Ein Schlaganfall trifft Betroffene und ihre Angehörigen oft unvorbereitet und stellt das Leben aller Beteiligten auf den Kopf. Die plötzliche Veränderung und die damit verbundenen Herausforderungen können überwältigend sein. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte der Schlaganfall-Hilfe für Angehörige, von der ersten Reaktion bis zur langfristigen Unterstützung und Pflege.
Die unerwartete Herausforderung: Wenn der Schlaganfall das Leben verändert
Ein Schlaganfall kommt plötzlich und unerwartet. Niemand ist darauf vorbereitet. Diese Unvorhersehbarkeit macht die Krankheit zu einer großen Herausforderung für die Betroffenen und ihre Familien. Angehörige stehen plötzlich vor der Aufgabe, Entscheidungen zu treffen, für die sie nicht vorbereitet sind, und sich um die Organisation des weiteren Lebens zu kümmern.
"Ein Schlaganfall trifft nie einen Menschen allein", lautet ein treffendes Motto. Viele Angehörige fühlen sich von den Folgen des Schlaganfalls mitbetroffen und in der Verantwortung, sich um das weitere Leben zu kümmern. Oftmals wenden sich sogar mehr Angehörige als Betroffene mit ihren Fragen und Sorgen an die Schlaganfall-Hilfe.
Die erste Reaktion: Ruhe bewahren und Unterstützung zeigen
Angehörige sind meist die wichtigsten Bezugspersonen für die Patienten. Ihr Verhalten kann dazu beitragen, dass sich insbesondere der psychische Zustand der Patienten kurz nach einem Schlaganfall stabilisiert. Bereits beim ersten Besuch im Krankenhaus sollten sie Ruhe ausstrahlen. Durch Berührung können sie dem Patient ihre Liebe, Anteilnahme, Verständnis und Fürsorge zeigen. Im Falle einer Sprachstörung können einfache Zeichen der Verständigung dienen.
Rehabilitation: Aktive Unterstützung und Vorbereitung auf die Zukunft
Während der Rehabilitation können und sollen Angehörige die therapeutischen Maßnahmen aktiv unterstützen. Dies ist ein entscheidender Punkt, um Fortschritte bei dem Patient zu erzielen und fördert zudem sein Selbstwertgefühl. Im Gespräch mit den Therapeuten erfahren Angehörige, was sie im Umgang mit dem Schlaganfall-Betroffenen beachten sollten und welche Übungen sinnvoll sind, um den Rehabilitationsprozess zu fördern.
Lesen Sie auch: Schnelle Hilfe ist entscheidend: Schlaganfall
Zudem sollten Angehörige die Zeit nach der Rehabilitation vorbereiten. Dazu gehört die rechtzeitige Beantragung und Beschaffung von Hilfsmitteln ebenso wie Vorbereitungen zu Hause auf die neue Situation.
Das Leben zu Hause: Anpassung des Wohnraums und Förderung der Selbstständigkeit
Ist der Patient wieder zu Hause, sollte die Wohnung so gestaltet sein, dass er sich möglichst selbstständig bewegen und agieren kann. Das ist natürlich auch abhängig vom Ausmaß seiner Behinderung. Zu den größten Gefahrenquellen gehören hohe Türschwellen. Über sie sollten Rampen mit rutschfesten Bodenbelegen gelegt werden. Im Bad sind Haltgriffe am Waschbecken, in der Dusche und an der Toilette wichtig. Das Toilettenpapier muss mit der gesunden Hand erreichbar sein und auf den Boden gehören rutschfeste Matten.
Leidet der Patient als Folge des Schlaganfalls unter schweren Hirnleistungsstörungen, sollten möglichst viele Einrichtungsgegenstände an ihrem alten Platz stehen. Pflegebedürftige Patienten sollten alle wichtigen Dinge in ihrer unmittelbaren Nähe haben. Um das Bett herum muss ausreichend Platz sein, um ihn in den Rollstuhl zu heben. Liegt eine Halbseitenschwäche vor, ist es wichtig, die betroffene Seite zu stimulieren. Der Nachtisch und der Fernseher sollten sich deshalb vorzugsweise auf der durch die Lähmung beeinträchtigten Seite des Patienten befinden. Er wird dadurch automatisch dazu angehalten, mit der geschwächten Seite aktiv zu werden.
