört.

Symptome einer Helicobacter pylori-Infektion

Sehr oft verläuft eine Infektion mit Helicobacter pylori symptomlos. Sollte es doch zu Beschwerden kommen, umfassen diese unter anderem Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, Sodbrennen, Durchfall, Magenschmerzen, Appetitlosigkeit oder Mundgeruch auf. Zu den charakteristischen Beschwerden unter einer Helicobacter pylori-Infektion zählen Oberbauchschmerzen, Druckschmerz und Druckgefühl, Übelkeit, auch Aufstoßen. Unbehandelt kann die Infektion chronische Gastritis, Ulzera in Magen und Zwölffingerdarm und gastrointestinale Blutungen auslösen.

Die klinische Manifestation einer H. pylori-Infektion zeigt sich sehr variabel. Die meisten Betroffenen sind asymptomatisch, während beim symptomatischen Verlauf unspezifische leichte gastrointestinale Beschwerden bis hin zur akuten Blutung und Perforation als Ulkus-Komplikation auftreten können.

Da die H. pylori-Infektion zu einer Magenschleimhautentzündung führt, manifestieren sich die häufigsten Symptome im Rahmen einer akuten Gastritis. Hierfür existiert kein typisches Beschwerdebild. Mögliche Symptome sind:

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  • Völlegefühl
  • Sodbrennen
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Bei der chronischen Gastritis können diese Beschwerden in geringfügiger Form auftreten oder abwesend sein. Ausschließlich anhand der klinischen Symptomatik ist es jedoch nicht möglich zwischen einer H. pylori-positiven und einer H.

Neurologische Symptome im Zusammenhang mit Helicobacter pylori

In den letzten Jahren ist H. pylori verstärkt in den Fokus der Forschung geraten, da es möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung von neurologischen Erkrankungen spielen könnte.

Parkinson-Krankheit

Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass H. pylori bei der Entstehung der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielen könnte. Parkinson-Patienten sind 1,5- bis 3-mal häufiger mit H. pylori infiziert als Menschen ohne Parkinson. Helicobacter-Träger weisen eine schlechtere motorische Funktion auf als Patienten ohne den Keim. Parkinsonkranke, die sich einer Helicobacter-Eradikation unterziehen, schneiden motorisch besser ab als Leidensgenossen, die das Magenbakterium behalten. Zudem scheint die Eliminierung des Magenkeims noch einen weiteren günstigen Effekt zu haben: Die Eradikation verbessert die Levodopa-Absorption im Vergleich zu Patienten ohne Eradikation.

Die Mechanismen, die diesen Effekten zugrunde liegen, sind allerdings noch nicht ausreichend verstanden. Mögliche Erklärungen sind:

  • Bakterielle Toxine, die von Helicobacter pylori produziert werden, können Neuronen schädigen.
  • Die Infektion mit dem Magenkeim löst eine massive lokale Entzündungsreaktion aus, die wiederum über die Darm-Hirn-Achse zu einer Neuroinflammation führt.
  • H. pylori kann das intestinale Mikrobiom empfindlich stören.
  • Die Bakterien verringern die gastrointestinale Resorption von Levodopa, das zur Parkinson-Behandlung eingesetzt wird.

Alzheimer-Krankheit

Eine symptomatische Infektion mit H. pylori scheint das Alzheimer-Risiko bei Menschen über 50 Jahre zu erhöhen. In einer großen Studie errechnete ein Team eine Erhöhung des relativen Risikos um elf Prozent.

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Vitamin-B12-Mangel und neurologische Symptome

Bei der Typ-A-Gastritis, die sich aus einer vorangegangenen Infektion mit H. pylori entwickeln kann, werden Parietalzellen des Magens durch körpereigene Immunprozesse geschädigt und zerstört. Diese Zellen produzieren normalerweise Salzsäure und Intrinsic-Faktor. Der Intrinsic-Factor wird im Dünndarm für die Aufnahme von Vitamin B12 benötigt. Ein Mangel an Vitamin B12 kann unspezifische neurologische Symptome wie Antriebslosigkeit, Impotenz oder eine Visusverschlechterung verursachen. Weiterhin sind Empfindungsstörungen möglich.

