Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, von der etwa 10 % der Menschen im Laufe ihres Lebens betroffen sind. Dank moderner Diagnostik und Behandlungsmethoden kann die Krankheit heute jedoch sicher diagnostiziert und gut behandelt werden. Doch was passiert im Gehirn während eines epileptischen Anfalls, und hinterlässt ein solcher Anfall Spuren? Dieser Frage soll im folgenden Artikel nachgegangen werden.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet. Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine plötzliche, unkontrollierte Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Das Gehirn besteht aus etwa 80 Milliarden Nervenzellen, die miteinander in Kontakt stehen und unter Spannung sind. Kommt es zu einem Kurzschluss oder einer Übererregung in diesen Zellen, kann ein Anfall auftreten.
Ursachen und Auslöser
Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. In vielen Fällen ist die genaue Ursache unbekannt (idiopathische Epilepsie), aber es gibt auch eine Reihe von Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung einer Epilepsie erhöhen können:
- Genetische Veranlagung: Epilepsie selbst ist nicht direkt vererbbar, aber die Neigung zu Anfällen kann genetisch bedingt sein. Es gibt auch genetische Syndrome, die mit Epilepsie einhergehen, wie z.B. das Landau-Kleffner-Syndrom oder die Trisomie 21.
- Hirnschädigungen: Verletzungen des Gehirns, wie z.B. Schlaganfälle, Tumore, Schädel-Hirn-Traumata oder Entzündungen, können Narben im Gehirn hinterlassen, die eine Instabilität in den Gehirnzellverbänden verursachen und so Anfälle auslösen können.
- Stoffwechselstörungen: Stoffwechselstörungen wie Unterzuckerung oder Störungen des Elektrolythaushaltes können ebenfalls Anfälle provozieren.
- Äußere Faktoren: Schlafentzug, unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, übermäßiger Alkoholkonsum oder bestimmte optische Reize (z.B. Stroboskoplicht) können bei anfälligen Personen Anfälle auslösen.
Arten von Anfällen
Epileptische Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen fokalen (partiellen) und generalisierten Anfällen:
- Fokale Anfälle: Diese Anfälle gehen von einer bestimmten Region im Gehirn aus. Die Symptome hängen davon ab, welches Hirnareal betroffen ist. Mögliche Symptome sind z.B. Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen, Zuckungen einzelner Muskeln oder Bewusstseinsstörungen. Fokale Anfälle können sich mit einer Aura ankündigen, einem Vorgefühl oder einer schwer zu beschreibenden Sensation.
- Generalisierte Anfälle: Bei dieser Art von Anfall ist das gesamte Gehirn betroffen. Ein typisches Beispiel ist der Grand-mal-Anfall (tonisch-klonischer Anfall), bei dem es zu Bewusstseinsverlust, Verkrampfungen und Zuckungen des ganzen Körpers kommt.
Hinterlassen Anfälle Narben im Gehirn?
Die Frage, ob epileptische Anfälle Narben im Gehirn hinterlassen, ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab:
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Akute Auswirkungen eines Anfalls
Während eines epileptischen Anfalls kommt es zu einer massiven Entladung von Nervenzellen. Diese Überaktivität kann zu einer vorübergehenden Störung der Hirnfunktion führen. In der Regel sind diese Störungen jedoch reversibel und hinterlassen keine dauerhaften Schäden.
Langfristige Folgen wiederholter Anfälle
Wiederholte, schlecht kontrollierte epileptische Anfälle können jedoch langfristige Auswirkungen auf das Gehirn haben. Insbesondere bei häufigen oder lang anhaltenden Anfällen besteht das Risiko von:
- Gedächtnisstörungen: Wiederholte Anfälle können die Gedächtnisfunktion beeinträchtigen, insbesondere wenn der Hippocampus, eine für das Gedächtnis wichtige Hirnregion, betroffen ist.
- Kognitiven Beeinträchtigungen: In einigen Fällen können häufige Anfälle zu allgemeinen kognitiven Beeinträchtigungen führen, wie z.B. Konzentrationsschwierigkeiten oderVerlangsamung der Denkprozesse.
- Strukturellen Veränderungen: Studien haben gezeigt, dass wiederholte Anfälle zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen können, wie z.B. einer Verkleinerung bestimmter Hirnregionen oder einer Veränderung der Konnektivität zwischen verschiedenen Hirnarealen.
Narbenbildung (Gliose)
Wenn Hirngewebe geschädigt wird, z.B. durch einen Schlaganfall, eine Verletzung oder eine Entzündung, kommt es zu einer Vermehrung von Gliazellen. Gliazellen sind das Stützgewebe des Gehirns, das die Nervenzellen einbettet und bei der Reizweiterleitung unterstützt. Diese Vermehrung von Gliazellen wird als Gliose bezeichnet und kann als eine Art Narbe im Gehirn angesehen werden.
Gliose kann auch als Folge von wiederholten epileptischen Anfällen auftreten. Die übermäßige Aktivität der Nervenzellen während eines Anfalls kann zu einer Schädigung des umliegenden Gewebes führen, was wiederum die Gliosebildung auslöst.
Auswirkungen von Narben auf die Hirnfunktion
Narben im Gehirn können verschiedene Auswirkungen haben:
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- Funktionsstörungen: Abhängig von der Lokalisation der Narbe kann es zu Funktionsstörungen in den betroffenen Hirnregionen kommen. Beispielsweise kann eine Narbe im Schläfenlappen zu Sprachstörungen oder Gedächtnisproblemen führen.
- Erhöhtes Anfallsrisiko: Narbengewebe kann die elektrische Stabilität des Gehirns beeinträchtigen und so das Risiko für weitere epileptische Anfälle erhöhen. In solchen Fällen kann die Narbe selbst zum Ausgangspunkt für Anfälle werden (epileptogener Fokus).
Diagnose und Behandlung
Diagnose
Die Diagnose von Epilepsie basiert in erster Linie auf der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und der Beobachtung der Anfälle. Wichtige diagnostische Instrumente sind:
- EEG (Elektroenzephalographie): Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann epilepsietypische Veränderungen aufzeigen.
- Bildgebende Verfahren (MRT, CT): Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT) können strukturelle Veränderungen im Gehirn darstellen, wie z.B. Narben, Tumore oder Gefäßmissbildungen.
Behandlung
Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die wichtigsten Behandlungsmethoden sind:
- Medikamentöse Therapie (Antiepileptika): Antiepileptika sind Medikamente, die die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduzieren und so Anfälle verhindern können.
- Chirurgische Therapie: In einigen Fällen, insbesondere wenn die Anfälle auf einen bestimmten Bereich im Gehirn begrenzt sind und medikamentös nicht ausreichend kontrolliert werden können, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, um den epileptogenen Fokus zu entfernen.
- Stimulationsverfahren (Vagusnervstimulation): Bei der Vagusnervstimulation wird ein Schrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins implantiert, der den Vagusnerv am Hals stimuliert. Dieses Verfahren kann bei einigen Patienten die Anfallshäufigkeit reduzieren.
- Lebensstiländerungen: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, der Verzicht auf Alkohol und der Abbau von Stress können ebenfalls dazu beitragen, Anfälle zu vermeiden.
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