Medikamente, Ernährung und psychische Gesundheit: Wichtige Aspekte der Pflege
Eine wichtige Aufgabe der Angehörigen ist es, auf die regelmäßige Einnahme der vom Arzt verordneten Medikamente zu achten. Hilfreich ist dabei, jeden Morgen die über den Tag benötigten Medikamente in Schälchen für die Einnahme morgens, mittags und abends zu legen. Auch Blutdruck, Puls und Blutzucker sollten regelmäßig kontrolliert werden. Die Ernährung sollte fettarm und die Flüssigkeitszufuhr ausreichend sein. Empfohlen werden mindestens 2 Liter am Tag. Zigaretten sind für die Patienten tabu.
Ein Schlaganfall führt bei vielen Betroffenen zu psychischer Instabilität. Für Patienten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, wie beispielsweise Rollstühle, Gehhilfen, Treppenlifte etc., die das Leben erleichtern. Sie sollten aber nicht länger als unbedingt notwendig benutzt werden, damit die Patienten möglichst schnell wieder ihre Unabhängigkeit wiedererlangen. Beim Essen ist eine gerade Sitzhaltung wichtig. Ein Kissen oder eine Decke im Rücken kann dabei die richtige Sitzposition unterstützen und stabilisieren. Gefüttert werden sollte der Patient nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Allerdings ist sicher zu stellen, dass er genügend Nahrung und Flüssigkeit zu sich nimmt, da Austrocknung das Wiederholungsrisiko erhöht.
Lesen Sie auch: Alles über Schlaganfallhilfe in Deutschland
Sport, Reisen und Sexualität: Ein erfülltes Leben trotz Schlaganfall
Wenn es der körperliche Zustand des Patienten zulässt, sollten die Angehörigen ihn motivieren, sich sportlich zu betätigen. Sport führt zu einer Verbesserung des Gesamtzustandes des Patienten, indem er anregt, Selbstvertrauen schafft und die Lebensfreude steigert. Zudem hilft sportliche Aktivität dabei, die Muskulatur zu stärken und Bewegungsabläufe zu verbessern. Regelmäßig Sport treiben verringert die Risiken für weitere Schlaganfälle.
Auch Reisen sind für Schlaganfall-Patienten möglich. Sie sollten allerdings keinen Extremsituationen ausgesetzt werden. Länder, in denen sehr hohe oder niedrige Temperaturen herrschen, sollten gemieden werden. Vor jeder Reise sollte man sich vergewissern, ob am Urlaubsort eine gute ärztliche Versorgung gewährleistet ist.
Für den Lebenspartner ist es wichtig zu wissen, dass ein Schlaganfall die sexuellen Bedürfnisse und Leistungsfähigkeit des Patienten nicht beeinträchtigt. Allerdings können sich spezielle Medikamente potenzmindernd auswirken. Ist der Blutdruck des Patienten gut eingestellt, besteht keine Gefahr, durch sexuelle Aktivität einen Schlaganfall zu erleiden.
Die Bedeutung der Kommunikation: Sprachstörungen überwinden
Ein Schlaganfall kann Sprachstörungen verursachen, die die Kommunikation erheblich erschweren. Es ist wichtig, geduldig zu sein und dem Angehörigen Zeit zu geben, seine Gedanken zu formulieren. Nehmen Sie dem Angehörigen die Wörter nicht vorweg. Reden Sie langsam und deutlich und geben Sie positive Rückmeldungen für jeden sprachlichen Erfolg. Lassen Sie Fehler, Fehler sein und animieren Sie Freunde, Bekannte und Angehörige, sich an Gesprächen zu beteiligen.