Diagnose einer Helicobacter pylori-Infektion

Zur Diagnose von Helicobacter pylori nutzen Ärzte entweder invasive (in den Körper eindringende) oder nicht-invasive Methoden. Zu den invasiven Diagnoseverfahren zählen beispielweise Gastroskopie (Magenspiegelung), Biopsie (Gewebeprobe) und der damit verbundene Nachweis von Bakterienkulturen aus dem entnommenen Gewebe. Eine nicht-invasive Diagnose findet etwa über Blut-, Stuhl- und Speichelproben oder über den Harnstoff-Atemtest statt.

Es wird empfohlen nur Patienten und Patientinnen auf das Vorliegen von H. pylori zu testen, bei denen ein positiver Test die Therapie beeinflussen würde. Indikationen zur Testung stellen dar:

  • In der Vorgeschichte bekanntes oder neu nachgewiesenes Ulkus ventrikuli oder duodeni
  • Gastrales MALT-Lymphom
  • Dyspepsie
  • ITP (idiopathische thrombozytopenische Purpura)
  • IgA Vaskulitis
  • Ungeklärte oder refraktäre Eisenmangelanämie
  • Erhöhtes Magenkarzinomrisiko
  • Geplante Dauertherapie mit niedrig dosiertem Acetylsalicylsäure (ASS), nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und/ oder Antikoagulation bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Ulkus-Krankheit
  • Entwicklung einer gastroduodenalen Blutung unter Einnahme von NSAR, ASS, Antikoagulanzien und/ oder P2Y12-Inhibitoren

Behandlung einer Helicobacter pylori-Infektion

Üblicherweise stützt sich die Therapie einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori auf die Gabe von Antibiotika, die gemeinsam mit Protonenpumpenhemmern (reduzieren die Magensäureproduktion) eingesetzt werden. In der Regel findet dabei die sogenannte Triple-Therapie (zwei Antibiotika, ein Protonenpumpenhemmer) statt. Bleibt diese erfolglos wird sie mit einem weiteren Antibiotikum (Quadrupel-Therapie) ergänzt.

Als Erst-Linientherapie wird eine Bismuthaltige Quadrupeltherapie für zehn Tage empfohlen, wobei eine Eradikationsrate von >90% angestrebt wird. Diese Quadrupeltherapie besteht aus Protonenpumpenhemmern, Bismut, Tetracyclin und Metronidazol (Pylera als Kombinationspräparat).

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Wenn die Erstlinientherapie erfolglos bleibt, wird eine Resistenztestung empfohlen. Hierbei sollte insbesondere eine mögliche Resistenz gegenüber Clarithromycin untersucht werden, da dieses Schlüsselbestandteil der Standard-Triple-Therapie ist, welche als Zweit-Linientherapie für 14 Tage empfohlen wird. Sie besteht aus Protonenpumpenhemmer, Clarithromycin und Amoxicillin.

Prätherapeutische Resistenzen gegen Amoxicillin sind sehr selten. Besteht eine Penicillin-Allergie, kann Amoxicillin durch Metronidazol ersetzt werden. Ebenfalls kann eine Fluorchinolon-haltige Triple-Therapie erfolgen. Versagt auch die Zweit-Linientherapie, erfolgen weitere Therapieversuche ausschließlich durch Spezialisten und Spezialistinnen nach Reserveschemata.

Prävention einer Helicobacter pylori-Infektion

Wie die Infizierung mit dem Keim vonstattengeht, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt einige Risikofaktoren, die die Gefahr erhöhen sich mit Helicobacter anzustecken. Zur Prävention einer Infektion mit Helicobacter pylori ist es daher sinnvoll, auf die genannten Faktoren - sofern möglich - so gut es geht zu verzichten. Außerdem empfiehlt es sich, insbesondere im Umgang mit Essen und etwa nach dem Toilettengang, eine gute Hygiene einzuhalten.

Generell ist es zur Vorbeugung empfehlenswert, die tägliche Ernährung auf mehrere kleine, statt wenige große Mahlzeiten zu verteilen. Geeignete und magenschonende Zubereitungsarten sind unter anderem Dämpfen, Dünsten oder Garen in Folie.

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