Prophylaxe: Erneuten Schlaganfällen vorbeugen
Bei der Pflege von Patienten mit Schlaganfall ist es besonders wichtig, erneuten Schlaganfällen vorzubeugen. Achten Sie auf die Risikofaktoren und ergreifen Sie vorbeugende Maßnahmen. Vermeiden Sie Bluthochdruck, motivieren Sie Ihren Angehörigen mit dem Rauchen aufzuhören, lassen Sie die Zuckerkrankheit überwachen und helfen Sie Ihrem Angehörigen dabei, Übergewicht zu verlieren.
Lesen Sie auch: Ratgeber für Angehörige von Schlaganfallpatienten
Pflegestufe und Grad der Behinderung: Ansprüche und Unterstützung
Nach einem Schlaganfall kann ein Pflegebedarf entstehen. Die Pflegekasse hat die Möglichkeit, einen Pflegegrad zwischen 1 und 5 zu vergeben. Je höher der Pflegegrad ausfällt, desto häufiger ist er auf eine pflegerische Unterstützung im Alltag angewiesen. Auch ein Grad der Behinderung kann festgestellt werden, der den Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis ermöglicht.
Therapie und Rehabilitation: Den Weg zurück ins Leben finden
Je nach Ausprägung des Schlaganfalls wartet auf Patienten ein teils langwieriger Therapieprozess. Um Bewegungs- und Sprachstörungen zu lindern, können verschiedene Therapiemaßnahmen ergriffen werden, wie beispielsweise die Ergotherapie oder die Logopädie.
Häusliche Pflege oder stationäre Einrichtung: Die richtige Entscheidung treffen
Menschen, die einen Schlaganfall durchlebt haben, können grundsätzlich zu Hause oder in einer stationären Einrichtung gepflegt werden. Die häusliche Pflege ermöglicht es dem Patienten, in seiner gewohnten Umgebung zu bleiben. Womöglich ist es dazu aber nötig, die Wohnumgebung an die Patientenbedürfnisse anzupassen. Wenn die häusliche Pflege nicht möglich ist, kann eine Unterbringung in einem Pflegeheim sinnvoll sein.
Hilfsmittel: Unterstützung im Alltag
Hilfsmittel für Schlaganfallpatienten können die Selbstständigkeit des Betroffenen erhöhen, die Hygiene unterstützen und Ihnen Entlastung im Pflege-Alltag bringen. Es gibt technische Hilfsmittel wie Rollator, Rollstuhl, Pflegebett, Badewannenlift oder Hausnotruf, aber auch elektronische Hilfsmittel und Alltagshilfen wie sprechende Zeigetafeln oder Kombinationsgeräte mit Touchscreen und Sprachausgabe. Bei Bewegungseinschränkungen sind einfache Hilfsmittel wie besonderes Besteck, Dosenöffner, Teleskopschuhanzieher oder Greifzangen sinnvoll. Auch Pflegehilfsmittel zum Verbrauch wie Bettschutzeinlagen und Schutzkittel zur Inkontinenz-Pflege sind erhältlich.
Die Bedeutung der Selbsthilfe: Austausch und Unterstützung für Angehörige
Um mit dieser neuen, schwierigen Situation zurecht zu kommen, sollten sich Patienten und Angehörige nicht scheuen, die Hilfe und Unterstützung anderer in Anspruch zu nehmen. Neben dem behandelnden Arzt und den an der Rehabilitation beteiligten Therapeuten sind dies insbesondere auch die Selbsthilfegruppen. In Deutschland gibt es mehr als 350 Selbsthilfegruppen. Sie dienen dem Austausch von Erfahrungen, ermöglichen die gegenseitige Unterstützung bei Problemen und bieten häufig Angebote für die gemeinsame Freizeitgestaltung an.
Die eigenen Grenzen erkennen: Selbstfürsorge für pflegende Angehörige
Wer nicht auf sich selbst Rücksicht nimmt, kann auf Dauer auch niemand anderen versorgen. Achten Sie also auch auf Ihre eigenen Grenzen, um sich nicht selbst zu überfordern. Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, alles selbst zu machen. Es ist nie ein Zeichen mangelnder Kompetenz, Fachleute hinzuziehen. Das gilt auch für die Pflege von Familienmitgliedern.
tags: #hilfe #bei #schlaganfall